Dinner-Angreifer verschickte Manifest an Familie – das steht drin
Cole Tomas Allen ist 31 Jahre alt, hat an der renommierten Caltech-Universität Kalifornien Maschinenbau studiert und arbeitete als Nachhilfelehrer sowie als selbstständiger Videospiel- und Appentwickler. Diese Fakten waren nur kurz nach seinem Angriff und seiner Festnahme beim Korrespondentendinner der US-Regierung mit Medienvertretern bekannt. Die Behörden machten seine Identität rasch bekannt, das Linkedin-Profil von Allen gab Aufschluss über seine Herkunft sowie seinen beruflichen Werdegang.

Nicht so rasch klar waren die Beweggründe des 31-Jährigen für seine Aktion im Hilton-Hotel in der Hauptstadt Washington. Nun liefert aber ein Manifest des Täters, das Donald Trump und andere Regierungsvertreter in Stellungnahmen bereits erwähnt hatten neue Hinweise auf die Motive von Allen: Daraus geht deutlich hervor, dass der 31-Jährige Mitglieder der US-Regierung ins Visier nehmen wollte. Die Authentizität des Dokuments wird derzeit noch untersucht. US-Justizminister Todd Blanche hatte bereits am Sonntagabend ebenfalls erklärt, dass man derzeit davon ausgehe, dass Allen Regierungsmitglieder angreifen wollte.
Täter nennt Regierung als Ziel
Das Manifest soll Allen nur zehn Minuten vor dem Angriff in Washington an seine Familie verschickt haben. Die New York Post veröffentlichte das gesamte Schreiben, das 1052 Wörter zählt, im Wortlaut. Die Ausführungen sind teils wirr, lassen aber wenig Zweifel an der Motivation von Allen für den Angriff. Zunächst entschuldigt er sich mehrfach, bei Familienangehörigen, Freunden und Menschen, die ihm auf seiner Reise nach Washington begegnet sind, für Lügen, die er diesen über seine (Ab-)reise erzählt hatte.
Dann schreibt Allen über sein Motiv. Er sei Staatsbürger von Amerika, was die Abgeordneten in der Hauptstadt täten, habe direkte Folgen für ihn.
Er fügt an, dass er ehrlicherweise schon länger nicht mehr bereit dazu sei, dies aber die erste Gelegenheit sei, etwas dagegen zu unternehmen. Namen nennt Allen keine, es scheint aber plausibel, dass er mit den genannten Begriffen US-Präsident Donald Trump meint, da dieser insbesondere in Onlinediskursen von politischen Gegnern oft mit diesen Schlagworten bezeichnet wird.
Dann schreibt der Nachhilfelehrer über seine «Einsatzregeln» und «Ziele». Als priorisiertes Ziel nennt er Regierungsoffizielle, «vom höchsten Rang bis zum tiefsten». Secret-Service-Mitarbeitende seien nur ein Ziel, falls es «nötig» sei, ebenso Hotelsicherheitsleute («ausser sie schiessen auf mich»). Gleiches gelte für die Kapitolpolizei, Mitglieder der Nationalgarde und andere Hotelangestellte. Gäste des Dinners seien «überhaupt keine Zielgruppe».
Politische Deutung sorgt für Diskussionen
Weiter rechtfertigt sich der mutmassliche Täter gegen mehrere Einwände, die aus seiner Sicht gegenüber seiner Aktion vorgebracht werden könnten. Dabei nennt er auch christliche Motive. Unter anderem heisst es: «Die andere Wange hinzuhalten, wenn jemand anderes unterdrückt wird, ist kein christliches Verhalten; es ist Komplizenschaft an den Verbrechen des Unterdrückers.»
Diese Passagen ziehen die Interpretation von Donald Trump, der am Sonntag erklärt hatte, dass der Attentäter «Christen hasse» in Zweifel. Trump sagte zu Fox News:
Laut Angaben des Weissen Hauses erklärte eine Schwester von Allen, dass dieser dazu neigte, radikale Aussagen zu machen, als er sich in der linken Szene in Los Angeles engagierte. Er habe sich Waffen beschafft und mehrfach in einem Schiessstand trainiert.
Teilweise liest sich das Manifest Allens wie ein Abschiedsbrief. Er schreibt unter anderem auch, dass er sich bei einer grossen Zahl von Menschen bedanken wolle, weil er wahrscheinlich nicht mehr mit ihnen sprechen kann. In Klammern fügte er an: «Es sei denn, der Secret Service ist erstaunlich inkompetent.»
Allen schliesst sein Schreiben mit Danksagungen an seine Angehörigen, «sowohl meiner privaten als auch meiner Kirchenfamilie, für eure Liebe in den vergangenen 31 Jahren» sowie an Freunde, Berufskollegen und Schüler. Den Brief zeichnete er mit Cole «coldForce» und «Friendly Federal Assassin» (= «Freundlicher Bundeskiller») Allen.
Sicherheitslücken im Fokus
In einem PS-Zusatz zeigt er sich noch verwundert über die laxen Sicherheitsmassnahmen bei der Mediengala («Was zur Hölle macht der Secret Service?»). Er habe Kameras an jeder Ecke, verwanzte Hotelzimmer, bewaffnete Agenten alle zehn Fuss und Metalldetektoren «in Hülle und Fülle» erwartet. Bekommen habe er «nichts davon». Er habe mit mehreren Waffen im Gepäck im Hotel eingecheckt und keine einzige Person dort habe in Betracht gezogen, dass er eine Bedrohung darstellen könnte.
Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung fänden ausschliesslich im Aussenbereich statt und konzentrierten sich auf Demonstrierende und Personen, die jetzt anreisten. Anscheinend habe niemand darüber nachgedacht, was passiere, wenn jemand am Vortag einchecke. Das Mass an Inkompetenz sei wahnsinnig, so Allen.
Weiter schreibt Allen über seine Gefühlslage, offenbar kurz bevor er loschlagen wollte. Es sei furchtbar, ihm sei übel und er möchte weinen, «um all die Dinge, die ich tun wollte und nie tun werde».
Laut der «New York Post» wurde das Schreiben nur zehn Minuten vor der Eskalation beim Dinner versandt. Im Hilton-Hotel kam es zu einem Schusswechsel, wobei ein Secret-Service-Agent verletzt wurde. US-Präsident Donald Trump und weitere Regierungsmitglieder wurden im Hauptsaal hastig evakuiert. Allen wurde von den Sicherheitskräften überwältigt und festgenommen. Bereits am Montag soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.
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