Feuerwalze an der Atlantikküste – 10’000 Touristen fliehen vor den Flammen
Eine Feuerwalze frisst sich durch die Kiefernwälder westlich von Bordeaux. Dichter Rauch verdunkelt den Himmel, Flammen leuchten in der Nacht über dem Ferienort Le Porge, während sich das Feuer weiter in Richtung Lège-Cap-Ferret ausbreitet. An der französischen Atlantikküste müssen tausende Touristen ihre Unterkünfte verlassen.
Das Feuer ist am Mittwochmittag bei Saumos ausgebrochen, rund 50 Kilometer westlich von Bordeaux. Der Ort liegt im waldreichen Hinterland der Atlantikküste. Von dort bewegten sich die Flammen zunächst nach Westen in Richtung Le Porge und anschliessend weiter nach Südwesten auf Lège-Cap-Ferret zu. Die beiden Ferienorte liegen nur wenige Kilometer vom Wasser entfernt. In der Küstenregion befinden sich zahlreiche Campingplätze und Ferienanlagen.
Nach Angaben der Präfektur sind bis Donnerstagmorgen rund 2000 Hektaren betroffen. Das entspricht etwa 2800 Fussballfeldern. Rund 10’000 Touristen aus acht Ferienzentren und drei Campingplätzen werden vorsorglich evakuiert. Die Gendarmerie begleitet die Evakuierungen und sichert die verlassenen Anlagen. Hinzu kommen etwa 1000 Bewohnerinnen und Bewohner gefährdeter Orte. Neun Gemeinden richteten Notunterkünfte ein, in denen mehr als 2500 Evakuierte unterkamen. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden bislang niemand.
Etwa 500 Feuerwehrleute kämpfen mit 150 Einsatzfahrzeugen gegen die Flammen. Am Mittwochabend waren zudem vier Löschflugzeuge im Einsatz, weitere Maschinen sollten in die Region verlegt werden. Die Präfektur bezeichnete die Lage am Donnerstag weiterhin als ungünstig. Bereits seit vor Ausbruch des Brandes gilt in der Gironde die zweithöchste Warnstufe. Offenes Feuer und Rauchen sind in Wäldern und deren Umgebung verboten. Mehrere Hitzewellen haben die Vegetation stark ausgetrocknet. Präfektin Sophie Brocas zufolge sind neun von zehn Brandausbrüchen menschlichen Ursprungs.
Hat eine Maschine den Brand ausgelöst?
Die Ursache ist noch unklar. Laut Martial Zaninetti, dem Bürgermeister von Le Porge, könnte ein Arbeitsfahrzeug auf einem Forstweg das Feuer ausgelöst haben. Die Ermittler prüfen, ob der Brand versehentlich entstand. Bestätigt ist die Vermutung bislang nicht.
Es ist bereits der dritte grosse Waldbrand in Frankreich innerhalb von knapp zwei Wochen. Am 12. Juli brannte es im Wald von Fontainebleau südlich von Paris. Danach erfasste ein Feuer bei Pontevès und Cotignac im Hinterland der Côte d’Azur rund 2500 Hektaren. Zwei Feuerwehrleute starben. Noch während der Brand im Var bekämpft wird, bricht das Feuer in der Gironde aus. Seit Jahresbeginn sind in Frankreich bereits rund 44’000 Hektaren verbrannt.
Brände fordern in Spanien 13 Todesopfer
Auch andere Teile Europas kämpfen mit den Folgen von Hitze und Trockenheit. Im südspanischen Almería kamen bei einem Waldbrand im Juli 13 Menschen ums Leben. Rund 7000 Hektaren wurden zerstört. Ein weiteres Feuer in der zentralspanischen Provinz Guadalajara erfasste mehr als 30’000 Hektaren. Zahlreiche Dörfer mussten evakuiert werden. Auch in Italien brannten Wälder und Felder. Auf Sizilien erschwerten Temperaturen von bis zu 45 Grad die Löscharbeiten. In Rom rückten die Flammen nahe an Wohngebiete heran, Häuser und eine Kirche wurden vorsorglich geräumt.
Wie weit die Folgen reichen können, zeigt Kanada. Dort wüteten Mitte Juli hunderte Waldbrände. Der Rauch zog über die Grenze in die USA und verschlechterte die Luftqualität. In Städten wie Chicago, Detroit und New York wurden die Menschen zeitweise aufgefordert, möglichst in Gebäuden zu bleiben.
Auch Deutschland blieb nicht verschont. Im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern waren rund 400 Hektaren von einem Waldbrand betroffen. Nach Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Wegen verbliebener Glutnester und der Munitionsbelastung wird das Gebiet weiterhin überwacht. Drohnen hätten zudem einzelne Wärmequellen mit Temperaturen von bis zu 160 Grad gemessen.
Auch in der Schweiz herrscht Waldbrandgefahr
Laut MeteoSchweiz hätten die Gewitter den Boden vielerorts nur oberflächlich angefeuchtet. Deshalb halte die Trockenheit weiterhin an. Das Bundesamt für Umwelt meldete in fast der gesamten Schweiz grosse Waldbrandgefahr – Stufe 4. Sehr grosse Gefahr, Stufe 5, herrschte unter anderem in Glarus und Uri sowie gebietsweise in Graubünden und im Wallis.
Hitze und Trockenheit entzünden einen Wald nicht von selbst. Nach Angaben von Météo-France trocknen sie jedoch Böden und Pflanzen aus. So können Feuer leichter entstehen und sich schneller ausbreiten. Die Europäische Umweltagentur warnt zudem, dass der Klimawandel Hitzewellen häufiger und länger werden lässt, den Wassermangel verschärft und dadurch das Waldbrandrisiko erhöht. Dadurch verlängert sich auch die Waldbrandsaison.
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