Koks im Job: In diesen Branchen wird am meisten Kokain konsumiert
Der Koch, der eine Linie zieht, um auch nach einem langen Tag in der Küche jede Bestellung pünktlich auf den Teller zu bringen. Oder der Gerüstbauer, der kokst, um auf der Baustelle leistungsfähiger zu sein: Kokain wird längst nicht nur auf schummrigen Nachtklub-Toiletten konsumiert.
Die Stiftung Sucht Schweiz zeigt in einem neuen Bericht auf, in welchen Berufsgruppen der Kokainkonsum besonders stark verbreitet ist. Die Autoren stützen sich dabei auf internationale Studien, aber auch auf Gespräche mit diversen Fachpersonen aus der Schweiz.
Kokain wird immer beliebter
Kokain ist nach Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Sucht Schweiz verweist auf die letzte Gesundheitsbefragung des Bundes von 2022. Ein Prozent der Befragten gab an, in den letzten zwölf Monaten gekokst zu haben. Wobei man aufgrund von Abwasseranalysen davon ausgeht, dass die tatsächliche Zahl der Konsumierenden noch höher ist.
Besonders seit 2015 nehme der Konsum stark zu. Ebenso stieg die Reinheit der Droge. Die Folgen: Immer mehr Süchtige, die behandelt werden müssen. Und eine Zunahme der Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Männlich, jung, gestresst
Nebst jenen, die Kokain nur gelegentlich – häufig am Wochenende – konsumieren, gibt es eine andere Gruppe, die zwar kleiner ist, aber insgesamt viel mehr konsumiert. Es handelt sich um Personen, die die Droge konsumieren, um bei der Arbeit mehr Leistung zu bringen oder besser mit Leistungsdruck umgehen zu können. Vor allem Männer, insbesondere zwischen 18 und 34 Jahren, sind laut dem Bericht betroffen.
Dementsprechend ist Kokain besonders in Branchen mit hohem Männeranteil und starkem Leistungsdruck verbreitet. Lange oder unregelmässige Arbeitszeiten, ausgeprägte Gruppendynamik oder arbeitsbezogene Unsicherheit sind laut Experten Faktoren, die den Kokainkonsum begünstigen. Besonders betroffen seien die Gastrobranche sowie das Baugewerbe. Arbeitnehmer würden Kokain nehmen, um wacher, durchhaltefähiger oder selbstsicherer zu sein. Auch in der Kunst- und Unterhaltungsbranche ist Kokain laut Studien verbreitet.
Risikobewusstsein ist gering
Der Bericht hält fest, dass es aufgrund dieser Ausgangslage schwierig ist, die Betroffenen mit Präventionsangeboten zu erreichen. Allgemeine Kampagnen dürften nur wenig bringen, vielmehr brauche es gezielte Massnahmen für spezifische Berufsgruppen. Diese sind nötig, wie Aussagen von Fachpersonen zeigen. Viele Kokain-Konsumierende wüssten erschreckend wenig über die gesundheitlichen Risiken der Droge.
Die Stiftung Sucht Schweiz hat den Bericht im Auftrag der Stiftung Jobema durchgeführt, die sich für suchtkranke Jugendliche und junge Erwachsene einsetzt.
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