Hier sind die Meldungen zum Nahen Osten vom September 2025
11:26 Uhr
Dienstag, 7. Oktober
Tausende Israelis versammeln sich an Orten der Hamas-Angriffe
Im Süden Israels sind Tausende Menschen zu den Schauplätzen des Terrorangriffs der palästinensischen Hamas vor zwei Jahren geströmt. Sie versammelten sich am Dienstag an mobilen Schutzanlagen und Kreuzungen, die jetzt mit Erinnerungen und Fotos übersät sind. Am Ort des Nova-Musikfestivals, bei dem fast 400 Menschen getötet und Dutzende entführt wurden, gingen die Trauernden an Hunderten Fotos vorbei, die in einem Halbkreis um die Stelle aufgestellt waren, an der damals der DJ stand. Die Trauernden umarmten sich und tauschten Erinnerungen aus.

Wegen des jüdischen Laubhüttenfestes gab es keine organisierte Gedenkfeier am Ort des Geschehens, aber Hunderte von Menschen versammelten sich und hörten den Titel, den der DJ damals spielte, bevor die ersten Raketen über den Ort flogen. Um 6:29 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem am 7. Oktober 2023 der Angriff begann, wurde die Musik abgeschaltet und die Menge legte eine Schweigeminute ein.
Am Jahrestag hallten Explosionen aus dem Gazastreifen über die Grenze. Extremisten feuerten im Laufe des Vormittags zwei Raketen aus dem Gazastreifen ab. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.
Bei dem Angriff hatten Terrorkämpfer unter Führung der Hamas etwa 1200 Menschen getötet und 251 weitere verschleppt. Israel schätzt, dass die Hamas knapp 50 Geiseln in ihrer Gewalt hat, von denen nur noch 20 am Leben sind. Israel reagierte mit einem Feldzug bei dem nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 67'000 Menschen getötet wurden. Das Ministerium unterscheidet in seinen Statistiken nicht zwischen getöteten Zivilisten und Kämpfern. Israel bestreitet die Zahlen, hat aber keine eigenen vorgelegt. (dpa)
06:36 Uhr
dienstag, 7. Oktober
Leiser Optimismus: Gespräche über Trump-Plan gehen weiter
Zwei Jahre nach dem Massaker islamistischer Terroristen in Israel wächst die Hoffnung auf eine Waffenruhe im Gazastreifen. Nach Beginn der Gespräche im ägyptischen Scharm el Scheich zeigte sich US-Präsident Donald Trump zuversichtlich, dass sein Friedensplan bald umgesetzt werden könne. «Wir haben enorme Fortschritte gemacht», sagte der Republikaner in Washington. Arabische Medien berichteten, die erste Runde der Gespräche sei in der Nacht zu Dienstag in «positiver Atmosphäre» zu Ende gegangen.
Heute sollen die Gespräche, die noch mehrere Tage dauern könnten, fortgesetzt werden. Details über Inhalte wurden zunächst nicht bekannt.
Derweil setzte Israel arabischen Berichten zufolge seine Angriffe im Gazastreifen ungeachtet der Gespräche auch am Montag fort. Mindestens zehn Palästinenser seien dabei getötet worden, berichtete der Sender Al Dschasira. Nach der Teilzustimmung der islamistischen Hamas zu seinem Plan hatte Trump Israel am Freitag aufgefordert, sofort die Bombardierung des Gazastreifens einzustellen, damit die von der Hamas in dem Küstengebiet festgehaltenen Geiseln sicher und schnell befreit werden könnten.
Freilassung der Geiseln im Fokus
Am Montag hatte sich eine Hamas-Delegation mit Vermittlern aus Katar und Ägypten getroffen. Auch Gespräche unter Beteiligung der USA mit Vertretern Israels waren geplant. Dabei sollte es zunächst um die Freilassung der verbliebenen 48 Geiseln im Gegenzug für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Entlassung Hunderter palästinensischer Häftlinge gehen. Nach israelischen Informationen sind von den 48 Geiseln nur noch 20 am Leben.
Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf palästinensische und ägyptische Beamte, dass sich die Gespräche auf die «Schaffung der Voraussetzungen» für einen möglichen Austausch konzentrierten, bei dem alle israelischen Geiseln im Gegenzug für eine Reihe palästinensischer Gefangener freigelassen würden.
Ähnlich berichtetet der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News: Die Delegationen würden «die Vorbereitung der Rahmenbedingungen für die Freilassung von Häftlingen und Gefangenen» im Einklang mit dem US-Plan diskutieren“. Ägyptische und katarische Vermittler arbeiteten demnach mit beiden Seiten zusammen, um einen Mechanismus für den Austausch zu schaffen. Weiter hiess es, es herrsche eine Stimmung der «kompletten Geheimhaltung» zu den Details der Verhandlungen.
Weitere Fragen, darunter die Entwaffnung der Hamas und ein israelischer Truppenrückzug aus dem Küstenstreifen, sind noch umstritten. Israel hatte bereits Zustimmung zu dem Plan signalisiert, die Hamas stimmte in Teilen zu.
Trump: «Alle wollen, dass es passiert»
Trump begründete seinen Optimismus auf eine bevorstehende Einigung damit, dass alle diesen Deal abschliessen wollten. Es gebe kein Land, das sich dagegen stelle. «Alle wollen, dass es passiert - sogar, denke ich, die Hamas», sagte Trump. Er habe mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gesprochen, der sich stark für eine Einigung einsetze und bei der Hamas ebenso hohes Ansehen geniesse wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, führte Trump aus. Auch aus dem Iran habe es ein «sehr starkes Signal» gegeben.
Trump drückt bei den Verhandlungen seit einigen Tagen aufs Tempo. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte, sein Land und die USA seien entschlossen, die Verhandlungen auf wenige Tage zu beschränken.
Guterres und Starmer begrüssen Trumps Plan
Zum zweiten Jahrestag des Massakers islamistischer Terroristen lobte auch UN-Generalsekretär António Guterres Trumps Plan. Der jüngste Vorschlag des US-Präsidenten biete eine Chance, die genutzt werden müsse, um diesen Konflikt zu beenden. «Nach zwei Jahren Trauma müssen wir uns für die Hoffnung entscheiden. Jetzt.» Er rief die Konfliktparteien auf, den Gaza-Krieg zu beenden. «Beendet jetzt die Feindseligkeiten in Gaza, Israel und der Region», forderte er in New York.
Der britische Premier Keir Starmer sagte, sein Land begrüsse die US-Initiative für Frieden im Nahen Osten. Die Priorität in der Region bleibe unverändert – «die Freilassung der Geiseln. Verstärkte Hilfe für Gaza. Und eine Waffenruhe, die zu einem dauerhaften und gerechten Frieden als Schritt hin zu einer Zweistaatenlösung führen kann. Ein sicheres Israel neben einem lebensfähigen palästinensischen Staat.»
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte in einer Videobotschaft erneut, alle Geiseln müssten sofort freigelassen werden. «Wir setzen grosse Hoffnung in den Friedensprozess.» (dpa)
16:55 Uhr
Montag, 6. Oktober
Schwere Vorwürfe der Gaza-Flotten-Aktivisten gegen Israel
Die Organisatoren der von Israel gestoppten Gaza-Flotte werfen den Behörden des jüdischen Staates schwere Verstösse gegen Menschenrechte vor. Mehrere der festgenommenen Aktivisten seien körperlich und psychisch misshandelt, gedemütigt und in ihren grundlegenden Rechten verletzt worden, versicherte die Anwältin der «Global Sumud Flotilla», Lubna Tuma.
Männer und Frauen hätten erzählt, sie seien mit auf dem Rücken gefesselten Händen stundenlang, teils unter sengender Sonne, festgehalten worden, sagte Tuma auf einer auf Instagram übertragenen Pressekonferenz. Einige seien gezwungen worden, auf den Knien zu verharren, seien beleidigt und erniedrigt worden. Frauen seien besonders das Ziel verbaler Demütigungen gewesen. Eine Aktivistin habe berichtet, sie sei gegen den Kopf getreten worden.
Das israelische Aussenministerium hatte bereits erste entsprechende Vorwürfe als «dreiste Lügen» zurückgewiesen. Alle Rechte der propalästinensischen Inhaftierten seien «vollständig gewahrt» worden, hiess es in Jerusalem.
Rund 40 Aktivisten im Hungerstreik
Die israelische Marine hatte am Freitag das letzte der insgesamt 42 Boote der Flottille abgefangen. Mehr als 400 Menschen aus Dutzenden Ländern wurden in Gewahrsam genommen, darunter Prominente wie die schwedische Aktivistin Greta Thunberg und Barcelonas frühere Bürgermeisterin Ada Colau.
Seit Freitag hat Israel zahlreiche Beteiligte abgeschoben. Etwa 150 Personen befänden sich aber den Erkenntnissen zufolge weiterhin in Haft, rund 40 davon im Hungerstreik, sagte Tuma. Einige lehnten sogar Wasser ab, um gegen die Verweigerung medizinischer Versorgung zu protestieren. «Viele von ihnen haben bis zu diesem Moment immer noch keinen rechtlichen Beistand», beklagte die Juristin und Menschenrechtsexpertin des Adalah Legal Centre.
Mehrere der 21 am Sonntag in Madrid eingetroffenen spanischen Aktivisten berichteten ebenfalls von Misshandlungen und Erniedrigungen während der Haft. Ex-Bürgermeisterin Colau sagte, man sei angeschrien und beleidigt worden und habe weder Trinkwasser noch Nahrung erhalten. Nachts sei absichtlich die Klimaanlage eingeschaltet worden, um Schlaf zu verhindern.
Angebliche Unregelmässigkeiten bei der Abschiebung
Der Aktivist Rafael Borrego sagte, man sei «geschlagen, über den Boden gezerrt, gefesselt und in Käfige gesperrt» worden. Medizinische Hilfe sei verweigert worden - selbst einer Gefangenen, die dringend Insulin benötigte. Zudem sei der Kontakt zu Anwälten, Familien und Konsularbeamten untersagt worden. Der Journalist Néstor Prieto berichtete ebenfalls von verweigerter medizinischer Versorgung. «Sie sagten, sie hätten keine Ärzte für Tiere.»
Prieto sprach auch von Unregelmässigkeiten bei der Abschiebung: «Vor unseren Augen wurden in unserem Namen Dokumente unterschrieben, in denen stand, dass wir illegal nach Israel eingereist seien.» Zum Vorwurf der «illegalen Einreise» betonte Anwältin Tuma erneut, dieser sei unhaltbar. Die Festgenommenen seien in internationalen Gewässern aufgegriffen worden.
Die Teilnehmer der Flotte wollten nach eigenen Angaben Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen. Israel hatte angeboten, die Hilfslieferungen über Häfen außerhalb des Gazastreifens an Land und von dort aus in das palästinensische Küstengebiet zu transportieren. Die Aktivisten lehnten das mit der Begründung ab, Israels Blockade des Gazastreifens sei völkerrechtswidrig.
13:55 Uhr
Montag, 6. Oktober
Palästinenser: Weiter tödliche Angriffe im Gazastreifen
Während in Ägypten Verhandlungen über die Umsetzung des US-Friedensplans geführt werden, gehen die israelischen Angriffe im Gazastreifen palästinensischen Angaben zufolge vorerst weiter. Seit dem Morgen seien insgesamt sieben Menschen bei Bombardements und Beschuss getötet worden, hiess es aus medizinischen Kreisen. Mindestens zwei Tote soll es demnach in der Nähe einer Verteilstelle für Hilfsgüter der umstrittenen Gaza Humanitarian Foundation (GHF) im Süden des Gazastreifens gegeben haben. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, israelische Soldaten hätten das Feuer auf Palästinenser eröffnet, die auf Hilfe gewartet hätten.
Eine israelische Armeesprecherin sagte auf Anfrage, ein solcher Vorfall sei dem Militär nicht bekannt. Die Stiftung GHF teilte auf Anfrage ebenfalls mit, es habe keine Vorfälle in der Nähe ihrer Standorte gegeben. «Die Verteilung verlief reibungslos und ohne Zwischenfälle.» (dpa)
12:21 Uhr
Montag, 6. Oktober
Ägyptens Präsident lobt Trumps Friedensplan für Gaza
Vor den Verhandlungen zum Gaza-Krieg hat Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump gelobt. Er danke Trump für die Initiative für eine Waffenruhe nach «zwei Jahren Krieg, Genozid, Töten und Zerstörung», sagte al-Sisi in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Eine Waffenruhe, die Freilassung von Geiseln und Häftlingen und Schritte zur Anerkennung eines Palästinenserstaats bedeuteten, dass «wir auf dem richtigen Weg sind zu anhaltendem Frieden und bleibender Stabilität».
Al-Sisi sprach anlässlich des 6. Oktober, den Ägypten als «Tag der Streitkräfte» feiert. An diesem Tag überfielen Ägypten und Syrien 1973 mit arabischen Verbündeten den Nachbarn Israel, um Gebiete zurückzuerobern, die Israel 1967 eingenommen hatte. 1979 schlossen Ägypten und Israel schliesslich Frieden. Mit Blick auf den Krieg im benachbarten Gazastreifen ist Ägypten auch um die eigene Sicherheit besorgt. (dpa)
06:28 Uhr
Montag, 6. Oktober
Gaza-Krieg: Verhandlungen zwischen Israel und Hamas beginnen
Unterhändler Israels und der islamistischen Hamas führen heute in Ägypten indirekte Gespräche über die Umsetzung des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump. Dabei soll es zunächst um die Freilassung der verbliebenen 48 Geiseln im Gegenzug für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Entlassung Hunderter palästinensischer Häftlinge gehen. Weitere Fragen, darunter die Entwaffnung der Hamas und ein israelischer Truppenrückzug aus dem Küstenstreifen, sind noch umstritten. Es wird erwartet, dass Vermittler mit beiden Seiten sprechen.
Trump drückt bei den Verhandlungen weiter aufs Tempo. «Mir wurde gesagt, dass die erste Phase diese Woche abgeschlossen sein sollte, und ich bitte alle, SICH ZU BEEILEN», schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Es habe «sehr positive Gespräche» mit Hamas und anderen Ländern an diesem Wochenende gegeben, um die Geiseln freizulassen, den Krieg in Gaza zu beenden - aber vor allem, um den lang ersehnten FRIEDEN im Nahen Osten zu erreichen. Zuletzt sprach er erneut eine Drohung aus: Der Faktor Zeit sei von entscheidender Bedeutung - «SONST WIRD ES ZU MASSIVEM BLUTVERGIESSEN KOMMEN – ETWAS, DAS NIEMAND SEHEN MÖCHTE!»
US-Aussenminister: Ohne Entwaffnung wird Terror wiederkommen
US-Aussenminister Marco Rubio sagte in der TV-Sendung «Meet the Press» bei NBC News, die Geiselfreilassung habe oberste Priorität. Ein langfristiger Frieden im Gazastreifen sei aber nur möglich, wenn auch eine Entwaffnung von Terrorgruppen erfolge. Dann gehe es auch um die Bildung einer technokratischen Verwaltung im Gazastreifen ohne Hamas-Mitglieder. Die Hamas hatte Trumps Friedensplan am Freitag in Teilen zugestimmt, die geforderte Niederlegung der Waffen aber nicht ausdrücklich akzeptiert. Das sieht der Plan auch vor: Sobald alle Geiseln freigelassen sind, bekommen Hamas-Mitglieder, die sich zu friedlicher Koexistenz und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, Amnestie.
Delegationen unterwegs zu Gesprächen nach Ägypten
Eine Delegation mit dem höchsten Hamas-Anführer im Ausland, Chalil al-Haja, an der Spitze reiste bereits am Sonntag nach Kairo. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu teilte mit, eine Delegation unter Aufsicht von Minister Ron Dermer werde am Montag zu den Verhandlungsgesprächen im Touristenort Scharm el Scheich im Süden der Halbinsel Sinai aufbrechen. Auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner werden bei den Gesprächen erwartet.
Netanyahu hatte zuvor betont, Israel und die USA seien entschlossen, die Verhandlungen mit der Hamas auf wenige Tage zu beschränken. Die Zeitung «Israel Hajom» berichtete, die 20 noch lebenden Geiseln sollten nach einer Einigung innerhalb von 72 Stunden freigelassen werden. Es könne aber länger dauern, bis die sterblichen Überreste der weiteren 28 Geiseln übergeben werden. Bis zu einer Einigung herrsche im Gazastreifen keine Waffenruhe, sondern nur eine «Reduzierung des Feuers». Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind seit Trumps Aufruf an Israel, die Bombardierungen im Gazastreifen sofort zu stoppen, dennoch Dutzende Palästinenser getötet worden.
Israels Geisel-Beauftragter trifft sich mit Rot-Kreuz-Vertreter
Israels Geisel-Beauftragter Gal Hirsch traf sich am Sonntag bereits mit einem Repräsentanten des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Hirsch schrieb auf der Plattform X, es handele sich um ein «Vorbereitungstreffen» mit Julien Lerisson, Chef der IKRK-Delegation in Israel und den Palästinensischen Gebieten. Bei früheren Freilassungen israelischer Geiseln während Waffenruhe-Phasen im Gaza-Krieg hatten IKRK-Vertreter eine wichtige Rolle bei der Übergabe gespielt.
Angehörige von Geiseln sowie freigelassene Geiseln forderten bei Demonstrationen am Sonntagabend ein sofortiges Ende des Gaza-Kriegs und die Freilassung ihrer Liebsten. Der im Februar selbst freigekommene russisch-israelische Staatsbürger Alexander (Sascha) Trufanov sagte bei einer Ansprache auf dem «Platz der Geiseln» in Tel Aviv, 48 «unserer Brüder und Schwestern» seien bis jetzt nicht zurückgekehrt. «Wir geloben hier und jetzt: Wir werden nicht ruhen, wir werden nicht schweigen, bis der letzte von ihnen zurückkehrt.» (dpa)
18:24 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
Netanyahu wirft europäischen Spitzenpolitikern Schwäche vor
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat europäischen Spitzenpolitikern Schwäche im Umgang mit islamistischem Terror vorgeworfen. Mit Blick auf den jüngsten Friedensplan von US-Präsident Donald Trump für den Gazastreifen sagte Netanyahu im Gespräch mit dem Sender Euronews, Europa habe anders als Trump in der Nahost-Frage einen falschen Weg eingeschlagen.
Einige europäische Staaten hätten «im Grunde dem palästinensischen Terrorismus und radikalen islamistischen Minderheiten in ihrer Mitte nachgegeben», sagte er im Kontext der jüngsten Anerkennung eines palästinensischen Staates durch führende westliche Länder wie Frankreich, Grossbritannien, Belgien und Kanada.

Ziel der Anerkennung war eine Stärkung der Zweistaatenlösung, deren Ziel ein friedliches Nebeneinander von Israel und einem künftigen unabhängigen palästinensischen Staat ist.
Netanyahu wiederholte dagegen erneut seine Auffassung, die Anerkennung Palästinas sei «die ultimative Belohnung für die Hamas» gewesen, «nachdem sie das grösste Massaker an Juden seit dem Holocaust verübt hat». Damit erlaube man es der islamistischen Terrororganisation de facto, den Krieg gegen Israel fortzusetzen.
Netanyahu vergleicht islamistischen Terror mit Nazi-Deutschland
«Darum ist Europa im Grunde irrelevant geworden – es hat enorme Schwäche gezeigt», sagte der israelische Regierungschef weiter. In Abwandlung eines Zitats, das dem früheren britischen Premierminister Winston Churchill mit Blick auf die Beschwichtigungspolitik gegenüber Adolf Hitler zugeschrieben wurde, sagte Netanyahu: «Füttere das Krokodil nicht, denn nachdem es Israel oder ein anderes Land, das sich ihm in den Weg stellt, verschlungen hat, wird es auch dich angreifen.» Er sagte weiter: «Wenn ihr den Terror bekämpfen wollt, steht auf und bekämpft ihn entschieden, kapituliert nicht vor seinen Forderungen.»
Anders als europäische Politiker habe Trump einen «realistischen Friedensplan vorgestellt, der terroristische Elemente ausschaltet». Er hoffe auf ein Umdenken in Europa, wo es schon kurz nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 Massendemonstrationen gegeben habe, auf denen Hamas-Unterstützung gezeigt worden sei.
Kampf gegen «Barbaren»
«Wir kämpfen tatsächlich gegen die Barbaren, die unsere freien Gesellschaften zerstören wollen, sie wollen euch zerstören, und wir stehen an der Front, während wir von Menschen in Europa angegriffen werden, die wir eigentlich schützen», sagte Netanyahu zu Israels Kampf gegen Irans «Achse des Widerstands», zu der auch Hamas gehört.
Zu den neuen Waffenruhe-Gesprächen in Ägypten sagte er, sollte die Hamas wirklich der Freilassung der Geiseln zustimmen, «dann könnte dies in der Tat der Anfang des Kriegsendes sein». Jeder verstehe, «dass die Herrschaft der Hamas am Ende ist». Die Terrororganisation dürfe nicht zurückkehren, «um Gaza zu regieren, seine Bevölkerung mit ihrem Terrorregime zu quälen und Israel mit Raketen zu terrorisieren». (dpa)
12:30 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
Islamische Länder begrüssen Trump-Plan für Gaza
Aussenminister mehrerer islamischer Staaten sehen in dem Plan von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Gaza-Kriegs eine «echte Chance», um eine nachhaltige Waffenruhe zu erreichen. In einer gemeinsamen Erklärung begrüssten die Aussenminister Ägyptens, Jordaniens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesiens, Pakistans, der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars die Reaktion der palästinensischen Hamas auf Trumps Plan. Sie begrüssten auch den Aufruf Trumps an Israel, die Bombardierungen im Gazastreifen einzustellen. Solche Entwicklungen stellten eine reale Möglichkeit dar, «eine umfassende und nachhaltige Waffenruhe zu erreichen und die kritische humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen zu verbessern», hiess es in der Erklärung. (dpa)
09:02 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
Auf Israel abgefeuerte Huthi-Rakete von Luftabwehr gestoppt
Vor Gesprächen über den Gaza-Friedensplan von US-Präsident Donald Trump ist eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete von Israels Luftabwehr abgefangen worden. Die israelische Armee teilte mit, zuvor habe es in verschiedenen Regionen Israels Luftalarm gegeben. Darunter war nach Angaben des Zivilschutzes auch die Umgebung des internationalen Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv. Es gab keine Berichte über Verletzte oder Sachschäden. (dpa)
07:32 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
Nach Festnahme auf offener See: Schweizer Flotilla-Aktivist tritt in Hungerstreik
Timothée Crettenand (36) ist im israelischen Gefängnis Ketziot in Hungerstreik getreten. Der Lehrer aus Lausanne war Teil der «Global Sumud Flotilla», die mit rund 40 Booten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollte und am Donnerstag von der israelischen Marine gestoppt wurde. Mehr als 450 Crew-Mitglieder aus Dutzenden Ländern wurden festgesetzt – unter ihnen 19 Schweizerinnen und Schweizer. Eine Sprecherin des Vereins Waves of Freedom, der die Schweizer Delegation der «Flotilla» organisiert hat, bestätigt gegenüber «Blick» den Hungerstreik Crettenands in der Haftanstalt im Süden Israels. Er greife damit zu einer «gewaltfreien politischen Waffe, um gegen die rechtswidrige und willkürliche Verhaftung zu protestieren».
Neun Schweizer Staatsbürger konnten das Gefängnis und Israel derweil am Samstag verlassen. Sie wurden zusammen mit über 100 weiteren Aktivistinnen und Aktivisten per Charterflug nach Istanbul gebracht. Zuvor hatten sie sich bereit erklärt, ein Formular zu unterschreiben, mit dem sie bestätigen, illegal nach Israel eingereist zu sein. Jene zehn Schweizerinnen und Schweizer, die das Schuldeingeständnis verweigert haben, sitzen nach wie vor im Gefängnis – unter ihnen auch der hungernde Timothée Crettenand. (dpa)
06:20 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
Trump: Sofort Waffenruhe, wenn Hamas zustimmt
US-Präsident Donald Trump erklärte, eine Waffenruhe sei sofort möglich, wenn auch die Hamas einer bestimmten Rückzugslinie für die israelische Armee in dem Küstenstreifen zustimme. Israel habe diese Linie bereits gebilligt, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. «Sobald die Hamas zustimmt, tritt die Waffenruhe SOFORT in Kraft.» Es folge der Austausch der Geiseln und Gefangenen und man schaffe die Voraussetzungen für die nächste Phase des Rückzugs.
Trump postete unter seinem Beitrag auch eine Grafik, die eine Verlaufslinie im Gazastreifen zeigt. In seinem vor fast einer Woche vorgestellten Friedensplan für ein Ende des Gaza-Kriegs war keine konkrete Rückzugslinie benannt worden. Stattdessen hiess es: Israelische Streitkräfte werden sich auf die vereinbarte Linie zurückziehen, um eine Geiselfreilassung vorzubereiten. Kurz vor Trumps Mitteilung hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu deutlich gemacht, die israelische Armee werde sich neu positionieren, aber weiterhin strategisch wichtige Gebiete «tief im Gazastreifen» kontrollieren.
Netanyahu zuversichtlich: baldige Rückgabe aller Geiseln
Netanyahu äusserte sich zugleich hoffnungsvoll über die Möglichkeit einer baldigen Freilassung der restlichen Geiseln im Gazastreifen. «Wir befinden uns kurz vor einer grossen Errungenschaft», sagte er. Dies sei aber noch nicht absolut sicher. «Ich hoffe, dass wir euch mit Gottes Hilfe in den nächsten Tagen, noch während des Laubhüttenfests, über die Rückkehr aller unserer Geiseln informieren können.» Das Laubhüttenfest beginnt am Montagabend und dauert eine Woche.
Zugleich hob Netanyahu hervor, dass die Rückgabe der Geiseln erfolgen könnte, während die israelische Armee noch im Gazastreifen stationiert bleibe. Sicher sei, dass die Hamas entwaffnet und der Gazastreifen entmilitarisiert werde. Dies könne entweder auf diplomatischem Weg - entsprechend dem Friedensplan von Trump - oder mit militärischen Mitteln geschehen. «Es wird auf dem leichten oder auf dem schweren Weg erzielt - aber es wird passieren.» Die Hamas hatte einen Abzug des israelischen Militärs bisher immer zur Bedingung für eine Rückgabe aller Geiseln gemacht.
Am Samstag kam es nach palästinensischen Angaben erneut zu schweren Luftangriffen mit mindestens 70 Toten. Derzeit sind noch 48 Geiseln in der Gewalt von Islamisten, darunter auch sieben mit deutscher Staatsangehörigkeit. Von den Entführten sind nach israelischen Informationen 20 noch am Leben. Die Hamas hatte in der Vergangenheit Vermittlern gesagt, nicht zu wissen, wo sich einige der Leichen befinden.
Regierungspartner droht mit Bruch
Netanyahus rechtsextreme Koalitionspartner, auf die er für das Überleben seiner Regierung angewiesen ist, kritisierten ihn hingegen scharf. Sie hatten eine Annexion und Wiederbesiedlung des Küstenstreifens gefordert, aus dem Israel sich vor 20 Jahren zurückgezogen hatte. Finanzminister Bezalel Smotrich bezeichnete Netanyahus Entscheidung, die Militäroffensive in der Stadt Gaza zu stoppen und Gespräche zu führen, als «schwerwiegenden Fehler». Dies unterhöhle die Position Israels. Der ebenfalls ultrarechte Polizeiminister Itamar Ben-Gvir drohte mit einem Austritt seiner Partei aus der Regierung, sollte die «Terrororganisation Hamas nach der Freilassung aller Geiseln weiterhin» existieren. «Wir werden uns nicht an einer nationalen Niederlage beteiligen, die (...) zu einer tickenden Zeitbombe für das nächste Massaker werden wird», sagte er. (dpa)
22:14 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Ägypten: Gespräche zwischen Israel und Hamas am Montag
Ägypten lädt Vertreter Israels und der Terrororganisation Hamas für diesen Montag zu Gesprächen über den Austausch der israelischen Geiseln im Gazastreifen mit palästinensischen Gefangenen im Zuge des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump ein. Das teilte das Aussenministerium in Kairo am Abend mit. Zuvor war in Berichten vom Beginn solcher Gespräche am Sonntag die Rede gewesen. Die - vermutlich indirekten - Gespräche seien «Teil der Bemühungen, auf dem regionalen und internationalen Momentum aufzubauen», das nach Trumps Vorstellung des Friedensplans entstanden sei, hiess es. Es sollten die Details eines Austauschs besprochen werden.
Ein Ort des Treffens wurde nicht genannt. Zuvor war in Medienberichten die Stadt Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel in der Nähe des Gazastreifens genannt worden. Mehrere Fernsehsender berichteten nun, die Gespräche würden in dem Touristenort Scharm El-Scheich im Süden der Halbinsel abgehalten.
Die islamistische Hamas wollte nach vorherigen Angaben aus Quellen in ihrem Umfeld schon am Abend eine Delegation nach Ägypten zu Gesprächen über den Friedensplan schicken. Zuvor hatte der israelische Sender Kan unter Berufung auf Verhandlungskreise gemeldet, ein israelisches Verhandlungsteam werde binnen eines Tages nach Ägypten abreisen.
Von der Terrororganisation Hamas hatte es geheissen, sie sei grundsätzlich bereit, alle lebenden und toten Geiseln zu übergeben. Voraussetzung sei die im Friedensplan vorgesehene Entlassung von palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen und dass «angemessene Bedingungen für den Austausch vor Ort gewährleistet sind» – ohne diese Bedingungen näher zu erläutern. Derzeit sind noch 48 Geiseln in der Gewalt von Islamisten, darunter auch deutsche Staatsbürger. Von den Entführten sind nach israelischen Informationen 20 noch am Leben. (dpa)
19:29 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Hamas-Kreise: Delegation reist nach Kairo
Die islamistische Terrororganisation Hamas will nach Angaben aus Quellen in ihrem Umfeld schon am Abend eine Delegation in die ägyptische Hauptstadt Kairo zu Gesprächen über den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump schicken.
Zuvor hatte der israelische Sender Kan unter Berufung auf Verhandlungskreise gemeldet, ein israelisches Verhandlungsteam werde binnen eines Tages nach Ägypten abreisen. Der israelische Sender Channel 12 berichtete vom Beginn der Gespräche am Sonntag.
Bei den Gesprächen dürfte es um eine ganze Reihe strittiger Fragen gehen. So hatte die Hamas am Freitagabend zwar Teile von Trumps Friedensplan akzeptiert, sich aber nicht zu der Forderung nach ihrer Entwaffnung geäussert. Dies ist nach Informationen aus Hamas-Quellen eine kaum zu erfüllende Forderung.
Gesundheitsbehörde: Weitere Todesopfer trotz Friedensplan
Trump hatte nach der Teilzustimmung der Hamas zu seinem Friedensplan Israel aufgerufen, die Bombardierungen im Gazastreifen sofort einzustellen, um die Freilassung der Geiseln zu ermöglichen. Nach Informationen aus dem abgeriegelten Küstengebiet griff Israel jedoch weiter an.
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde starben dabei am Samstag mindestens 37 Menschen, davon 26 in der Stadt Gaza. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Eine israelische Militärsprecherin sagte, ein Stopp von Angriffen sei nicht offiziell von der Armee verkündet worden. Israelische Medien hatten berichtet, die Armee sei angewiesen worden, die Offensive zur Eroberung der Stadt Gaza einzustellen. (dpa)
18:30 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Trump droht Hamas: Keine Verzögerung
US-Präsident Donald Trump hat der islamistischen Hamas nach ihrer Reaktion auf seinen Friedensplan zum Gaza-Krieg gedroht und schnelles Handeln verlangt. «Ich werde keine Verzögerung tolerieren», schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social - und auch kein Ergebnis, bei dem der Gazastreifen erneut eine Bedrohung darstelle. Die Hamas müsse schnell handeln. «Lasst uns das hinter uns bringen - SCHNELL.»

