Regierung erhöht Taxpunktwert für physiotherapeutische Leistungen um 3 Rappen
Die Verhandlungen zwischen dem Liechtensteinischen Krankenkassenverband (LKV) und dem Physiotherapeuten-Verband Fürstentum Liechtenstein (PVFL) führten zu keinem Ergebnis. Weil sich die Tarifpartner nicht einigen konnten, legte die Regierung den Tarif nun gestützt auf das Krankenversicherungsgesetz (KVG) hoheitlich fest. Sie hebt den Taxpunktwert per Verordnung von 0.98 auf 1.01 Franken an. Der Beschluss gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 und ist bis Ende des Jahres befristet. Der Berufsverband hatte zuvor 1.29 Franken gefordert.
PVFL-Vorstand will sich erst gemeinsam beraten
Mit dem Entscheid der Regierung steigt der Taxpunktwert nun also um drei Rappen. Doch reicht das den Physiotherapeuten? PVFL-Vorstandsmitglied Angelika Gassner wollte den Regierungsentscheid vom Dienstag auf Anfrage vorerst nicht inhaltlich kommentieren. Sie kündigte an, das weitere Vorgehen zuerst mit den Mitgliedern des Verbandsvorstands abzusprechen. Wie die Regierung schreibt, hat sie ihre Entscheidung durchaus auf betriebswirtschaftliche Berechnungen gestützt. Sie verglich die Löhne mit dem Bruttomedianlohn ostschweizerischer Therapeuten und bezog das tatsächlich verfügbare Nettoeinkommen in Liechtenstein mit ein. Laut Regierung trägt der festgesetzte Wert den Kosten einer wirtschaftlich geführten Physiotherapiepraxis Rechnung und berücksichtigt gleichzeitig die Anforderungen an eine zweckmässige und wirtschaftliche Leistungserbringung im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Die Tarifpartner seien nun gefordert, ihre Pflicht wahrzunehmen und bis Ende des Jahres eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Befristung wegen Lage in der Schweiz
Bei der Beurteilung der aktuellen Tarifsituation hat die Regierung auch berücksichtigt, dass sich das Tarifsystem für physiotherapeutische Leistungen in der Schweiz derzeit in einer Übergangsphase befindet. Dem Schweizerischen Bundesrat liegt derzeit eine neue Tarifstruktur zur Genehmigung vor. Es sei davon auszugehen, dass auch die heutigen Taxpunktwerte in der Schweiz überprüft beziehungsweise angepasst würden. Vor diesem Hintergrund hat sich die Regierung entschieden, die Verordnung zeitlich befristet zu erlassen. Sobald Klarheit über das Schweizer System herrscht, will die Regierung prüfen, ob Liechtenstein seine Tarife erneut anpassen muss.
Fronten blieben bis zuletzt verhärtet
Die Vorstellungen der beiden Lager lagen weit auseinander. Der PVFL hatte den Tarifvertrag im Mai 2025 gekündigt. In einem offenen Brief an Politik und Regierung vom 31. August bekräftigten die Therapeuten ihre Forderung nach einem Taxpunktwert von 1.29 Franken rückwirkend auf Anfang 2026. Der Verband rechnete vor, dass die Realeinkommen seit 2015 bei steigender Teuerung und früheren Kürzungen um 24,2 Prozent gesunken seien. Ohne wirtschaftliche Tarife drohe Praxen das Aus oder der Rückzug aus der Grundversicherung.
Der Krankenkassenverband lehnte den geforderten Wert von 1.29 Franken hingegen strikt ab. Er warnte vor Mehrkosten von rund zwei Millionen Franken pro Jahr, die allein die Versicherten über höhere Prämien tragen müssten. Er verteidigt zudem den aktuellen Tarif.
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