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Vom «Sauhaufen» zum «Tal der Generäle»: Die Offiziersgesellschaft Toggenburg sieht die Attraktivität der Armee im Jubiläumsjahr wieder steigen

In der Offiziersgesellschaft Toggenburg kann man als junger Leutnant ungezwungen mit Brigadiers und Divisionären verkehren. Oberst a.D. Jürg Gygax und Major Rafael Eggenberger über die Geschichte des Vereins und warum «Weitermachen» heute wieder populärer sei.
Der Nesslauer Divisionär Willy Brülisauer bei einem Rapport in der Olmahalle. Auch er ist Mitglied der Offiziersgesellschaft Toggenburg. (Bild: Benjamin Manser)
Oberst a.D. Jürg Gygax organisiert das Jubiläum der Offiziersgesellschaft Toggenburg. (Bild: zvg)
Der Mosnanger Brigadier Baumgartner gratuliert an einer Beförderungsfeier im Jahr 2024 einem frischgebackenen Leutnant. (Bild: José R. Martinez)
Das OK des Jubiläumsprogramms bei der Kaiserlinde in Kirchberg: Damian Näf, Edi Zekaj, Markus Hobi, Daniel Strässle, Simon Seiler, Ueli Weber, Jürg Gygax, Markus Näf, Willy Brülisauer, Rafael Eggenberger, Pascal Kopp und Jakob Kuster (von links). (Bild: zvg)
Der Chef der Armee Korpskommandant Benedikt Roos an einer Pressekonferenz im März. Am 20. März spricht er an der Jubiläumsversammlung der Offiziersgesellschaft Toggenburg im Rössli Tufertschwil. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)
Rafael Eggenberger, Präsident der OGT. (Bild: zvg)

«Die Toggenburger waren gute Infanteristen und Scharfschützen. Von Artillerie hingegen hatten sie keine Ahnung. Und von Dienst allgemein auch nicht. Ein Sauhaufen.» Mit einem Augenzwinkern erläutert Oberst a.D. Jürg Gygax den Hintergrund der Gründung der Offiziersgesellschaft Toggenburg (OGT) kurz vor Weihnachten 1851 in Wattwil.

Dieses Jahr feiert die OGT ihr 175-jähriges Bestehen. Beim Gespräch in der Redaktion erklären Gygax und OGT-Präsident Major Rafael Eggenberger Geschichte und Gegenwart des traditionsreichen Vereins. Gygax präsidiert das Organisationskomitee der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Oberst a.D. Jürg Gygax organisiert das Jubiläum der Offiziersgesellschaft Toggenburg. (Bild: zvg)

Der ursprüngliche Zweck der OGT sei die Harmonisierung und Verbesserung der militärischen Ausbildung im Gebiet zwischen Wattwil und Wildhaus gewesen. Dasselbe Ziel hatte schon 1779 bei der Gründung der Helvetisch-Militärischen Gesellschaft im Vordergrund gestanden. Diese war die Vorläuferin der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, der Dachgesellschaft aller Offiziersgesellschaften.

«Das Netzwerk und die Pflege von Beziehungen stehen heute im Vordergrund», sagt der Jüngste in der Runde, Rafael Eggenberger. Doch auch gesellschaftliche Aktivitäten stehen im Jahresprogramm, darunter Familienanlässe, Truppenbesuche und eine Schneeschuhwanderung mit anschliessendem Raclette-Essen.

Vom 21- bis zum 84-Jährigen

In der Offiziersgesellschaft spiele der Dienstgrad keine Rolle, sagt Raffael Eggenberger. Besonders rangniedere Offiziere würden dies schätzen. Im Rahmen der Offiziersgesellschaft könne so etwa ein Leutnant ungezwungen mit einem Brigadier plaudern.

Das kann man wirklich in der OGT. Mitglieder mit Sternen an der Uniform sind etwa der in Brunnadern aufgewachsene Brigadier Markus Näf, der Mosnanger Brigadier Peter Baumgartner und Divisionär Willy Brülisauer aus Nesslau. Ranghöchstes Mitglied ist Korpskommandant a.D. Hans-Ulrich Scherrer, der von 1998 bis 2002 Generalstabschef der Schweizer Armee war.