Am Freitagabend hatte die Hamas Teile von Trumps Friedensplan - darunter grundsätzlich eine Freilassung aller Geiseln - akzeptiert, zugleich aber weitere Verhandlungen verlangt. Der US-Präsident forderte daraufhin von Israel einen sofortigen Stopp der Bombardierungen im Gazastreifen, um die Freilassung der Geiseln zu ermöglichen.
Widersprüchliche Angaben zu Bombardierung
Trump schrieb nun auf Truth Social, er wisse es zu schätzen, dass Israel die Bombardierung vorübergehend eingestellt habe. Nach Informationen aus dem abgeriegelten Küstengebiet griff Israel jedoch weiter an. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde starben dabei am Samstag mindestens 37 Menschen, davon 26 in der Stadt Gaza.
Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee äusserte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu. Eine Militärsprecherin sagte, ein Stopp sei nicht offiziell von der Armee verkündet worden. Israelische Medien hatten berichtet, die Armee sei angewiesen worden, die Offensive zur Eroberung der Stadt Gaza einzustellen. (dpa)
15:48 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Israel: Aktivisten der Gaza-Flotte in die Türkei ausgeflogen
Viele weitere Aktivisten einer von Israel abgefangenen Gaza-Flotte privater Segel- und Motorboote haben israelischen Angaben zufolge das Land verlassen. «137 weitere Provokateure der Hamas-Sumud-Flottille wurden heute in die Türkei abgeschoben», teilte Israels Aussenministerium mit. Darunter seien unter anderem Staatsbürger aus den USA, Italien, Großbritannien, mehrerer arabischer Länder und der Türkei. Laut dem türkischen Außenminister ist der Flieger bereits in Istanbul gelandet.
Israels Aussenministerium sagte weiter, einige Aktivisten, die noch in Gewahrsam seien, behinderten den Prozess ihrer Rückführung. Das türkische Aussenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass 36 türkische Staatsbürger, die an Bord der Boote gewesen seien, per Charterflug ins Land zurückkehren würden. Zudem seien Ausländer in dem Flieger.
Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel haben sich die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel drastisch verschlechtert. Seitdem gibt es auch keine Direktflüge mehr zwischen beiden Ländern.
Die israelische Marine hatte am Freitag das letzte der insgesamt 42 Boote der «Global Sumud Flotilla» abgefangen. Mehr als 400 Besatzungsmitglieder aus Dutzenden Ländern wurden in Gewahrsam genommen, darunter die schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Am Freitag hatte Israel eigenen Angaben zufolge bereits vier Italiener in ihre Heimat zurückgeschickt.
Die Aktivisten wollten eigenen Angaben zufolge Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen. Israel hatte angeboten, die Hilfslieferungen über Häfen ausserhalb des Gazastreifens an Land und von dort aus in das palästinensische Küstengebiet zu bringen. Die Aktivisten lehnten das mit der Begründung ab, Israels Blockade des Gazastreifens sei völkerrechtswidrig. (dpa)
14:13 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Die Schweiz fordert konkrete Schritte
Das Schweizer Aussendepartement fordert, angesichts der jüngsten Entwicklungen im Gaza-Krieg müssten die Freilassung aller Geiseln, die Beendigung der Kampfhandlungen und ein sofortiger humanitärer Zugang in den Gazastreifen «Prioritäten» haben.
Die Schweiz ruft ausserdem alle Konfliktparteien auf, unverzüglich zu handeln und dabei das Völkerrecht voll zu respektieren, schreibt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Samstag auf der Plattform X. (has)
13:55 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Hamas-Ministerium: Mehr als 67.000 Tote im Gazastreifen
Im Gaza-Krieg sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums bislang mehr als 67.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden. Man habe mehr als 700 weitere Namen auf die Todesliste gesetzt, nachdem die Daten bestätigt worden seien, teilte die Behörde am Samstag mit. (dpa)
13:00 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Ägyptische Regierungskreise: Gespräche über Gaza-Geiseln angelaufen
Nach der Zustimmung der Hamas zu Teilen des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump sind ägyptischen Regierungskreisen zufolge Gespräche über die Übergabe der Geiseln angelaufen. Verhandelt werde auch über eine im Gegenzug vorgesehene Freilassung Hunderter palästinensischer Gefangener aus israelischer Haft, teilte eine an den Gesprächen beteiligte ranghohe ägyptische Gewährsperson am Samstag der Nachrichtenagentur AP mit. Arabische Vermittler bereiteten zudem einen umfassenden Dialog unter Palästinensern mit dem Ziel vor, eine gemeinsame Position zur Zukunft des Gazastreifens zu finden.
Das israelische Militär erklärte am Samstag, dass es auf Anweisung der israelischen Führung die Umsetzung der ersten Phase von Trumps Plan vorbereite. Aus israelischen Regierungskreisen erfuhr die AP, dass zudem eine Delegation zu Gesprächen über Trumps Friedensplan geschickt werde. (dpa)
11:41 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Berichte: Israel will Team zu Gaza-Verhandlungen schicken
Israel will israelischen Medienberichten zufolge eine Delegation zu Gesprächen über den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump nach Ägypten schicken. Der israelische Sender Kan meldete unter Berufung auf eine an den Verhandlungen beteiligte Person, das Team solle innerhalb eines Tages abreisen. Der israelische Sender Channel 12 berichtete, dass die Verhandlungen am Sonntag beginnen könnten. Eine offizielle Bestätigung aus Israel gab es dazu zunächst nicht.
Mehrere israelische Medien berichteten, dass auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff in die Region kommen werde, um an den Gesprächen teilzunehmen. Laut Channel 12 will Israel kurze Verhandlungen und zunächst auch nur über den Punkt der Freilassung der Geiseln sprechen. Andere strittige Aspekte will das Land demnach erst später besprechen. Die Hamas hatte am Freitagabend Teilen des von US-Präsident Trump vorgelegten Friedensplans zugestimmt, aber noch Verhandlungen gefordert. (dpa)
11:38 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Palästinenser: Weiter israelische Angriffe im Gazastreifen
Nach der Forderung von US-Präsident Donald Trump, die Bombardierung des Gazastreifens sofort zu beenden, gehen die israelischen Luftangriffe dort nach palästinensischen Angaben weiter. Aus medizinischen Kreisen in dem Küstenstreifen hiess es, bei mehreren Luftangriffen in der Stadt Gaza habe es am Morgen Tote und Verletzte gegeben. Israels Armee äusserte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Angriffen. Eine Militärsprecherin sagte aber, ein Stopp der Angriffe sei nicht offiziell von der Armee verkündet worden. Mehrere israelische Medien hatten berichtet, dass die Armee angewiesen worden sei, ihre Offensive zur Eroberung der Stadt Gaza einzustellen. Den Berichten zufolge verteidigt sich das Militär aber weiter gegen Bedrohungen vor Ort, darunter mit Luftangriffen.
Israels Armee warnte zugleich die Einwohner davor, in die Stadt Gaza zurückzukehren. Die Gegend sei weiterhin «ein gefährliches Kampfgebiet», hiess es in einer arabischsprachigen Mitteilung auf der Plattform X. Israelische Soldaten seien dort weiterhin im Einsatz. «Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie es vermeiden, nach Norden zurückzukehren.» Menschen im Gazastreifen sagten der dpa, sie seien frustriert und wütend darüber, dass es weiterhin Angriffe gebe. (dpa)
06:17 Uhr
Samstag, 4. Oktober
Trump ruft Israel zu Ende der Bombardierung von Gaza auf
US-Präsident Donald Trump fordert Israel zu einem sofortigen Ende der Bombardierung des Gazastreifens auf, um die Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas freizubekommen. Kurz zuvor hatte die Terrororganisation Teile seines Plans - darunter grundsätzlich eine Freilassung aller Geiseln - akzeptiert, zugleich aber weitere Verhandlungen gefordert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu deutete an, einlenken zu wollen. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien begrüssten die jüngsten Entwicklungen im Nahost-Konflikt. Derzeit sind noch 48 Geiseln in der Gewalt von Islamisten, darunter auch deutsche Staatsbürger. 20 der Entführten sind nach israelischen Informationen noch am Leben.
Trump schrieb am frühen Freitagabend (Ortszeit) auf der Plattform Truth Social: «Israel muss sofort die Bombardierung von Gaza einstellen, damit wir die Geiseln sicher und schnell befreien können!» Derzeit sei das viel zu gefährlich. Man befinde sich bereits in Gesprächen über die auszuarbeitenden Details. «Hier geht es nicht nur um den Gazastreifen, sondern um den lang ersehnten FRIEDEN im Nahen Osten», schrieb Trump weiter. Der US-Präsident betonte zudem: «Aufgrund der soeben von der Hamas veröffentlichten Erklärung glaube ich, dass sie zu einem dauerhaften FRIEDEN bereit sind.»
Israelischer Bericht: Kein Spielraum für Nachverhandlungen
Der israelische Sender «i24news» hatte kürzlich berichtet, aus israelischer Sicht gebe es für Nachverhandlungen keinen Spielraum – die Hamas könne den Plan nur annehmen oder ablehnen. Netanyahu hatte für den Fall einer Ablehnung die Fortsetzung des Gaza-Kriegs angekündigt. Trump hatte den Plan für ein Ende des Gaza-Kriegs am Montag während eines Treffens mit Netanyahu in Washington vorgestellt. Die USA vermitteln in dem Konflikt. Netanyahu hatte dem Plan bei seinem Besuch zugestimmt. Auch international war er auf positive Reaktionen gestossen. Rechtsextreme Koalitionspartner Netanyahus reagierten dagegen mit scharfer Kritik.
Hamas: Grundsätzlich zur Freilassung der Geiseln bereit
Von der Terrororganisation hiess es nun in ihrer am Abend veröffentlichten Antwort, sie sei grundsätzlich bereit, alle lebenden und toten Geiseln freizulassen. Voraussetzung sei die im Friedensplan vorgesehene Entlassung von palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen und dass «angemessene Bedingungen für den Austausch vor Ort gewährleistet sind» - ohne diese Bedingungen näher zu erläutern. Berichten zufolge geht die Hamas davon aus, dass sie nicht in der Lage sein wird, alle 48 Entführten innerhalb von 72 Stunden zu übergeben. Sie hat demnach in der Vergangenheit gegenüber Vermittlern erklärt, dass sie nicht wisse, wo sich einige der Geisel-Leichen befinden.
Israels Armee soll sich laut dem von Trump am Montag vorgestellten Plan ausserdem auf eine vereinbarte Linie zurückziehen, um die Geiselfreilassung vorzubereiten. Danach soll Israel rund 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palästinensische Gefängnisinsassen freilassen sowie etwa 1700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte.
Netanyahu und Armee reagieren - Einlenken möglich
Netanyahus Büro teilte in der Nacht mit: «Angesichts der Reaktion der Hamas bereitet Israel die sofortige Umsetzung der ersten Phase von Trumps Plan zur unverzüglichen Freilassung aller Geiseln vor.» Israel werde weiter eng mit dem Präsidenten und seinem Team zusammenarbeiten, «um den Krieg gemäss den von Israel festgelegten Grundsätzen zu beenden, die mit der Vision von Präsident Trump im Einklang stehen». Netanyahus Mitteilung enthält allerdings keinen Hinweis auf Trumps Aufforderung an Israel, die Angriffe im Gazastreifen unverzüglich einzustellen. Erläutert wird auch nicht, was die Umsetzung der ersten Phase von Trumps Plan konkret bedeutet. Es ist allerdings ungewöhnlich, dass Netanyahus Büro während des jüdischen Ruhetags Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert, eine Erklärung abgibt. Von der Hamas hiess es in ihrer am Abend veröffentlichten Antwort, sie sei grundsätzlich bereit, alle lebenden und toten Geiseln zu übergeben. Voraussetzung sei die im Friedensplan vorgesehene Entlassung von palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen.
Israels Armee erklärte in der Nacht auf der Plattform X: «Gemäss den Befehlen der politischen Führung wies der Generalstabschef (Ejal Zamir) an, die Vorbereitungen für die Umsetzung der ersten Phase von Trumps Plans zur Befreiung der Geiseln voranzutreiben». Auch die Armee ging nicht näher auf den Inhalt des Befehls ein oder erläuterte, was die Umsetzung der ersten Phase von Trumps Plan konkret bedeutet. Zuvor hatte es israelische Medienberichte gegeben, nach denen die politische Führung die Armee angewiesen habe, ihre Offensive zur Eroberung der Stadt Gaza einzustellen.
Knackpunkt Waffenniederlegung
Die Hamas bekundete in ihrer Antwort keine Bereitschaft dazu, ihre Waffen niederzulegen, so wie es der Friedensplan vorsieht. Einverstanden zeigte sich die Islamistenorganisation allerdings damit, dass das Gebiet nach Kriegsende zunächst von einer Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werde. Es blieb aber unklar, ob sie damit auch der Forderung von Trumps Friedensplan zustimmte, dass sie dabei keine Rolle spielen darf. Die Zukunft des Gazastreifens und die «Grundrechte des palästinensischen Volkes» müssten in einem «einheitlichen palästinensischen Rahmen behandelt werden», teilte die Terrororganisation weiter mit, die Hamas müsse daran beteiligt sein.
Der Plan Trumps sieht auch vor, dass sich die israelische Armee schrittweise aus dem Gazastreifen zurückzieht. Israel darf den Gazastreifen weder annektieren noch dauerhaft besetzen. Zudem sollen die Einwohner des Gazastreifens nicht zur Ausreise gezwungen werden. Eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) soll für Sicherheit sorgen und gleichzeitig palästinensische Polizeikräfte ausbilden. Merz, Macron und Starmer optimistisch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer begrüssten die jüngsten Entwicklungen im Nahost-Konflikt. UN-Generalsekretär António Guterres sagte laut einer Mitteilung, er sei «ermutigt» von der Erklärung der Hamas. (dpa)
21:57 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Antwort auf Trumps Friedensplan: Hamas will offenbar alle Geiseln freilassen
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas hat Teile des Plans von US-Präsident Donald Trump für eine Beendigung des Gaza-Kriegs akzeptiert. Darunter sei grundsätzlich die Freilassung aller Geiseln, teilte sie mit. Die Terrororganisation forderte aber zugleich weitere Verhandlungen.
Beobachter hatten damit gerechnet, dass die Terrororganisation Änderungen an dem Plan fordern könnte. Der israelische Sender «i24news» berichtete, aus israelischer Sicht gebe es dafür keinen Spielraum – die Hamas könne den Plan nur annehmen oder ablehnen. Netanyahu hatte für den Fall einer Ablehnung die Fortsetzung des Gaza-Kriegs angekündigt.
Die Hamas teilte am Abend mit, sie sei grundsätzlich bereit, alle lebenden und toten Geiseln freizulassen. Voraussetzung sei die im Friedensplan vorgesehene Entlassung von palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen und dass «angemessene Bedingungen für den Austausch vor Ort gewährleistet sind» - ohne diese Bedingungen näher zu erläutern. (dpa)
17:28 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
«Entführt und verschleppt»: Schweizer Teilnehmer von Gaza-Hilfslotte schickt Videobotschaft
«Wenn Sie dieses Video sehen, wissen Sie, dass ich von israelischen Streitkräften gegen meinen Willen entführt und verschleppt wurde.» So lautet die Botschaft des Schweizer Gaza-Aktivisten Rahim Mercan, die auf Instagram geteilt wurde. Im Video hält er einen Schweizer Pass in der Hand. «Bitte fordern Sie meine Regierung auf, meine sofortige Freilassung zu fordern», sagt Mercan weiter.
Er war mit 18 weiteren Schweizerinnen und Schweizern Teil der Gaza-Hilfsflotte, die von Israel abgefangen wurde. Insgesamt nahmen mehr als 500 Personen aus der ganzen Welt an der Aktion teil. Mercan befindet sich gemäss Berichten von Keystone-SDA im Negev-Gefängnis in Israel.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stehe gemäss Mitteilung «mit den israelischen Behörden in Kontakt, um den konsularischen Schutz der betroffenen Schweizer Staatsangehörigen sicherzustellen». (fan)
16:49 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Trump gibt Hamas bis Sonntag Zeit zur Annahme seines Friedensplans
US-Präsident Donald Trump hat der militant-islamistischen Palästinenserorganisation Hamas eine Frist bis Sonntag für eine Annahme des von ihm vorgeschlagenen Friedensplans gegeben. Falls die Hamas bis Sonntag 18.00 Uhr (US-Ostküstenzeit) nicht zustimme, werde es weitere Angriffe geben, erklärte Trump am Freitag im Internet. «Alle Länder haben zugestimmt! Wenn diese LETZTE CHANCE für ein Abkommen nicht genutzt wird, wird die HÖLLE gegen die Hamas losbrechen, wie sie noch niemand zuvor gesehen hat», schrieb er. Auf die «eine oder andere Weise» werde es Frieden geben.
Trumps am Montag vorgestellter Plan sieht vor, die Hamas zu entwaffnen und die Kämpfe zu beenden. Die mehr als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Gazastreifens sollen auf absehbare Zeit unter internationale Kontrolle gestellt werden. Geplant sind zudem eine garantierte Lieferung humanitärer Hilfe und der Wiederaufbau des schwer zerstörten Küstengebietes. (dpa)
10:34 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Boot der Gaza-Hilfsflotte kurz vor der Küste
Die israelische Marine hat im Mittelmeer nach Angaben der Organisatoren einer privaten Flotte mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen bislang 21 Boote abgefangen. Bei weiteren zehn sei dies anzunehmen, da der Kontakt zu ihnen abgebrochen sei. Unter den Festgenommenen war auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Nach einem von der Trägerorganisation der Global Sumud Flotilla betriebenen Schiffsortungsdienst im Internet setzten am Morgen jedoch noch elf der Motor- und Segelboote ihre Fahrt Richtung Gazastreifen fort. Zwei Boote liefen Richtung Zypern. Ein Segelboot befand sich demnach nur noch etwa 15 Kilometer vor der Küste des Kriegsgebiets, machte jedoch keine Fahrt mehr. (dpa)
06:57 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Aktivisten: 30 Boote steuern weiter auf Gaza zu
Nach dem Militäreinsatz der israelischen Marine gegen eine private Flotte von Schiffen mit Hilfslieferungen steuern nach Angaben der Aktivisten noch immer zahlreiche Boote auf den Gazastreifen zu. 13 Schiffe seien im Mittelmeer abgefangen worden, rund 30 weitere setzten ihre Reise aber fort, teilte die Global Sumud Flotilla mit. «Wie fahren weiterhin durch das Mittelmeer, um die Belagerung des Gazastreifens zu durchbrechen», sagte ein Sprecher der Organisation. (dpa)
06:07 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Proteste in Rom und Berlin
In Italien kamen es nach dem Stopp der Gaza-Flottille zu Protesten. Vor dem Hauptbahnhof von Rom versammelten sich am Abend Demonstranten. Die Zugänge zu dem Bahnhof wurden nach Behördenangaben vorsichtshalber gesperrt. Die grösste Gewerkschaft des Landes rief für Freitag aus Solidarität mit der Flotte zu einem Generalstreik auf. Die Zeitung «La Repubblica» berichtete, ein Zug von Demonstranten bewege sich in Richtung des Amtssitzes von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Sie werfen ihrer rechten Regierung vor, sich nicht solidarisch mit den Aktivisten der Gaza-Flottille zu zeigen. Einige skandierten, an ihren Händen klebe Blut. Auch in Berlin protestierten etwa 300 Menschen gegen den Stopp der Flotte. Einige Demonstranten warfen bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof nach Polizeiangaben mit Flaschen auf Beamte und skandierten verbotene Parolen. Mehrere Menschen wurden demnach festgenommen. Auch in Lausanne gab es Proteste. (dpa)
06:06 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Israel: Flotte will «nicht helfen, sondern provozieren»
Das israelische Aussenministerium teilte auf X mit, die israelische Kriegsmarine habe die Flottille aufgefordert, ihren Kurs zu ändern. Ihre Hilfslieferungen könnten sie in Häfen ausserhalb des Gazastreifens an Land bringen, sie würden in das palästinensische Küstengebiet weitertransportiert. Die Besatzungen seien informiert worden, dass sie sich einer aktiven Kampfzone näherten. «Die Flottille hat (das Angebot) abgelehnt, weil sie nicht an Hilfeleistung interessiert ist, sondern an Provokation», hiess es in der Stellungnahme des Aussenministeriums weiter.
Live übertragene Bilder von Kameras an Bord einiger Boote zeigten Aktivisten in Schwimmwesten, die offenbar auf ein Entern ihrer Boote durch israelische Marinesoldaten warteten. Der Sprecher der Flotte, Thiago Ávila, begründete die Ablehnung des Angebots, die Hilfslieferungen über Israel ausliefern zu lassen, damit, dass die humanitäre Hilfe nicht der Besatzungsmacht im Gazastreifen überlassen werden dürfe. Die Palästinenser im Gazastreifen hätten das Recht, ihre eigenen Grenzen zu kontrollieren. «Deshalb erkennen wir euch nicht als legitimen Akteur an, um humanitäre Hilfe zum palästinensischen Volk im Gazastreifen zu bringen», teilte er an Israel gerichtet über X mit. Die Seeblockade, die Israel vor dem Küstengebiet aufrechterhält, bezeichnete er als völkerrechtswidrig. (dpa)
06:05 Uhr
Donnerstag, 2. Oktober
Türkische Regierung verurteilt Militäreinsatz gegen Flotte
Die türkische Regierung verurteilte den israelischen Militäreinsatz gegen die Hilfsflotte scharf. «Der Angriff der israelischen Streitkräfte in internationalen Gewässern gegen die Global Sumud Flotilla, die humanitäre Hilfe zu den Menschen im Gazastreifen bringen wollte, stellt einen Akt des Terrors dar, der gegen das Völkerrecht verstösst und das Leben unschuldiger Zivilisten in Gefahr bringt», hiess es in einer Mitteilung des Aussenministeriums. (dpa)
21:13 Uhr
Mittwoch, 1. Oktober
Israel stoppt Flotte auf dem Weg nach Gaza
Das israelische Militär hat Boote einer Flotte mit Hilfslieferungen auf dem Weg in den Gazastreifen abgefangen. Der amerikanische Veteran Greg Stoker, der an Bord eines der Boote war, berichtete in einem Video, dass etwa ein Dutzend Schiffe der israelischen Marine sich genähert hätten. Die Boote würden von der Marine angewiesen, ihre Motoren abzuschalten, sagte Stoker.
Das israelische Aussenministerium teilte auf der Plattform X mit, die Marine habe die Flotte gebeten, den Kurs zu ändern und sie gewarnt, dass sich die Boote «einer aktiven Kampfzone» näherten. Das Ministerium bekräftigte sein Angebot, die Hilfsgüter auf anderem Wege in den Gazastreifen zu bringen.
Die sogenannte Global Sumud Flotilla besteht aus etwa 50 kleinen Booten, die insgesamt etwa 500 Menschen an Bord haben, darunter die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, ein Enkel von Nelson Mandela, Mandla Mandela, und europäische Abgeordnete. Sie transportierten eine symbolische Menge humanitärer Hilfsgüter für Palästinenserinnen und Palästinenser, darunter Lebensmittel und Medikamente. Die Flotte war am 1. September von Barcelona in Richtung Gazastreifen aufgebrochen. Sie sollte die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen, die schon lange vor dem Gaza-Krieg begann und bereits 18 Jahre dauert. (dpa)
05:52 Uhr
Mittwoch, 1. Oktober
Warten auf Hamas-Antwort – Trump setzt Frist
Nach Präsentation des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump für ein Ende des Gaza-Kriegs wächst der Druck auf die islamistische Palästinenserorganisation Hamas, darauf zu reagieren. US-Präsident Donald Trump gab der Terrororganisation am Dienstag (Ortszeit Washington) «etwa drei oder vier Tage Zeit», um auf seinen Plan zu reagieren. Die Hamas teilte mit, man prüfe ihn sorgfältig. International war das Vorhaben - auch bei arabischen und muslimischen Vertretern - auf positive Resonanz gestossen.
Trump hatte den 20-Punkte-Plan am Montag (Ortszeit) bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu in Washington vorgestellt. Netanjahu stimmte zu. Auch Staaten wie Ägypten, die Türkei und Katar sollen positiv auf das Vorhaben reagiert haben.
Der Plan sieht die Freilassung aller 48 israelischen Geiseln binnen 72 Stunden vor. Im Gegenzug will Israel mehrere Hundert Palästinenser aus der Haft entlassen. Zugleich soll sich die Armee schrittweise aus dem Gazastreifen zurückziehen. Hamas-Mitglieder können bei Waffenabgabe Amnestie erhalten oder ausreisen. Im Gazastreifen hält die Hamas noch 48 Geiseln fest, darunter auch deutsche Staatsbürger. 20 der Entführten sind nach israelischen Informationen noch am Leben.
Trump sagte, nun warte man nur noch auf die Hamas. «Und die Hamas wird entweder zustimmen oder nicht, und wenn sie nicht zustimmt, wird das ein sehr trauriges Ende nehmen.» Er betonte, alle arabischen und muslimischen Länder hätten zugestimmt – genau wie Israel.
Spekulationen über Hamas-Reaktion
Aus Kreisen der Hamas hiess es, die Terrororganisation habe den Vorschlag von den katarischen und ägyptischen Vermittlern erhalten. Demnach wollen die Islamisten den Plan «sorgfältig prüfen», ehe sie eine offizielle Antwort geben.
Wie die Terrororganisation reagieren wird, blieb jedoch zunächst offen. Beobachter rechneten mit möglichen Nachforderungen oder Einschränkungen. Der Sender i24news berichtete allerdings, aus israelischer Sicht gebe es keinen Spielraum – die Hamas könne den Plan nur annehmen oder ablehnen.
Die BBC zitierte einen ranghohen Hamas-Vertreter, der sagte, wahrscheinlich werde Trumps Friedensplan abgelehnt, da dieser «den Interessen Israels diene» und «die Interessen des palästinensischen Volkes ignoriere». Die Hamas sei wahrscheinlich nicht bereit, ihre Waffen abzugeben. Dies ist aber eine zentrale Bedingung von Trumps Plan.
Ein weiterer wesentlicher Knackpunkt dürfte für die Hamas sein, dass von ihr verlangt wird, alle Geiseln auf einmal freizulassen – und damit ihre einzige Verhandlungsmasse aufzugeben. In anderen Medienberichten heisst es allerdings, die Hamas tendiere dazu, den Plan zu akzeptieren.
In Europa äusserten sich Frankreich, Deutschland und Grossbritannien positiv und forderten die Hamas auf, ebenfalls zuzustimmen. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde begrüsste den Plan und sprach von einem Schritt hin zu einer Zweistaatenlösung.
Rechtsextreme Koalitionspartner Netanjahus reagierten dagegen mit scharfer Kritik - sie hatten eine Annexion und Wiederbesiedlung des Küstenstreifens gefordert, aus dem Israel sich vor 20 Jahren zurückgezogen hatte.
Katar: Plan ist noch im Anfangsstadium
Das Golfemirat Katar, das in dem Konflikt als Vermittler auftritt, sieht im Friedensplan noch Bedarf für klärende Details und weitere Verhandlungen. «Der Plan ist noch im Anfangsstadium und muss weiter entwickelt und erläutert werden», teilte der katarische Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani dem Nachrichtenkanal Al-Dschasira mit.
Es gebe vor allem noch Klärungsbedarf zum Mechanismus für den israelischen Truppenabzug aus dem Küstengebiet. Der von Trump vorgestellte Plan erfordere eine «Diskussion über Details und wie diese umgesetzt werden sollen», sagte Al Thani laut Al-Dschasira.
Trump hat mit der Vorstellung seines Friedensplans wie schon oft Hoffnungen auf ein Ende des Gaza-Kriegs geweckt. Es gibt aber wie in vorigen Vorschlägen offene Fragen, die nach der Verkündung in Washington Zweifel aufkommen liessen, ob der Plan wirklich zu einem Kriegsende führen kann.
Netanjahu erklärte nach seiner Rückkehr, in Washington habe er mit Trump einen Rahmen für die Freilassung aller israelischen Geiseln und die Erreichung der Kriegsziele vereinbart. Details wolle er im Kabinett vorstellen.
Wadephul: Bundesregierung will Umsetzung der Pläne unterstützen
Die Bundesregierung steht nach den Worten von Aussenminister Johann Wadephul bereit, die Umsetzung der Pläne konkret zu unterstützen. Zugleich machte der Politiker aber klar, dass auch die jetzt vorgeschlagene Lösung nicht unmittelbar umzusetzen sein werde.
«Es stellen sich sehr viele drängende Fragen des Wie», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Wie wird der Gazastreifen zukünftig verwaltet? Wie wird für Sicherheit gesorgt? Wie wird die humanitäre Versorgung wieder hergestellt? Wie wird der Wiederaufbau organisiert?», sagte Wadephul. «Das wird ein mühsamer Prozess bleiben.»
Deutschland kann nach den Worten von Wadephul viel dazu beitragen, operative Fragen zu lösen. Die Bundesregierung habe bereits zugesagt, sich am Wiederaufbau des Gazastreifens zu beteiligen, was ein Anreiz zur Einigung auf den Friedensplan sein könne. Er selbst werde am Sonntag noch einmal nach Katar reisen.
Zentrale Punkte des Plans
Neben der Freilassung der Geiseln und dem schrittweisen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen sieht der Plan auch vor, dass Hamas-Mitglieder nicht an der künftigen Verwaltung beteiligt sein dürfen, sie können aber bei Waffenabgabe Amnestie erhalten oder ausreisen. Nach Kriegsende soll eine Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter internationaler Aufsicht eingesetzt werden.
Israel darf Gaza weder annektieren noch dauerhaft besetzen. Für Sicherheit soll eine internationale Truppe sorgen, die auch palästinensische Polizeikräfte ausbildet. Ein international finanzierter Wiederaufbauplan mit Investitionen und einer Sonderwirtschaftszone soll Arbeitsplätze schaffen und langfristig den Weg zu einer Zweistaatenlösung ebnen. (dpa)
17:27 Uhr
Dienstag, 30. September
Trump: Gebe Hamas etwa drei oder vier Tage Zeit für Reaktion
US-Präsident Donald Trump gibt der islamistischen Hamas «etwa drei oder vier Tage Zeit», um auf seinen Friedensplan zu reagieren. Das sagte er auf eine entsprechende Frage vor Journalisten in Washington. Alle arabischen und muslimischen Länder hätten zugestimmt – genau wie Israel. Man warte nur noch auf die Hamas. «Und die Hamas wird entweder zustimmen oder nicht, und wenn sie nicht zustimmt, wird das ein sehr trauriges Ende nehmen.»
Trumps Plan sieht unter anderem vor, dass sich die israelische Armee schrittweise aus dem Gazastreifen zurückzieht. Das Gebiet soll ausserdem von einer Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werden.
Aus Kreisen der Hamas hiess es, die Terrororganisation habe den Vorschlag von den katarischen und ägyptischen Vermittlern erhalten. Demnach wollen die Islamisten den Plan «sorgfältig prüfen», ehe sie eine offizielle Antwort geben. (dpa)
16:29 Uhr
Dienstag, 30. September
Mehr als zwei Dutzend Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben örtlicher Krankenhäuser mindestens 27 Menschen getötet worden. Im vom israelischen Militär kontrollierten Netzarim-Korridor kamen 17 Palästinenser ums Leben, die versuchten, humanitäre Hilfe zu bekommen, wie das Al-Awda-Krankenhaus am Dienstag mitteilte. Ausserdem gab es 33 Verletzte. Bei Deir al-Balah traf ein Angriff ein Zelt und tötete sieben Menschen, wie das Al-Aksa-Krankenhaus mitteilte. Sie waren erst vor Kurzem vor der israelischen Offensive aus der Stadt Gaza geflohen.
Westlich von Chan Junis wurden nach Angaben des Nasser-Krankenhauses ein Familienvater, seine schwangere Frau und ihr Kind getötet, als ein weiterer Angriff auch ihr Zelt traf. Die beiden Zelte standen in der Region Al-Mawasi, die Israel zu einer sicheren Zone erklärt hat.
Das israelische Militär äusserte sich zunächst nicht zu den Angriffen. Es teilte lediglich mit, seine Truppen hätten in den vergangenen 24 Stunden mehrere bewaffnete Kämpfer getötet und mehr als 160 Ziele der militant-islamistischen Hamas angegriffen, darunter Waffenlager und Beobachtungsposten. (dpa)
14:10 Uhr
Dienstag, 30. September
Israelischer Aussenminister zu Friedensplan: Hamas am Zug
Der israelische Aussenminister Gideon Saar sieht nach der Vorstellung des neuen Friedensplans von US-Präsident Donald Trump für den Gazastreifen die militant-islamistische Hamas am Zug. In der Vergangenheit habe die Palästinenserorganisation versucht, Bedingungen für Abkommen zu ändern oder diese nicht umgesetzt, sagte Saar am Dienstag am Rande eines Besuches in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Man müsse abwarten, ob die Hamas jetzt bereit sei, den Trump-Plan zu akzeptieren. «Wir werden es sehen.»
Israel hat dem 20-Punkte-Plan Trumps bereits zugestimmt, die Hamas kündigte an, ihn zu prüfen. Der Vorschlag sieht vor, dass die Hamas de facto kapituliert, ihre Waffen abgibt und die verbliebenen Geiseln freilässt, im Gegenzug für ein Ende der Kämpfe, humanitäre Hilfe für die Palästinenser und das Versprechen des Wiederaufbaus im Gazastreifen.
«Wir wollen, dass unsere Geiseln nach zwei Jahren nach Hause kommen ... lebendig oder tot», sagte Saar. «Wir wollen auch ein anderes Gaza sehen: entradikalisiert, entmilitarisiert und eines, das keine Bedrohung für Israel und seine Bürger darstellt.» (dpa)
12:24 Uhr
Dienstag, 30. September
UN kündigen Unterstützung für US-Friedensplan im Gazastreifen an
Die Vereinten Nationen wollen den US-Friedensplan für den Gazastreifen unterstützen. Man stehe bereit, um die Hilfslieferungen in das Küstengebiet zu erhöhen, sagten UN-Vertreter am Dienstag. Die UN waren nicht an der Ausarbeitung des Plans beteiligt, in dem es heisst, die Hilfslieferungen für die Palästinenser sollten über die UN und ihre Agenturen oder andere internationale Organisationen erfolgen.
Eine UN-Sprecherin in Genf, Alessandra Vellucci, sagte, die Weltorganisation stehe wegen der Friedensbemühungen in Kontakt mit den Beteiligten. «Wir begrüssen alle Vermittlungsversuche», erklärte sie. Jens Laerke, Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, betonte, die UN seien jederzeit in der Lage, die Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu erhöhen, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben seien und die Sicherheit der Hilfstransporte gewährleistet sei.
Die Hilfslieferungen durch UN-Organisationen und ihre Partner waren in den vergangenen Monaten weitgehend eingeschränkt, weil Israel einer anderen Organisation – der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) – gestattete, Lebensmittel und andere Güter in den Gazastreifen zu bringen und zu verteilen. Ob auch GHF unter dem neuen Plan weiter aktiv bleiben soll, ist unklar. (dpa)
11:56 Uhr
Dienstag, 30. September
Israel sieht Verbindungen zwischen Gaza-Flotte und Hamas
Israel wirft der privaten Flotte von Schiffen mit Hilfslieferungen für die Bevölkerung im Gazastreifen vor, dass die Hamas direkt an der Aktion beteiligt sein soll. An Bord eines der Boote der propalästinensischen Global Sumud Flotilla (GSF) ist auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.
«Offizielle Hamas-Dokumente, die im Gazastreifen gefunden und nun erstmals veröffentlicht wurden, belegen die direkte Beteiligung der Hamas an der Finanzierung und Durchführung der Sumud-Flottille nach Gaza», teilte Israels Aussenministerium mit.
Ein Hamas-Dokument zeige eine Liste von Mitgliedern der sogenannten «Palästinensischen Konferenz der Palästinenser im Ausland» (PCPA), die laut israelischen Angaben eine Vertretung der Islamistenorganisation im Ausland ist. Aufgeführt sei auch der Leiter der Gruppe in Grossbritannien namens Sahir Birawi. (dpa)
11:40 Uhr
Dienstag, 30. September
Türkei kündigt Unterstützung für Gaza-Hilfsflotte an
Die Türkei will falls notwendig die private Hilfsflotte für den Gazastreifen unterstützen. Das türkische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, es beobachte die Lage im östlichen Mittelmeer. Türkische Schiffe in der Region seien bereit, im Bedarfsfall «humanitäre Missionen» zu unterstützen – ein Hinweis auf die propalästinensische Flotte aus mehreren Booten, die die israelische Blockade des Gazastreifens durchbrechen will. (dpa)
10:57 Uhr
Dienstag, 30. September
China begrüsst Gaza-Friedensbemühung
China hat sich positiv über den US-Friedensplan zur Beendigung des Gaza-Krieges geäussert. Peking unterstütze alle Bemühungen, um die Spannungen zwischen Israel und Palästina zu lindern, sagte Aussenamtssprecher Guo Jiakun in Peking.
Die Volksrepublik rufe alle betroffenen Seiten auf, sofort eine umfassende Feuerpause zu erreichen und alle festgehaltenen Menschen freizulassen. China setze sich für das Prinzip ein, dass die Palästinenser Palästina regieren müssten und dafür, dass die Zweistaatenlösung umgesetzt werde, sagte er. China ist Mitglied im UN-Sicherheitsrat. (dpa)
06:18 Uhr
Dienstag, 30. September
Mehrere arabische Staaten unterstützen Trumps Gaza-Plan
Mehrere arabische Staaten unterstützen den Plan von US-Präsident Donald Trump zur Beilegung des Gaza-Kriegs. Die Aussenminister von Katar, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Ägypten begrüssten den Vorschlag, der ein Ende der Kämpfe, die Freilassung der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln und den Wiederaufbau des abgeriegelten Küstenstreifens vorsieht.
«Die Minister betonen ihre Bereitschaft, positiv und konstruktiv mit den Vereinigten Staaten und den Konfliktparteien zusammenzuarbeiten, um das Abkommen zum Abschluss zu bringen, seine Implementierung sicherzustellen und den Menschen in der Region Frieden, Sicherheit und Stabilität zu bringen», hiess es in der gemeinsamen Stellungnahme, die auch von der Türkei, Pakistan und Indonesien mitgetragen wurde. (dpa)
20:38 Uhr
Montag, 29. September
Trump schlägt «Friedensrat» für Gaza vor
Der israelische Ministerpräsident hat am Montag in Washington mit US-Präsident Trump über dessen Gaza-Friedensplan gesprochen. Netanyahu steht dabei unter Druck des Weissen Hauses.
19:48 Uhr
Montag, 29. September
Während Treffen mit Trump: Netanyahu entschuldigt sich bei Katar
Während eines Treffens mit US-Präsident Donald Trump in Washington hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP bei seinem katarischen Amtskollegen Mohammed bin Abdulrahman Al Thani für einen Luftangriff auf die Hauptstadt Doha entschuldigt.

