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Zugunglück: 6-Jährige als einzige Überlebende ihrer Familie – Opferzahl steigt auf 42

Eine Sechsjährige überlebt als Einzige ihrer Familie das Zugunglück bei Adamuz. Wie sie zwischen Trümmern umherirrte und was ihre Grossmutter am Bahnhof erlebte. Die Behörden haben mittlerweile 42 Tote bestätigt. Noch immer gelten 43 Menschen als vermisst, die Suche in den Trümmern dauert an.
Am Sonntag war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz mutmasslich mit Tempo 300 entgleist. (Bild: Manu Fernandez)

Im Schicksal eines sechsjährigen Mädchens spiegelt sich das ganze Ausmass der menschlichen Tragödie des schweren Zugunglücks in Spanien wider. Nach dem Zusammenprall von zwei Hochgeschwindigkeitszügen bei der Gemeinde Adamuz irrte die Kleine zwischen den Trümmern herum, bis sie von zwei Ersthelfern in Sicherheit gebracht wurde, wie die spanische Zeitung «El País» berichtete.

Während zunächst noch Hoffnung bestand, dass auch ihre Eltern, ihr zwölfjähriger Bruder und ihr Cousin überlebt haben könnten, gab es später traurige Gewissheit. Sie waren in den Trümmern eines der verunglückten Züge ums Leben gekommen.

Zuerst gab es Hoffnung, auch der Bruder hätte überlebt

Die Grossmutter des Mädchens wartete auf dem Bahnhof von Huelva, wohin der verunglückte Renfe-Zug unterwegs war, auf Nachrichten von ihren Angehörigen. Zeitweise habe es das Gerücht gegeben, auch der Bruder habe überlebt und werde in einem Krankenhaus in Córdoba behandelt. Dabei handelte es sich jedoch um eine Verwechslung, wie die Zeitung schrieb. Die Grossmutter konnte nur noch ihre Enkelin in die Arme schliessen.

Die Familie stammte aus dem Ort Aljaraque und betrieb ein Bekleidungsgeschäft im nahe gelegenen Küstenort Punta Umbría. Sie befanden sich auf dem Rückweg aus Madrid, wo sie ein Fussballspiel von Real Madrid besucht hatten, berichtete die Zeitung weiter. Der Bürgermeister von Punta Umbría, José Carlos Hernández, sagte, der ganze Ort sei «tief erschüttert». Die Familie sei sehr beliebt gewesen.

Bis zu 43 Tote befürchtet

Die Zahl der Todesopfer des schweren Zugunglücks in Spanien ist nach Angaben der Regionalregierung Andalusiens auf 42 gestiegen. Im Laufe des Tages seien drei Leichen aus den Trümmern von Waggons geborgen worden. Die Zahl der als vermisst gemeldeten Personen lag weiter bei 43 und die Suche nach möglichen weiteren Opfern dauerte an. Bei dem Zusammenstoss von zwei Hochgeschwindigkeitszügen waren am Sonntagabend auch Dutzende Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Neun von ihnen würden noch auf Intensivstationen behandelt, teilte die Regionalregierung weiter auf der Plattform X mit.

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Die Behörden baten Familien um DNA-Proben, um die Identifikation zu beschleunigen. Im Fernsehen beklagten Angehörige mangelnde und nur schleppende Informationen über das Schicksal von Vermissten. Die zuständige Justizbehörde in Córdoba teilte mit, bisher seien zehn Todesopfer identifiziert worden. Angaben zur Identität oder Nationalität wurden nicht gemacht.

Am Sonntag war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz mutmasslich mit Tempo 300 entgleist. (Bild: Manu Fernandez)

Experten rätseln noch über die Unfallursache

Die Polizei veröffentlichte ein Video, in dem eine gebrochene Schiene zu sehen war. Verkehrsminister Óscar Puente betonte, es müsse geprüft werden, ob der Schienenbruch Ursache oder Folge des Unfalls sei. Gesicherte Erkenntnisse über den Grund für die Katastrophe könnte es den Angaben zufolge erst in Wochen oder auch Monaten geben.

Das spanische Königspaar reiste zum Unglücksort und traf Angehörige und Rettungskräfte. König Felipe VI. und Königin Letizia waren vorzeitig aus Athen zurückgekehrt, wo sie an der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester der spanischen Altkönigin Sofía, teilgenommen hatten.

Geschwindigkeit für Züge zwischen Madrid und Barcelona gedrosselt

Nach dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens ist die Höchstgeschwindigkeit für Züge auf der wichtigsten Strecke des Landes zwischen Madrid und Barcelona gedrosselt worden. Die Hochgeschwindigkeitszüge dürften vorerst auf einem 150 Kilometer langen Teilstück nicht mehr 300 Kilometer pro Stunde, sondern nur noch 160 fahren, teilte der Netzbetreiber, das Unternehmen Adif, auf Anfrage mit. Zugführer hätten von Unebenheiten in den Schienen berichtet, die nun in der kommenden Nacht untersucht werden sollten.

Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen einige Zugführer auf dieser Strecke schon am Montag freiwillig langsamer gefahren sein, um ihren Unmut über den Zustand der Gleise auszudrücken. Die Fahrtzeit von sonst zweieinhalb Stunden für die mehr als 650 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Metropolen verlängere sich durch die von Adif angeordnete Beschränkung um mindestens etwa 30 Minuten, berichteten die spanischen Zeitungen «La Vanguardia» und «El País». (dpa)

 
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