Der Mosnanger Brigadier Baumgartner gratuliert an einer Beförderungsfeier im Jahr 2024 einem frischgebackenen Leutnant. (Bild: José R. Martinez)

Nicht umsonst sei das Toggenburg auch als «Tal der Generäle» bekannt, sagt Jürg Gygax. Die Bezeichnung ist freilich nicht ganz ernst zu nehmen, wird doch in der Schweiz nur im Kriegsfall ein General ernannt.

Vom 21-jährigen Leutnant bis zum 84-jährigen Hans-Ulrich Scherrer seien in der OGT alle Altersklassen vertreten, sagt Rafael Eggenberger. Der Frauenanteil liege bei etwas mehr als zehn Prozent. Die Tendenz zeige nach oben.

Eine Offizierslaufbahn galt zur Zeit des Kalten Kriegs auch als Karriereboost im Zivilen. «Gold am Hut tut der Karriere gut», hiess es. Vor zwanzig Jahren hingegen galt das «Weitermachen» karrieretechnisch für viele nur als Klotz am Bein. Auch das hat sich gemäss Gygax und Eggenberger wieder geändert.

Das OK des Jubiläumsprogramms bei der Kaiserlinde in Kirchberg: Damian Näf, Edi Zekaj, Markus Hobi, Daniel Strässle, Simon Seiler, Ueli Weber, Jürg Gygax, Markus Näf, Willy Brülisauer, Rafael Eggenberger, Pascal Kopp und Jakob Kuster (von links). (Bild: zvg)

Um wieder attraktiver zu werden, habe die Armee einiges verändern müssen, sagt Gygax. «Für die heutigen Jungen ist es enorm wichtig, dass sie einen Sinn sehen in dem, was sie tun.» Darum sei bei der Armee in den letzten Jahren stark an der Sinnvermittlung gearbeitet worden. Auch seien die Startzeiten für die Ausbildungen modernisiert worden, sodass sie heute besser vereinbar mit Studium und Beruf seien. Zudem könnten Offizierslehrgänge in gewissen Studiengängen als Führungsmodule angerechnet werden.

Der Chef der Armee Korpskommandant Benedikt Roos an einer Pressekonferenz im März. Am 20. März spricht er an der Jubiläumsversammlung der Offiziersgesellschaft Toggenburg im Rössli Tufertschwil. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Doch die Motivation der jungen Erwachsenen sei nur ein Aspekt. «Es musste etwas gehen. Auch die Industrie hatte keine Freude mehr an Arbeitnehmern, die weitermachen», sagt Gygax. Heute werde das, was Offiziere in den Lehrgängen lernen, wieder mehr geschätzt.

Das Toggenburg liefert zuverlässig Offiziere

Rafael Eggenberger ist selbst Partner in einem Anwaltsbüro. Wenn er bei der Rekrutierung eines neuen Mitarbeitenden auswählen könne, würde er immer den Offizier nehmen, sagt er. «Wer weitergemacht hat, musste durch etwas durch», so Eggenberger. Und sei deshalb oft bereit, mehr zu leisten.

Rafael Eggenberger, Präsident der OGT. (Bild: zvg)

Für junge Dienstpflichtige sei die Armee und eine Offizierskarriere wieder attraktiver geworden. Nach 1990, sprich nach dem Mauerfall und dem Ende der Sowjetunion, sei das Militär auf der gesellschaftlichen Prioritätenliste ebenso nach unten gerutscht wie auf der politischen, erinnert sich Gygax.

Im Lauf der Jahre, zuletzt beschleunigt durch die russische Invasion in der Ukraine, habe das Interesse an der Armee wieder stark zugenommen. Im «Tal der Generäle» indes sei das Interesse über die Jahre stabil geblieben. Wie in den Vorjahren stellte das Toggenburg auch 2025 sechs neue Offiziere.

Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm der Offiziersgesellschaft Toggenburg finden sich auf www.og-toggenburg.ch.

 
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