Netanyahu habe al Thani am Montag vom Weissen Haus aus angerufen, erfuhr die AP von zwei Personen, die über das Telefonat Bescheid wussten. Ziel des israelischen Luftangriffs waren Vertreter des politischen Büros der militant-islamistischen Hamas in Doha. Der Angriff hatte nicht nur in Katar selbst, sondern auch in anderen arabischen Ländern für Empörung gesorgt. Auch die USA, die das Golfemirat als wichtigen Partner in der Region ansehen, brachte der Angriff in eine schwierige Lage.
Katar war neben Ägypten und den USA ein wichtiger Vermittler bei den bisherigen Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung israelischer Geiseln aus den Händen der Hamas. (dpa)
15:20 Uhr
Montag, 29. September
Schiff von Gaza-Hilfsflotte wegen Panne evakuiert
Ein Schiff der propalästinensischen Flotte privater Schiffe mit Hilfslieferungen für die Bevölkerung im Gazastreifen ist evakuiert worden. Im Motorraum des Bootes «Johnny M» sei Wasser eingedrungen und die Besatzung sei in Sicherheit gebracht worden, hiess es in einer Erklärung der Aktivisten auf der Plattform Instagram.
Das Schiff könne nicht mehr weiterfahren, ein Teil der Besatzung werde auf andere Boote verteilt, andere würden an Land gebracht. Wesentliche Verzögerungen im Ablauf werde es nicht geben - die Flotte werde ihr Ziel voraussichtlich in vier Tagen erreichen, hiess es weiter.
Die Gaza-Hilfsflotte besteht aus 50 privaten Schiffen, die Israels Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen wollen. Das in Not geratene Boot, das sich zwischen Kreta, Zypern und Ägypten befinde, habe am Morgen einen Notruf abgesetzt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu aus der Türkei. An der Rettungsaktion sei der türkische Rote Halbmond beteiligt gewesen.
Semih Fener, der Kapitän eines der Schiffe, das bei der Evakuierung half, sagte Anadolu, sie hätten zwölf Personen aufgenommen und auf andere Schiffe verteilt. Vier davon würden über die Türkei nach Hause zurückkehren. Anadolu zufolge waren auf der «Johnny M» unter anderem Menschen aus Luxemburg, Frankreich, Finnland, Mexiko und Malaysia. (dpa)
12:20 Uhr
Montag, 29. September
Israelischer Siedlervertreter nach Treffen mit Netanyahu besorgt
Ein führender israelischer Siedlervertreter hat sich nach einem Treffen mit dem Regierungschef Benjamin Netanyahu «sehr besorgt» geäussert. Jossi Dagan hatte sich mit anderen führenden Repräsentanten der Siedlerbewegung im besetzten Westjordanland vor dessen Gespräch mit US-Präsident Donald Trump in Washington mit Netanyahu getroffen. Dagan sagte dem israelischen Nachrichtenportal «ynet», das Gespräch mit Netanyahu sei «sehr lang» gewesen und habe sie beunruhigt zurückgelassen.
Teil eines 21-Punkte-Plans des US-Präsidenten ist nach Medienberichten auch die Aussicht auf einen Weg zu einem künftigen palästinensischen Staat als Ergebnis von Friedensverhandlungen unter US-Vermittlung. Die im Westjordanland herrschende Palästinensische Autonomiebehörde soll demnach ein Reformprogramm umsetzen, um später auch im Gazastreifen die Kontrolle übernehmen zu können. Beide Punkte lehnte Netanyahu bisher vehement ab. (dpa)
09:55 Uhr
Montag, 29. September
Iran: Todesurteil für mutmasslichen Israel-Spion vollstreckt
Irans Justiz hat wieder einen mutmasslichen Spion für den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad hinrichten lassen. Laut dem iranischen Justizportal Misan soll Bahman C. als Datenbankexperte in einem Telekommunikationsunternehmen sensible Informationen an den Mossad weitergeleitet haben. Er wurde nach seiner Verhaftung zum Tode verurteilt und nach Ablauf der gesetzlichen Verfahren erhängt, wie es in dem Misan-Bericht hiess.
Besonders nach den israelischen Angriffen im Juni und der gezielten Ermordung mehrerer iranischer Generäle und Atomexperten hat die iranische Justiz mehrere Menschen wegen mutmasslicher Spionage für Israel verhaftet – und einige von ihnen auch hingerichtet.
Laut Amnesty International sind im Iran in diesem Jahr bereits so viele Hinrichtungen verzeichnet worden wie seit 15 Jahren nicht mehr. Demnach sollen bislang mehr als 1.000 Todesurteile vollstreckt worden sein. (dpa)
06:37 Uhr
Montag, 29. September
Trump empfängt Netanyahu: Gelingt ein Gaza-Deal?
Fast zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Kriegs will US-Präsident Donald Trump Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu einen konkreten Plan für ein Ende des Blutvergiessens vorlegen. Die Beratungen über den Plan seien «in der Endphase», sagte Trump der Nachrichtenseite «Axios». Nach Medienberichten präsentiert er den Entwurf mit 21 Punkten an diesem Montag um 11.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) im Weissen Haus. (dpa)
22:12 Uhr
FReitag, 26. September
UN-Sicherheitsrat lässt Iran-Sanktionen wieder in Kraft treten
Russland und China haben eine Wiedereinführung der UN-Sanktionen gegen den Iran im Sicherheitsrat nicht verhindern können. Die von ihnen vorgelegte Resolution für eine Verlängerung der Frist für ein Inkrafttreten der Sanktionen um sechs Monate erhielt am Freitag nicht die notwendige Mehrheit von neun Stimmen. Die Massnahmen können damit am Samstag in Kraft treten, sollte es nicht doch noch in letzter Minute zu einer Einigung kommen.
Deutschland, Frankreich und Grossbritannien hatten Ende August den sogenannten Snapback-Mechanismus zur Wiedereinführung der internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik ausgelöst, weil sich Teheran nicht an die Vereinbarungen des Atomabkommens von 2015 halte. Zu den Sanktionen gehören unter anderem das Einfrieren iranischer Vermögenswerte im Ausland und ein Verbot von Waffenlieferungen an Teheran. (dpa)
17:21 Uhr
Freitag, 26. September
Netanyahu: Palästina-Anerkennung wird Terror überall fördern
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte erneut die Anerkennung eines palästinensischen Staats durch mehrere westliche Staaten als «schändliche Entscheidung» verurteilt. Sie werde Terrorismus weltweit fördern, sagte Netanjahu. Frankreich, Grossbritannien, Australien, Kanada und weitere Länder belohnten die Fanatiker, die das Massaker am 7. Oktober 2023 begangen und unterstützt hätten, so Netanjahu. An die Länder gerichtet betonte er: «Israel wird nicht zulassen, dass Sie uns einen Terrorstaat aufzwingen.»
Der israelische Regierungschef sagte weiter, fast 90 Prozent der palästinensischen Bevölkerung hätten am 7. Oktober 2023 das von der Hamas und weiteren islamistischen Extremisten verübte Massaker in Israel gefeiert. Tatsächlich gab es damals Aufnahmen, die etwa Versammlungen jubelnder Palästinenser zeigten. Umfragen legten nach dem Terrorangriff eine sehr hohe Zustimmung zum Terrorangriff der Hamas nahe - allerdings nicht so hoch.
Die Länder, die einen palästinensischen Staat anerkennen, hätten eine «klare Botschaft» an die Palästinenser gesendet: «Juden zu ermorden zahlt sich aus», so Netanjahu. Auch der gemässigteren Autonomiebehörde (PA), die Teile des Westjordanlandes verwaltet, warf Israels Regierungschef erneut vor, Terrorismus zu fördern.
Zuletzt hatten unter anderem auch Portugal, Belgien, Malta, Luxemburg und das Fürstentum Monaco einen Palästinenser-Staat offiziell anerkannt. Die Anerkennung hat zwar vor allem symbolischen Charakter, markiert aber eine klare Positionsänderung im Nahostkonflikt und isoliert Israel auf internationaler Bühne weiter. (dpa)
15:38 Uhr
Freitag, 26. September
Netanyahu hält UN-Rede – und Dutzende verlassen den Saal
Zu Beginn der Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bei der UN-Generaldebatte haben Dutzende Diplomaten den Sitzungssaal verlassen. Sie gingen aus Protest in langen Schlangen aus dem Raum in New York. Dieser war am Freitagmorgen (Ortszeit) zu Beginn der Sitzung ohnehin nur spärlich gefüllt.
Netanyahu wartete mit stoischem Blick am Podium den Protest ab und erhielt währenddessen auch vereinzelten demonstrativen Applaus, vor allem aus Israels Delegation. Während seiner ersten Worte gab es weitere Zwischenrufe.

Davon liess sich Netanyahu nicht beirren. Er hat die von den USA unterstützten Angriffe auf das iranische Atomprogramm verteidigt und eindringlich vor einer atomaren Bewaffnung des Irans gewarnt. Die «iranische Terrorachse» habe den Frieden in der Welt, die Stabilität der Region und die Existenz Israels bedroht, sagte er in seiner Rede. Netanjahu dankte US-Präsident Donald Trump ausdrücklich für dessen Unterstützung bei den Angriffen im Juni. Iran dürfe niemals eine Atomwaffe bekommen.
Der Iran habe «rasch ein massives Atomwaffenprogramm und ein massives Programm für ballistische Raketen» entwickelt, sagte Netanjahu. «Diese sollten nicht nur Israel zerstören, sondern auch die Vereinigten Staaten bedrohen und Nationen überall auf der Welt erpressen.»
Wegen der aggressiven Kriegsführung im Gazastreifen hatten sich zuletzt auch immer mehr westliche Partner von der israelischen Regierung abgewandt. So erkannten Grossbritannien, Frankreich und Kanada zuletzt einen Staat Palästina an. Netanjahu wirft ihnen vor, damit den Terrorangriff der Hamas vor fast zwei Jahren auf Israel zu belohnen.(dpa/pin)
10:41 Uhr
Freitag, 26. September
Israels Luftschläge auf Sanaa: Huthi melden weitere Opfer
Nach den israelischen Luftangriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa hat das von der Huthi-Miliz kontrollierte Gesundheitsministeriums weitere Opfer gemeldet. Demnach wurden neun Menschen getötet und 174 verletzt – darunter 59 Kinder und 35 Frauen. Zunächst hatte es geheissen, acht Menschen seien getötet und 142 verletzt worden. Unabhängig geprüft werden konnten die Angaben nicht.
Die Rettungs- und Bergungsarbeiten dauerten den Angaben zufolge weiter an. Unter Trümmern werde noch immer nach Opfern gesucht, hiess es in der Mitteilung. Die Huthi warfen Israel vor, Wohngebiete und andere zivile Ziele angegriffen zu haben.
Antwort auf Drohnenangriff auf Eilat
Israels Armee hatte hingegen von Angriffen «auf militärische Ziele» der Huthi in Sanaa gesprochen. In einigen Berichten war von etwa einem Dutzend Luftangriffen die Rede.
Die Angriffe am Donnerstag folgten einen Tag nach einem Drohnenangriff der Huthi in der israelischen Stadt Eilat, bei der 20 Menschen verletzt wurden, zwei davon schwer. Israels Armee betonte, die jüngsten Angriffe Israels seien eine Reaktion darauf, dass die Miliz regelmässig Drohnen und Raketen Richtung Israel feure. (dpa)
06:34 Uhr
Freitag, 26. September
Hisbollah setzt sich über Verbot der libanesischen Regierung hinweg
Die seit dem Krieg mit Israel geschwächte Hisbollah-Miliz hat sich über ein Verbot des libanesischen Ministerpräsidenten hinweggesetzt: Die proiranische Schiitenmiliz projizierte Bilder, die ihren getöteten Anführer Hassan Nasrallah zeigen, auf ein Wahrzeichen in der Hauptstadt Beirut. Ministerpräsident Nauaf Salam forderte die zuständigen Behörden auf, die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Projektionen auf einen Felsen vor der Küste der libanesischen Hauptstadt Beirut fanden im Rahmen einer Gedenkfeier für Nasrallah statt. Er war am 27. September 2024 bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Etliche Anhänger der Schiitenorganisation versammelten sich während der Aktion entlang der Strandpromenade.
Der Gouverneur von Beirut hatte die Kundgebung zwar genehmigt. Auch er hatte wie Ministerpräsident Salam aber untersagt, dass das Wahrzeichen der Stadt zur Projektionsfläche für Bilder von Hisbollah-Anführern wird. Salam sagte, der Verstoss der Miliz gegen die Anordnung schwäche die Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen.
Seit dem Krieg mit Israel im vergangenen Herbst gilt die Hisbollah als stark geschwächt. Laut Beobachtern wollte die im Land lange Zeit mächtige Miliz mit der Aktion demonstrieren, dass sie noch immer Einfluss im Libanon habe. Das Kabinett von Salam hatte kürzlich auch einen Plan der USA angenommen, der eine vollständige Entwaffnung der Milizen bis Jahresende vorsieht. (dpa)
20:45 Uhr
Donnerstag, 25. September
Palästinenser: Wieder viele Tote bei Angriffen in Gaza
Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen sind laut palästinensischen Angaben seit dem Morgen mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen. Zwölf Palästinenser wurden Krankenhausangaben zufolge in der Stadt Gaza im Norden des Küstengebiets getötet. Viele weitere Todesopfer soll es im Zentrum sowie im Süden des Gazastreifens gegeben haben, wie Kliniken vor Ort mitteilten. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.
Israels Armee teilte mit, sie habe im Flüchtlingsviertel Al-Schati in der Stadt Gaza einen Terroristen getötet, der am Hamas-Massaker am 7. Oktober beteiligt gewesen sei. Der Terrorüberfall war Auslöser des Gaza-Kriegs.
Soldaten seien weiter in der Stadt im Einsatz, um die Infrastruktur der Terrororganisation Hamas zu zerstören, teilte das Militär weiter mit. Auf einem von den Islamisten genutzten Gelände habe die Armee viele Waffen sowie gestohlene Hilfsgüter gefunden, hiess es. Auf einem vom Militär veröffentlichten Foto sind einige Hilfspakete, darunter eines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sowie ein Korb mit mehreren Konservendosen zu sehen. Israel wirft der Hamas vor, humanitäre Hilfe zu stehlen.
Die israelische Armee teilte mit, die Luftwaffe habe am Mittwoch mehr als 170 Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen, darunter Mitglieder von Terrororganisationen und Waffenlager. Laut Armeesprecher Effie Defrin sind aktuell fünf Divisionen im Einsatz, drei davon in der Stadt Gaza. Eine Division besteht in der Regel aus 10'000 bis 15'000 Soldaten. (dpa)
16:35 Uhr
Donnerstag, 25. September
Israel bombardiert Jemens Hauptstadt – schwere Explosionen
Israel hat erneut Ziele in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bombardiert. Es habe dort mehrere schwere Explosionen gegeben, berichteten Augenzeugen. Der Huthi-nahe Fernsehsender Al-Masirah berichtete, dass Israel einen neuen Angriff auf die Hauptstadt begonnen habe. Diese wird seit rund zehn Jahren von der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz kontrolliert.
In einigen Berichten war von etwa einem Dutzend Luftangriffen die Rede. Über mögliche Opfer oder Schäden wurde zunächst nichts bekannt.
Die Angriffe erfolgen einen Tag nach einem Drohnenangriff in der israelischen Stadt Eilat, bei der 20 Menschen verletzt wurden, zwei davon schwer. Nach israelischen Angaben kam die Drohne aus dem Jemen und stürzte dann ab. Die Huthi reklamierten den Angriff für sich.
Israel Katz: «Schwerer Schlag» in Sanaa
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte, man habe «einen schweren Schlag gegen zahlreiche Terrorziele der Huthi-Terrororganisation in Sanaa» ausgeführt. Die israelische Armee habe mehrere Militärlager angegriffen, unter anderem ein Lager des Huthi-Generalstabs, sowie «Dutzende Huthi-Terroristen getötet und Bestände an Drohnen und Waffenarsenalen zerstört». Katz sagte, wer Israel angreife, werde um ein Vielfaches härter getroffen.
Israel und dessen wichtigster Verbündeter USA haben nach Zählung des britischen Datenprojekts ACLED in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Male im Jemen angegriffen. Erklärtes Ziel ist dabei, die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz zu schwächen. Diese greift seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 immer wieder vor allem Handelsschiffe mit angeblichem Bezug zu Israel an, aber auch Ziele in Israel selbst. Die Huthi bezeichnen die Angriffe als Unterstützung der Palästinenser im Gazastreifen.
In vergangenen Fällen griff die israelische Luftwaffe unter anderem den Flughafen von Sanaa, den strategisch wichtigen Hafen von Hudaida am Roten Meer an wie auch Kraftwerke. Erst vor wenigen Wochen wurden bei einem israelischen Luftangriff Huthi-Ministerpräsident Ahmed al-Rahaui, neun Minister der schiitischen Organisation und weitere ranghohe Vertreter getötet. (dpa)
15:42 Uhr
Donnerstgag, 25. September
Slowenien erklärt Netanyahu zur unerwünschten Person
Das EU- und Nato-Land Slowenien hat den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zur unerwünschten Person erklärt und ihm damit die Einreise verboten. Das beschloss die Regierung in Ljubljana, wie die staatliche slowenische Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Staatssekretärin im Aussenministerium, Neva Grasic berichtete. Als erstes EU-Land hatte Slowenien bereits im Juli dieses Jahres zwei ultrarechte israelische Regierungsmitglieder für unerwünscht erklärt: Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich.
«Die Öffentlichkeit ist sich dessen bewusst, dass gegen ihn (Netanyahu) ein Verfahren wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit läuft. Unter anderem stellte der Internationale Gerichtshof am 19. Juli 2024 fest, dass mehrere israelische Richtlinien und Praktiken sowohl gegen das humanitäre Völkerrecht als auch gegen die Menschenrechte verstossen», sagte Grasic laut STA.
«Mit dieser Entscheidung (des Einreiseverbots für Netanyahu) sendet die Regierung eine klare Botschaft an den Staat Israel, dass Slowenien konsequenten Respekt vor den Entscheidungen internationaler Gerichte und dem humanitären Völkerrecht erwartet», fügte Grasic auf dem Profil ihrer Regierung in der Plattform X hinzu. Slowenien gehört seit Ausbruch des jüngsten Gaza-Konflikts zu den stetigsten Kritikern von Netanjahus Politik in diesem Bereich und engagiert sich für die Anliegen der Palästinenser. (dpa)
15:13 Uhr
Donnerstag, 25. September
Israels Fussballer offenbar vor Ausschluss durch UEFA
Eine Mehrheit der Mitglieder des Europäischen Fussballverbands Uefa befürwortet nach zunehmenden Protesten und der Forderung einer UN-Expertengruppe offenbar einen Ausschluss Israels aus dem internationalen Fussball. Wie die britische Times am Donnerstag berichtet, werde die Uefa «voraussichtlich» in der kommenden Woche eine Entscheidung darüber treffen.
Eine «grosse Mehrheit» der Mitglieder des Exekutivkomitees, dem auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke angehört, sei demnach für eine Suspendierung. In dieser Woche habe die Uefa «ernsthafte Gespräche» auf höchster Ebene über Israels Vorgehen im Gazastreifen und mögliche Reaktionen geführt. Der Druck auf die Uefa war zuletzt gewachsen.

