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Toni Brunner: Der reine Wahnsinn

Gedankenstrich-Kolumnist Toni Brunner wirft einen Blick auf das aktuelle geopolitische Geschehen. Er fragt sich, welche Rolle die Schweiz darin spielt – und sagt, welche sie spielen sollte.
Tagblatt-Kolumnist Toni Brunner. (Bild: Michel Canonica)

Gut, leben wir im Jahr 2026 in Ebnat-Kappel, Jonschwil, Gossau, Tübach, Diepoldsau, Grabs, Flums und Rapperswil. Gut, weil die Welt um uns herum grad verrückt spielt.

Donald Trump und die USA sind mit dem Iran beschäftigt. Ein gröberes Problem, dass sich hier Trump eingehandelt hat. Krieg erfordert eine Strategie. Die ist leider nicht erkennbar. Wenn die Mullahs weiterregieren, ist keinem Iraner und keiner Iranerin geholfen. Die ganze Übung für die Katz.

Vladimir Putin und Russland sind in einem «gefühlt» ewigen «Bruderkrieg» gegen die Ukraine. Es geht auch nach über vier Jahren nicht wie von den Russen gewünscht vorwärts, es ist mehr ein Treten vor Ort. Immerhin kann die einheimische Ölwirtschaft aufatmen. Die USA werden künftig den Krieg gegen die Ukraine mit vermehrten Öl- und Gasimporten aus Russland am Schmieren halten.

Ursula von der Leyen und Europa, mittendrin und nirgends dabei. Der deutsche Bundeskanzler Merz versucht mit Trump im Gespräch zu bleiben, wirklich verstehen tun sie sich aber nicht. Der französische Präsident Macron wurde von US-Präsident Trump noch nie ernst genommen und der britische Premier Keir Starmer ist eh schon abgeschrieben. Europa schaut zu und macht eine ratlose Miene zum bösen Spiel.

Xi Jinping, der chinesische Staatspräsident, lehnt sich derweil zurück und amüsiert sich ob den anderen Grossmächten, die aktuell ihre Ressourcen andersweitig verschleudern und geschwächter denn je wieder in Erscheinung treten werden. Er weiss, die Zukunft gehört China.

Die Schweiz unterschreibt Unterwerfungsverträge in Brüssel, hofiert Donald Trump und weiss nicht so recht, wie man mit Russland umgehen soll.

Jetzt stellen sie sich mal folgendes vor: Die Schweiz wäre neutral, beobachtet die USA im Iran (sie hat immerhin noch ein Schutzmachtmandat im Iran und spielt bei der Vermittlung dieser zwei Länder keine unwesentliche Rolle), bezieht keine Stellung, weil es schlicht nichts bringt und bewirkt.

Stellen sie sich vor, die Schweiz würde den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zur Kenntnis nehmen, unabhängig von der EU ihre guten Dienste zur Verfügung stellen und würde ansonsten schweigen.

Stellen sie sich vor, die Schweiz wäre ernsthaft neutral, hält sich aus allen Kriegswirren heraus, wertet nicht, urteilt nicht, macht nichts.

Stellen sie sich vor, in welche unglaubliche Lage sich die Schweiz als Vermittlerin, als Friedenstifterin und als Hort der Freiheit etablieren könnte.

Stellen sie sich vor, wie es wäre, wenn die Schweizer Politiker nicht auf die Idee kommen würden, wir müssten der Nato beitreten.

Wir müssten plötzlich keine zusätzlichen Mehrwertsteuerprozente für die Aufrüstung für die Armee propagieren. Gesagt wird: Im Bündnisfall würde die Nato unser Land verteidigen. Nicht gesagt wird, dass zuerst Särge mit jungen Schweizer Soldaten aus dem Ausland zu uns heimkehren würden. Aus Lettland, Litauen, Estland, aus der Türkei und Zypern. Leider tot und nicht lebendig. Waagrecht im Sarg und nicht senkrecht stolz. Weil der Bündnisfall heisst nicht nur nehmen, auch geben.

Halten wir also unseren Geist wach. Es ist noch nicht zu spät.

 
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