Trockenheit verschärft sich - der Kanton St.Gallen erlässt strikte Massnahmen
Nachdem die Juni-Hitzewelle von einer kurzen Gewitterstörung unterbrochen wurde, war es im Juli fast durchgehend trocken. Am Montagabend hat der Kanton St.Gallen für die Regionen Rheintal, Toggenburg, Neckertal und Fürstenland die Warnstufe für Trockenheit von Stufe 3 (erhebliche Gefahr) auf Stufe 4 (grosse Gefahr) erhöht.
Die Region St.Gallen-Rorschach wurde bereits vergangene Woche auf Warnstufe 4 gesetzt. Am Dienstag verfügte der Kanton zudem mehrere Massnahmen zum Schutz von Gewässern und Grundwasserbeständen und ruft die Bevölkerung zum Wassersparen auf. Die Waldbrandgefahr bleibt kantonsweit unverändert auf der zweithöchsten Warnstufe.
Wassertemperaturen historisch hoch, Pegelstände tief
Die Hitze der vergangenen Wochen, das trockene Frühjahr und der schneearme Winter haben Gewässer und den Grundwasser auf Tiefstände gesetzt - und sie sinken weiter. So liegt der Bodenseepegel bei Romanshorn mit 395.3 m.ü.M. unter dem langjährigen Minimum. Das sind rund 89 Zentimeter unter dem saisonalen Mittelwert. Selbes gilt auch für den Untersee bei Berlingen dessen Pegel am Dienstagabend bei 395,2 m.ü.M. lag. Der Pegelstand des Walensees war ebenfalls schon höher: Derzeit ist er 97 Zentimeter tiefer als im saisonalen Durchschnitt.
Allgemein scheinen die Gewässer im Kanton derzeit auszumagern. Wassermangel wird bei Flüssen anhand der Entwicklung des Abflusses gemessen. Die Messstation bei Diepoldsau zeigt an, dass der Rhein unterdurchschnittliche Abflüsse führt. Auch die Wasserstände kleinerer Flüsse und Bäche sind in allen Regionen tief bis sehr tief. In der Region St.Gallen-Rorschach haben die Wassertemperaturen zudem historische Maximalwerte erreicht.
Kanton erlässt weitere Massnahmen
Die Trockenheit hat den Kanton nun dazu veranlasst, die Wasserentnahme aus Seen und Fliessgewässern ohne Bewilligung zu untersagen. Der Bodensee, der Walensee, der Zürichsee und der Alpenrhein sind derzeit davon ausgenommen. Das Amt für Wasser und Energie begründet die Massnahme damit, dass der Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten durch die anhaltende Trockenheit akut gefährdet sei.
Darüber hinaus gilt seit Dienstag ein Betretungsverbot für zahlreiche Fliessgewässer im Kanton St.Gallen. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei hat die gesperrten Stellen markiert. Sowohl das Betreten und Befahren der Gewässer ist verboten. Selbes gilt auch für Tiere. Wer beispielsweise sein Pferd oder seinen Hund ins Wasser lässt, wird mit einer Busse bestraft. Zahlreiche Fischarten wie Forellen, Äschen, Nasen und Groppen sind auf kühles Wasser angewiesen. Die hohen Temperaturen setzen diesen Fischen besonders zu: Wenn sie gestört werden, kann die Flucht aufgrund des erhöhten Sauerstoffbedarfs tödlich sein, schreibt das Amt in der Verfügung.
Darüber hinaus richtete der Kanton einen Appell zum Wassersparen an die Bevölkerung: Auf das Füllen von Swimmingpools, das Bewässern von Grünflächen, aber auch das Reinigen von Fahrzeugen und Plätzen solle man verzichten.
Keine Besserung in Sicht
Anzeichen für längere Phasen mit Niederschlägen bleiben aus. Für Dienstagabend, Mittwoch und Freitag erwartet «Meteo Schweiz» zwar Gewitter mit geringen Niederschlägen. Doch die kurzen Gewitter helfen kaum gegen die anhaltende Trockenheit: «Ohne flächendeckende, langanhaltende Niederschläge wird sich die Lage der Trockenheit verschärfen», schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Auch die für die kommenden Tage erwarteten Gewitter dürften kaum Entlastung bringen.
Raphael Lüchinger, Regionalförster der Waldregion 1, sagt auf Anfrage, dass Gewitterregen gerade im Wald oft gar nicht am Boden ankomme: Ein Grossteil bleibe in den Baumkronen hängen und verdunste rasch wieder. Um die Lage zu entschärfen, brauche es eine Woche Landregen. Kantonsoberförsterin Caroline Heiri ergänzt, dass ausgetrocknete Böden grosse Wassermengen kaum aufnehmen könnten – das Wasser fliesse deshalb grösstenteils oberflächlich ab. Nötig sei darum anhaltender, gleichmässiger Regen.
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