Zwei Anschläge auf die deutsche Stromversorgung wecken ungute Erinnerungen
Zwei Anschläge, die innert weniger Stunden auf das deutsche Stromnetz verübt wurden, geben den Ermittlern Rätsel auf: Zunächst, am Dienstagmorgen, verursachten Saboteure Kurzschlüsse an einer Höchstspannungsleitung in Turnow-Preilack im Süden Brandenburgs. Einige Stunden später, gegen 21 Uhr, kam es zu einem Kurzschluss in einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln.
Beide Vorfälle lösten in Deutschland ungute Erinnerungen aus, hatten mutmasslich linksextreme Täter doch im Januar die Stromversorgung mehrerer zehntausend Haushalte im Südwesten Berlins für Tage lahmgelegt. Derart weitreichende Folgen blieben nach den beiden jüngsten Sabotagefällen aus.
Die Behörden ermittelten wegen verfassungsfeindlicher Sabotage, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul am Mittwoch über den Bergheimer Vorfall. Darüber, wer hinter den Taten stecken könnte, machten die Ermittler aber noch keine Aussagen.
So schiessen Spekulationen ins Kraut, zumal die deutsche Regierung am Dienstag Russland für einen Drohnenangriff auf ein ukrainisches Frachtflugzeug verantwortlich gemacht hatte, der sich Anfang August auf dem Leipziger Flughafen ereignet hatte. Am Mittwoch berichtete die «Süddeutsche Zeitung», die Ermittler hätten in dem Leipziger Fall Tatverdächtige ausgemacht: einen gebürtigen Russen mit lettischem Pass und einen Weissrussen mit russischer Staatsangehörigkeit.
Ob zwischen den Sabotageakten in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar; allerdings sollen die Abschussvorrichtungen, die in beiden Fällen verwendet wurden, nahezu identisch sein. Dass «eine fremde Macht», etwa Russland, hinter den Vorfällen stecken könnte, erscheint ebenso möglich wie ein linksextremer Hintergrund.
Zu der fiebrigen Stimmung, die das Land angesichts der Ereignisse erfasst hat, trug auch die Explosion einer Handgranate bei, die sich am Mittwochmorgen auf dem Hauptbahnhof im bayrischen Augsburg ereignete; dabei wurden zwei Personen leicht verletzt. Hier vermuten die Ermittler allerdings eher einen Zusammenhang mit organisierter Kriminalität als einen Angriff auf die Infrastruktur. (hfm)
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