Ein Bundesrat jasst neutral
Treffen sich ein Wuppenauer, ein Amriswiler und ein Bundesrat im Simmental. Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, fand vergangenen Donnerstag aber tatsächlich statt. Zwei Tage vor dem 1. August duellierten sich die Thurgauer Gemeinden am «Donnschtig-Jass» im Simmental. Die Wuppenauer hatten sich zwei Jahre auf diesen Moment vorbereitet und sogar ein Schlachtlied von der berüchtigten Komponistin Künstliche Intelligenz schreiben lassen: «Mir händ än Traum. Donnschtig-Jass in Wuppenau!»
Etwas spät, aber noch rechtzeitig, stiess auch Bundespräsident Guy Parmelin zur Thurgauer Belagerung dazu. Er tat, was ein Bundesrat eben tut: Er spielte den Diplomaten. «Da ich beide Gemeinden nicht persönlich kenne, werde ich für beide mein Bestes geben», sagte er – und jasste gleich mit. Seine Bilanz? Für Wuppenau wie für Amriswil exakt drei Differenzpunkte. Neutraler geht es kaum.
Am Ende gewann Amriswil haushoch. Parmelin blieb gelassen, mischte sich unters Volk und lächelte für die Fotos. Dabei fiel weniger sein breites Grinsen auf als seine rote Kappe. Jene mit der Aufschrift «Switzerland – Great since 1291», die schon an der Fussball-WM neben FIFA-Monarch Gianni Infantino ihren grossen Auftritt hatte. Im Simmental trug Parmelin sie allerdings nicht. Sie lag fein säuberlich auf dem Tisch – fast so, als hätte sie eine eigene Einladung erhalten. Oder zumindest einen festen Platz im Bild.
Vielleicht ist das die eigentliche Stärke des «Donnschtig-Jass». Hier braucht es weder grosse Slogans noch grosse Gesten. Ein Bundesrat, ein Jasstisch und zwei Thurgauer Gemeinden genügen, um die Schweiz zusammenzuhalten.
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