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Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen: Lage in Ceuta spitzt sich zu

Sexuelle Übergriffe auf teils minderjährige Migrantinnen häufen sich. Oppositionsparteien organisieren landesweite Proteste. Ein neuer Bericht bringt Spaniens Regierungschef in Erklärungsnot.
Migrantinnen in Ceuta: Berichte über Vergewaltigungen erschüttern die spnaische Exklave. (Bild: Reduan)
Spanische Polizisten vor einer Gruppe marokkanischer Migranten in Ceuta. (Bild: Reduan)
Demonstranten in Ceuta fordern sichere Grenzen. (Bild: Reduan)

Ceutas Regionalpräsident nahm kein Blatt vor den Mund: «Ceuta ist ein Schnellkochtopf, der kurz vor der Explosion steht», sagte Juan Jesús Vivas diese Woche in einem TV-Interview. Die Bürger der Stadt, die Ende Juli von Zigtausenden afrikanischen Migranten von Marokko aus gestürmt wurde, seien «zutiefst beunruhigt». Selbst einen Monat später befänden sich immer noch bis zu 8000 Migranten in der nur 85'000 Einwohner zählenden Kleinstadt.

Vor allem Frauen schauen mit Sorge auf die grossen Gruppen junger männlicher Migranten, die sich seit Wochen in den Strassen und auf öffentlichen Plätzen aufhalten und am Strand schlafen. Das Gefühl zunehmender Unsicherheit wurde am Montag von einer erschütternden Nachricht bestärkt.

Spanische Polizisten vor einer Gruppe marokkanischer Migranten in Ceuta. (Bild: Reduan)

Die spanische Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass es im Zuge des Migrantenansturms und während der chaotischen Folgetage zu mehreren sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen von Migrantinnen gekommen sei. Die Rede ist von bisher 17 Opfern, von denen neun erst zwischen 14 und 17 Jahre alt sind.

Schon Anfang August warnte die Kinderrechtsorganisation Save the Children vor der besonderen Gefährdung von minderjährigen Migrantinnen, die nicht identifiziert oder in sicheren Unterkünften untergebracht seien. Sie könnten Gewalt, sexueller Ausbeutung oder Menschenhandel ausgesetzt sein.

Unter den knapp 80'000 hauptsächlich jungen Marokkanern, die Ende Juli nach Ceuta gelangten, befanden sich knapp 1500 Minderjährige. Rund 700 von ihnen waren Mädchen. Anfang der Woche befanden sich nach Medienberichten noch knapp 300 Mädchen ausserhalb der regulären Einrichtungen.

Demonstrationen gegen die Zentralregierung

Schon seit Wochen protestieren die Ceutíes gegen das augenscheinlich langsame Vorgehen der spanischen Zentralregierung, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Die Nachricht über die sexuellen Übergriffe diente der rechtspopulistischen Vox erneut dazu, Spaniens sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez zu beschuldigen, «Kriminellen und Vergewaltigern Schutz zu bieten». Auch wenn sich neben vier Marokkanern drei Spanier und ein Belgier unter den ersten Tatverdächtigen befinden.

Demonstranten in Ceuta fordern sichere Grenzen. (Bild: Reduan)

Die Zündschnur zum Pulverfass Ceuta lodert bereits seit Tagen. Vergangene Woche blockierten Dutzende Ceutíes Hilfskonvois des Roten Kreuzes mit Lebensmitteln für die Migranten. Mit Eisenstangen und Schlagstöcken stürmten einige sogar den Strand und brannten die Behausungen nieder, die sich Hunderte Migranten hier aus Holzbrettern, Plastikplanen und Palmenblättern gebaut hatten. Während sie vor dem aufgebrachten Mob flohen, musste die Polizei Warnschüsse und Gummigeschosse einsetzen, um die gewaltbereiten Gruppen daran zu hindern, auf die Migranten loszugehen.

Spaniens rechtskonservative Oppositionsparteien nutzen die zunehmenden sozialen Spannungen, um die Linksregierung anzugehen. Für den Mittwochabend hatte Spaniens konservativer Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo (PP) zu einer landesweiten Solidaritätskundgebung für Ceuta aufgerufen. Feijóo spricht immer wieder vom «Kontrollverlust» und dem «Versagen» der spanischen Linksregierung bei der Sicherung der europäischen Aussengrenze.

Die rechtspopulistische Vox schloss sich der Initiative an. Doch unter dem Motto: «Nein zur Invasion! Verteidigt Ceuta, verteidigt Spanien!» Dabei stellte Vox-Chef Santiago Abascal klar: «Wenn die Regierung die Migranten nicht hinauswirft, werden das die Spanier erledigen.»

Die jüngsten erschütternden Nachrichten und der steigende politische Druck veranlassten Regierungschef Pedro Sánchez am Dienstag, für die spanische Nordafrika-Exklave ein Hilfspaket in Höhe von 309 Millionen Euro anzukündigen.

Besuch des spanischen Königs geplant

Während Sánchez noch am Montag versicherte, Marokko sei in keiner Form an dem Migrantenansturm beteiligt gewesen und sei ein verlässlicher Partner, wurde am Dienstagabend ein Bericht der spanischen Nationalpolizei bekannt, laut dem die marokkanische Polizei gezielt die Migranten zu den Grenzübergängen gesteuert haben soll. Innenminister Grande-Marlaska erklärte empört, nichts von diesem Bericht gewusst zu haben und verlangte am Mittwoch vom Polizeichef Aufklärung.

Politische Beobachter vermuten, die spanische Regierung habe Angst vor weiteren diplomatischen Verstimmungen, auf die Rabat stets ihre historischen Ansprüche auf die beiden Exklaven Ceuta und Melilla damit geltend macht, den Migrationsdruck zu erhöhen.

Doch der diplomatische Konflikt ist vorprogrammiert und daran ist Sánchez selber schuld. In einem Interview mit dem Radiosender SER kündigte er an, man werde König Felipe bitten, Ceuta demnächst in einer Geste der Solidarität zu besuchen. Beim letzten Besuch von Felipes Vater Juan Carlos I. 2007 in Ceuta und Melilla reagierte Marokkos König Mohamed VI. empört. Er bezeichnete den Besuch als «bedauerlich» und «kontraproduktiv» und warnte, Spanien müsse «seine Verantwortung für die Konsequenzen» des Besuchs übernehmen.

Der damalige marokkanische Ministerpräsident Abbas El Fassi sah in dem Besuch sogar eine «Provokation». Rabat rief seinen Botschafter in Madrid für mehrere Monate zu Konsultationen zurück.

 
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