Trump, Wettanbieter, Rassismus: Alain Berset rechnet mit der Fifa ab
Wenige Stunden vor dem Anpfiff des WM-Finals rechnet Alain Berset am Sonntag mit dem Fussballweltverband Fifa ab. Das Turnier habe eine Frage nach der anderen aufgeworfen, schrieb der Generalsekretär des Europarats auf X. In seiner Stellungnahme warnt der frühere Bundesrat vor dem wachsenden Einfluss von Geld und Politik auf den Fussball.
Anlass dazu geben diverse Vorgänge der letzten Wochen. Erstens verweist Berset auf die Rücknahme der roten Karte gegen den US-Spieler Folarin Balogun nach der Intervention «eines Staatsoberhaupts». Donald Trump als Präsident des Gastgeberlandes hatte zuvor den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino angerufen. «Wenn die Regeln unter Druck aufgeweicht werden, ist jedes Ergebnis zweifelhaft», schreibt Berset.
Zweitens stört sich der frühere SP-Politiker daran, dass die Fifa an dieser WM erstmals einen Wettanbieter als offiziellen Partner präsentierte. Es handelt sich um ADI Predictstreet aus Abu Dhabi. Nicht nur Wetten auf die Resultate sind möglich, sondern auch auf Live-Ereignisse wie Eckbälle oder Pässe. Das sei «eine offene Tür für Betrug», warnt Berset.
Drittens erwähnt der 54-Jährige rassistische Erniedrigungen von Spielern, die sogar von gewählten Politikern ausgingen. So beschimpfte eine paraguayische Senatorin den französischen Stürmer Kylian Mbappé in sozialen Medien.
Reformen bis zur nächsten WM gefordert
Berset ruft die Fifa dazu auf, «eine dritte Halbzeit» anzuhängen. Sofort nach dem Turnier brauche es einen konstruktiven Dialog, um die Integrität des Sports zu stärken. Der Generalsekretär des Europarats fordert ein Konzept für die nächste WM im Jahr 2030, die in Spanien, Portugal und Marokko stattfinden wird.
Der Europarat hat seinen Sitz in Strassburg und zählt 46 Mitgliederstaaten, darunter die Schweiz. Die Organisation gilt als Hüterin der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit in Europa.
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