Hupkonzerte auch mitten in der Nacht? Was für Fans an dieser WM erlaubt ist
Ein Tor, der Sieg, welch Ekstase! Jubel dringt aus geöffneten Wohnzimmerfenstern, Gegröle vom Public Viewing um die Ecke, und gleich darauf fahren hupende Autos im Schritttempo durch die Strassen. Während die einen sich fahnenschwenkend aus dem Autofenster lehnen, fragen sich die anderen, die gerne weiterschlafen würden: Dürfen die das eigentlich?
Wegen der Zeitverschiebung finden viele für die Fussballfans hierzulande interessante Spiele spätabends oder gar in den frühen Morgenstunden statt. Damit sich Fans und Nachtruhe einigermassen vertragen, mahnte die Polizei vielerorts schon im Vorfeld der WM zu Vernunft und gegenseitigem Verständnis.
Freuen dürfen sich die Fans aller Nationen selbstverständlich zu jeder Uhrzeit, aber wie und wie laut? Wir haben bei verschiedenen Kantonspolizeien nachgefragt, wie hart sie durchgreifen werden.

Polizeien: Tolerant aber konsequent
«Eins schon mal vorweg», schreibt etwa die Kantonspolizei St.Gallen in einer Medienmitteilung. Sie sei während der WM «grosszügiger als sonst». Aber: Das Feiern eines gewonnenen Spiels dürfe keine Personen gefährden oder belästigen. Und: «Hupkonzerte sind grundsätzlich verboten.» Lautes Feiern dulde die Polizei «bis eine Stunde nach Spielende, maximal jedoch bis Mitternacht». Sie sei «im Kleinen tolerant, im Grossen konsequent». Auch bei der Polizei würden Fussballfans arbeiten. Trotzdem gebe es Regeln, die sie durchsetzen müsse.
Bei der Kantonspolizei Solothurn klingt es ähnlich. «Hupen als Freudenausdruck ist gesetzlich verboten», schreibt sie. Sie toleriere Autokorsos aber unmittelbar nach den Matches, solange niemand gefährdet oder lärmbelästigt werde. Sicherheit, Nachtruhe und der Verkehrsfluss müssen gewährleistet sein. Nahe von Spitälern, Altersheimen oder Kliniken ist Lärm verboten. (Die Nachtruhe dauert in der Schweiz je nach Kanton von 22 bis 6 oder 7 Uhr.)
Die Kapo Thurgau schreibt, sie sei «so tolerant wie möglich, so konsequent wie nötig». Die Luzerner Polizei wird «präsent sein und intervenieren, wenn es überborden sollte». Aargauer Kantonspolizisten setzen auf die Devise, nach welcher «Sicherheit vor Ordnung» kommt. In Basel-Stadt wird das Gesetz «wie gewohnt situationsgerecht» durchgesetzt.
Das meiste, was die Kantonspolizeien schreiben, deckt sich sinnigerweise: «Augenmass», «Verhältnismässigkeit», «Nulltoleranz bei Sicherheit», «Feierlichkeiten bis eine Stunde nach Spielende». Die Liste dessen, was verboten ist, ähnelt sich auch. Die Polizei verzeigt grundsätzlich Personen, die ...
- ... sich aus dem Auto rauslehnen.
- ... Gegenstände aus dem Auto raushalten oder rauswerfen.
- ... Fahnen oder Gegenstände auf dem Autodach befestigen.
- ... sich auf dem Dach oder der Haube eines fahrenden Autos befinden oder jemanden so mitfahren lassen.
- ... unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fahren.
- ... mit überhöhter Geschwindigkeit fahren.
- ... mehr Menschen als vorgesehen im Auto mitführen.
- ... die Nachtruhe stören, andere Personen belästigen.
- ... Sachen beschädigen und Körperverletzung oder andere Tätlichkeiten begehen.
Kroatien-Fans müssen wachbleiben, Türkei-Fans früh auf
In der Gruppenphase finden die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft am 13., 18. und 24. Juni statt, jeweils um 21 Uhr unserer Zeit. Der Abpfiff wird jeweils kurz vor Mitternacht ertönen.
Besonders spannend könnte das Spiel am 18. Juni gegen Bosnien-Herzegowina werden, zumindest was Hupkonzerte und Autokorsos mitten in der Nacht betrifft. Die beträchtliche bosnische Diaspora wird es sich nicht nehmen lassen, die Freude in ihren Fussball-Herzen in mindestens gleichem Mass in die Strassen zu schütten, wie die Schweiz-Fans es tun.
Auch die beiden anderen Gruppenspiele der bosnischen Nationalmannschaft werden um 21 Uhr unserer Zeit angepfiffen. Besser dran sind etwa das spanische und das portugiesische Team, die in der Schweiz ebenfalls viele Mitfieberer zählen. Zwei der Spanien-Spiele beginnen um 18 Uhr, zwei der Portugal-Spiele um 19 Uhr. So bleibt den Fans hierzulande mehr als genügend Zeit, bis in den Abend zu feiern.
Schlechter als die Schweiz und Bosnien-Herzegowina stehen Kroatien und die Türkei da. Kroatien-Fans müssen lange aufbleiben (Anpfiffe um 22 Uhr, 1 Uhr und 23 Uhr), und Türkei-Fans müssen unangenehm früh aufstehen (6, 5, und 4 Uhr).
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