Grosse Worte, keine Fussballfelder: Infantinos Gaza-Versprechen holt die Schweiz ein
«Gott segne den Frieden und Gott segne den Friedensrat»: Mit diesen Worten schloss Fifa-Präsident Gianni Infantino diesen Februar in Washington seine Ansprache vor dem «Board of Peace», das US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufen hatte. Das umstrittene Gremium soll den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas umsetzen und den Wiederaufbau des kriegsversehrten Gazastreifens koordinieren.
Zuvor hatte Infantino den Fussball als Symbol für «Hoffnung, Freude und Glück» bezeichnet. Er kündigte eine «echte Partnerschaft» zwischen der Fifa und dem «Board of Peace» an. In einem KI-generierten Video stellte die Fifa unter anderem den Bau von 50 Kleinfussballfeldern, fünf Grossfeldern, einer Fifa-Akademie und einem «Nationalstadion» mit bis zu 25'000 Plätzen im Gazastreifen in Aussicht. Gesamtsumme der Investitionen: 72,5 Millionen US-Dollar.
Eine gleichentags von Infantino unterzeichnete Absichtserklärung enthielt einen Zeitplan: Innerhalb von drei bis sechs Monaten sollten die 50 Kleinfelder gebaut und Fussbälle an Schulen verteilt werden.
Lokaler Fussballverband weiss von nichts
Sechs Monate sind abgelaufen. Von den vollmundigen Ankündigungen Infantinos wurde bislang keine in die Tat umgesetzt, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtete.

Eine Sprecherin des Palästinensischen Fussballverbands (PFA), zuständig für den Fussball im Westjordanland und im Gazastreifen, erklärte gegenüber der Zeitung, man verfüge über keine offiziellen Informationen zu den Plänen der Fifa und sei «in keiner Weise konsultiert» worden.
Die Fifa verweist auf ein Communiqué, wonach die Umsetzung der Pläne von der Situation vor Ort abhängig sei. In der von Infantino unterzeichneten Absichtserklärung war diese Einschränkung nicht enthalten.
Der nicht eingehaltene Zeitplan und die fehlende Transparenz sind auch mit Blick auf ein Projekt relevant, das von der offiziellen Schweiz unterstützt wird.
Schweiz zahlt an Fifa-Prestigeprojekt
Am 26. November 2025 beschloss der Bundesrat, den von den USA vorgelegten Friedensplan für Gaza mit 23 Millionen Franken an humanitärer Hilfe zu unterstützen. Ein kleiner Teil dieser Gelder war für ein Projekt der Fifa vorgesehen.
In einer ersten Phase werde die Schweiz den Bau von zwei Fussballfeldern im Westjordanland mit 120'000 Franken mitfinanzieren, teilte der Bundesrat mit. Insgesamt sieht das Projekt der Fifa den Bau von zehn Mini-Fussballfeldern in der Region im Lauf des Jahres 2026 vor: Fünf in den besetzten Palästinensergebieten, fünf in Israel. Die Schweiz könnte sich mit insgesamt bis zu 600'000 Franken daran beteiligen, wie das Westschweizer Radio RTS gestützt auf interne Dokumente berichtete.
Fifa-Präsident Infantino zeigte sich in einem Instagram-Post stolz über die Unterstützung durch die Schweizer Regierung. «Wir werden mithelfen, die gesamte Fussballinfrastruktur in Gaza und Palästina wiederaufzubauen», schrieb der Walliser.
Warum unterstützt der Bundesrat in einem Gebiet mit dringendem Bedarf an humanitärer Nothilfe ein Prestigeprojekt des milliardenschweren Weltfussballverbands? Aussenminister Ignazio Cassis sagte bei der Ankündigung letzten November, er habe mit kritischen Fragen gerechnet.
Doch es handle sich um «humanitäre Hilfe pur». Entscheidend sei, konfliktbetroffenen Kindern so schnell wie möglich etwas «Konkretes» zu bieten und ihnen Ablenkung zu ermöglichen.
Das Projekt war selbst im Aussendepartement (EDA) umstritten. Mitarbeitetende warnten intern vor «Risiken für den Ruf der Schweiz», wie RTS im April berichtete. Dennoch hatte die in nur drei Wochen ausgehandelte und unterzeichnete Vereinbarung die volle Unterstützung von Aussenminister Cassis.
Aussendepartement weicht Fragen aus
Seit der Unterzeichnung hat die Fifa keines ihrer für den Gazastreifen angekündigten Projekte realisiert. Gleichzeitig sorgte Infantino während der Männer-WM in Nordamerika und mit gescheiterten Plänen für einen Teilverkauf der Fifa-Turniere an private Investoren für weitere Negativschlagzeilen.
«Schweiz heute» wollte vom EDA wissen, ob der Bund die Zusammenarbeit mit der Fifa weiterhin für richtig hält – oder ob diese der Glaubwürdigkeit der Schweiz und ihrer humanitären Tradition schadet.
Das Aussendepartement beantwortet die Frage nicht. Es hält lediglich fest, dass die Fifa bereits 30 Mini-Fussballfelder in 15 Ländern errichtet habe und könne dank dieser Erfahrung Bau, Ausbildung und nachhaltigen Betrieb sicherstellen. «Eine Zusammenarbeit mit der Fifa in diesem Projekt macht deshalb Sinn», so das EDA. Dieses sei ausserdem nur ein kleiner Teil des Schweizer Massnahmenpakets zuhanden der palästinensischen Bevölkerung.
Während im Gazastreifen weiterhin nichts von den hochtrabenden Fifa-Plänen umgesetzt worden ist, sollen die zwei von der Schweiz mitfinanzierten Mini-Fussballplätze im Westjordanland in den nächsten beiden Monaten eingeweiht werden. Drei weitere Felder in den besetzten Palästinensergebieten seien geplant. Ob eines davon in Gaza gebaut werden könne, sei «Gegenstand weiterer Evaluationen», so das EDA.
Dass die ingesamt zehn geplanten Kleinfeldfussballfelder in den besetzten Gebieten und Israel wie ursprünglich vorgesehen bis Ende Jahr stehen, ist zweifelhaft. Mit Infantinos hochtrabenden Ankündigungen droht auch die Glaubwürdigkeit der Schweiz ins Abseits zu geraten.
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