King Charles muss zu Trump – und es stinkt ihm gewaltig
Der Staatsbesuch ist beschlossene Sache, die Zweifel bleiben. Selbst wenn König Charles III. und Queen Camilla am Montagabend Schweizer Zeit ihren viertägigen Staatsbesuch in den USA antreten, läuft in Grossbritannien die Diskussion weiter, ob man diese Reise nicht besser abgesagt hätte: Viele Beobachter sind überzeugt, dass der Monarch dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump alles andere als mit Vorfreude entgegensieht.
Das lässt sich zwischen den Zeilen sogar in der offiziellen Kommunikation erahnen. In seinem Podcast «The News Agents» zitiert der Journalist Jon Sopel süffisant aus der Palast-Mitteilung: Der USA-Besuch erfolge «auf Anraten der Regierung». Dabei bricht Sopel in schallendes Gelächter aus.
Übersetzt heisst das: Es ist nicht die Idee des Königs. Vielmehr folgt Charles mit dieser Visite dem Wunsch von Premierminister Keir Starmer – wohl wissend, dass ihn in den USA ein Präsident erwartet, der regelmässig gegen Grossbritannien austeilt. «Mehr Distanzierung geht gar nicht!», lästert Sopel über die Haltung des Königshauses. Offizieller Anlass des Besuches ist der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.
Tatsächlich hat Trump zuletzt fast täglich neue Gründe geliefert, die Reise infrage zu stellen. Der aktuellste ist, dass Washington wegen der britischen Nichtteilnahme am Iran-Krieg seine Haltung zu den Falklandinseln überdenken könnte – ein Affront, der in London Erinnerungen an den Krieg von 1982 wachruft und in Argentinien prompt neue Gelüste auf die «Malvinas» geweckt hat. In echter Thatcher-Manier musste die Tory-Vorsitzende Kemi Badenoch klarstellen: «Das ist absoluter Nonsens. Die Falklandinseln sind britisch.»
Ebenso wenig vergessen sind Trumps Aussagen, wie er die in Afghanistan gefallenen britischen Soldaten als Drückeberger hinter der Front verspottete oder Premier Starmer als «leider kein Winston Churchill» abtat.
Während Trump öffentlich beteuert, der Besuch werde die Beziehungen «absolut» verbessern, wächst in London die Sorge vor einem diplomatischen Fiasko. König Charles' enger Vertrauter Jonathan Dimbleby warnte schon vor Wochen öffentlich davor, dass Trump Charles in peinliche Situationen bringen könnte.
Liberaldemokrat Sir Ed Davey ging sogar noch weiter und forderte die Absage der Reise – mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen einen amtierenden US-Präsidenten: «Er ist ein gefährlicher und korrupter Gangster und sollte genauso behandelt werden.» Die «Sunday Times» schrieb dagegen unter Berufung auf anonyme Palast-Quellen, Charles freue sich auf die Herausforderung und wolle das Wiedersehen mit Trump sportlich nehmen.
Britische Medien warnen vor beträchtlichen Risiken
Wie heikel die Mission tatsächlich ist, zeigt auch ein Blick auf die Risiken, die rund um den Besuch diskutiert werden. Wie der britische «Guardian» am Montag mutmasst, bewegt sich Charles auf einem diplomatischen Drahtseil: Er soll die angeschlagene «Special Relationship» erneuern, muss dabei aber mit einem unberechenbaren Präsidenten umgehen, der schnell beleidigt reagiert und politische Spannungen weiter anheizen könnte. Gleichzeitig steht viel auf dem Spiel – nicht zuletzt die Würde des britischen Staatsoberhaupts, die durch die direkte Begegnung mit Trump Schaden nehmen könnte.
Hinzu kommen laut «Guardian» erhebliche Sicherheitsbedenken sowie eine Reihe politischer und persönlicher Fallstricke. Nach dem mutmasslichen Anschlagsversuch am Wochenende wurden die Schutzmassnahmen nochmals verschärft. Zudem könnten heikle Themen – von Trumps Umgang mit Verbündeten bis zu Altlasten wie der Epstein-Affäre oder Spannungen innerhalb der Königsfamilie – den Besuch überschatten. Selbst kleinste Fehltritte könnten grosse diplomatische Folgen haben.
So reisen King Charles III. und seine Frau Camilla nach Washington – nicht aus Überzeugung, sondern aus Pflichtgefühl. Es ist eine Visite, die mehr Risiken als Glanz verspricht. Und eine Begegnung, die dem Monarchen, so scheint es, schon vor der Abreise schwer auf dem Magen liegt.
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