Zu Beginn der Woche hatte eine Gruppe von Experten der Vereinten Nationen eine entsprechende Forderung an den Weltverband Fifa und die Uefa gerichtet. Die Stellungnahme der Experten, die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzt wurden, aber nicht im Namen der UN sprechen, erfolgte nach dem Bericht einer von der UN eingesetzten unabhängigen Untersuchungskommission, wonach «in Gaza ein Völkermord stattfindet» und Israel dafür verantwortlich sei.
Ein Ausschluss durch die Uefa könnte auch den Druck auf die Fifa erhöhen. Der palästinensische Fussballverband hat sich beim Weltverband bereits mehrmals für einen Ausschluss Israels starkgemacht, zuletzt beim Kongress im Vorjahr. Eine Kommission des Weltverbandes beschäftigt sich mit der Thematik, bislang allerdings ohne Ergebnis. (sid)
12:54 Uhr
Donnerstag, 25. September
USA hoffen auf Durchbruch im Gaza-Krieg mit 21-Punkte-Plan
Die USA haben bei einem Treffen mit muslimischen Staatschefs in New York nach Angaben ihres Sondergesandten Steve Witkoff einen neuen Plan zur Beendigung des Gaza-Kriegs vorgelegt. «Wir haben unseren sogenannten Trump-21-Punkte-Plan für Frieden im Nahen Osten vorgestellt», sagte Witkoff US-Medienberichten zufolge am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Das Treffen, das bereits am Dienstag stattgefunden habe, sei «sehr produktiv» gewesen. «Wir sind hoffnungsvoll, ich würde sogar sagen zuversichtlich, dass wir in den kommenden Tagen eine Art Durchbruch verkünden können».
Medienberichten zufolge nahmen an den Beratungen neben Witkoff und US-Präsident Donald Trump Vertreter Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägyptens, Jordaniens, der Türkei, Indonesiens und Pakistans teil. Am Mittwoch habe ein weiteres Treffen der Staatschefs mit US-Aussenminister Marco Rubio stattgefunden.
Der 21-Punkte-Plan berücksichtigt nach Angaben Witkoffs sowohl die Interessen Israels als auch die seiner Nachbarstaaten. Wie US-Medien unter Berufung auf Regierungskreise berichteten, umfasst er eine Reihe von Forderungen, darunter eine dauerhafte Waffenruhe, die Freilassung der Geiseln, den schrittweisen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und einen Vorschlag für eine Regierung des Küstengebiets ohne Beteiligung der islamistischen Hamas.
Die arabischen Staaten hätten bei dem Treffen Unterstützung für den Plan signalisiert, aber auch zusätzliche Forderungen unterbreitet, berichteten US-Medien unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Diplomaten. Dazu gehöre unter anderem der Verzicht Israels auf die Annexion von Teilen des Westjordanlands oder des Gazastreifens, die Beibehaltung des Status quo in Jerusalem und verstärkte humanitäre Hilfe für den Gazastreifen.
Auch europäischen Regierungen sei der Plan bereits vorgelegt worden, berichtete der Sender CNN. Der Plan könnte am Donnerstag Thema bei einem Treffen zwischen Trump und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan werden. Am kommenden Montag will Trump dann Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im Weissen Haus empfangen. (dpa)
12:52 Uhr
Donnerstag, 25. September
Zwei bewaffnete Dschihad-Mitglieder im Westjordanland getötet
Bei einem israelischen Militäreinsatz im Westjordanland sind zwei Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad getötet worden. Das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah bestätigte den Tod der Männer im Alter von 20 und 29 Jahren bei der Razzia in Tamun in der Nähe der Stadt Tubas. Der Islamische Dschihad teilte mit, dass es sich um Mitglieder seines bewaffneten Flügels handelte. Nach palästinensischen Medienberichten hatte die Armee ein Haus in Tamun umstellt, es sei zu einem Feuergefecht gekommen.
Die israelische Armee teilte mit, an dem Einsatz seien auch Polizei- und Geheimdienstkräfte beteiligt gewesen. Sie hätten «eine Terrorzelle ausgeschaltet, die unmittelbar beabsichtigte, einen Terroranschlag zu verüben». Die Zelle gehöre zum Islamischen Dschihad. Die beiden getöteten Männer seien bereits an Anschlägen mit Schusswaffen und Sprengsätzen beteiligt gewesen. Die Kräfte hätten ein Gebäude, in dem sie sich verschanzt hätten, umstellt und sie durch Schüsse «ausgeschaltet». (dpa)
10:53 Uhr
Donnerstag, 25. September
Kurs auf Gaza: Flottille mit Hilfsgütern fährt weiter
Die Global Sumud Flotilla (GSF), bestehend aus rund 50 Booten mit Hilfsgütern für den Gazastreifen, hat sich am Donnerstag wenige Seemeilen südöstlich der kretischen Hafenstadt Ierapetra befunden. Wie der Schiffsverfolgungsdienst MarineTraffic zeigt, bewegten sich die Boote, die ihre Ortungsgeräte anhatten, mit geringer Geschwindigkeit in östlicher Richtung. Aktivisten hatten am Mittwoch von Drohnenangriffen auf die Flotte mit privaten Schiffen sowie Blendgranaten und gestörtem Funkverkehr berichtet. Zwei Boote sollen den Angaben nach beschädigt worden sein.
Aus Kreisen der griechischen Küstenwache hiess es, dass die Besatzung eines in der Region südlich von Kreta operierenden Patrouillenbootes der europäischen Grenzschutzagentur (Frontex) keine Schäden an den Booten der Flottille festgestellt habe. Israel schlägt den Aktivisten vor, die Hilfsgüter zum israelischen Hafen Aschdod zu liefern. Von dort aus könnten sie dann nach Gaza gebracht werden. Verstösse gegen die Seeblockade des Gazastreifens würden aber verhindert. Auch gibt es Vorschläge, die Hilfsgüter nach Zypern zu bringen. Von dort laufen sporadisch Hilfslieferungen in das Küstengebiet, die zunächst nach Aschdod gebracht werden. (dpa)
06:21 Uhr
Donnerstag, 25. September
Bundesräte wollen verletzte Kinder aus Gaza holen
Die Bundesverwaltung plant, 20 verletzte oder kranke Kinder aus dem Gazastreifen in die Schweiz zu holen. Das berichtet der «Tages-Anzeiger». Diese sollen in der Schweiz behandelt werden. Laut Bericht soll jedes Kind von bis zu vier Personen begleitet werden dürfen. Die Schweiz würde demnach bis zu 100 Menschen aus dem Gazastreifen aufnehmen.
Offiziell ist diese humanitäre Rettungsaktion bisher nicht. Das Justiz- und Polizeidepartement von Bundesrat Beat Jans sagt auf Anfrage lediglich, dass eine solche Aufnahme derzeit von den zuständigen Stellen bei Bund und Kantonen geprüft werde. Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, haben bereits zuvor ähnliche Aktionen durchgeführt. (has)
06:16 Uhr
Donnerstag, 25. September
Israel bestätigt Dialog über Sicherheitsabkommen mit Syrien
Trotz regelmässiger Angriffe auf Syrien verhandelt die israelische Regierung mit dem verfeindeten Nachbarland über ein Sicherheitsabkommen. «Die Verhandlungen mit Syrien sind im Gange», hiess es in einer Mitteilung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Voraussetzung für eine Einigung seien allerdings die Demilitarisierung der Grenzregion im Südwesten Syriens sowie der Schutz der religiösen Minderheit der Drusen. Israel betrachtet die Drusen als Verbündete.
Netanyahu hatte vor wenigen Tagen bereits Andeutungen zu den Gesprächen gemacht. Auch der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bestätigte Gespräche über ein Sicherheitsabkommen. Er betonte jedoch, dass ein Abkommen keine Normalisierung mit Israel bedeute. Die Gespräche laufen seit Monaten verdeckt, im August traf sich Syriens Aussenminister Asaad al-Schaibani syrischen Angaben zufolge mit einer israelischen Delegation in Paris.
Truppenpräsenz im Grenzgebiet regeln
Konkret geht es bei den Verhandlungen darum, die Präsenz syrischer und israelischer Truppen und Sicherheitskräfte im Grenzgebiet zu regeln. Israel will verhindern, dass sich in der Gegend vom Iran unterstützte Milizen oder bewaffnete islamistische Gruppen ansiedeln, die Israel feindlich gegenüberstehen. Seit dem Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad im vergangenen Dezember hat das israelische Militär Hunderte Male Ziele in Syrien angegriffen. Das Militär zerstörte damit nach eigenen Angaben unter anderem Waffenlager und militärisches Gerät. «Israels Angriffe gegen mein Land gehen weiter», sagte al-Scharaa in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung.
Am Rande der UN-Debatte in New York traf der syrische Interimspräsident, der wegen früherer Verbindungen zu Al-Kaida und dem Islamischen Staat (IS) von den US-Behörden weiter als Terrorist geführt wird, auch US-Präsident Donald Trump. Die syrische Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte ein Foto, auf dem sich die beiden Männer die Hände schütteln.
Eine Million Flüchtlinge kehren nach Syrien zurück
Neun Monate nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Assad in Syrien sind nach UN-Angaben bereits eine Million Menschen in das Bürgerkriegsland zurückgekehrt. Seit Anfang Dezember des Vorjahres hätten sich ausserdem 1,8 Millionen Binnenvertriebene wieder in ihre Heimatgebiete begeben, hiess es vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf. Die Rückkehrer sind nach Angaben des UNHCR mit zerstörten Häusern, beschädigter Infrastruktur, zu wenigen Arbeitsplätzen und einer instabilen Sicherheitslage konfrontiert. UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi forderte die Staatengemeinschaft, den Privatsektor und Syrer im Ausland dazu auf, den Wiederaufbau des Landes stärker zu unterstützen. «Wir haben die seltene Gelegenheit, eine der grössten Flüchtlingskrisen der Welt zu lösen», sagte Grandi. Derzeit leben laut UNHCR noch immer mehr als sieben Millionen Menschen als Binnenvertriebene in Syrien. Und mehr als 4,5 Millionen Menschen leben weiterhin als Geflüchtete im Ausland. (dpa)
18:39 Uhr
Mittwoch, 24. September
Mindestens 20 Verletzte bei Drohnenangriff in Israel
Bei einem jemenitischen Drohnenangriff sind in der südisraelischen Stadt Eilat mindestens 20 Menschen verletzt worden. Zwei davon seien schwer verletzt, berichteten Sanitäter am Mittwoch. Zunächst war unklar, ob die Verletzungen auf die Drohne selbst oder eine Abfangaktion zurückgingen. (dpa)
16:25 Uhr
Mittwoch, 24. September
Palästinenser: Dutzende Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen soll es palästinensischen Angaben zufolge wieder Dutzende Tote gegeben haben. Aus medizinischen Kreisen vor Ort hiess es, 84 Menschen seien seit dem Morgen ums Leben gekommen, die meisten in der Stadt Gaza.
Israels Armee meldete unterdessen «erheblichen Beschuss» aus dem Schifa-Krankenhaus heraus und machte die Terrororganisation Hamas verantwortlich. Das Militär veröffentlichte auch Aufnahmen, die die Schüsse aus der Klinik in der Stadt Gaza vor einigen Tagen zeigen sollen. Die israelische Armee war in dem Krankenhaus in der Vergangenheit bereits im Einsatz gewesen. Israel wirft der Hamas vor, medizinische Einrichtungen systematisch für militärische Zwecke zu missbrauchen.
Die Hilfsorganisation Care teilte mit, eine schwangere Mitarbeiterin einer Partnerorganisation und ihre zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren seien kürzlich in der Stadt Gaza getötet worden, als das Wohnhaus der Familie bei einem Luftangriff getroffen worden sei. Der Mann der 27 Jahre alten Frau sei dabei schwer verletzt worden.
Laut der Hilfsorganisation wurde zudem am Montag bei einem weiteren Luftangriff in der Stadt ein Gesundheitszentrum einer weiteren Partnerorganisation zerstört. Es handele sich dabei um eines der wenigen Gesundheitszentren, die es in dem Gebiet noch gebe, hiess es. Care nannte Israels Militär in beiden Fällen nicht explizit als schuldige Kriegspartei für die Luftschläge, sprach aber davon, dass sich die Vorfälle ereignet hätten, während die Angriffe auf die Stadt Gaza fortgesetzt würden. Israels Armee hatte in der vergangenen Woche eine höchst umstrittene Bodenoffensive in dem Ort begonnen. Hunderttausende sind seitdem von dort geflüchtet.
Die israelische Armee sagte auf Anfrage, sie prüfe die Berichte. Alle Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
12:31 Uhr
Mittwoch, 24. September
Iran beginnt mit Wiederaufbau zerstörter Raketenproduktion
Der Iran baut Satellitenbildern zufolge seine im Krieg mit Israel zerstörten Raketenfabriken wieder auf. Aufnahmen des Unternehmens Planet Labs vom September, die die Nachrichtenagentur AP ausgewertet hat, zeigen Bauarbeiten in den Feststoffraketenfabriken in Parchin und Schahrud. Offenbar würden Mischanlagen für den Treibstoff repariert, sagte Sam Lair vom James Martin Center for Nonproliferation Studies, der iranische Raketenstandorte untersucht hat.

Die Bilder zeigen jedoch auch, dass eine wichtige Komponente für die Feststoffproduktion noch fehlt – die sogenannten Planetenmischer. Diese Maschinen sind mit Schaufeln ausgestattet, die sich wie umlaufende Planeten um einen zentralen Punkt drehen, und bieten eine gleichmässigere Mischwirkung als alle anderen Geräte. Der Iran könnte sie aus China beziehen, wo er nach Angaben von Experten und US-Regierungsvertretern in der Vergangenheit Bestandteile von Raketentreibstoff und andere Komponenten gekauft hat. Lair sagte, wenn der Iran neue Planetenmischer auftreiben könne, sei die Infrastruktur dafür noch vorhanden.
Feststoffraketen können schneller abgefeuert werden als Raketen mit Flüssigtreibstoff, die kurz vor dem Start erst noch betankt werden müssen. Das kostet Zeit und kann dazu führen, dass die Rakete beim Tanken entdeckt und wie während des Krieges mit Israel im Juni noch auf der Startrampe zerstört wird. Israel hat zudem die iranischen Raketenproduktionsanlagen ins Visier genommen, und zwar nicht nur Gebäude, in denen die Mischer untergebracht waren, sondern auch Fabriken, in denen sie hergestellt werden könnten.
Die Geschwindigkeit, mit der der Iran den Wiederaufbau der Raketenfabriken vorantreibt, zeigt, welche Bedeutung die Regierung in Teheran ihrem Raketenprogramm beimisst. An den bombardierten iranischen Nuklearstandorten hat sich bisher nicht dasselbe Ausmass an Aktivität gezeigt. Die Raketen sind eines der wenigen militärischen Abschreckungsmittel Teherans, nachdem Israel im Krieg die iranischen Luftabwehrsysteme dezimiert hat. (dpa)
11:55 Uhr
Mittwoch, 24. September
Trump bespricht Gaza-Krieg mit Staatschefs aus Nahost
US-Präsident Donald Trump hat sich am Rande der UN-Generaldebatte mit Staats- und Regierungschefs aus dem Nahen Osten über den Gaza-Krieg beraten. Die Diskussion am Dienstag habe sich um Wege zu einer Waffenruhe und die Freilassung aller Geiseln und Gefangenen gedreht, berichtete die emiratische Staatsagentur WAM heute. Demnach nahmen unter anderem Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani, Jordaniens König Abdullah II., der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der saudische Aussenminister Faisal bin Farhan teil.
Es sei ein «sehr gutes, erfolgreiches Treffen» gewesen, sagte Trump anschliessend, wie mehrere Medien berichteten. «Alle grossen Player ausser Israel» seien dabei gewesen und ein Treffen mit der israelischen Seite sei als Nächstes geplant. «Ich denke, wir können bei Gaza eine Lösung finden», sagte Trump. Er will Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kommenden Montag im Weissen Haus empfangen.
Nach Informationen der US-Nachrichtenseite Axios suchen die USA derzeit Unterstützung für einen Plan, der die Zeit nach einem Kriegsende in Gaza regeln soll. Arabische und muslimische Länder sollten demnach Truppen zur Stabilisierung des Gazastreifens schicken, um dort das israelische Militär nach einem Abzug zu ersetzen. Teil des Plans soll auch eine Übergangsphase und dann ein Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Gebiets sein. Offiziell bestätigt ist das nicht.
Gespräche über «Tag danach», Kriegsende aber nicht greifbar
Eine Waffenruhe oder gar ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und der islamistischen Hamas in Gaza scheinen derzeit in weiter Ferne. In vergangenen Monaten waren verschiedene Vorschläge im Gespräch zur Frage, wie das Gebiet nach einem möglichen Kriegsende gesichert und verwaltet werden soll. Die arabischen Länder hatten dazu im März einen Plan vorgelegt, diesen lehnen die USA und Israel aber ab.
Trump hatte zuvor die Idee ins Spiel gebracht, die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen und die palästinensische Bevölkerung in Drittländer umzusiedeln, um Gaza in eine «Riviera des Nahen Ostens» zu verwandeln. Der Vorschlag stiess auf heftige Kritik. Palästinensische Vertreter drängen auf einen Wiederaufbau des Gazastreifens unter eigener Verwaltung. Israel will im Gazastreifen die Hamas zerschlagen und strebt die Einrichtung einer alternativen Zivilverwaltung an, die Israel nicht bedroht. (dpa)
20:51 Uhr
Dienstag, 23. September
Hamas weist Trumps Äusserungen zu Gaza-Waffenruhe zurück
Die islamistische Hamas weist Äusserungen des US-Präsidenten Donald Trump zurück, denen zufolge die Terrororganisation mehrere vernünftige Angebote einer Waffenruhe im Gaza-Krieg verweigert habe. Die Hamas sei «niemals ein Hindernis für das Erreichen einer Waffenruhe-Vereinbarung im Gazastreifen» gewesen, hiess es in einer Mitteilung der Palästinenserorganisation. Sie habe vielmehr «alle erforderliche Flexibilität und Positivität gezeigt».
Trump hatte in seiner Rede vor mehr als 140 Staats- und Regierungschefs bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen gesagt, er habe sich immer wieder für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg eingesetzt. «Leider hat die Hamas wiederholt vernünftige Angebote, zurückgewiesen, Frieden zu schliessen», sagte er. Man dürfe das Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 nicht vergessen. Trump forderte die Hamas auf, alle Geiseln sofort freizulassen.
Die Hamas warf in ihrer Stellungnahme dagegen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu vor, er sei der Einzige, der alle Versuche behindere, eine Vereinbarung zu treffen. Er sei es, der die letzte Waffenruhe gebrochen und auf den letzten Vorschlag des US-Unterhändlers Steve Witkoff, den die Hamas akzeptiert habe, mit «völliger Missachtung» reagiert habe.
Ausserdem habe Netanjahu mit dem jüngsten israelischen Angriff auf die Hamas-Spitze in Katar, die gerade über einen Vorschlag Trumps beraten habe, ein «abscheuliches Verbrechen» begangen. Die Organisation forderte die USA auf, Israels zu stoppen sowie den jüdischen Staat im Gaza-Krieg nicht weiter zu unterstützen. (dpa)
20:30 Uhr
Dienstag, 23. September
Katar: «Unmöglich» mit israelischer Mentalität zu kooperieren
Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani hat Israel bei der UN-Generaldebatte in New York vorgeworfen, kein wirkliches Ende des Krieges in Gaza anzustreben. Der Angriff auf die Hamas-Führung kürzlich in der katarischen Hauptstadt Doha habe alle diplomatischen Bemühungen zur «Beendigung des Völkermordes in Gaza» untergraben, sagte al Thani. Israels Diplomatie sei auf politische Morde ausgerichtet.

Die israelische Regierung verzichte auf die Idee einer Freilassung der Geiseln im Gazastreifen, wenn das ein Ende des Krieges bedeute, sagte al Thani. Das Ziel Israels sei vielmehr die Zerstörung Gazas und die Vertreibung der Bevölkerung. Es sei schwierig, mit solch einer Mentalität zu kooperieren, die nicht einmal die geringsten Standards respektiere. «Es ist unmöglich», sagte Al Thani.
Israel hatte vor zwei Wochen erstmals einen direkten Angriff im Golfemirat Katar durchgeführt, um dort die Führungsspitze der islamistischen Hamas zu treffen. Katar ist ein wichtiger US-Verbündeter am Golf. Das Emirat vermittelt neben Ägypten und den USA im Gaza-Krieg. Die Verhandlungen stocken seit Monaten. (dpa)
19:12 Uhr
Dienstag, 23. September
Erdogan: Israel nutzt 7. Oktober als Vorwand für «Genozid» in Gaza
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstellt der israelischen Regierung, den Terrorangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vor knapp zwei Jahren als Vorwand für einen Völkermord im Gazastreifen zu missbrauchen. «Das ist kein Kampf gegen den Terror. Das ist eine Besetzung, die unter dem Vorwand des 7. Oktober geführt wird, eine Vertreibung und Verbannung, ein Genozid, genauer gesagt, eine Politik der Massenvernichtung», sagte der türkische Staatschef bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York.
Bei dem Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 waren rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt worden.
Erdogan warf Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor, kein Interesse an Frieden und der Befreiung der verbliebenen Geiseln im Gazastreifen zu haben. Israel beschuldigte er ausserdem, seit Beginn des Krieges 250 Journalisten in Gaza «vorsätzlich» getötet zu haben.
Auch die Sonderberichterstatterin des UN-Menschenrechtsrats für freie Meinungsäusserung, Irene Khan, hatte Israel die gezielte Tötung von Journalisten vorgeworfen, um Gräueltaten zu vertuschen. Israel wirft dem UN-Menschenrechtsrat und seinen Berichterstattern Voreingenommenheit vor. (dpa)
18:48 Uhr
Dienstag, 23. September
Aufruf an FIFA und UEFA: UN-Experten fordern Ausschluss Israels
Eine Gruppe von Experten der Vereinten Nationen fordert den Ausschluss Israels aus dem internationalen Fußball. In einer gemeinsamen Stellungnahme riefen die acht unabhängigen Mitglieder des Gremiums den Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA dazu auf, entsprechende Schritte einzuleiten. Der Sport dürfe nicht den Eindruck erwecken, «dass alles seinen gewohnten Gang geht», hieß es darin.
«Nationalmannschaften, die Staaten vertreten, die massive Menschenrechtsverletzungen begehen, können und sollten suspendiert werden», schrieben die Experten, die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzt wurden, aber nicht im Namen der Vereinten Nationen sprechen. Ihre Äußerungen erfolgten nach dem Bericht einer von der UNO eingesetzten unabhängige Untersuchungskommission, wonach «in Gaza ein Völkermord stattfindet» und Israel dafür verantwortlich sei. Israel weist diese Anschuldigung zurück.
Die Experten betonten, dass Länder, die internationale Organisationen und Sportveranstaltungen mit Israel ausrichten, «nicht neutral angesichts des Völkermords bleiben dürfen». Sie wiesen darauf hin, dass ihr Aufruf sich auf einen Boykott «des Staates Israel und nicht einzelner Spieler» bezieht.
Die UEFA gab auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP keinen Kommentar ab, eine Antwort der FIFA stand zunächst aus.
Der palästinensische Fußball-Verband hat sich bei der FIFA bereits mehrmals für einen Ausschluss Israels starkgemacht, zuletzt beim Kongress im Vorjahr. Eine Kommission des Weltverbandes beschäftigt sich mit der Thematik, bislang allerdings ohne Ergebnis. (dpa)
18:30 Uhr
Dienstag, 23. September
Hilfsgruppe: Israel zerstört geräumtes Klinikzentrum in Gaza
Das israelische Militär hat nach Angaben einer medizinischen Hilfsorganisation deren wichtigstes Zentrum in der Stadt Gaza zerstört. Der Angriff habe das sechsstöckige Gebäude im Stadtteil Tal al-Hawa in Trümmer gelegt, teilte die Organisation PMRS am Dienstag mit. Zuvor habe es eine Evakuierungsanordnung gegeben. Das Zentrum sei eine der wichtigsten medizinischen Einrichtungen der Stadt gewesen und habe Blutspenden und -tests, Traumabehandlung, Krebsmedizin und die Behandlung chronischer Krankheiten angeboten.
Der PMRS zufolge wurde ein weiteres ihrer Zentren beschädigt und von israelischen Truppen umstellt. Ein drittes Zentrum wurde bei einem separaten Angriff zerstört.
Das israelische Militär äusserte sich zunächst nicht. Es hat im Gaza-Krieg wiederholt Krankenhäuser bombardiert und angegriffen. Es beschuldigt die militant-islamistische Hamas, medizinische Einrichtungen für militärische Zwecke zu nutzen - wodurch diese ihren völkerrechtlichen Schutz verlieren können. Allerdings hat das Militär oft nur wenige bis gar keine Beweise für eine erhebliche Anwesenheit von Hamas-Kämpfern in angegriffenen Spitälern vorgelegt.
Der Leiter der Weltgesundheitsorganisation, die eine Partnerschaft mit der PMRS eingegangen ist, verurteilte die Attacke. «Die Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen müssen aufhören. Die sinnlose Gewalt muss aufhören. Waffenstillstand!», schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus im Kurznachrichtendienst X.
Israel hat Mitte September eine Bodenoffensive zur Einnahme der Stadt Gaza begonnen, die nach israelischen Angaben die letzte Hochburg der Hamas im Gazastreifen ist. Ziel sei es, die Hamas zur Kapitulation und zur Rückgabe der verbliebenen 48 Geiseln zu zwingen, die während des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 entführt wurden, der den Krieg auslöste. Israel geht davon aus, dass etwa 20 der Geiseln noch am Leben sind. (dpa)
17:21 Uhr
Dienstag, 23. September
UN Trump: Alle Geiseln im Gazastreifen freilassen
US-Präsident Donald Trump fordert von der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas erneut die sofortige Freilassung aller Geiseln im Gazastreifen. «Lasst die Geiseln jetzt frei», sagte der Republikaner mit Blick auf die Hamas in seiner Rede vor mehr als 140 Staats- und Regierungschefs bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen. Im Gazastreifen befinden sich nach israelischen Informationen noch 48 Geiseln. Demnach dürften 20 von ihnen noch leben.
Trump sagte weiter, der Krieg müsse sofort beendet und eine Waffenruhe erreicht werden. Die Hamas habe aber wiederholt Friedensangebote abgelehnt. Der US-Präsident sprach sich für weitere Friedensverhandlungen aus. Eine Waffenruhe ist allerdings derzeit nicht in Sicht: Die jüngste Bodenoffensive Israels in der Stadt Gaza hat Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen.
Trump sagte weiter, aus seiner Sicht wäre mit einer Anerkennung eines palästinensischen Staates die Belohnung für die Gräueltaten der Hamas zu gross. Ähnlich hatte sich zuvor auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu geäussert, nachdem unter anderem Grossbritannien am Sonntag den Staat Palästina anerkannt hatte. (dpa)
15:14 Uhr
Dienstag, 23. September
Spaniens Regierung verhängt Waffenembargo gegen Israel
Die spanische Regierung hat ein komplettes Waffenembargo gegen Israel verhängt. Das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez billigte dazu ein Gesetzesdekret, das sofort in Kraft tritt, wie die linksgerichtete Regierung mitteilte. Das Embargo ist Teil eines Pakets von neun Massnahmen, das Sánchez vor zwei Wochen angekündigt hatte. Damit will Madrid nach eigenen Angaben dazu beitragen, den «Völkermord in Gaza zu stoppen». Die übrigen Massnahmen waren bereits zuvor verabschiedet worden.

Die Verordnung untersagt sowohl den Handel mit Rüstungsgütern als auch mit Gütern und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck, die dem israelischen Militär zugute kommen könnten. Zudem verbietet sie den Transit von Treibstoffen mit Ziel Israel über spanische Häfen und über den Luftraum des Landes, wenn diese militärisch eingesetzt werden können.
Zu den «Massnahmen gegen den Völkermord in Gaza und zur Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung» zählen auch Einreiseverbote für israelische Minister, zusätzliche Mittel für das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) sowie ein Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen.
Ein Gesetzesdekret ist in Spanien eine vorläufige Rechtsnorm, die unmittelbar wirksam wird, aber innerhalb von 30 Tagen vom Abgeordnetenhaus bestätigt oder aufgehoben werden muss. Beobachter rechnen damit, dass das Parlament in Madrid dem Waffenembargo zustimmen wird. (dpa)
22:09 Uhr
Montag, 22. September
Saudi-Arabien: Macrons Palästina-Entscheidung historisch
Saudi-Arabien lobt die Entscheidung von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron zur Anerkennung eines palästinensischen Staates als historisch. «Wir rufen alle anderen Länder auf, einen ähnlichen historischen Schritt zu unternehmen», sagte Saudi-Arabiens Aussenminister Faisal bin Farhan bei einer von seinem Land mit Frankreich einberufenen Konferenz zur Zweistaatenlösung zwischen Israel und den Palästinensern.
Angesichts des Angriffs Israel auf Führungsmitglieder der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Golf-Emirat Katar warf Faisal bin Farhan der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, ihre «aggressiven Praktiken» fortzusetzen. Dies bedrohe die Stabilität sowie den regionalen und internationalen Frieden und untergrabe die Friedensbemühungen in der Region.
Saudi-Arabien ist eine Schutzmacht der Palästinenser und eine führende Stimme in der arabischen Welt. Riad zählt auch zu den wichtigsten Geberländern bei humanitärer Hilfe für die Palästinenser. Riad hat einen palästinensischen Staat schon im November 1988 anerkannt. (dpa)
22:06 Uhr
Montag, 22. September
UN: Baerbock für unabhängigen Staat Palästina
Die frühere deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock hat sich in ihrer neuen Rolle als Vorsitzende der UN-Generalversammlung für die Gründung eines «unabhängigen und existenzfähigen» palästinensischen Staates ausgesprochen. Dieser Staat müsse «Seite an Seite mit dem Staat Israel leben, in Frieden und Sicherheit mit gegenseitig anerkannten Grenzen und voller regionaler Integration», sagte Baerbock bei einer Konferenz zu einer Zweistaatenlösung für den Nahen Osten in New York.
Die Zweistaatenlösung sei «der einzige Weg um sicherzustellen, dass zukünftige Generationen von Palästinensern und Israelis in Frieden, Sicherheit und Würde leben können». Die internationale Staatengemeinschaft werde sich weiter dafür einsetzen und konkrete, zeitgebundene und unwiderrufliche Schritte zur Realisierung identifizieren. «Und wir sind gewillt, entschiedene Massnahmen zu ergreifen und internationale Garantien zu bieten.»
Aufgeben wäre «Ende dieser Institution»
Das Ziel könne nicht aufgegeben werden. «Wenn wir aufhören, das anzuvisieren, was richtig ist, weil wir es noch nicht erreicht haben, dann wird sich das Böse durchsetzen. Das wäre das Ende dieser Institution.»
Bevor an diesem Dienstag die UN-Generaldebatte mit etwa 150 Staats- und Regierungschefs beginnt, zielte das Treffen am Tag zuvor darauf ab, einer Zweistaatenlösung neuen Schwung zu geben. Sie soll den Druck auf Israel erhöhen, sich auf Verhandlungen einzulassen. Zuletzt hatten mehrere wichtige Staaten angekündigt, die Unabhängigkeit Palästinas anzuerkennen. Weltweit tun dies rund 150 Nationen. (dpa)
22:13 Uhr
Montag, 22. September
UN-Generalsekretär: Palästinenser haben ein Recht auf einen Staat
UN-Generalsekretär António Guterres begrüsst die Anerkennung des Staates Palästina durch eine Reihe von Staaten. «Um es klar zu sagen: Die Eigenstaatlichkeit ist für die Palästinenser ein Recht, keine Belohnung», sagte der Portugiese bei einer von Frankreich und Saudi-Arabien einberufenen Konferenz zu einer Zweistaatenlösung für den Nahen Osten in New York.
«Ich begrüsse die Massnahmen, die viele Mitgliedstaaten ergreifen, um Unterstützung für die Zweistaatenlösung zu gewinnen – einschliesslich der Zusagen zur Anerkennung des Staates Palästina», sagte Guterres weiter. Er betonte dabei, dass die Terroranschläge der Hamas vom 7. Oktober 2023 durch nichts zu rechtfertigen seien.
Zudem kritisierte der UN-Chef indirekt die US-Regierung, die Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und seiner Delegation die Visa verweigert hatte: «Ich möchte auch der palästinensischen Delegation meinen Dank aussprechen und erneut meine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen, dass ihr die Möglichkeit einer umfassenden Vertretung verwehrt wurde», sagte Guterres. (dpa)
21:33 Uhr
Montag, 22. September
Auch Frankreich erkennt Staat Palästina an
Auch Frankreich erkennt künftig einen Staat Palästina an. Das erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – wie vorab bereits angekündigt - bei einer Konferenz zur Zweistaatenlösung vor der Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York offiziell und unter grossem Applaus. Vor dem Treffen hatten unter anderem bereits Kanada und Grossbritannien ihre formale Anerkennung eines palästinensischen Staates bekanntgegeben – als erste wirtschaftsstarke westliche G7-Staaten.
«Manche mögen sagen, es sei zu spät. Andere mögen sagen, es sei zu früh», sagte Macron. «Doch eines ist sicher: Wir können nicht länger warten.»

Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober sei zwar eine «offene Wunde». Doch Hunderttausende Menschen seien vertrieben, verletzt, ausgehungert und traumatisiert worden. Ihr Leben werde weiterhin zerstört, obwohl die Hamas erheblich geschwächt worden sei. «Nichts rechtfertigt den anhaltenden Krieg in Gaza. Nichts», sagte der französische Präsident.
Es handelt sich dabei angesichts des unverändert tobenden Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas um einen zunächst vor allem symbolischen Schritt - gegen den Willen Israels. Die von Frankreich und Saudi-Arabien ausgerichtete Konferenz soll den Bemühungen um eine Zweistaatenlösung und ein Ende des Krieges neuen Rückenwind verschaffen und so den Ton für die UN-Generaldebatte setzen soll. Die USA und Israel boykottierten das Treffen. (dpa)
18:47 Uhr
Montag, 22. September
Hamas veröffentlicht erneut Geisel-Video
Nach der Veröffentlichung eines neuen Geiselvideos der Hamas haben die Eltern eines vor bald zwei Jahren in den Gazastreifen Verschleppten Medien und Öffentlichkeit dazu aufgerufen, das Video nicht zu teilen und zu verbreiten. «Unsere Familie ist erschüttert und voller Schmerz» heisst es in einer vom Forum der Angehörigen verbreiteten Stellungnahme. Der beim Terroranschlag der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 auf dem Nova-Festival entführte Musiker Alon Ohel erscheine dünn und ängstlich, hiess es von den Eltern. Es sei ausserdem erkennbar, dass er auf dem rechten Auge das Sehvermögen verliere.
«Wir verlangen als Vorbedingung für jegliche Verhandlungen (...), dass Augenspezialisten Alon untersuchen und behandeln», schrieben Idit und Kobi Ohel in ihrer Stellungnahme. An Regierungschef Benjamin Netanjahu appellierten sie am Abend des jüdischen Neujahrsfests, das Leben junger Israelis liege in seiner Hand. «Brechen Sie nicht das Herz des israelischen Volkes», schrieben sie. Das Wichtigste sei nun, Alon und die anderen Geiseln zurück zu ihren Familien zu bringen.
Videos als psychologisches Druckmittel
Nach offiziellen israelischen Angaben befinden sich noch 48 Geiseln im Gazastreifen. Mindestens 20 sollen noch am Leben sein. Die Hamas hat wiederholt Geiselvideos veröffentlicht, die von der israelischen Seite als Terrorpropaganda bezeichnet werden. Teilweise hatten die Angehörigen einer Veröffentlichung der Videos in Teilen oder im Ganzen zugestimmt. Zuletzt hatten Bilder ausgehungerter Geiseln in Tunneln die Öffentlichkeit erschüttert. (dpa)
18:20 Uhr
Montag, 22. September
Vertretung in London feiert Anerkennung von Staat Palästina
Die Palästinensische Vertretung in London hat die Anerkennung eines Staats Palästina durch Grossbritannien gefeiert. Dazu versammelten sich am Montag etwa 400 Menschen an dem Gebäude in der britischen Hauptstadt, applaudierten und jubelten, während die palästinensische Flagge gehisst wurde. Missionschef Hussam Somlot dankte dem britischen Volk für dessen Unterstützung. «Wir werden uns immer daran erinnern, wie Ihr an unserer Seite gestanden habt, auf der richtigen Seite der Geschichte», sagte er. Somlot präsentierte eine Plakette für die neu eingeweihte Vertretung, machte aber keine Angaben dazu, wann sie formal in den Rang einer Botschaft erhoben werden könnte. (dpa)
18:18 Uhr
Montag, 22. September
Pro-Palästina-Demo: Dutzende Verletzte bei Krawallen in Mailand
Bei Auseinandersetzungen zwischen propalästinensischen Demonstranten und der italienischen Polizei sind in Mailand mehrere Dutzend Menschen verletzt worden. Die Polizei sprach von mindestens 60 verletzten Beamten, wovon 23 ins Krankenhaus gebracht worden seien. Angaben über die Zahl verletzter Demonstranten gab es zunächst keine. Zudem wurden in der norditalienischen Grossstadt mindestens ein Dutzend Menschen festgenommen.

Die Krawalle hatten sich infolge einer Kundgebung entzündet, die im Rahmen eines landesweiten Streiks als Zeichen der Solidarität mit der Bevölkerung im Gazastreifen stattfand. Nach Augenzeugenberichten versuchte eine Gruppe von Demonstranten, mit Gewalt in den Hauptbahnhof von Mailand einzudringen. Aus der Menge wurden auch Steine geworfen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. Das Ausmass der Schäden stand zunächst nicht fest.

Meloni macht «selbsternannte Antifa» verantwortlich
Die rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni machte «selbst ernannte Antifa» und «selbst ernannte Pazifisten» für die Krawalle verantwortlich, die den Bahnhof verwüsten und Zusammenstösse mit den
Ordnungskräften provozieren wollten. «Gewalt und Zerstörung, die nichts mit
Solidarität zu tun haben und das Leben der Menschen in Gaza nicht im Geringsten verändern werden», schrieb die Regierungschefin auf X.
Auch in anderen italienischen Städten fanden propalästinensische Kundgebungen mit insgesamt mehreren Zehntausend Teilnehmern statt. Allein in Rom gingen nach Schätzungen mehr als 50'000 Menschen auf die Strasse. Zu dem Streik hatte die Gewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) aufgerufen, um gegen die «Verschärfung der humanitären Lage im Gazastreifen» zu protestieren. Zugleich forderte sie Sanktionen gegen Israel. Die grossen italienischen Gewerkschaften beteiligten sich an dem Ausstand nicht. (dpa)
15:53 Uhr
Montag, 22. September
Hilfsgruppen: Knapp 300'000 Menschen aus Gaza geflohen
Humanitäre Gruppen haben die Zahl der seit August aus der Stadt Gaza geflohenen Menschen auf knapp 300'000 beziffert. Zwischen der Evakuierungsaufforderung Israels am 14. August und dem vergangenen Samstag seien 297'000 Menschen aus der Stadt fortgezogen, teilte ein Zusammenschluss humanitärer Organisationen namens Site Management Cluster mit. Mitarbeiter der Gruppe hätten die Menschen gezählt, die bei Tageslicht an vier Punkten in Gaza durchgezogen seien. Die tatsächliche Zahl der Geflohenen könne daher höher sein.
Nach Angaben des israelischen Militärs haben mehr als 500'000 Bewohner die Stadt verlassen. Es hat in der vergangenen Woche eine Offensive begonnen, um die Stadt Gaza zu erobern, die es als letzte Hochburg der militant-islamistischen Hamas bezeichnet. Vor den Evakuierungsanordnungen lebten nach UN-Angaben rund eine Million Menschen in der Stadt. Trotz der Offensive befinden sich immer noch Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza. (dpa)
14:46 Uhr
Montag, 22. September
Augenzeugen: Hamas richtet angebliche Kollaborateure hin
Die Terrororganisation Hamas hat nach Angaben von Augenzeugen und laut einem israelischen Medienbericht im Gazastreifen drei Menschen hingerichtet. Islamisten hätten die drei Palästinenser nach Vorwürfen der Zusammenarbeit mit Israel in der Nacht zum Montag vor dem Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza erschossen, sagten Einwohner der Deutschen Presse-Agentur. Auch die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete über den Vorfall. Die Islamistenorganisation ist dafür bekannt, mit grosser Härte gegen interne Gegner vorzugehen. (dpa)
14:26 Uhr
Montag, 22. September
Palästinenser: Wieder Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Israels Armee geht nach eigenen Angaben weiterhin im gesamten Gazastreifen gegen die Hamas und andere Terrororganisationen vor. Bei israelischen Angriffen seien seit dem Morgen mindestens 30 Palästinenser getötet worden, darunter 26 in der Stadt Gaza, hiess es aus medizinischen Kreisen vor Ort. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Israels Armee teilte unterdes mit, sie habe am Sonntag ein Gebäude in der Stadt Gaza angegriffen, von dem aus Mitglieder der Hamas kurz zuvor Raketen Richtung Israel gefeuert hätten.
Nach Angaben des israelischen Militärs wurde am Montagnachmittag erneut ein Geschoss aus der Stadt Gaza auf Israel gefeuert. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.
Wegen der höchst umstrittenen israelischen Bodenoffensive in dem grössten Ort des Gazastreifens fliehen weiter Menschen von dort Richtung Süden des Gebiets. Inzwischen hätten mehr als 550'000 Palästinenser die Stadt Gaza verlassen, teilte die israelische Armee auf Anfrage mit. Seit Freitag flüchteten damit weitere rund 70'000 Menschen aus dem Ort. Vor dem Beginn des verstärkten militärischen Vorgehens Israels in der Stadt lebten dort rund eine Million Einwohner und Binnenvertriebene.
Die israelische Armee sagte weiter, sie habe in der Stadt Gaza rund 15 Personen getötet, die in der Nähe von Soldaten aktiv gewesen seien. Das Militär sprach von Terroristen. Auch im Süden des Gazastreifens ging Israels Armee eigenen Angaben zufolge gegen Mitglieder von Terrororganisationen vor. Das Militär habe zudem den stellvertretenden Chef der Hamas-Marinepolizei getötet, der am Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel beteiligt gewesen sei, hiess es in einer Mitteilung weiter. Auch diese Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. (dpa)
14:02 Uhr
Montag, 22. September
Dutzende iranische Abgeordnete fordern Bau einer Atombombe
Im Iran fordern Dutzende Abgeordnete vor dem Hintergrund militärischer Spannungen mit dem Erzfeind Israel den Bau einer Atombombe. In einem Brief an den Nationalen Sicherheitsrat und die Staatsgewalten verlangten 71 der insgesamt 290 Volksvertreter im Parlament (Madschles) eine Neubewertung der Verteidigungsdoktrin, wie iranische Medien berichteten. In ihrem Schreiben begründen sie die Forderung mit der veränderten Sicherheitslage in der Region.
Der Iran betont stets, auch aus religiösen Gründen nicht nach Atomwaffen zu streben. Dazu verweist das Land auf eine Fatwa, ein religiöses Rechtsgutachten des obersten Führers Chamenei: Dieses verbietet der offiziellen Darstellung zufolge sowohl den Bau als auch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen.
Die Abgeordneten argumentierten nun, die Welt habe sich verändert. Israel sei «an den Rand des Wahnsinns geraten» und greife «ohne jede Beachtung internationaler Verpflichtungen an», hiess es in dem Schreiben. Atomwaffen zu Abschreckungszwecken verstiessen nicht gegen das Gutachten, so die Politiker.
Im Juni hatte Israel zwölf Tage lang Krieg gegen die Islamische Republik geführt und gemeinsam mit den USA zentrale iranische Atomanlagen bombardiert. Danach spitzte sich der Streit zwischen Teheran und dem Westen auch auf diplomatischer Ebene zu. Der Westen wirft der iranischen Führung vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran bestreitet dies. (dpa)
13:59 Uhr
Montag, 22. September
Deutschland sieht keine Voraussetzung für Palästina-Anerkennung
Die deutsche Regierung beharrt nach der Kursänderung wichtiger Partner in der Nahostpolitik auf ihrem Nein zur Anerkennung eines palästinensischen Staates vor einer Verhandlungslösung.
Grossbritannien, Kanada, Australien und Portugal haben die palästinensischen Gebiete als Staat anerkannt. Frankreich hat angedeutet, den - zunächst vor allem symbolischen - Schritt gegen den Willen Israels gehen zu wollen.
Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schliesst einen solchen Staat dagegen aus. (dpa)
13:08 Uhr
Montag, 22. September
Israel: Sonntag sind gut 450 Hilfs-Lkws nach Gaza gefahren
Israel hat zuletzt etwas mehr Hilfe für den Gazastreifen in das abgeriegelte Küstengebiet gelassen. Am Sonntag seien knapp 460 Lastwagen mit humanitärer Hilfe über die Grenze gefahren, teilte die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat mit. In den vergangenen Wochen waren es demnach täglich im Schnitt nur rund 200 Lastwagen.
Es war aber zunächst unklar, ob während des jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana, das am Montagabend beginnt, Hilfen in den Gazastreifen gebracht werden. Cogat antwortete zunächst nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Die Behörde teilte weiter mit, dass knapp 310 Lastwagen im Gazastreifen von den Vereinten Nationen und internationalen Hilfsorganisationen abgeholt und ihre Fracht verteilt worden sei. Dazu stünden dort noch Hunderte weitere Hilfstransporte zur Abholung und Verteilung bereit.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wären täglich rund 500 Lastwagenladungen nötig, um die Versorgung der mehr als zwei Millionen notleidenden Palästinenser in dem abgeriegelten Küstengebiet zu garantieren. (dpa)
12:36 Uhr
Montag, 22. September
Paris stellt Bedingungen für Beziehungen zu palästinensischem Staat
Kurz vor der geplanten Anerkennung eines palästinensischen Staates hat Frankreich Bedingungen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen gestellt. Der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot sagte am Montag dem Sender TF1, zu diesen Bedingungen gehöre die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas und anderer militant-islamistischer Gruppen, die sie am 7. Oktober 2023 während des Angriffs auf Südisrael verschleppt hatten.
Der französische Präsident Emmanuel Macron wollte am Montag bei den Vereinten Nationen einen palästinensischen Staat offiziell anerkennen. Barrot sprach von einer symbolischen Entscheidung, die Frankreichs Engagement für eine Zweistaatenlösung unterstreiche. (dpa)
11:35 Uhr
Montag, 22. September
Israel ordnet Räumung von jordanischem Feldlazarett in Gaza an
Das israelische Militär hat die Evakuierung eines wichtigen Krankenhauses in der Stadt Gaza angeordnet. Das jordanische Feldlazarett im Stadtteil Tal al-Hawa im Südwesten der Stadt erhielt laut einem ranghohen Vertreter des Gesundheitswesens am Montagmorgen den Befehl zur Räumung.
Das Militär hat bereits allen Palästinensern in Gaza befohlen, sich auf den Weg nach Süden zu machen, in den zentralen und südlichen Gazastreifen. In privaten Nachrichten wurde den Mitarbeitern von Hilfsorganisationen mitgeteilt, dass alle humanitären Einrichtungen evakuiert werden müssten - allerdings mit Ausnahme der Krankenhäuser. Das Militär reagierte nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme.
Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen, Munir al-Busch, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass sich in dem Feldlazarett noch mindestens 300 Patienten sowie medizinisches Personal und Angehörige der Patienten aufhielten. Zuvor berichteten bereits Anwohner, dass Soldaten sich der Einrichtung näherten. Dutzende Familien konnten ihre Unterkünfte rund um das Krankenhaus nicht mehr verlassen. (dpa)
06:00 Uhr
Montag, 22. September
Anerkennung Palästinas: Was in New York auf dem Spiel steht
Neue Dynamik – oder weitere Eskalation? Die Anerkennung Palästinas als Staat durch eine Reihe von Ländern in New York ist ein Versuch, die Zweistaatenlösung am Leben zu halten. Eine entsprechende Konferenz von Frankreich und Saudi-Arabien heute (ab 21.00 Uhr MESZ) vor der für Dienstag geplanten UN-Generaldebatte mit etwa 150 Staats- und Regierungschefs dürfte den Druck auf Israel erhöhen. Diplomaten befürchten jedoch, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahus Reaktion harsch ausfallen könnte.
Wie sind wir an diesen Punkt gekommen?
Nach dem Ersten Weltkrieg stand Palästina unter britischer Verwaltung. London versprach sowohl Juden eine «nationale Heimstätte» als auch Arabern Unterstützung, was zu wachsenden Spannungen führte. Nach dem Holocaust und der Ermordung von rund sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland beschlossen die UN 1947 die Teilung: ein Staat Israel für Juden, ein Staat Palästina für Araber. Während die Araber ablehnten, riefen die Juden 1948 Israel aus. Der folgende Krieg gegen mehrere Nachbarstaaten endete mit Israels Sieg und der Flucht von mehr als 700'000 Palästinensern («Nakba»). Weitere Hunderttausende flohen 1967 im Sechstagekrieg («Naksa»).
In den 1990er Jahren brachte der Friedensprozess zunächst Hoffnung, doch zentrale Fragen wie Grenzen, der Status Jerusalems, Flüchtlinge und Siedlungen blieben ungelöst. Gewaltakte von Extremisten sowie die Spaltung der grössten Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah schwächten die Chancen auf einen eigenen palästinensischen Staat zusätzlich.
Was soll bei der Konferenz in New York passieren?
Nach dem Willen der Veranstalter soll das hochrangige Treffen zur Zweistaatenlösung heute den Ton für die am Folgetag startende Generaldebatte der UN-Vollversammlung bilden. Die Botschaft: Die Weltgemeinschaft verlangt ein Ende des Gaza-Krieges und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch - unverzüglich. Den Anfang machten am Wochenende bereits Grossbritannien, Kanada und Australien, die Palästina als erste grosse westliche Wirtschaftsnationen anerkannten.
Der britische Ministerpräsident Keir Starmer und sein kanadischer Amtskollege Mark Carney werden ebenfalls auf der Konferenz sprechen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dürfte heute nachziehen und den zunächst vor allem symbolischen Schritt der Anerkennung Palästinas ebenfalls vollziehen - auch Belgien, Neuseeland weitere kleinere Staaten haben eine Anerkennung angekündigt oder angedeutet.
Was soll das bringen?
Obwohl bereits etwa 150 der 193 UN-Mitgliedsstaaten Palästina anerkannt haben, wiegt die Entscheidung mehrerer zentraler Weltmächte, die traditionell zu Israels engsten Partnern zählen, besonders schwer. Noch entscheidender ist, dass diese Anerkennung die bedrohte Zweistaatenlösung stützen soll – sie ist gefährdet durch Israels Siedlungsausbau im Westjordanland, Annexionspläne und die Schwächung der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah.
Für die Palästinenser bedeutet der Schritt zusätzliche Legitimität im Streben nach einem eigenen Staat - er könnte den Weg zur vollen UN-Mitgliedschaft ebnen. Die Zweistaatenlösung sieht das gleichberechtigte Nebeneinander eines israelischen und eines palästinensischen Staates vor.
Wie gross ist das Risiko?
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gibt sich im Gaza-Krieg unbeirrt und könnte die Situation dafür nutzen, den Konflikt weiter zu eskalieren. Beobachter halten es sogar für möglich, dass er die staatliche Anerkennung Palästinas damit kontern könnte, die Annexion von Palästinensergebieten zu verkünden, um eine Zweistaatenlösung damit faktisch zu begraben. Netanjahu wird die Vollversammlung am Freitag adressieren.
Frankreich, Grossbritannien und Kanada riskieren mit ihrer Entscheidung zudem auch die Unzufriedenheit von Israels engstem Partner USA. Präsident Donald Trump - berüchtigt für sein unberechenbares Verhalten - könnte die Entwicklung als Affront betrachten.
Warum lehnt Israel die Anerkennung Palästinas ab?
Die israelische Regierung sieht die Zweistaatenlösung als existenzielle Gefahr und wirft der Palästinensischen Autonomiebehörde vor, Terror zu fördern; eine Anerkennung Palästinas jetzt gelte zudem als «Belohnung für die Hamas», die Israels Zerstörung anstrebt und für das beispiellose Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlich ist. Zuletzt hatten sich allerdings 142 Staaten unter französischer und saudischer Führung für eine Entmachtung der Hamas ausgesprochen.
Unterdessen baut die rechtsreligiöse Regierung Netanjahus die Siedlungen im 1967 eroberten Westjordanland und in Ost-Jerusalem weiter aus, wo inzwischen über 700'000 Siedler neben rund drei Millionen Palästinensern leben – übrig bleibt aus Sicht vieler nur ein «Flickenteppich» für einen möglichen Staat.
Israel und die USA boykottieren die Veranstaltung. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wird physisch nicht anwesend sein – weil die Trump-Regierung ihm ein Visum verweigerte, muss er per Videostream sprechen. (dpa)
19:01 Uhr
Sonntag, 21. September
«Preis» für Hamas: Netanyahu erteilt Palästinenserstaat Absage
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat der Vorstellung einer palästinensischen Eigenstaatlichkeit eine Absage erteilt. Eine Staatsgründung werde es nicht geben, erklärte er am Sonntag. «Es wird keinen palästinensischen Staat westlich des Jordan-Flusses geben.» Den Regierungschefs von Australien, Kanada und Grossbritannien, die am Sonntag einen Staat Palästina formal anerkannten, warf er vor, der militant-islamistischen Hamas einen «Preis» verliehen zu haben. Eine israelische Reaktion werde es nach seiner Reise in die USA geben, für die er ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus angekündigt hat. (dpa)
15:18 Uhr
Sonntag, 21. September
Kanada und Grossbritannien erkennen Staat Palästina an

