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Ein Präsident sieht rot: So berserkerte sich Trump durch den Nato-Gipfel

Von der angestrebten Harmonie blieb nicht viel übrig: US-Präsident Donald Trump brachte das grosse Nato-Treffen in der Türkei mit öffentlichen Attacken auf Verbündete durcheinander.
Ihn hat er am Vortag noch speziell kritisiert: US-Präsident Donald Trump mit dem britischen Premierminister Keith Starmer. (Bild: EPA/Keystone)

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein Talent für rhetorische Fehlgriffe: Erst vor ein paar Tagen erntete er viel Spott für sein Lob der deutschen Fussball-Elf, nachdem diese gegen Paraguay so früh aus der WM ausgeschieden war. Am Mittwoch nun sprach Merz zum Auftakt des Nato-Gipfels in der Türkei vom guten «Geist von Ankara», der die Verteidigungsallianz «stärker und geschlossener» machen werde.

Wirklich? In der Öffentlichkeit zumindest entstand genau das gegenteilige Bild. Schuld daran hat Donald Trump.

Schon bei seinem ersten Auftritt am Morgen an der Seite des Nato-Generalsekretärs Mark Rutte setzte der US-Präsident zu einem eigentlichen Wutausbruch an. Das Iran-Abkommen? Beendet. Warum? Weil man mit dem «Abschaum» und den «Lügnern» in Teheran keine Geschäfte machen könne. Die iranischen Mullahs seien «verrückt» und Verhandlungen mit ihnen eine «Zeitverschwendung».

Grönland Trauma ist zurück

Aber auch gegenüber seinen Nato-Alliierten hielt sich Trump nicht zurück. Zuallererst kam Spanien dran. Die Spanier seien «furchtbare Verbündete», «schlechte Menschen» sogar. Sie würden nichts in der Nato bezahlen und hätten ihm die Gefolgschaft bei Iran verwehrt. «Es ist zwecklos. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben», sagte Trump und gab seinem anwesenden Finanzminister Scott Bessent die Order: «Beende jeglichen Handel mit Spanien. Umgehend.» Wie das bewerkstelligt werden soll, bleibt freilich unklar. Als Teil der EU kann Trump Spanien beim Handel nicht einzeln sanktionieren.

Das zweite Thema, an dem sich Trump aufrieb, war Grönland. Für die Nato-Allianz sind Trumps Gelüste nach der Arktisinsel hochexplosiv. Als Trump Anfang Jahr die Anwendung von militärischer Gewalt nicht ausschliessen wollte, herrschte akute Krisenstimmung. Dänemark bereitete seine Soldaten ernsthaft auf eine militärische Auseinandersetzung mit Amerika vor.

Jetzt erneuerte Trump seinen hochbrisanten Besitzanspruch. «Grönland bringt Dänemark nichts. Die USA sollten es kontrollieren», sagte Trump. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen wies dies scharf zurück. «Dänemark wird jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen, inklusive unseres eigenen», sagte sie.

Unbekannt ist, was Nato-Generalsekretär Rutte durch den Kopf ging, der während Trumps Einlassungen direkt an seiner Seite sass. Wo er konnte, schaltete er sich moderierend ein. Zu Iran sagte er, dass er um Trumps Enttäuschung über gewisse Alliierte wisse. Aber zum Bild gehöre auch dazu, dass 5000 Flüge für den Iran-Krieg von US-Luftwaffenbasen in Europa abgehoben hätten. Spanien habe im vergangenen Jahr grosse Fortschritte gemacht und seine Verteidigungsausgaben stark gesteigert.

Bei Grönland erinnerte er daran, dass man am Weltwirtschaftsforum in Davos einen «Deal» gefunden habe, der darin bestehe, dass die USA jederzeit ihre Basen ausbauen könnten. Trump schien wenig beeindruckt. Seine Laune war und blieb offenbar für diesen Tag entschieden schlecht. Zumindest öffentlich.

Ukraine bekommt Patriot-Lizenz

Hinter verschlossenen Türen soll der US-Präsident hingegen viel konzilianter aufgetreten sein, ganz zur Verwunderung aller Beteiligten. Das Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski lief offensichtlich gut und endete für Kiew sogar mit einem beträchtlichen Zugeständnis. Trump kündigte an, der Ukraine die Erlaubnis zu geben, selbst Patriot-Flugabwehrraketen zu bauen. Das ist eine Überraschung und eine gute Nachricht für die Ukraine, die unter einem notorischen Mangel an Luftabwehr leidet.

Eine weniger gute Nachricht, zumindest aus der Sicht Israels, ist Trumps in Aussicht gestellte Zustimmung, der Türkei F-35-Kampfjets zu verkaufen. Etwas, auf das Ankara schon lange hofft und drängt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte Trump verschiedentlich, zuletzt am Dienstag. Die türkische Regierung sei ein von der Muslimbruderschaft durchsetztes Regime, dem man nicht trauen könne. Erhielte die Türkei F-35-Jets, würde sich das Gleichgewicht im Nahen Osten verschieben.

Tatsächlich hat sich das Verhältnis zwischen Israel und der Türkei in letzter Zeit rapide verschlechtert. Im Juni verglich Erdogan Netanjahu wegen seines Vorgehens im Gazastreifen mit Hitler. Vergangene Woche bezeichnete der türkische Aussenminister Hakan Fidan Israel als «gemeinsames Problem der Menschheit», das man nicht mehr länger tragen könne.

 
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