In Belgien müssen rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen – jetzt bedroht das Feuer ein deutsches Dorf
Wegen der Ausbreitung eines grossen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt. Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt in der Nacht auf ihrer Webseite mit und rief weitere Bewohner dazu auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Zudem warnte die Stadt vor einer starken Rauchbelastung.

Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt. Bürgern von drei Ortsteilen wurde am frühen Morgen wegen möglicherweise gesundheitsgefährdender Rauchbelastung empfohlen, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen. Die Einwohner und Einwohnerinnen der Ortsteile Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs sollten versuchen, bei Verwandten und Freunden unterzukommen, hiess es.
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschliessen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18.00 Uhr. Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hiess es in der Nacht.
Eine Sprecherin der Stadt sagte der Nachrichtenagentur dpa, betroffen seien rund 5000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmassnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus. Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Feuerwehr wässert Felder
Die Feuerwehr in Monschau beobachtet die Situation an der Grenze intensiv, rechnet aber nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. «Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick», sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. «Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.» Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Bereits einige Stunden vorher hatte die Stadt Monschau die Bewohner einzelner Siedlungen in Kalterherberg und Mützenich aufgerufen, sich auf eine mögliche Räumung einzustellen. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
In Belgien müssen rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen
Laut belgischer Nachrichtenagentur Belga wurden etwa 600 Menschen in zwei belgischen Orten angewiesen, ihre Häuser zu verlassen - wegen des sich rasch ausbreitenden Brandes, wechselnder Windrichtungen und starker Rauchentwicklung. Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren. Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst - was einer Fläche von umgerechnet fast 3800 Fussballfeldern entspricht.
Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Vorsichtiges Aufatmen im Hürtgenwald
Allerdings können die Menschen im Hürtgenwald vorsichtig aufatmen. Die Lage habe sich «deutlich entspannt», teilte der Kreis am Abend mit. Befürchtungen, eine Gewitterfront mit Böen könnte das Feuer neu entfachen, hätten sich nicht bewahrheitet. Zuletzt waren bis zu 1800 Einsatzkräften an der Löschung beteiligt. «Die Lage hat sich gebessert, aber das Feuer ist noch lange nicht aus», sagte ein Sprecher des Kreises Düren der dpa. Unter anderem müssten zahlreiche Glutnester bekämpft werden. Die Löscharbeiten würden voraussichtlich noch mehrere Tage dauern.
Gute Nachrichten für die Bewohner von Gey
Noch am Abend hatten die Behörden entscheiden, dass die Bewohner des Ortsteils Gey in Hürtgenwald in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Die gut 1800 Bewohner hatten zuvor in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes in der Nordeifel das Gebiet verlassen müssen. Die Flammen waren bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt. «Eine aktuelle Gefahr durch den Waldbrand besteht nicht mehr. Es ist gelungen, Gey so zu sichern, dass Flammen nicht auf den Ort übergreifen können», erklärte der Dürener Landrat Ralf Nolten. Es bleibe aber eine «leichte Geruchsbelästigung».
Allerdings würden auch in den nächsten Tagen keine ergiebigen Regenfälle erwartet, die die Löscharbeiten deutlich erleichtert könnten, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes sagte.
Hat ein «Idiot das Feuer verursacht»?
Sobald die Löscharbeiten abgeschlossen sind, dürfte sich auch die Frage nach den Schäden und der Ursache des verheerenden Brandes stellen. NRW-Innenminister Herbert Reul und seine Kabinettskollegin Landwirtschaftsministerin Silke Gorissen (beide CDU) hatten von möglichem menschlichem Fehlverhalten gesprochen. «Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen, einfach irgendwas wegwerfen», hatte Reul gesagt. (dpa)
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