Kanada und Grossbritannien haben einen Staat Palästina formell anerkannt. Der kanadische Premierminister Mark Carney warf der israelischen Regierung in einer Mitteilung vor, aktiv an der Verhinderung einer Zweistaatenlösung zu arbeiten. Die Anerkennung Palästinas stärke diejenigen, die sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern und ein Ende der Hamas einsetzten, erklärte er.
Der britische Premier Keir Starmer erklärte in einem Video, das bei X veröffentlicht wurde, eine Zweistaatenlösung sei das exakte Gegenteil der hasserfüllten Vision der Hamas. Die Anerkennung Palästinas sei keine Belohnung für die militant-islamistische Palästinenserorganisation. Starmer teilte weiter mit, der Schritt sei Teil eines Prozesses, um den Krieg im Gazastreifen zu beenden. (dpa)
13:45 Uhr
Sonntag, 21. September
Israel meldet Tötung von mutmasslichem Hamas-Scharfschützen
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben in der Stadt Gaza einen Scharfschützen der Hamas getötet. In einer Mitteilung der Armee hiess es am Sonntag, es handele sich um Madsched Abu Selmija, den Bruder des Direktors des Schifa-Krankenhauses, Dr. Mohammed Abu Selmija. Madsched habe dem militärischen Flügel der Hamas angehört und sei mit Planungen für Angriffe in Gaza befasst gewesen. Beweise für die Anschuldigungen legte das israelische Militär nicht vor.
Dr. Mohammed Abu Selmija wies die Darstellung zurück und erklärte, Israel versuche die Tötung von Zivilisten zu rechtfertigen. Sein Bruder sei 57 Jahre alt gewesen und habe an Bluthochdruck, Diabetes und Augenproblemen gelitten, sagte er der Nachrichtenagentur AP. (dpa)
13:44 Uhr
Sonntag, 21. September
Palästinenser: Mindestens 34 Tote bei israelischen Angriffen in Gaza
Bei israelischen Angriffen sollen in der Stadt Gaza in der Nacht zum Sonntag mindestens 34 Menschen getötet worden sein, darunter auch Kinder. Das berichteten Krankenhäuser und Vertreter der von der militant-islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörden.
Mitarbeiter des Schifa-Krankenhauses, das die meisten der Leichen aufnahm, erklärten, unter den Todesopfern seien 14 Menschen, die bei einem Angriff auf einen Wohnblock im Süden der Stadt ums Leben gekommen seien. Unter den Opfern sind demnach auch ein Sanitäter der Klinik und seine Frau sowie die drei Kinder des Paares. Aus Israel lag zunächst keine Stellungnahme zu den nächtlichen Angriffen vor.
Das israelische Militär hatte in der Nacht zum Dienstag eine Bodenoffensive in der Stadt begonnen. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat bislang keine Angaben zur voraussichtlichen Dauer der Operation gemacht. (dpa)
13:12 Uhr
Sonntag, 21. September
Ägypten verteidigt Militäreinsätze nahe Gazastreifen
Ägypten verteidigt die Präsenz seiner Truppen nahe der Grenze zu Israel und zum Gazastreifen, wo die israelische Armee Krieg führt. Das ägyptische Militär werde die eigenen Grenzen gegen «alle Gefahren» sichern, teilte der Staatsinformationsdienst (SIS) am Samstagabend mit. Dazu zählten «terroristische Aktivitäten und Schmuggel». Die Truppen seien im Rahmen geltender Vereinbarungen aus dem Friedensvertrag mit Israel im Einsatz.
Ägypten hatte 1979 als erstes arabisches Land mit Israel Frieden geschlossen. Das Verhältnis ist im Zuge des Kriegs im benachbarten Gaza aber so belastet wie seit Jahrzehnten nicht. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte Israel vor einigen Tagen als «Feind» bezeichnet - offenbar die erste Formulierung dieser Art seit al-Sisis Amtsantritt im Jahr 2014. Israel drohe mit seinem Verhalten, «bestehende Friedensverträge zu beenden».
Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 hat Ägypten Sorge, dass Palästinenser in grosser Zahl über die Grenze in den Nord-Sinai kommen könnten. Ägypten hat dies als rote Linie bezeichnet und als Gefahr für seine nationale Sicherheit. Das Land kontrolliert in der Stadt Rafah den einzigen Grenzübergang zum Gazastreifen, der nicht von Israel kontrolliert wird. Im Zuge der kürzlich begonnenen israelischen Offensive in der Stadt Gaza flüchten derzeit viele Menschen auf der verzweifelten Suche nach Schutz in Richtung Süden des abgeriegelten Küstengebiets - und damit in die Nähe zur ägyptischen Grenze.
Die Äusserungen aus Kairo folgen auf Medienberichte über eine angebliche Aufrüstung im Sinai. Die Nachrichtenseite Axios berichtete unter Berufung auf israelische Regierungsvertreter, dass Ägypten dort Infrastruktur baue, die für Angriffe genutzt werden könnte - und zwar in Gebieten, in denen laut Friedensvertrag nur leichte Waffen erlaubt sind. Axios berichtete auch, dass Israel über den Verbündeten USA offenbar Druck auf Ägypten ausüben will, um die angebliche Aufrüstung zu verhindern. (dpa)
10:31 Uhr
Sonntag, 21. September
Zwei Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert
Extremistische Palästinenser im Gazastreifen haben erneut zwei Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee teilte mit, ein Geschoss sei von der Raketenabwehr abgefangen worden und das zweite in einem offenen Gebiet eingeschlagen.
Zuvor habe es in der Hafenstadt Aschdod nördlich des Gazastreifen und in einem anderen Gebiet weiter östlich Raketenalarm gegeben. Es gab keine Berichte über mögliche Verletzte. Es war zunächst unklar, welche der palästinensischen Terrororganisationen hinter dem Angriff stand.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast zwei Jahren war Israel mit Tausenden Raketen aus dem Gazastreifen attackiert worden. Diese Angriffe sind jedoch inzwischen deutlich seltener geworden. (dpa)
15:31 Uhr
Samstag, 20. September
Hamas schürt Angst vor Verschwinden der Geiseln für immer
Mit einer Fotomontage hat die Hamas aufgrund der jüngsten israelischen Militäroffensive damit gedroht, dass die noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln für immer verschollen bleiben könnten. Die islamistische Terrororganisation veröffentlichte ein Bild mit Fotos von 47 Geiseln - und unter jedem der Fotos steht derselbe Name «Ron Arad».
Der israelische Soldat Arad war 1986 in einem Kampfflugzeug im Libanon abgestürzt. Er wurde damals gefangen genommen, aber Israel ist es trotz intensiver jahrzehntelanger Bemühungen nie gelungen, ihn zu befreien. Sein ungeklärtes Schicksal bewegt die israelische Öffentlichkeit bis heute.
Überschrieben ist die Fotomontage auf Arabisch und Hebräisch mit einer eindeutigen Warnung: «Aufgrund der Weigerung Netanjahus und Zamirs Unterwerfung ein Abschiedsfoto zum Beginn der Operation Gaza». Der Text beschuldigt damit Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu offensichtlich, eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln verweigert zu haben. (dpa)
13:05 Uhr
Samstag, 20. September
Berichte über heftige israelische Angriffe in der Stadt Gaza
Trotz weltweiter Kritik setzt Israel seine militärische Offensive in der Stadt Gaza mit grosser Härte fort. Es gebe schwere Bombardierungen und einen «Ring aus Feuer» in mehreren Teilen der grössten Stadt des Küstenstreifens, berichtete das israelische Nachrichtenportal «ynet» unter Berufung auf palästinensische Quellen.
Nach Angaben aus medizinischen Kreisen im Gazastreifen wurden am Samstag mindestens 47 Palästinenser getötet, davon mindestens 31 in der Stadt Gaza. Die israelische Armee äusserte sich zunächst nicht. Die Angaben beider Seiten lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Nach Angaben der israelischen Armee vom Vortag sollen bereits rund 480.000 Palästinenser die Stadt in dem abgeriegelten Küstengebiet verlassen haben. Sie versuchen sich in Richtung der sogenannten humanitären Zone Al-Mawasi im Südwesten des Gazastreifens durchzuschlagen. Vor dem Beginn der Militäroffensive Israels in der Stadt lebten dort rund eine Million Einwohner und Binnenvertriebene des seit bald zwei Jahren andauernden Krieges. (dpa)
06:15 Uhr
Samstag, 20. September
Zwei Tote bei Angriffen Israels im Libanon
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben bei Angriffen im Libanon zwei Mitglieder der proiranischen Hisbollah getötet. «Beide Terroristen beteiligten sich an Versuchen, die Terrorinfrastruktur der Hisbollah wiederherzustellen», teilte die Armee wie bei vielen früheren solchen Angriffen mit. Diese Aktivitäten stellten Verstösse gegen die Vereinbarungen zur Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon dar, betonte die Armee. Zudem sei ein von der Hisbollah genutztes Schiff vor der Hafenstadt Nakura angegriffen worden.
Die libanesische Armee hat nach eigenen Angaben seit Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im November vergangenen Jahres mehr als 4500 Verstösse Israels gezählt. Libanons Ministerpräsident Nauaf Salam hatte Israel nach Angriffen am Donnerstag bereits vorgeworfen, erneut die Waffenruhe missachtet zu haben. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Israel auszuüben, um die Attacken zu stoppen.
Die Schiiten-Miliz hatte Israel monatelang nach eigenen Angaben aus Solidarität mit der Hamas beschossen, die am 7. Oktober 2023 das Massaker mit rund 1200 Toten in Israel verübt und damit den Gaza-Krieg ausgelöst hatte. Israel flog im Gegenzug verheerende Luftangriffe und war zeitweise auch mit Bodentruppen in den Süden des Libanon vorgerückt, bevor es zu der seither brüchigen Waffenruhe kam. Im August nahm Libanons Regierung dann einen Plan der USA an, um die Hisbollah im Land zu entwaffnen. (dpa)
16:04 Uhr
Freitag, 19. September
Palästinenser flüchten weiterhin aus der Stadt Gaza
Wegen der höchst umstrittenen israelischen Bodenoffensive in der Stadt Gaza fliehen weiter viele Menschen von dort. Inzwischen hätten rund 480'000 Palästinenser die grösste Stadt in dem abgeriegelten Küstengebiet verlassen, teilte die israelische Armee auf Anfrage mit. Am Donnerstagabend hatte ein Sprecher noch gesagt, 450.000 seien aus der Stadt geflohen. Vor dem Beginn des verstärkten militärischen Vorgehens Israels in der Stadt lebten dort rund eine Million Einwohner und Binnenvertriebene.
Anwohner bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass viele Menschen aus der Stadt in Richtung Süden flüchteten, andere innerhalb des Ortes.
Eine Fluchtroute aus der Stadt in den Süden des Gazastreifens wurde von der israelischen Armee wie angekündigt geschlossen. Den Weg hatte das Militär vor einigen Tagen zeitweise freigegeben. Nun gibt es nur noch eine Strasse, die die Menschen in Richtung Süden nutzen können. (dpa)
10:43 Uhr
Freitag, 19. September
Israel sperrt Grenzübergang zwischen Westjordanland und Jordanien
Israel hat nach dem tödlichen Angriff auf zwei Soldaten den einzigen Grenzübergang für Palästinenser im besetzten Westjordanland nach Jordanien geschlossen. Wie lange der Übergang gesperrt bleibt, an dem das Attentat am Donnerstag verübt wurde, teilte die zuständige Behörde nicht mit. Die israelische Armee macht einen jordanischen Fahrer eines Gaza-Hilfstransporters dafür verantwortlich, die beiden Soldaten getötet zu haben. Auch die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete über die Schliessung und meldete, dass Busse mit Reisenden aus dem nahegelegenen palästinensischen Ort Jericho hätten umkehren müssen.
Viele Palästinenser aus dem Westjordanland nutzen den Übergang auch, um von Jordanien aus weiter in andere Länder zu reisen. Der israelische Sender Kan berichtete, Israel lasse vorerst keine Hilfstransporte aus Jordanien für den Gazastreifen mehr zu. Demnach sollen unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen auf der jordanischen Seite des Grenzübergangs überprüft werden. Israels Armee hatte der politischen Führung zuvor zu dem Schritt geraten. Hilfsgüter gelangen weiter über andere Routen in den Gazastreifen.
Laut Kan forderte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung unter anderem, dass die Fahrer aus Jordanien künftig Metalldetektoren passieren. Dem Bericht zufolge sagte er weiter, Jordanien hätte den Angriff verhindern müssen, habe dies aber nicht getan. (dpa)
6:41 Uhr
Freitag, 19. September
Hamas: Israel gefährdet mit Offensive Leben der Geiseln
Während die israelische Armee auf das Zentrum der Stadt Gaza im nördlichen Gazastreifen vorrückt, werden ihre Truppen im Süden des Küstengebiets weiter in vereinzelte Kämpfe verwickelt. Vier israelische Soldaten wurden dort am Donnerstag in Rafah bei der Explosion eines Sprengsatzes getötet, wie das Militär bekanntgab. Auf palästinensischer Seite starben laut medizinischen Kreisen am selben Tag erneut Dutzende Menschen, allein 38 in der Stadt Gaza.
Derweil verhinderten die USA mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat abermals eine Resolution zur Besserung der humanitären Lage. Der am Einstimmigkeitsprinzip gescheiterte Resolutionstext sollte tiefe Besorgnis über eine Hungersnot in dem abgeriegelten Küstenstreifen zum Ausdruck bringen. Zudem wurde die israelische Regierung im Entwurf aufgefordert, «alle Beschränkungen für die Einfuhr humanitärer Hilfe nach Gaza unverzüglich und bedingungslos aufzuheben». Die USA als Israels wichtigster Verbündeter stimmten jedoch als einziges Land im mächtigsten UN-Gremium gegen die Beschlussvorlage - daneben gab es 14 Ja-Stimmen. US-Vertreterin Morgan Ortagus begründete das Veto Washingtons damit, dass die Resolution die palästinensische Terrororganisation Hamas unterstützt hätte.
Hamas droht Israel: Gaza wird Friedhof für eure Soldaten
Die Hamas richtete drohende Worte an die israelische Armee und liess wissen, dass sie in der Stadt Gaza «Tausende Hinterhalte und Sprengsätze vorbereitet» habe. «Gaza wird ein Friedhof für eure Soldaten sein.» Zudem habe man die aus Israel entführten Geiseln auf mehrere Viertel der Stadt verteilt. Die trotz aller Warnungen von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu befohlene Militäroffensive werde zur Folge haben, dass keine der Geiseln nach Israel zurückkehre, hiess es weiter. Man werde keine Rücksicht auf das Leben der Verschleppten nehmen, «solange Netanyahu beschliesst, sie zu töten», teilte der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, mit.
Israel hatte in der Nacht zu Dienstag eine höchst umstrittene Bodenoffensive in der Stadt begonnen. Ziel ist es laut Regierungsangaben, dort eine der letzten Hochburgen der Hamas zu zerschlagen und die Freilassung der Geiseln zu erzielen. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln. Nach israelischen Informationen dürften 20 von ihnen noch leben, bei den anderen geht es um die Übergabe ihrer sterblichen Überreste. Die Angehörigen der Geiseln werfen Israels Regierung vor, mit der Offensive das Leben derjenigen zu riskieren, die noch immer in der Gewalt der Islamisten sind.
Armee: Knapp die Hälfte der Bewohner hat Stadt Gaza verlassen
Seit Beginn der Bodenoffensive in der Stadt habe man mehr als 1200 Ziele angegriffen, teilte der israelische Armeesprecher Effie Defrin mit. Inzwischen hätten schätzungsweise mehr als 450.000 palästinensische Bewohner die Stadt verlassen. Trotz der Kämpfe und der «Versuche der Hamas, die Evakuierung der Zivilbevölkerung gewaltsam zu verhindern», ermögliche die Armee der Bevölkerung die Flucht aus der Stadt, erklärte der Armeesprecher.
Die Menschen sollen sich in eine sogenannte humanitäre Zone im Süden begeben. Vor der Offensive hatten sich rund eine Million Menschen in der Stadt Gaza aufgehalten. Inzwischen rücken die israelischen Truppen dort weiter zum Stadtzentrum vor, wie Defrin erklärte. Zwei Divisionen seien im Einsatz, eine weitere werde voraussichtlich in den kommenden Tagen dazustossen. Man stelle sich auf einen «komplexen Häuserkampf» ein, erklärte die Armee. Im Süden des abgeriegelten Küstenstreifens sei eine weitere Division nach wie vor im Einsatz. «Unsere Einheiten greifen weiterhin terroristische Infrastruktur und Hamas-Kämpfer über und unter der Erde an», sagte Defrin.
Israelische Soldaten bei Anschlägen getötet
Vier israelische Soldaten wurden im Raum Rafah durch eine am Strassenrand platzierte Bombe getötet und drei weitere verletzt, wie die Armee mitteilte. Obwohl die Hamas in Rafah infolge schwerer israelischer Bombardierungen und Kämpfe weitgehend besiegt und ihre Infrastruktur zerstört sei, gehe die israelische Armee davon aus, dass sich dort noch mehrere Dutzend Kämpfer der Hamas befinden, schrieb die «Times of Israel». Zwei weitere israelische Soldaten wurden am Donnerstag bei einem Anschlag an einem von Israel kontrollierten Grenzübergang zwischen Jordanien und dem Westjordanland getötet.
Nach Armeeangaben war der mutmassliche Täter mit einem Lastwagen angekommen, mit dem humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert werden sollten. Der Jordanier habe auf seine Opfer eingestochen, meldete unter anderem die «Times of Israel» unter Berufung auf Ermittler. Sicherheitskräfte hätten den Täter «ausgeschaltet» - was in der Regel bedeutet, dass der Mann getötet wurde. Jordanien leitete Untersuchungen zu dem Vorfall ein. Israels Armeechef Ejal Zamir riet der politischen Führung Armeeangaben zufolge, vorerst keine Hilfslieferungen für den Gazastreifen über den Landweg aus Jordanien mehr zuzulassen.
Macron: Israel zerstört seinen Ruf
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor einem Reputationsverlust Israels wegen des militärischen Vorgehens des Landes und der vielen zivilen Opfer im Gazastreifen. «Sie zerstören vollständig das Ansehen und die Glaubwürdigkeit Israels, nicht nur in der Region, sondern in der öffentlichen Meinung überall», sagte Macron dem israelischen Sender Channel 12. Die Hamas müsse zerstört werden, militärische Kriegsführung reiche dafür aber nicht aus. Macron macht seit langem Druck auf Israel, den Krieg zu beenden. Ein weiterer Vorstoss ist die von ihm angekündigte offizielle Anerkennung eines Staates Palästina durch Frankreich bei der UN-Generalversammlung kommende Woche. (dpa)
21:41 Uhr
Donnerstag, 18. September
Hamas: Geiseln auf mehrere Viertel der Stadt Gaza verteilt
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas hat eigenen Angaben zufolge die aus Israel entführten Geiseln auf mehrere Viertel der Stadt Gaza verteilt. Der Beginn und die Ausweitung der israelischen Offensive in der Stadt bedeute, dass keiner der Entführten zurück nach Israel kehre, teilte der militärische Arm der Terrororganisation, die Kassam-Brigaden, mit. Die Hamas werde keine Rücksicht auf das Leben der Verschleppten nehmen, «solange (Israels Ministerpräsident Benjamin) Netanjahu beschliesst, sie zu töten», hiess es weiter.
Das Schicksal der Geiseln werde das gleiche sein wie das von Ron Arad, drohte die Islamistenorganisation. Arad, ein israelischer Navigator, war 1986 in einem Kampfflugzeug im Libanon abgestürzt. Er wurde damals gefangen genommen, sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Seine Ehefrau schrieb erst jüngst in einem Brief, die Entscheidungsträger in Israel wüssten, dass ein lebender Gefangener einfach von der Welt verschwinden könne, trotzdem habe die israelische Regierung beschlossen, Gaza einzunehmen.
Die Hamas drohte Israels Armee zugleich, sie habe «Tausende Hinterhalte und Sprengsätze vorbereitet». Weiter hiess es: «Gaza wird ein Friedhof für eure Soldaten sein.»
Angehörige fürchten um das Leben der Geiseln
Israel hatte in der Nacht zu Dienstag eine höchst umstrittene Bodenoffensive in der Stadt Gaza begonnen. Ziel ist es nach Angaben der Regierung, die islamistische Terrororganisation Hamas zu zerschlagen und die Freilassung der verbliebenen Geiseln zu erzielen.
Angehörige der aus Israel verschleppten Menschen werfen Netanjahu vor, die Geiseln mit der Bodenoffensive in der Stadt Gaza zu opfern. Sie fürchten um das Leben der Entführten - und dass die Hamas sie als menschliche Schutzschilde missbrauchen könnte. Israelische Medien hatten bereits vor einigen Tagen berichtet, die Hamas habe die Geiseln aus Tunneln geholt und in Häuser und Zelte gebracht, um die israelische Armee an Einsätzen in bestimmten Gebieten zu hindern.
Im Gazastreifen werden noch 48 Geiseln festgehalten, israelischen Informationen zufolge sollen 20 von ihnen noch am Leben sein - darunter auch deutsche Staatsbürger. (dpa)
19:22 Uhr
Donnerstag, 18. September
Tote bei Angriffen und Kämpfen im Gazastreifen
Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind palästinensischen Angaben zufolge 48 Menschen ums Leben gekommen. Das berichteten medizinische Kreise im Gazastreifen. Allein in der Stadt Gaza starben Krankenhausangaben zufolge am Donnerstag 38 Menschen. Israels Armee meldete derweil vier durch einen Sprengsatz getötete Soldaten im Süden des Gebiets.
Ein Armeesprecher sagte, inzwischen seien rund 450'000 Palästinenser aus der Stadt Gaza geflüchtet. Zuvor hatte sich dort rund eine Million Menschen aufgehalten.
Israel hatte in der Nacht zu Dienstag eine höchst umstrittene Bodenoffensive in der Stadt begonnen. Ziel ist es nach Angaben der Regierung, die islamistische Terrororganisation Hamas zu zerschlagen und die Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln zu erzielen. Laut Militärsprecher Effie Defrin hat die israelische Armee seit Beginn der Bodenoffensive mehr als 1200 Ziele angegriffen.
Die Angaben beider Seiten lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
16:45 Uhr
Donnerstag, 18. September
Armee: Angreifer an Grenze kam in Laster mit Hilfsgütern
Der Angreifer bei einem tödlichen Anschlag am Grenzübergang nach Jordanien ist nach Angaben der israelischen Armee in einem Lastwagen angekommen, der humanitäre Hilfsgüter für den Gazastreifen transportierte. Er sei aus Jordanien mit dem Fahrzeug gekommen und habe das Feuer eröffnet, hiess es in einer Mitteilung des Militärs. Sicherheitskräfte hätten ihn «ausgeschaltet».
Nach Angaben israelischer Rettungskräfte wurden zwei Männer getötet. Medienberichten zufolge schoss der Angreifer und setzte auch ein Messer ein.
Nach Angaben der Armee durchsuchten israelische Truppen nun die Umgebung und legten einen Belagerungsring um die palästinensische Stadt Jericho. Israel hatte 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert, wo heute mehr als 700'000 Siedler inmitten von rund drei Millionen Palästinensern leben. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. (dpa)
14:37 Uhr
Donnerstag, 18. September
Zwei Tote bei mutmasslichem Anschlag an Grenze zu Jordanien
An einem von Israel kontrollierten Grenzübergang zwischen Jordanien und dem besetzten Westjordanland ist es nach Angaben von Rettungskräften zu einem tödlichen Anschlag gekommen. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom kamen zwei Männer im Alter von 20 und 60 Jahren durch Schüsse ums Leben. Ein Angreifer sei «ausgeschaltet» worden.
Der israelische Rettungsdienst Zaka sprach dagegen von zwei Angreifern, die «ausser Gefecht gesetzt» worden seien. Die Armee teilte mit, sie prüfe die Berichte über Schüsse an dem Grenzübergang. Es war zunächst unklar, wie der oder die Attentäter zum Anschlagsort gelangten.
Vor einem Jahr waren bei dem Anschlag eines Jordaniers an dem Grenzübergang drei israelische Mitarbeiter getötet worden. (dpa)
11:40 Uhr
Donnerstag, 18. September
Bericht: London vor Anerkennung eines Staates Palästina
Grossbritannien soll einem Medienbericht zufolge unmittelbar vor der Anerkennung eines palästinensischen Staates stehen. Wie die «Times» berichtet, soll der formale Schritt bereits an diesem Wochenende und noch vor der UN-Generalversammlung erfolgen - kurz nach der Abreise des US-Präsidenten Donald Trump von seinem Staatsbesuch in Grossbritannien heute Abend. Die USA sind Israels engster Verbündeter und lehnen - wie Deutschland - die Anerkennung eines palästinensischen Staates zu diesem Zeitpunkt ab.
Für den innenpolitisch unter Druck stehenden britischen Premierminister Keir Starmer kommt der «Times»-Bericht zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Anerkennung eines Staates Palästina hatte der Premier zwar bereits angekündigt - unter der Voraussetzung, dass Israel seine Strategie im Gaza-Krieg nicht grundlegend ändert. Heute Mittag trifft Starmer aber noch auf Trump, beide Regierungschefs geben um 15.20 Uhr (MESZ) eine gemeinsame Pressekonferenz. Die «Times», die keine Quelle nennt, schreibt, Starmer habe die offizielle Anerkennung sogar bewusst auf einen Zeitpunkt nach Trumps Abreise verschieben wollen, damit das Thema die Pressekonferenz nicht dominiert. Belege dafür gibt es nicht.
Grossbritannien ist sehr um eine besondere Beziehung zu den USA bemüht, beide Staaten haben anlässlich von Trumps Staatsbesuch weitere insbesondere wirtschaftliche Abkommen geschlossen. Die USA sind der wichtigste Waffenlieferant und Unterstützer Israels. In der Bewertung des israelischen Grossangriffs auf die Stadt Gaza gab sich Trump kurz vor der Abreise nach Grossbritannien am Dienstag zurückhaltend. Er warnte die Hamas, dass sie teuer dafür bezahlen müsse, sollten die israelischen Geiseln im Gazastreifen als menschliche Schutzschilde missbraucht werden.
In der kommenden Woche wollen weitere einflussreiche Länder wie Frankreich, Belgien und Kanada vor den Vereinten Nationen in New York einen Staat Palästina anerkennen. Weltweit haben bereits fast 150 der 193 UN-Mitgliedsstaaten einen palästinensischen Staat anerkannt, aus palästinensischer Sicht hat aber die Entscheidung mehrerer zentraler Weltmächte eine besondere Bedeutung. (dpa)
22:14 Uhr
Mittwoch, 17. September
Berichte über 13 Tote bei Angriff nahe Schifa-Krankenhaus
Bei einem mutmasslichen Angriff Israels in der Stadt Gaza sind nach Klinikangaben mindestens 13 Palästinenser getötet worden. Auch Augenzeugen berichteten von einem israelischen Drohnenangriff in der Nähe des Schifa-Krankenhauses in Gaza. Dabei seien auch Frauen und Kinder ums Leben gekommen. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte. Einwohner sagten, Mitglieder einer Familie seien auf der Flucht in Richtung Süden getroffen worden. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.
Israel hatte in der Nacht zum Dienstag eine Bodenoffensive in der Stadt Gaza gestartet. Ziel ist es nach Angaben der Regierung, die islamistische Terrororganisation Hamas zu zerschlagen und die Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln zu erzielen.
Der Gaza-Krieg begann mit dem Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 65'000 Palästinenser in dem Küstengebiet getötet worden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. (dpa)
15:29 Uhr
Mittwoch, 17. September
Israelisches Militär öffnet Korridor für Flucht aus Stadt Gaza
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen neuen Korridor an der Küste des Gazastreifens geöffnet, über den Einwohnerinnen und Einwohner die Stadt Gaza nach Süden verlassen können. Militärsprecher Avichay Adraee teilte in den sozialen Medien mit, die Route werde vom heutigen Mittwoch an für zwei Tage offen sein.
Viele Palästinenserinnen und Palästinenser im Norden des Gazastreifens waren offenbar am Mittwoch von der Aussenwelt abgeschnitten, nachdem israelische Angriffe nach Angaben der palästinensischen Telekommunikationsaufsicht mit Sitz im Westjordanland die Internet- und Telefonverbindungen am Morgen gekappt hatten. Die Nachrichtenagentur AP versuchte vergeblich, Kontakt zu Menschen in der Stadt Gaza aufzunehmen. (dpa)
12:10 Uhr
Mittwoch, 17. September
Papst Leo XIV. zeigt sich solidarisch mit Palästinensern
Papst Leo XIV. hat seine Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck gebracht und Israel zur Achtung des Völkerrechts aufgefordert. «Vor dem allmächtigen Herrn, der befohlen hat: «Du sollst nicht töten!» und vor der gesamten Geschichte der Menschheit, hat jeder Mensch immer eine unantastbare Würde, die geachtet und geschützt werden muss», sagte Leo am Mittwoch.
Als das katholische Kirchenoberhaupt zum Ende seiner wöchentlichen Generalaudienz auf den Gazastreifen verwies, gab es Beifall aus der versammelten Menschenmenge. Der Papst lud die Anwesenden ein, sich seinen Forderungen nach einer Waffenruhe, der Freilassung von Geiseln und einer «vollständigen Einhaltung des humanitären Völkerrechts» anzuschliessen. (dpa)
10:46 Uhr
Mittwoch, 17. September
Bericht: Viele Tote in Gaza - Israel: Dutzende Ziele angegriffen
Im Gazastreifen hat es bei israelischen Angriffen einem palästinensischen Bericht zufolge erneut viele Todesopfer gegeben. Seit dem Morgen seien 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben in der Stadt Gaza, meldete die Nachrichtenagentur Wafa. Unter den Opfern soll demnach auch eine schwangere Frau gewesen sein.
Israels Armee erklärte unterdessen, sie habe in der Stadt Gaza in den vergangenen zwei Tagen mehr als 150 Ziele angegriffen, darunter «Terroristen» und «militärische Strukturen». Mehrere israelische Medien berichteten unter Berufung auf die Armee, die Luftwaffe habe in der Nacht rund 50 Ziele im Gazastreifen ins Visier genommen, darunter Tunnel und militärisch genutzte Gebäude. Die meisten Angriffe soll es demnach in der Stadt Gaza gegeben haben, wo Israel seit der Nacht auf Dienstag auch eine grosse Bodenoffensive durchführt.
Die Angaben des israelischen Militärs und jene der Nachrichtenagentur Wafa liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
06:10 Uhr
Mittwoch, 17. September
Israels Armee erwartet monatelange Kämpfe in Stadt Gaza
Nach dem Beginn von Israels höchst umstrittener Bodenoffensive in der Stadt Gaza fordern Hilfsorganisationen die internationale Gemeinschaft zum dringenden Handeln auf. «Die Staaten müssen alle ihnen zur Verfügung stehenden politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Mittel einsetzen, um zu intervenieren», hiess es in einer im Namen von rund zwei Dutzend Hilfsorganisationen von «Save the Children» veröffentlichten Mitteilung. UN-Generalsekretär António Guterres sagte: «Was heute in Gaza passiert, ist entsetzlich». Die Stadt Gaza im Norden werde von Israel systematisch zerstört.
Es handle sich um Gewalt in einem Ausmass, wie er es seit seiner fast neunjährigen Amtszeit als Generalsekretär in keinem Konflikt erlebt habe, sagte Guterres in New York. «Die Wahrheit ist, dass dies moralisch, politisch und rechtlich unerträglich ist.» In der von «Save the Children» veröffentlichten Mitteilung hiess es anklagend: «Unsere Warnungen wurden ignoriert, und Tausende weitere Menschenleben stehen weiterhin auf dem Spiel».
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte laut «Times of Israel», bisher seien fast 400.000 Menschen den Evakuierungsaufrufen der Armee gefolgt und hätten die zur Kampfzone erklärte Stadt verlassen. Das sind aber erst weniger als die Hälfte der schätzungsweise rund eine Million Bewohner der Stadt. Er habe die Armee angewiesen, Wege zu finden, den Menschen die Flucht zu vereinfachen, wurde Netanjahu zitiert. «Weil wir ein Interesse daran haben, den Krieg schnell zu beenden und nicht mit einer Niederlage zu enden».
Netanyahu droht Hamas
Zugleich warnte Netanyahu die islamistische Palästinenserorganisation Hamas eindringlich davor, den aus seinem Land verschleppten Geiseln etwas anzutun. Laut Medien soll die Hamas mehrere der Entführten aus unterirdischen Tunneln geholt und in Zelte und Häuser in der Stadt Gaza gebracht haben, um Israels Armee an Einsätzen in bestimmten Gebieten zu hindern. Sollten die Entführer den Geiseln Schaden zufügen, werde Israel sie bis an ihr Lebensende jagen, sagte Netanyahu. «Und dieses Ende wird viel früher kommen, als sie denken.»
Die Familien der Geiseln sind angesichts der begonnenen Bodenoffensive in der Stadt verzweifelt. Sie fürchten um das Leben der Verschleppten. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind. Die Familien der Entführten werfen Netanyahu vor, ihre Angehörigen «aus politischen Erwägungen zu opfern».
Am Abend protestierten örtlichen Medienberichten zufolge erneut Tausende Menschen vor Netanjahus Residenz in Jerusalem. Einige Demonstranten, darunter Geiselangehörige, wollten dort eine weitere Nacht in Zelten verbringen, wurden aber laut den Berichten von der Polizei weggetragen.
Armeesprecher: Bodenoffensive könnte Monate dauern
Nachdem das israelische Sicherheitskabinett im August gegen den Widerstand der Militärspitze die Einnahme der Stadt Gaza gebilligt hatte, begann die Armee ihre Bodenoffensive dort in der Nacht zum Dienstag mit Tausenden Soldaten. Sie könnte nach Angaben von Armeesprecher Effie Defrin viele Monate dauern.
Israels Regierung betont stets, sie bekämpfe ausschliesslich die Hamas, während Zivilisten von der Terrororganisation als «menschliche Schutzschilde» missbraucht würden. «Unter den Strassen verläuft ein ausgedehntes Tunnelnetz, das Kommandozentralen, Raketenwerfer und Waffenlager miteinander verbindet», sagte Defrin. «Alles absichtlich unter Zivilisten und ziviler Infrastruktur versteckt.» Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.
Israels Armee geht nach eigenen Angaben davon aus, dass sich bis zu 3.000 kampfbereite Mitglieder der Hamas in der Küstenstadt aufhalten. Das «Wall Street Journal» zitierte israelische und arabische Beamte, wonach die Hamas schätzungsweise über Zehntausende Kämpfer in ihren Reihen verfüge, wobei es sich jedoch vielfach um neue Rekruten mit wenig Ausbildung handele.
Viele Palästinenser können sich Flucht nicht leisten
Israels Armee hatte die Bewohner der Stadt Gaza vor Beginn der Offensive aufgerufen, sich in eine sogenannte humanitäre Zone im Süden des abgeriegelten Küstenstreifens zu begeben. Laut Hilfsorganisationen sind die Lebensbedingungen aber auch dort katastrophal. Viele Palästinenser können sich zudem laut Medienberichten die Flucht aus der Stadt schlicht nicht leisten.
Ein Reporter des israelischen TV-Senders N12 berichtete unter Berufung auf Palästinenser in der Stadt, die Kosten für einen Leihwagen zum Transport ihrer Habseligkeiten seien sprunghaft auf 5.000 Schekel gestiegen - umgerechnet fast 1.300 Euro. Ein Grossteil der rund zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens lebt in grosser Armut. Fast alle von ihnen wurden während des schon seit fast zwei Jahren andauernden Krieges zu Binnenvertriebenen.
Eine von den UN bestellte Kommission von Menschenrechtlern war in einem am Dienstag vorgestellten Bericht zum Schluss gekommen, Israels Kriegsführung gegen die Hamas ziele auf die Zerstörung der Palästinenser ab. Israel begehe Völkermord. Israel verurteilte den Bericht als skandalös. Hilfsorganisationen klagen immer wieder über die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen.
«Wir haben Familien getroffen, die Tierfutter essen, um zu überleben, und Blätter kochen, um ihre Kinder zu ernähren», hiess es in der von «Save the Children» veröffentlichten Mitteilung der Hilfsorganisationen. «Die Geschichte wird diesen Moment zweifellos als eine Bewährungsprobe für die Menschheit beurteilen. Und wir versagen. Wir versagen gegenüber den Menschen in Gaza, wir versagen gegenüber den Geiseln, und wir versagen gegenüber unserer eigenen kollektiven moralischen Verpflichtung», hiess es darin weiter.
EU-Kommission stellt Vorschläge für Israel-Sanktionen vor
Als Reaktion auf Israels Vorgehen in Gaza will die EU-Kommission heute weitere konkrete Vorschläge für Sanktionen gegen das Land vorlegen. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas appellierte zuvor an die Bundesregierung, die Pläne für Handelssanktionen zu unterstützen oder alternative Druckmittel vorzuschlagen. «Wenn wir uns einig sind, dass die Lage unhaltbar ist und wir die israelische Regierung zum Kurswechsel bringen wollen, dann müssen wir klären: Was können wir dafür tun?», sagte Kallas dem Sender Euronews. Die Europäische Union ist im Umgang mit dem jüdischen Staat tief gespalten. (dpa)
20:06 Uhr
Dienstag, 16. September
Huthi-Rakete löst Luftangriffsalarm in Jerusalem und Tel Aviv aus
Eine von der Huthi-Miliz im Jemen auf Israel abgefeuerte Rakete hat in Tel Aviv und Jerusalem Luftangriffssirenen aufheulen lassen. Das israelische Militär erklärte, es arbeite daran, das Projektil abzufangen. Zuvor hatten israelische Streitkräfte die jemenitische Hafenstadt Hudaida aus der Luft angegriffen.
Die Huthi haben Israel bereits mehrfach mit Raketen und Drohnen attackiert und dies als Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen dargestellt. Die meisten Raketen wurden abgefangen oder schlugen in offenem Gelände ein. Israel hat seinerseits wiederholt Vergeltungsangriffe auf Huthi-Ziele im Jemen geflogen. (dpa)
14:39 Uhr
Dienstag, 16. September
Hamas: Netanyahu verantwortlich für Schicksal der Geiseln
Nach Beginn der Bodenoffensive in der Stadt Gaza hat die islamistische Terrororganisation Hamas den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu verantwortlich für das Schicksal der Geiseln gemacht. «Kriegsverbrecher Netanyahu» trage die volle Verantwortung für das Leben «seiner Gefangenen im Gazastreifen», hiess es in einer Mitteilung der Palästinenserorganisation bei Telegram. Die Hamas bezeichnet die aus Israel verschleppten Geiseln, von denen viele Zivilisten sind, stets als «Gefangene».
Zudem trage die US-Regierung die «direkte Verantwortung für die Eskalation des brutalen Vernichtungskrieges im Gazastreifen», hiess es weiter in der Hamas-Mitteilung. Sie unterstütze eine «Politik der Täuschung, die darauf abzielt, die Kriegsverbrechen der Besatzungsmacht zu vertuschen, deren Zeuge die Welt seit fast zwei Jahren ist».
Auslöser des Gaza-Kriegs war der beispiellose Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere in den Küstenstreifen verschleppt wurden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn im Gazastreifen rund 65'000 Palästinenser getötet, wobei nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden wird. Weite Teile des dicht besiedelten Küstenstreifens wurden im Krieg zerstört.
Israel betont immer wieder, der Krieg könne sofort enden, wenn die Hamas die 48 verbliebenen Geiseln freilasse und die Waffen niederlege. (dpa)
12:59 Uhr
Dienstag, 16. September
Ägypten bezeichnet Israel erstmals wieder als «Feind»
Mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat erstmals seit Jahrzehnten ein Staatsoberhaupt des Landes Israel wieder öffentlich als «Feind» bezeichnet. Das bestätigte der Vorsitzende des Staatsinformationsdiensts SIS, Diaa Raschwan, im lokalen Fernsehen.
In einer Rede am Montag beim arabisch-islamischen Gipfeltreffen in Katar hatte al-Sisi betont: «Der Feind» (gemeint ist Israel) müsse erkennen, dass die Länder der Region in ihrer Position gegenüber Israel geeint seien und nicht zersplittert. Bei dem Gipfel wurde Israels Vorgehen im Gazastreifen erneut scharf verurteilt. Es sei das erste Mal seit 1977, dass ein ägyptisches Staatsoberhaupt Israel in dieser Weise bezeichnet, erklärte Raschwan. (dpa)
12:54 Uhr
Dienstag, 16. September
UN-Kommission: Genozid im Gazastreifen - Israel: Skandal
Die Kriegsführung Israels gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen zielt nach Auffassung von UN-bestellten Menschenrechtlern auf die Zerstörung der Palästinenser ab. Sie kommt zu dem Schluss, dass Israel Genozid, also Völkermord, begeht. Vier der fünf in der UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 erwähnten Tatbestände seien erfüllt, befindet die dreiköpfige Kommission.
Israel verurteilte den Bericht als skandalös. «Israel weist die verleumderische Tirade kategorisch zurück», heisst es in einer Erklärung des Aussenministeriums. Mit keinem Wort würden die Terrorakte der Hamas erwähnt. Dabei habe die Hamas die Absicht, Völkermord in Israel zu begehen. Er warf den Kommissionsmitgliedern antisemitische Neigungen vor. Die Kommission hat nach Angaben der Mitglieder auf Anfragen an Israel nie Antworten erhalten. (dpa)
09:25 Uhr
Dienstag, 16. September
Medien: Netanyahu spricht von Einsatz-Beginn in Stadt Gaza
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat örtlichen Medienberichten zufolge bei einem Prozess in Tel Aviv gesagt, Israel habe «eine intensive Operation in der Stadt Gaza begonnen». Ein Armeesprecher schrieb kurz zuvor in einem Post auf der Plattform X, Israel habe mit der Zerstörung der Infrastruktur der islamistischen Terrororganisation Hamas in der Stadt Gaza angefangen. (dpa)
09:15 Uhr
Dienstag, 16. September
Israelisches Militär: Ausgeweitete Offensive in Gaza hat begonnen
Die ausgeweitete Offensive des israelischen Militärs in der Stadt Gaza hat begonnen. Das bestätigte das Militär am Dienstag auf der Plattform X und rief Einwohnerinnen und Einwohner auf, sich in den Süden des Gazastreifens zu begeben. Bei dem Grosseinsatz gehe es darum, «die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören», hiess es. Zuvor waren schwere Angriffe auf die Stadt gemeldet worden. Laut Krankenhausangaben kamen mindestens 20 Menschen ums Leben.
Israel hatte Einwohnerinnen und Einwohner in Gaza bereits in den Wochen vor dem Beginn der Offensive zur Evakuierung aufgefordert. Viele von diesen sagten aber, sie könnten nicht weggehen, weil der Transport zu teuer sei und der Süden des Gazastreifens überfüllt sei. (dpa)
07:20 Uhr
Dienstag, 16. September
Israels Verteidigungsminister: «Gaza brennt»
Das israelische Militär hat in der Nacht seine Angriffe auf die Stadt Gaza massiv intensiviert. «Gaza brennt», schrieb der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Morgen auf Telegram. Die Soldaten kämpften, «um die Voraussetzungen für die Freilassung der Geiseln und die Niederlage der Hamas zu schaffen». Die US-Nachrichtenseite «Axios» zitierte israelische Beamte, denen zufolge es sich um den Beginn der Bodenoffensive in der Stadt handele. Israels Verteidigungsminister schrieb weiter: «Wir werden nicht nachlassen und nicht zurückweichen – bis die Mission abgeschlossen ist.» (dpa)
06:05 Uhr
Dienstag, 16. September
Berichte über Beginn der Gaza-Einnahme
Das israelische Militär hat seine Angriffe auf die Stadt Gaza Berichten zufolge massiv intensiviert. Kampfflugzeuge flogen in der Nacht laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa nahezu ununterbrochen heftige Attacken auf die im Norden des Gazastreifens gelegene Stadt, begleitet von Artilleriebeschuss. Unbestätigten palästinensischen Medienberichten zufolge drangen daraufhin Panzer in die Stadt ein. Die US-Nachrichtenseite «Axios» zitierte israelische Beamte, es handele sich um den Auftakt der Bodenoffensive. Eine Bestätigung des Militärs dafür lag zunächst nicht vor.
Die israelische Nachrichtenseite «Walla» berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Militärgeneralstabs, es habe «eine intensive Operation begonnen, die vielfältiges Feuer gegen zahlreiche Terrorziele umfasst». Dies sei «erst der Anfang». Nach israelischen Medienberichten waren die schweren Explosionen im Norden des Gazastreifens auch in Israel zu hören.
Kurz zuvor hatte US-Aussenminister Marco Rubio Zweifel geäussert, ob der Gaza-Krieg auf diplomatischem Wege beendet werden kann. «Wenn es also nicht auf diese Weise endet, dann muss es durch einen militärischen Einsatz beendet werden», sagte er dem US-Sender Fox News bei seiner Reise in Israel laut Redemanuskript. Er glaube, dass Israel diesen Weg selbst nicht bevorzuge. (dpa)
22:11 Uhr
Montag, 15. September
Israel: Hisbollah-Zentrale in Süd-Libanon angegriffen
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben ein Gebäude im Süden des Libanons angegriffen. Die Luftwaffe habe eine Zentrale der libanesischen Hisbollah-Miliz in der Gegend der Stadt Nabatijeh beschossen, teilte die israelische Armee mit. Die Präsenz der Einrichtung stelle einen Verstoss gegen Waffenruhevereinbarungen zwischen Israel und dem Libanon dar. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens acht Menschen verletzt, darunter Frauen und Kinder.
«Die Terrororganisation Hisbollah setzt ihre Versuche fort, ihre terroristische Infrastruktur im Libanon wiederaufzubauen, während sie die Zivilbevölkerung des Libanon gefährdet und diese als menschliche Schutzschilde einsetzt», hiess es in der Mitteilung des israelischen Militärs. Die Armee werde weiter gegen jede Bedrohung Israels vorgehen.
Eigentlich gilt seit Ende November eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Beide Seiten werfen sich Verstösse vor. Das israelische Militär greift nahezu täglich weiter an, um nach eigenen Angaben Stellungen der Hisbollah zu treffen. (dpa)
13:03 Uhr
Montag, 15. September
Dringlichkeitsdebatte in Menschenrechtsrat zu Israels Angriff in Katar
Der UN-Menschenrechtsrat in Genf wird eine Dringlichkeitsdebatte über den international kritisierten Angriff Israels auf Hamas-Vertreter in Katar abhalten. Die Aussprache findet am Dienstag um 11.00 Uhr in Genf statt, wie das Sekretariat des Rates mitteilt. Die Sitzung kommt auf Antrag von Pakistan und Kuwait zustande; sie findet im Rahmen der laufenden Sitzung statt.
Laut Antrag geht es in der Debatte darum, «die jüngste militärische Aggression des Staates Israel gegen den Staat Katar am 9. September 2025 zu erörtern», teilte das Sekretariat mit. Dringlichkeitsdebatten bieten Ländern Gelegenheit, Statements abzugeben. Denkbar ist auch eine Resolution, die zur Abstimmung vorgelegt wird.
Die israelische Luftwaffe hatte am Dienstag versucht, in Doha die Führungsspitze der islamistischen Terrororganisation Hamas anzugreifen. Nach Hamas-Angaben schlug die Attacke jedoch fehl. (dpa)
06:05 Uhr
Montag, 15. September
Arabisch-islamischer Gipfel in Katar berät Israels Angriff
Die Staats- und Regierungschefs von fast 60 arabischen und islamischen Staaten wollen heute bei einem Sondergipfel in Katar eine gemeinsame Antwort auf Israels Luftangriff in dem Golfemirat finden. «Wir schätzen die Haltung der arabischen und islamischen Länder und ihre Solidarität mit Katar angesichts dieser israelischen Aggression», schrieb Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani auf X nach einem vorbereitenden Treffen der Aussenminister von Ländern der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in der Hauptstadt Doha.
Die israelische Luftwaffe hatte am Dienstag versucht, in Doha die Führungsspitze der islamistischen Terrororganisation Hamas anzugreifen. Nach Hamas-Angaben schlug die Attacke jedoch fehl, es sei kein Mitglied der Hamas-Delegation für die Verhandlungen über ein Abkommen im Gaza-Krieg mit Israel getötet worden. Israels Angriff in Katar, das mit Ägypten und den USA als Vermittler im Krieg zwischen Israel und der Hamas fungiert, war international verurteilt worden.
«Die Zeit ist gekommen, dass die internationale Gemeinschaft aufhört, mit zweierlei Mass zu messen, und Israel für all die Verbrechen bestraft, die es begangen hat», zitierte die saudische Nachrichtenseite «Arab News» Al Thani, der zugleich Katars Aussenminister ist. Israels Angriff könne nur als «Staatsterrorismus» bezeichnet werden. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, sagte laut «Arab News», der Gipfel in Doha an sich schon sende eine starke Botschaft. «Katar ist nicht allein. Die arabische und islamische Welt steht an seiner Seite», wurde Aboul Gheit zitiert.
Die Staats- und Regierungschef der arabischen und islamischen Staaten werden Israels Attacke zum Abschluss ihres heutigen Sondergipfels in Katar möglicherweise in einer gemeinsamen Erklärung mit starken Worten verurteilen. Es müsse «echte und spürbare Massnahmen auf allen Ebenen» geben, sagte Katars Regierungschef am Vorabend. Al Thani versicherte zugleich allerdings mit Blick auf den andauernden Krieg im Gazastreifen: «Israels brutales Handeln wird uns nicht davon abhalten, unsere ernsthaften Bemühungen mit Ägypten und den Vereinigten Staaten fortzusetzen, um diesen Krieg zu stoppen».
Während die Aussenminister arabischer und islamischer Staaten den heutigen Gipfel in Doha vorbereiteten, rief der israelische Staatspräsident Izchak Herzog laut der «Times of Israel» sein Land auf, die Beziehungen zu den regionalen Verbündeten nicht zu vernachlässigen. Es gebe viele Länder, mit denen Israel trotz Meinungsverschiedenheiten umfangreiche und wichtige Beziehungen pflege, wurde Herzog bei einer nationalen Gedenkzeremonie für verstorbene israelische Präsidenten und Regierungschefs zitiert. «Wir dürfen unsere Beziehungen nicht aufgeben. Wir dürfen unsere Brücken nicht niederbrennen.» (dpa)
16:05 Uhr
Sonntag, 14. september
Israel zerstört Gebäude der Islamischen Universität in Gaza
Die israelische Armee hat ein weiteres Gebäude der Islamischen Universität in der Stadt Gaza zerstört. Israelische und palästinensische Medien veröffentlichten Videos, auf denen zu sehen war, wie das Gebäude getroffen wurde. Die Armee bestätigte den Vorfall. Die islamistische Terrororganisation Hamas habe das Gebäude für das Ausspähen von Soldaten und die Vorbereitung von Angriffen benutzt, teilte das Militär mit. Die Vorwürfe lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Islamische Universität war während des Krieges, der schon seit fast zwei Jahren wütet, bereits mehrmals angegriffen worden. Nach palästinensischen Angaben hatten Binnenflüchtlinge auf dem Gelände der Hochschule Zuflucht gesucht.
Zuvor waren bereits mehrere Hochhäuser in Gaza durch Luftangriffe zum Einsturz gebracht worden. Nach Medienberichten bereitet das Militär mit den Luftangriffen einen tieferen Vorstoss seiner Bodentruppen in die Stadt vor.
Die konservative Zeitung «Israel Hajom» berichtete derweil, innerhalb der Armeespitze gebe es breiten Widerstand gegen den geplanten Militäreinsatz in der Stadt Gaza, der bald beginnen solle. Ranghohe Vertreter hätten in dem Zusammenhang gewarnt, gerade nach dem Angriff in Katar gefährde Israel seine nationale Sicherheit «auf nie dagewesene Art».
Israelische Sicherheitsvertreter hätten Zweifel daran geäussert, dass die Offensive ihr erklärtes Ziel - die Hamas zu zerschlagen - erreichen wird. Der Einsatz könne mehrere Monate dauern, das Leben der Geiseln gefährden, zu schweren Verlusten unter den Soldaten führen und Israel international weiter isolieren, «wegen der Bilder der Zerstörung und ziviler Todesoper aus der Stadt Gaza». (dpa)
14:31 Uhr
Sonntag, 14. September
Wieder zwölf Tote in Gaza
Bei heftigen israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach Angaben von Krankenhäusern am Sonntag erneut zwölf Palästinenser getötet worden. Unter anderem seien bei einer Attacke auf ein Zelt in Deir al-Balah ein Elternpaar, drei Kinder und deren Tante ums Leben gekommen, teilte das Al-Aksa-Märtyrerkrankenhaus mit, in das die Leichen gebracht wurden. Die Familie sei eigentlich aus Beit Hanun im Norden gewesen und kürzlich aus der Stadt Gaza geflohen, wo Israel derzeit eine Militäroffensive vorantreibt. Ziele weiterer Luftangriffe waren Kliniken zufolge ein Auto in der Nähe des Schifa-Krankenhauses und ein Kreisverkehr in der Stadt Gaza. Von den israelischen Streitkräften lag zunächst keine Stellungnahme zu diesen Angriffen vor.
Das israelische Militär zerstörte am Sonntagmorgen zudem ein weiteres Hochhaus, von dem aus die militant-islamistische Hamas Truppenbewegungen beobachtet haben soll. Weniger als eine Stunde nach einer Evakuierungsanordnung des Militärs stürzte der Kauther-Turm im Viertel Rimal in sich zusammen, wie Anwohner sagten. Berichte über Todesopfer gab es nicht. (dpa)
20:01 Uhr
Samstag, 13. September
Israel: 250'000 Palästinenser haben Stadt Gaza verlassen
Bei Angriffen der israelischen Armee in der Stadt Gaza und anderen Teilen des Küstenstreifens sind nach Angaben aus medizinischen Kreisen seit Samstagmorgen mindestens 39 Menschen getötet worden. Israel habe seine Angriffe vor allem auf die Stadt Gaza verschärft, sagte der Sprecher des von der terroristischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes, Mahmud Basal.
Israel hatte Anfang August angekündigt, die Armee solle die gesamte Stadt einnehmen, um die dort vermuteten Einheiten der Hamas zu zerschlagen.
Erneuter dringender Fluchtaufruf
Der israelische Militärsprecher Avichai Adraee rief alle Bewohner der Stadt Gaza erneut auf, sofort in sogenannte humanitäre Zonen weiter südlich zu flüchten. Bisher seien aus der Stadt mit schätzungsweise rund einer Million Einwohnern mehr als 250'000 Menschen abgezogen, schrieb er auf X.
Das von der Hamas kontrollierte Medienbüro im Gazastreifen schätzte die Zahl der Geflohenen sogar auf 350'000. Zuvor hatte das Büro noch von etwa 65'000 Geflüchteten gesprochen. Diese und alle anderen Angaben aus dem Kriegsgebiet konnten zunächst nicht überprüft werden.
In einem späteren X-Post rief Adraee die Bewohner eines Hochhauses und umliegender Zelte auf, sofort zu fliehen, da Israel das Gebäude in Kürze angreifen werde. Kurz darauf teilte das Militär mit, das Hochhaus, in dem sich «militärische Infrastruktur» der Hamas befunden habe, sei getroffen worden. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Obwohl das Internet in der Stadt kaum noch funktioniert, nachdem Israel viele der Hochhäuser mit Sendemasten zerstört hat, verbreiten sich die Aufrufe von Adraee schnell. Sie können auch von Handys mit israelischen Sim-Karten empfangen werden.
Viele der Menschen in der Stadt Gaza, von denen ein Teil bereits während des Krieges aus anderen Teilen des Küstenstreifens geflohen war, wollten trotz der Lebensgefahr nicht in die von Israel als sicher bezeichneten Zonen im Zentrum und Al-Mawasi im Südwesten abziehen, da Israel in der Vergangenheit auch solche Zonen angegriffen hat. Andere machten sich in überladenen Fahrzeugen oder zu Fuss auf den Weg über die Küstenstrasse Richtung Süden.
Massaker in Israel löste Krieg aus
Auslöser des Gaza-Krieges war der Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt worden waren, darunter auch Kinder. Seither bekämpft Israel die Hamas, die ihrerseits die Zerstörung Israels anstrebt. In Gaza befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben.
Nach palästinensischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn im Gazastreifen mehr als 64'600 Palästinenser getötet, wobei nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden wird. Weite Teile des dicht besiedelten Küstenstreifens wurden von Israel zerstört.
International wächst die Kritik am militärischen Vorgehen Israels. Kritiker werfen der Armee Kriegsverbrechen vor, manche auch Völkermord wie etwa Spaniens Regierung. Israel reklamiert für sich das Recht auf Selbstverteidigung. (dpa)
13:17 Uhr
Samstag, 13. September
Klinik meldet mindestens 32 Tote durch Angriffe in Stadt Gaza
Durch israelische Luftangriffe sind in der Stadt Gaza nach palästinensischen Krankenhausangaben mindestens 32 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien zwölf Kinder, berichtete das Leichenschauhaus des Schifa-Krankenhauses, in das die Leichen gebracht wurden. Bei einem der Luftangriffe in der Nacht zum Samstag sei ein Haus im Viertel Scheich Radwan getroffen und dabei eine zehnköpfige Familie getötet worden, darunter eine Mutter und ihre drei Kinder, ergänzten Vertreter des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums. Nach den Angriffen stieg Rauch über der Gegend auf, wie Aufnahmen zeigten.
Das israelische Militär äusserte sich zunächst nicht zu den Angriffen. Die Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen ihre Einsätze in der Stadt Gaza ausgeweitet und die Bevölkerung zu deren vollständigen Evakuierung aufgefordert. Doch Hunderttausende harren dort nach wie vor aus, unter anderem weil sie bereits mehrfach vertrieben wurden und sich auch anderswo im Gazastreifen nicht sicherer fühlen. Israels Regierung betrachtet die Stadt Gaza als die letzte Hochburg der militant-islamistischen Hamas und will die Stadt vollständig einnehmen.
Das Vorgehen hat international scharfe Kritik und in Israel grosse Proteste ausgelöst. Der Unmut in Israel speist sich auch aus der Sorge vieler Menschen um die im Gazastreifen verbliebenen Geiseln, von denen etliche in der Stadt Gaza vermutet werden. Etwa 50 Geiseln befinden sich noch in dem Küstengebiet, nur noch rund 20 von ihnen sind nach Einschätzung der Regierung Israels am Leben. (dpa)
13:07
Freitag, 12. September
Palästinenser: Wieder viele Tote bei Angriffen Israels in Gaza
Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen hat es palästinensischen Angaben zufolge wieder Dutzende Tote gegeben. Aus medizinischen Kreisen in dem Küstengebiet hiess es, seit dem Morgen seien 35 Menschen ums Leben gekommen, darunter die meisten in der nördlich gelegenen Stadt Gaza. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. Allein bei einem israelischen Luftangriff im Norden der Stadt Gaza gab es medizinischen Kreisen zufolge 14 Tote. Palästinensischen Medien zufolge soll es sich bei ihnen um Mitglieder einer Familie handeln, deren Haus getroffen worden sei. Viele Menschen seien noch unter Trümmern verschüttet. Das israelische Militär teilte auf Anfrage mit, dem Bericht nachzugehen.
Ein Sprecher der Armee veröffentlichte unterdes eine Liste mit allen Gebieten, in die die Einwohner der Stadt Gaza, deren militärische Einnahme Israels Regierung beabsichtigt, fliehen können. Dazu zählen unter anderem Nuseirat und Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens sowie mehrere Viertel der Stadt Chan Junis im Süden des Palästinensergebiets. Israels Militär geht eigenen Angaben nach in der Stadt Gaza gegen die Hamas und andere Terrororganisationen vor. Vor der Einnahme der Stadt sollen Hunderttausende Palästinenser den grössten Ort des Gazastreifens verlassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin katastrophalen Lage der Zivilbevölkerung. (dpa)
10:37
Freitag, 12. September
Katar: Israelischer Führung sind die Geiseln gleichgültig
Nach einem israelischen Angriff auf die Führungsriege der Hamas in Katar hat der katarische Ministerpräsident der israelischen Regierung Gleichgültigkeit gegenüber den Geiseln im Gazastreifen vorgeworfen. «Die Extremisten, die Israel heute regieren, kümmern sich nicht um die Geiseln - wie sonst könnten wir den Zeitpunkt dieses Angriffs rechtfertigen?», erklärte Mohammed bin Abdulrahman Al Thani bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats am Donnerstag. Mit dem Angriff am Dienstag habe Israel jede Grenze überschritten.
Sechs Menschen waren dabei in Doha ums Leben gekommen. Der israelische UN-Botschafter Danny Danon erwiderte, die Geschichte werde mit Komplizen nicht gnädig sein. «Entweder verurteilt Katar die Hamas, weist die Hamas aus und zieht sie zur Rechenschaft. Oder Israel wird es tun.» (dpa)
14:23
Donnerstag, 11. September
Nach Israels Angriff in Katar: Sondergipfel geplant
Nach dem israelischen Luftangriff in Katar lädt das Land zu einem Sondergipfel mit fast 60 arabischen und islamischen Staaten ein. Das Treffen der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sei für diesen Sonntag und Montag geplant, berichtete die katarische Staatsagentur QNA. Vor dem Treffen der Monarchen, Staats- und Regierungschefs werde es am Sonntag einen vorbereitenden Gipfel auf Ebene der Aussenminister geben. Die Staaten dürften bei dem Gipfel vor allem nach einer gemeinsamen Haltung gegenüber Israel suchen nach dessen Angriff auf Katar. Der OIC gehören 57 muslimisch geprägte Staaten an. (dpa)
10:51
Donnerstag, 11. September
Israel fängt erneut Rakete aus dem Jemen ab
Nach Angaben des israelischen Militärs ist eine Rakete aus dem Jemen auf Israel abgefeuert worden. In mehreren Gegenden Israels heulten die Alarmsirenen. Die Armee gab am frühen Morgen Entwarnung: Das israelische Luftabwehrsystem habe die Rakete erfolgreich abgefangen. Berichte über Verletzte oder grössere Schäden gab es offiziellen Angaben zufolge nicht. Am Vortag hatte Israels Luftwaffe nach Armeeangaben Militäranlagen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im 2.000 Kilometer entfernten Jemen angegriffen. (dpa)
5:40
Donnerstag, 11. September
Israel erhöht nach Angriffen in Katar den Druck
Israel erhöht ungeachtet internationaler Kritik an seinem offenbar fehlgeschlagenen Luftangriff in Katar auf die Führungsspitze der islamistischen Terrororganisation Hamas den Druck. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief Katar nach Angaben seines Büros auf, die Hamas-Anführer auszuweisen und warnte: «Ich sage Katar und all den Ländern, die Terroristen Unterschlupf gewähren, entweder weist ihr sie aus oder zieht sie zur Rechenschaft. Denn wenn ihr es nicht tut, dann werden wir es tun.» Katars Aussenministerium wies seine «rücksichtslosen Äusserungen» scharf zurück.
Katar verurteile «die ausdrücklichen Drohungen mit künftigen Verletzungen der staatlichen Souveränität», heisst es in einer auf X veröffentlichten Erklärung des Aussenministeriums. Netanyahus Worte seien ein «beschämender Versuch», Israels Angriff in der katarischen Hauptstadt vom Dienstag zu rechtfertigen. Israels Luftwaffe hatte versucht, die Führungsspitze der Hamas in Doha anzugreifen. Ein Ziel war Berichten zufolge Chalil Al-Haja, der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe leitet.
Nach Hamas-Angaben schlug die Attacke jedoch fehl, es sei kein Mitglied der Delegation getötet worden. Sechs Menschen seien aber ums Leben gekommen, darunter Al-Hajas Sohn und sein Büroleiter. Der Angriff war international verurteilt worden.
Katars Premier: Netanjahu zerstört Hoffnung für Geiseln
Nach Einschätzung des katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani könnte der Angriff negative Folgen für die Geiseln im Gazastreifen haben. «Ich denke, das, was Netanyahu gestern getan hat, hat jede Hoffnung für diese Geiseln zunichtegemacht», sagte er am Mittwoch in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN. Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas.
Ex-Militärsprecher: Israel fährt umfassende Druckkampagne
In Gaza befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben. Angehörige hatten nach dem Angriff grosse Sorge über deren Schicksal geäussert. Al Thani hatte kurz nach Israels Angriff angedeutet, dass Katar an seiner Rolle als Vermittler festhalten könnte.
Am Tag darauf sagte er laut CNN, man werde «alles neu bewerten», was Katars Engagement in künftigen Waffenruheverhandlungen betreffe. Man sei im «sehr detaillierten Gespräch» mit der US-Regierung darüber, wie es weitergehen soll. «Das ultimative Ziel ist es, die Hamas dazu zu bringen, unseren Bedingungen zuzustimmen, und was Israel derzeit tut, ist eine umfassende Druckkampagne», zitierte das «Wall Street Journal» Jonathan Conricus, ehemaliger Sprecher des israelischen Militärs, der an der Denkfabrik Foundation for the Defense of Democracies in Washington tätig ist.
Der israelische Sender Channel 12 hatte ranghohe Verteidigungsbeamte zitiert, wonach der Angriff Hamas-Funktionären gegolten habe, die Kompromisse bei den Gesprächen über ein Gaza-Abkommen abgelehnt hätten und ein Hindernis für ein Abkommen seien.
Bericht: Trump führte hitziges Telefonat mit Netanyahu
US-Präsident Donald Trump führte nach Informationen des «Wall Street Journal» nach dem Angriff ein hitziges Telefonat mit Netanjahu. Darin habe Trump seine «tiefe Frustration» darüber zum Ausdruck gebracht, von Israels Angriff überrascht worden zu sein. Die Entscheidung, politische Hamas-Anführer in Doha anzugreifen, sei nicht weise gewesen, habe Trump zu Netanyahu gesagt, hiess es unter Berufung auf ranghohe US-Beamte. Trump sei wütend gewesen, erst während des Angriffs durch das US-Militär und nicht von Israel selbst darüber informiert worden zu sein – und darüber, dass ein Angriff das Territorium eines US-Verbündeten getroffen habe, der gerade in Verhandlungen zur Beendigung des Gaza-Krieges vermittele. Netanyahu habe geantwortet, dass er ein kurzes Zeitfenster für die Angriffe gehabt und die Gelegenheit genutzt habe, berichtete die Zeitung weiter.
Netanyahu spricht von «Strandgrundstücken» im Gazastreifen
Unterdessen nahm Netanyahu südlich von Tel Aviv an der Grundsteinlegung für eine Strandpromenade teil, die nach Trump benannt ist. Bei der Zeremonie in der Stadt Bat Jam machte Netanjahu Andeutungen über die Zukunft des umkämpften Gazastreifens. «Präsident Trump hat mehrmals mit mir über Anlagewerte am Meer gesprochen», sagte er nach Angaben seines Büros. «Er sagte mir, dass wir hier wunderbare Strandgrundstücke haben», erzählte Israels Regierungschef.
Trump habe allerdings über einen Ort gesprochen, «der etwas südlich von hier liegt – in Gaza», sagte Netanyahu. Trump hatte die Idee ins Spiel gebracht, die Kontrolle über den Gazastreifen zu übernehmen und die palästinensische Bevölkerung umzusiedeln, um Gaza in eine «Riviera des Nahen Ostens» zu verwandeln. Der Vorschlag war auf heftige Kritik gestossen. Israel will die Hamas zerschlagen, während palästinensische Vertreter auf einen Wiederaufbau des Gazastreifens unter eigener Verwaltung drängen. (dpa)
21:14 Uhr
Mittwoch, 10. September
Netanyahu fordert von Katar Ausweisung von Hamas-Führern
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat Katar zur Ausweisung von Anführern der islamistischen Terrororganisation Hamas aufgerufen. Mit dem Angriff auf die Hamas-Führungsspitze am Dienstag sei Israel gegen die Planer des Massakers vom 7. Oktober 2023 vorgegangen, sagte Netanyahu nach Angaben seines Büros. «Und wir haben dies in Katar getan, das einen sicheren Hafen liefert, Terroristen Unterschlupf gewährt, die Hamas finanziert, Terror-Anführern luxuriöse Villen gibt, ihnen alles gibt», sagte der Regierungschef.
«Ich sage Katar und all den Ländern, die Terroristen Unterschlupf gewähren, entweder weist ihr sie aus oder zieht sie zur Rechenschaft. Denn wenn ihr es nicht tut, dann werden wir es tun», warnte Netanyahu.
Israels Luftwaffe hatte am Dienstag versucht, die Führungsspitze der Hamas in der katarischen Hauptstadt Doha anzugreifen. Ein Ziel war Berichten zufolge Chalil Al-Haja, der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen mit Israel um eine Waffenruhe leitet. Nach Hamas-Angaben schlug die Attacke jedoch fehl, es sei kein Mitglied der Delegation getötet worden. Sechs Menschen seien aber ums Leben gekommen, darunter al-Hajas Sohn und sein Büroleiter. Der Angriff war international verurteilt worden. Auch israelische Medien berichteten am Mittwoch, man gehe zunehmend davon aus, dass das Ziel der Attacke nicht erreicht wurde. (dpa)
13:17 Uhr
Mittwoch, 10. September
Aktivisten melden zweiten mutmasslichen Angriff auf Gaza-Schiff
Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte haben zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen einen mutmasslichen Angriff auf eines ihrer Boote gemeldet. Die unter britischer Flagge fahrende «Alma» sei in der Nacht zu Mittwoch in tunesischen Gewässern von einer Drohne attackiert worden, teilten die Organisatoren mit. Verletzte habe es nicht gegeben.
Die Global Sumud Flotilla veröffentlichte Aufnahmen, auf denen der Angriff zu sehen sein soll. Darauf soll eine unbeleuchtete Drohne zu sehen sein, die einen Gegenstand abwirft, der an Deck des Bootes einen Brand auslöst. Die Echtheit des Videos und die Angaben liessen sich zunächst nicht verifizieren.
Bereits am Dienstagmorgen meldeten die Aktivisten einen Drohnenangriff auf eines ihrer Boote. Die tunesischen Behörden hatten die Drohnen-Darstellung nach dem ersten Vorfall zurückgewiesen und Ermittlungen angekündigt. Zu dem zweiten Angriff äusserten sie sich zunächst nicht.
Die Global Sumud Flotilla will die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und Hilfsgüter in den Küstenstreifen bringen. Sie ist nach Angaben der Organisatoren die bisher grösste Aktion ihrer Art. Die Boote waren Anfang September von Barcelona aus gestartet.
Israel hatte in der Vergangenheit ähnliche Versuche bereits gestoppt. Von israelischer Seite gab es zunächst keine Reaktion zu den Angaben der Aktivisten.
«Diese wiederholten Angriffe sind ein orchestrierter Versuch, unsere Mission zu sabotieren», erklärten die Aktivisten. «Die Global Sumud Flotilla lässt sich nicht aufhalten.» (dpa)
12:46 Uhr
Mittwoch, 10. September
Katar beschwert sich bei UN über Israels Angriff
Katar hat sich nach dem israelischen Angriff auf führende Hamas-Mitglieder in der Hauptstadt Doha mit deutlichen Worten an die Vereinten Nationen gewandt. In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres und die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilte Katar den Luftangriff vom Dienstag auf das Schärfste, wie das Aussenministerium in Doha mitteilte. Es handle sich um einen «kriminellen Überfall» und einen «eklatanten Verstoss gegen alle internationalen Gesetze und Normen». Die Sicherheit der in Katar lebenden Menschen sei dabei massiv gefährdet worden.
Guterres hatte den israelischen Angriff auf die Führungsspitze der Hamas in Katar bereits mit scharfen Worten kritisiert. «Ich verurteilte diese eklatante Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars», sagte Guterres gestern in New York. (dpa)
09:59 Uhr
Mittwoch, 10. September
Von der Leyen: EU-Kommission stoppt Zahlungen an Israel
Wegen Israels Vorgehen im Gazastreifen setzt die EU-Kommission ihre Unterstützung für das Land aus. Man werde alle entsprechenden Zahlungen stoppen, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Europaparlament in Strassburg. Es solle allerdings keine Auswirkungen für die Arbeit mit der israelischen Zivilgesellschaft oder der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geben.

