­
­
­
­

Berner Ex-Stapi Alexander Tschäppät ist tot

Der ehemalige Berner Stadtpräsident und Nationalrat Alexander Tschäppät ist tot. Der 66-jährige Sozialdemokrat erlag am Freitag einem Krebsleiden. Mit ihm verliert die Bundesstadt einen volksnahen Charismatiker, der ebenso populär wie polarisierend war.
Der verstorbene ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät, wie ihn viele in Erinnerung behalten werden: ein humorvoller, volksnaher Magistrat und selbsterklärter Bern-Fan.
Der verstorbene ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät, wie ihn viele in Erinnerung behalten werden: ein humorvoller, volksnaher Magistrat und selbsterklärter Bern-Fan. (Bild: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE)

Seine Gegner schimpften den geselligen Stadtvater schon mal "Jovialdemokrat" oder "Cüpli-Sozialist". Seine Fans hingegen liebten ihn für seine Schlagfertigkeit, seinen Humor, aber auch für sein politisches Gespür.

Für Tschäppät war Bern stets "die schönste Stadt der Welt", wie der selbst deklarierte "Bern Fan" bei seinen zahlreichen öffentlichen Auftritten nicht müde wird zu betonen. Und das wirkte nicht einmal aufgesetzt - war er doch seit frühster Jugend in der Bundesstadt verwurzelt.

Nach fast 20 Jahren als Gerichtspräsident in Bern wurde er 2001 in den Gemeinderat gewählt. Dort übernahm er zunächst die Direktion für Planung, Verkehr und Tiefbau. 2005 folgte die Wahl zum Stadtpräsidenten. Tschäppät trat damit in die Fussstapfen seines Vaters Reynold, Berns Stadtpräsident 1966 bis 1979.

Tschäppät war zudem von 1991 bis 2003 ein erstes Mal Mitglied des Nationalrats. 2011 verpasste er die Wiederwahl und konnte erst nachrutschen als sein Bieler Parteikollege Hans Stöckli in den Ständerat wechselte. Bis zu seinem Tod war Tschäppät Mitglied der Grossen Kammer.

Plätze, Feste und Lebensqualität

Als Berner Stadtpräsident heimste Tschäppät etwa Lorbeeren ein für die Umgestaltung des Bundesplatzes, für die die Fussball Europameisterschaft 2008 in Bern, für den Baldachin über dem Bahnhofplatz oder für das Zentrum Paul Klee.

Doch Tschäppät sah sich auch mit Niederlagen und Kritik konfrontiert. Im bürgerlichen Lager galt er als "Laisser-faire-Politiker". Im Nationalrat glänzte er bisweilen eher durch Abwesenheit.

Auch Tschäppäts Hang zur Selbstdarstellung drückte bisweilen durch. So leistete er sich den einen oder anderen handfesten Skandal. Googlen kann man etwa Suchbegriffe wie "Christoph Blocher Motherfucker" oder "Italienerwitze".

Doch die Bernerinnen und Berner verziehen ihrem "Stadtvater" die Ausrutscher immer wieder. Denn keiner vermittelte bernisches Lebensgefühl besser und mit mehr Witz und Schalk als er. (sda)

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Abo

Fiat-Erbe zog heimlich nach Luzern: «Der Vierwaldstättersee macht uns glücklich»

Lapo Elkann ist Designer und Spross der wohl berühmtesten Industriellenfamilie Italiens. Im Interview spricht er über seine neue Heimat, seine bewegte Vergangenheit – und darüber, wie ihn seine Frau Disziplin gelehrt hat.
28.03.2026
AboAbstimmung am 8. März

Das Heiraten soll in der Schweiz künftig nicht mehr «bestraft» werden

Befürworter sehen in der Vorlage einen Fortschritt, Gegner warnen vor einem höheren administrativen Aufwand.
27.02.2026
AboVon 180 auf 160 Prozent

Mauren senkt Steuerfuss früher als geplant 

Der Gemeinderat beschloss einstimmig eine Senkung auf 160 Prozent. Man will ein Signal an die Bevölkerung senden, begründete Vorsteher Peter Frick. Ein gewisser «Balzers-Effekt» spielt auch mit.
03.12.2025

Wettbewerb

Vaterland Online verlost 10x2 Tageskarten für die «RHEMA»
RHEMA 2024

Umfrage der Woche

Was ist Ihnen an Ostern am wichtigsten?
­
­