Darüber hinaus kündigte von der Leyen an, den Mitgliedsländern Vorschläge für Sanktionen gegen extremistische Minister und gegen gewalttätige Siedler zu unterbreiten. Auch wolle man den Mitgliedstaaten empfehlen, in einem Partnerschaftsabkommen enthaltene Handelsvereinbarungen auszusetzen.
«Mir ist bewusst, dass es schwierig werden wird, Mehrheiten dafür zu finden», sagte von der Leyen in ihrer ersten Rede zur Lage der EU in ihrer zweiten Amtszeit. Für manche Staaten gehe jede dieser Massnahmen zu weit und für andere nicht weit genug. «Doch wir alle müssen unserer Verantwortung gerecht werden – Parlament, Rat und Kommission.»
EU-Länder im Umgang mit Israel uneinig
Die EU ist im Umgang mit Israel tief gespalten. Auf vorgeschlagene Massnahmen der Brüsseler Behörde konnten sich die Mitgliedsländer bislang nicht verständigen. So hatte die Kommission Ende Juli vorgeschlagen, die Zusammenarbeit im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms Horizon Europe einzustellen. Damit soll der Druck auf das Land erhöht werden, eine bessere humanitäre Versorgung der Menschen im abgeriegelten Gazastreifen zu ermöglichen, wo Israel die islamistische Hamas bekämpft. Israelischen Unternehmen könnten durch die Strafmassnahme den Zugang zu Zuschüssen in Millionenhöhe verlieren.
Zur Begründung heisst es, Israel verstosse mit seinem Vorgehen im Gazastreifen und der daraus resultierenden humanitären Katastrophe gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht. Damit werde ein wesentliches Prinzip der Zusammenarbeit zwischen der EU und Israel im Rahmen des geltenden Assoziierungsabkommens verletzt. (dpa)
10:03 Uhr
Mittwoch, 10. September
Katar: Anruf der USA zu Israels Angriff erst nach zehn Minuten
Katar ist über den israelischen Luftangriff auf die Hamas-Führungsspitze in Doha nach eigener Darstellung von den USA rund zehn Minuten nach der Bombardierung informiert worden. Das sagte Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani am Dienstagabend vor Journalisten. «Der Angriff ereignete sich um 15.46 Uhr (Ortszeit). Der erste Anruf eines amerikanischen Regierungsvertreters erreichte uns um 15.56 Uhr, also zehn Minuten nach dem Angriff», sagte Al Thani. Die US-Seite habe in dem Telefonat erklärt, dass sie soeben erst von dem Angriff erfahren habe.
Al Thani widersprach damit der Darstellung der US-Regierung in Washington. Eine Sprecherin des Weissen Hauses sagte am Dienstag, dass Präsident Donald Trump seinen Nahost-Sondergesandten Steve Witkoff angewiesen habe, Katar über den bevorstehenden Angriff zu informieren.
Der katarische Regierungschef, der zugleich Aussenminister ist, bezeichnete den Angriff als «staatlichen Terrorismus» durch Israel und einen «zu 100 Prozent verräterischen Einsatz». An die Nahost-Region vermittle Israel das Bild eines «Schurkenstaats», der «politische Schikane» in anderen Ländern betreibe und deren Souveränität verletze. Unter welchem moralischen Standard sei hinnehmbar, dass ein offizieller Vermittler im Gaza-Krieg - also Katar - und ein Gastgeber von laufenden Verhandlungen angegriffen werde, fragte Al Thani.
Al Thani sagte, dass die katarische Luftabwehr die von Israel eingesetzten Waffen nicht bemerkt habe. Diese Frage kam auf, weil Katar beim Angriff des Irans auf den US-Militärstützpunkt Al-Udaid im vergangenen Juni nach eigener Darstellung alle iranischen Raketen abgefangen hatte. (dpa)
06:06
Mittwoch, 10. September
Trump «sehr unglücklich» über Israels Angriff in Doha
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstagabend (Ortszeit) erneut seinen Unmut über Israels Angriff auf die Hamas-Spitze in Katar geäussert. Er sei nicht glücklich darüber, sagte er Reportern bei einem Restaurantbesuch in Washington. «Es ist keine gute Situation.» Trump erklärte, er sei nicht im Voraus über den Angriff informiert worden. Er wolle am Mittwoch eine vollständige Erklärung abgeben. «Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich sehr unglücklich darüber war. Sehr unglücklich über jeden Aspekt.»
Bereits zuvor hatte sich Trump von dem Angriff distanziert und Katar sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass dieser in Doha ausgeführt wurde. Die USA hätten vorab von den israelischen Plänen erfahren. Die US-Warnung an Katar sei jedoch «leider zu spät gekommen, um den Angriff zu verhindern», erklärte Trump. «Ich betrachte Katar als einen starken Verbündeten und Freund der USA und bedauere den Ort des Angriffs», schrieb Trump in den sozialen Medien. (dpa)
20:29 Uhr
Dienstag, 9. September
Schweizer Aussendepartement verurteilt Israels Angriff in Katar
Das Departement des Schweizer Aussenministers Ignazio Cassis verurteilt den Angriff in Katar durch die israelische Armee. Auf dem Kurznachrichtendienst X schreibt das EDA, die Attacke sei eine «klare und inakzeptable Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars». Das EDA bekräftige, dass das Völkerrecht und die UN-Charta jederzeit eingehalten werden müssen. Und es schliesst mit den Worten: «Der Dialog muss im Vordergrund stehen: Es gibt keine militärische Lösung für den Konflikt im Nahen Osten.» (luk)
17:43 Uhr
Dienstag, 9. September
Arabische Staaten verurteilen Israels Angriff in Katar
Jordanien hat den israelischen Angriff auf die Führungsspitze der Hamas in Katar als «feige Aggression» verurteilt. Außenminister Aiman al-Safadi sagte auf X, der Angriff stelle einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht dar. Der Angriff sei eine Fortsetzung der «brutalen israelischen Aggression», die die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region gefährde.
Saudi-Arabien sichert Katar Unterstützung zu Der einflussreiche Golfstaat Saudi-Arabien sprach von einem eklatanten Verstoß gegen die katarische Souveränität. Das Außenministerium warnte vor den «schwerwiegenden Folgen» Israels anhaltenden er Angriffe für die Region. Riad bekundete volle Solidarität mit Katar. Saudi-Arabiens Kronprinz und faktischer Herrscher, Mohammed bin Salman, bekräftigte, dass das Königreich alle Mittel einsetzt, um Katar bei der Wahrung seiner Sicherheit und Souveränität zu unterstützen.

Ägypten forderte die internationale Gemeinschaft auf, zu handeln und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Der Angriff stelle eine «gefährlichen Präzedenzfall» dar und sei eine inakzeptable Entwicklung, teilte das Büro des Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi mit. Die Eskalation Israels untergrabe die internationalen Bemühungen zur Deeskalation. Neben den USA und Katar vermittelt auch Ägypten zwischen den Konfliktparteien im Gaza-Krieg.
Emirate in «voller Solidarität» mit KatarDer emiratische Präsidentenberater Anwar Gargasch nannte den Angriff eine «heimtückische israelische Attacke». Die Vereinigten Arabischen Staaten ständen fest an der Seite ihres Schwesterstaats Katar. «In voller Solidarität mit dem lieben Katar», postete auch der emiratische Außenminister Abdullah bin Sajid.
Auch der Irak, der Oman und Kuwait verurteilten den Angriff. Die Arabische Liga bezeichnete den Angriff als inakzeptable Verletzung der katarischen Souveränität. (dpa)
17:24 Uhr
Dienstag, 9. September
Netanyahu: Angriff auf Hamas in Katar von Israel initiiert
Israel übernimmt laut Ministerpräsident Benjamin Netanyahu die volle Verantwortung für den Angriff auf die Führungsspitze der Islamistenorganisation Hamas in Katar. «Die heutige Aktion gegen die führenden Terroristenführer der Hamas war eine völlig unabhängige israelische Operation. Israel hat sie initiiert, Israel hat sie durchgeführt», hiess es in einer Stellungnahme von Netanjahus Büro.
Der israelische Fernsehsender Channel 12 hatte zuvor berichtet, dass US-Präsident Donald Trump dem Angriff vorab zugestimmt habe.
Israels Armee hatte eigenen Angaben zufolge die Hamas-Führungsspitze in Doha, der Hauptstadt des Golfstaats Katar, angegriffen. Israel und die Hamas haben bislang keine offiziellen Angaben dazu gemacht, ob die Anführer der Terrororganisation überlebten oder getötet wurden. (dpa)
16:42 Uhr
Dienstag, 9. September
Videos zeigen Rauchwolken über Doha
Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge die Hamas-Führungsspitze in Doha angegriffen. Verschiedene Videos zeigen Rauchwolken über der katarischen Hauptstadt. Katar verurteilte den Angriff scharf.
15:29 Uhr
Dienstag, 9. September
Israels Armee greift Hamas-Spitze in Katar an
Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge die Führungsspitze der islamistischen Hamas in Doha, der Hauptstadt des Golfstaats Katar, angegriffen. «Jahrelang leiteten diese Mitglieder der Hamas-Führung die Operationen der Terrororganisation, sind direkt für das brutale Massaker vom 7. Oktober verantwortlich und orchestrierten und steuerten den Krieg gegen den Staat Israel», teilte das israelische Militär mit.
Der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete, dass bei dem Angriff nach vorläufigen Informationen Chalil al-Haja getötet worden sei. Eine Bestätigung für den Tod al-Hajas oder anderer Hamas-Funktionäre gab es zunächst nicht.
Al-Haja ist der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen mit Israel um eine Waffenruhe leitet. Al-Haja hielt sich die meiste Zeit in Katar auf. Andere höhere Hamas-Funktionäre im Ausland leben ebenfalls zumeist in Katar oder in der Türkei.
Hamas-Quellen bestätigten Al-Dschasira, dass der Angriff auf das Verhandlungsteam der Organisation gezielt habe.
Katar spricht von Angriff auf Wohngegenden
Katar verurteilte den Angriff scharf. Dieser habe auf Wohngegenden gezielt, in denen Mitglieder des politischen Büros der Hamas wohnten, erklärte der Sprecher des katarischen Aussenministeriums Madschid al-Ansari. Er sprach von einem «eklatanten Verstoss gegen alle internationalen Rechte und Normen» und einer «ernsthaften Gefahr für die Sicherheit» der Bevölkerung in Katar.

Nach der Explosion in der katarischen Hauptstadt war eine grosse Rauchwolke zu sehen, wie die Fernsehsender Al-Arabija und Al-Dschasira berichteten. Die katarische Nachrichtenseite Doha News zeigte ein zerstörtes Gebäude, vor dem ein schwarzer Geländewagen parkt. Auch Doha News berichtete, dass Israel das Hamas-Verhandlungsteam angegriffen habe.
Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas. Die Verhandlungen um eine Waffenruhe kommen aber seit Monaten nicht voran. Israels Regierung beabsichtigt unterdessen, die Stadt Gaza militärisch vollständig einzunehmen.
Forderungen an Katar, das Hamas-Büro zu schliessen
Nach den Unruhen der arabischen Aufstände in der Region eröffnete die Hamas 2012 ein politisches Büro in Katar. Schon vorher war aus dem Golfemirat viel Geld an die Hamas geflossen, die 2007 die Macht im Gazastreifen übernommen hatte. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel wurden Forderungen an die Regierung Katars lauter, das Büro zu schliessen.
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte vor zehn Tagen Angriffe auf Hamas-Führer im Ausland angedroht. «Mit unseren Aktionen sind wir noch nicht fertig», sagte er nach einem Angriff auf den Hamas-Sprecher Abu Obaida. «Die meisten Hamas-Führer sind im Ausland, und wir werden auch zu ihnen vordringen.»
Auch der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte erst am Montag eine scharfe Warnung an die Hamas ausgesprochen. «Heute wird ein gewaltiger Hurrikan über den Himmel der Stadt Gaza hereinbrechen und die Dächer der Terror-Hochhäuser werden beben», schrieb Katz in einem Post auf der Plattform X. «Dies ist die letzte Warnung an die Mörder und Vergewaltiger der Hamas in Gaza und in den Luxushotels im Ausland: Lasst die Geiseln frei und legt die Waffen nieder – oder Gaza wird zerstört und ihr werdet vernichtet», schrieb Katz weiter.
Warnungen an die Hamas von Israel und USA
Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump eine «letzte Warnung» an die Hamas ausgesprochen, um kurz vor Israels weiteren Vorstoss in der Stadt Gaza eine diplomatische Lösung zu erzwingen. Israel habe seine Bedingungen akzeptiert, es sei an der Zeit, dass auch die Hamas sie akzeptiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Hamas zeigte sich daraufhin zu «sofortigen Verhandlungen» bereit. Man begrüsse «jeden Schritt, der dazu beiträgt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden».
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast zwei Jahren hat Israel bereits zahlreiche ranghohe Hamas-Anführer und Kommandeure im Gazastreifen getötet, unter ihnen Jihia al-Sinwar und Mohammed Deif. Den damaligen politischen Führer der Hamas, Ismail Hanija, tötete Israel bei einem Anschlag in Teheran. (dpa)
21:53 Uhr
Montag, 8. September
Netanyahu warnt Einwohner der Stadt Gaza: «verschwinden Sie»
Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu ruft die Einwohner der Stadt Gaza vor der geplanten israelischen Einnahme des Orts zur Flucht auf. «Sie wurden gewarnt, verschwinden Sie von dort», sagte er nach Angaben seines Büros bei einem Besuch im Kommandozentrum der israelischen Luftwaffe.
Die Luftwaffe habe in der Stadt im Norden des Küstenstreifens in den vergangenen beiden Tagen bereits 50 Hochhäuser zerstört. «All dies ist nur die Einleitung, nur der Beginn des eigentlichen, intensiven Einsatzes - der Bodeninvasion unserer Streitkräfte, die sich nun organisieren und sich einfinden», sagte Netanyahu weiter.
Israels Regierung beabsichtigt, die Stadt Gaza militärisch vollständig einzunehmen. Nach jüngsten Schätzungen haben sich dort bis zuletzt rund eine Million Menschen aufgehalten. Netanyahu sagte am Sonntag, bislang hätten rund 100.000 Palästinenser den Ort verlassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin katastrophalen Lage der Zivilbevölkerung. (dpa)
20:40 Uhr
Montag, 8. September
Vier israelische Soldaten im Gazastreifen getötet
Im Norden des Gazastreifens sind israelischen Armeeangaben zufolge vier Soldaten getötet worden. Drei der vier Männer seien zwischen 19 und 20 Jahre alt, teilte Israels Militär mit. Zu einem vierten Soldaten machte die Armee zunächst keine Angaben. Israelischen Medien zufolge wurden die Soldaten am Morgen bei einem Angriff von Mitgliedern der Hamas auf ein Armeelager in einem Aussenbezirk der Stadt Gaza getötet.
Palästinensischen Angaben zufolge kamen im Laufe des Tages Dutzende Palästinenser bei israelischen Angriffen im Gazastreifen ums Leben. Die Armee betont stets, die Zivilbevölkerung bei ihren Angriffen auf Ziele der Hamas und anderer Terrororganisationen zu schonen. Dennoch sterben immer wieder auch Zivilisten. Am Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen gibt es international heftige Kritik. (dpa)
14:59 Uhr
Montag, 8. September
Israels Polizei: Nach Anschlag Festnahme in Ost-Jerusalem
Nach dem tödlichen Anschlag zweier Palästinenser in Jerusalem hat die Polizei nach eigenen Angaben einen Einwohner des arabisch geprägten Ostteils der Stadt festgenommen. Man prüfe den Verdacht, dass er an der Vorbereitung der Tat beteiligt war, hiess es in einer Mitteilung. Gemeinsam mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet habe man Ermittlungen aufgenommen, um alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen.
An einer Bushaltestelle im Norden von Jerusalem hatten zwei Palästinenser das Feuer eröffnet und mindestens sechs Israelis getötet. Unter den Opfern war nach Krankenhausangaben auch eine Frau. (dpa)
11:40 Uhr
Montag, 8. September
Schüsse in Jerusalem: Mindestens 5 Tote
Bei einem Anschlag in Jerusalem sind mindestens fünf Menschen getötet worden. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, vier männliche Opfer seien am Ort des Anschlags für tot erklärt worden. Eine Frau starb nach Krankenhausangaben später an den Folgen ihrer schweren Verletzungen. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden insgesamt zwölf Personen in Krankenhäuser gebracht. Sieben davon hätten schwere Verletzungen erlitten. Die Polizei teilte mit, man gehe von einem Anschlag im Norden der Stadt aus. Zufahrtswege seien gesperrt worden.

Der Rettungsdienst Zaka teilte mit, zwei mutmaßlich palästinensische Attentäter seien getötet worden. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hielt nach dem Anschlag nach Angaben seines Büros eine Lageberatung mit Sicherheitsrepräsentanten ab.
Ein Wachmann aus einem naheliegenden Busbahnhof sagte dem israelischen TV-Sender Channel 13, zwei bewaffnete Männer seien an einer Kreuzung in einen Bus eingedrungen, es seien Schüsse gefallen. «Der Bus ist vorn von Schüssen durchlöchert», sagte er. Einer der Angreifer habe auch ein Messer getragen.
«Als ich am Einsatzort ankam, sah ich mehrere Schussverletzte am Boden liegen, einige von ihnen waren bewusstlos», berichtete ein Sanitäter. «Ich leistete einem etwa 45-jährigen schwer verletzten Mann medizinische Hilfe.» Der durch Schüsse getroffene Mann sei bei Bewusstsein gewesen und ins Krankenhaus gebracht worden.
Attentäter kamen in einem Fahrzeug zum Ort des Anschlags
Die Polizei teilte mit, die beiden Attentäter seien in einem Fahrzeug zur Ramon-Kreuzung im Norden Jerusalems gekommen. An einer Bushaltestelle hätten sie das Feuer eröffnet. Ein Sicherheitsbeamter und ein bewaffneter Zivilist hätten auf sie geschossen und sie «ausgeschaltet». Zahlreiche Polizeikräfte seien zur Sicherung des Anschlagsorts im Einsatz, auch mit Sprengstoffexperten. Forensische Teams kümmerten sich um die Spurensicherung.
Nach dem Anschlag wurden nach Angaben von Augenzeugen Militärsperren zwischen Jerusalem und Ramallah, in deren Nähe palästinensische Ortschaften im besetzten Westjordanland liegen, für den Verkehr gesperrt. In Kalandia habe es eine Razzia der Armee gegeben. (dpa, Meldung aktualisiert)
21:26 Uhr
Sonntag, 7. September
Trump: Letzte Warnung an Hamas zu Geiseln
Im Ringen um die Freilassung der Geiseln aus dem Gazastreifen hat US-Präsident Donald Trump eine «letzte Warnung» an die islamistische Hamas gerichtet. Alle wollten, dass die Geiseln freikommen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Israelis hätten seine Bedingungen akzeptiert, behauptete der Republikaner, ohne diese näher zu erläutern. Es sei an der Zeit, dass die Hamas sie auch akzeptiere. «Das ist meine letzte Warnung, es wird keine weitere geben!», fügte er hinzu.

Er habe die Hamas vor den Konsequenzen gewarnt, wenn sie diese nicht akzeptierten, schrieb Trump. Alle wollten ein Ende des Krieges.
Im Gazastreifen befinden sich nach israelischen Angaben noch 48 Geiseln, von denen 20 am Leben sein sollen. Die USA, Katar und Ägypten vermitteln bei den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Krieg.
Erst am Mittwoch hatte Trump auf Truth Social geschrieben, dass die Hamas sofort Geiseln freilassen solle. (dpa)
19:43 Uhr
Sonntag, 7. September
Oppositionsführer Lapid: Geisel-Deal liegt auf dem Tisch
Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vor, die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Gaza-Krieges zu hintertreiben. «Ein Geisel-Deal liegt auf dem Tisch. Er kann geschlossen werden, er muss geschlossen werden», sagte er auf einer Fraktionssitzung der von ihm geführten Mitte-Rechts-Partei Jesch Atid (Zukunftspartei) in Tel Aviv, wie die «Times of Israel» berichtete.
Lapid bezog sich auf die Bemühungen der internationalen Vermittler, bei indirekten Gesprächen eine Einigung zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen herbeizuführen. Diese sollte die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas sowie eine dauerhafte Waffenruhe beinhalten. Vor dem Hintergrund einer drohenden Grossoffensive der israelischen Armee in der Stadt Gaza haben die Vermittlerstaaten USA, Ägypten und Katar ihre diesbezüglichen Anstrengungen zuletzt intensiviert.
Wie Lapid weiter ausführte, hätten ihn hohe Beamte dieser Staaten kontaktiert. Seinen Worten zufolge sollen sie ihr Unverständnis darüber geäussert haben, dass sie von Israel auf ihre jüngsten Vorschläge keine Antwort erhalten hätten. «Keine positive, und auch keine negative. Israel antwortet schlicht und einfach nicht.»
Nach Lapids Darstellung hat die Hamas den Vermittlern mitgeteilt, sie sei offen sowohl für eine umfassende als auch eine partielle Vereinbarung. Die Netanjahu-Regierung pocht derzeit auf eine Kapitulation und Entwaffnung der Hamas – was diese ablehnt. Zuvor hatte sie monatelang eine teilweise Einigung verlangt, die die Freilassung der Geiseln in Phasen vorgesehen hätte, zwischen denen Israel den Krieg wieder hätte starten können. Die Hamas hatte bislang auf eine Lösung in einem Guss gedrungen - mit der Beendigung der Kampfhandlunge nach Freilassung aller Geiseln.
Nach israelischer Einschätzung befinden sich noch 48 Geiseln in der Gewalt der Hamas, von denen 20 noch am Leben sein sollen. Die meisten lebenden Entführten werden in den Tunneln der Hamas unter der Stadt Gaza vermutet. Ihre Angehörigen, aber auch die Armeeführung befürchten, dass die militärische Einnahme der Stadt Gaza ihr Leben gefährden würde. (dpa)
18:49 Uhr
Sonntag, 7. September
Spitäler melden mindestens 13 Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Im Gazastreifen sind nach Krankenhausangaben bei israelischen Angriffen mindestens 13 Menschen getötet worden. Unter den Toten waren sechs Kinder und drei Frauen. Acht Menschen seien am Sonntag bei einem Angriff auf ein Schulgebäude umgekommen, in dem jetzt Vertriebene untergebracht worden seien, teilte das Schifa-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens mit. Fünf weitere Tote gab es anderen Spitälern zufolge bei Angriffen auf Zelte und Wohngebäude im Zentrum des Gazastreifens und in der Stadt Gaza.
Das israelische Militär erklärte, es habe in der Gegend um die Schule Extremisten ins Visier genommen und Zivilisten vor den Angriffen aufgerufen, das Gebiet zu verlassen. Allgemein wirft Israel der militant-islamistischen Hamas vor, Waffen und Kämpfer in zivilen Gebieten zu verstecken. Zu den anderen Angriffen äusserte sich das Militär nicht.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn des Krieges insgesamt 64.368 Menschen getötet und 162.776 verletzt. Das Ministerium unterscheidet bei diesen Angaben nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern, sagt aber, mehr als die Hälfte der Opfer seien Frauen und Kinder. Israel hat die aus dem Palästinensergebiet gemeldeten Zahlen immer wieder bestritten, selbst aber keine Angaben zur Zahl der palästinensischen Kriegsopfer vorgelegt.
Ausgelöst wurde der Krieg durch einen von der Hamas angeführten Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023. Dabei töteten die Extremisten bei Massakern etwa 1.200 Menschen und verschleppten 251 weitere als Geiseln. Die meisten von diesen wurden im Rahmen von Waffenruhen und anderen Vereinbarungen freigelassen. Im Gazastreifen befinden sich noch etwa 48 Geiseln. Israel nimmt an, dass nur noch etwa 20 von ihnen am Leben sind. (dpa)
18:30 Uhr
Sonntag, 7. September
Israel treibt Militäreinsatz in der Stadt Gaza voran
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält an der angekündigten Offensive auf die Stadt Gaza fest. Gaza sei «eigentlich die letzte wichtige Hochburg» der militant-islamistischen Hamas, sagte Netanjahu am Sonntag zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung. Mehr als 100'000 Menschen seien den Aufforderungen des Militärs gefolgt und hätten Gaza im Vorfeld der Offensive verlassen.
Internationale Hilfsorganisationen haben den Zahlen widersprochen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Mitte August lediglich 41'000 Menschen aus der Stadt Gaza fortgezogen. In der Gegend leben etwa eine Million Menschen.
Die Armee hat die Menschen in der Stadt aufgefordert, sich in eine «humanitäre Zone» zu begeben. In Al-Muwasi im Süden gebe es ein Zeltlager, erklärte Armeesprecher Awichay Adraee im Kurznachrichtendienst X. Viele Palästinenser haben jedoch angekündigt, in Gaza zu bleiben.
Hilfsorganisationen haben wiederholt davor gewarnt, dass eine grossangelegte Evakuierung der Stadt Gaza die katastrophale humanitäre Lage noch verschlimmern würde. Die israelischen Streitkräfte haben auch humanitäre Gebiete angegriffen, darunter auch Al-Muwasi.
Unterdessen gerieten Versuche ins Stocken, Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas wieder in Gang zu bringen. Hamas-Politbüromitglied Bassem Naim sagte, seine Gruppe werde ihre Waffen erst niederlegen, wenn ein unabhängiger palästinensischer Staat mit Jerusalem als Hauptstadt gegründet worden sei. Sie sei aber zu einem langfristigen Waffenstillstand bereit, wenn sich Israel aus dem Gazastreifen zurückziehe. Ihre verbliebenen israelischen Geiseln sollten dabei gegen Palästinenser in israelischer Haft ausgetauscht werden.
Naim sagte, die Hamas warte immer noch auf eine Antwort Israels auf den Vorschlag für eine 60-tägige Waffenruhe, den ägyptische und katarische Vermittler im August unterbreitet hätten.
Netanyahus Büro wollte sich zu den Verhandlungen nicht äussern. (dpa)
14:35 Uhr
Sonntag, 7. September
Huthi-Drohne schlägt nahe dem israelischen Flughafen Eilat ein
Eine von der Huthi-Miliz im Jemen gestartete Drohne hat den Süden Israels getroffen. Das Geschoss sei in der Nähe des internationalen Flughafens von Eilat eingeschlagen, teilte das Militär am Sonntag mit. Der Luftraum sei gesperrt und Flüge abgesagt worden. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurde ein Mensch leicht verletzt.
Das Militär erklärte, die vom Iran unterstützten Huthi hätten eine ganze Reihe von Drohnen in Richtung Israel abgefeuert. Einige von ihnen seien ausserhalb des Hoheitsgebietes abgefangen worden.
Die Huthi beschiessen Israel immer wieder mit Drohnen und Raketen - nach eigenen Angaben, um die militant-islamistische Hamas im Gazastreifen zu unterstützen. Im Mai schlug eine Rakete der Huthi in der Nähe des wichtigsten Flughafens Israels ein, wobei vier Menschen leicht verletzt wurden und viele Fluggesellschaften ihre Flüge nach Israel für mehrere Monate stornierten. Israel griff daraufhin den Hauptflughafen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa an und zerstörte ihn.
Bei einem israelischen Luftangriff Ende August wurden Huthi-Ministerpräsident Ahmed al-Rahaui und eine Reihe seiner Minister getötet. Nach Angaben von Sicherheitsexperten haben die Huthi danach ihre Angriffe verstärkt. Sie beschiessen Israel fast täglich, allerdings erreichen nur wenige Geschosse ihr Ziel. (dpa)
14:18 Uhr
Sonntag, 7. September
Mehrere Unterseekabel im Roten Meer ausgefallen
Im Roten Meer sind nach Angaben von Experten mehrere Unterseekabel unterbrochen worden. In der Nähe von Dschidda in Saudi-Arabien seien die Kabelsysteme SMW4 und IMEWE ausgefallen, teilte die Organisation Netblocks am Sonntag mit, die potenzielle Einschränkungen des Internets beobachtet. Die Internetverbindung in mehreren Ländern sei beeinträchtigt, darunter Indien und Pakistan.
Die Kabel verbinden Südostasien, den Nahen Osten und Teile Europas. Das SMW4-Kabel wird von dem indischen Unternehmen Tata Communications betrieben, IMEWE von einem Konsortium unter der Leitung von Alcatel-Lucent.
Der US-Software-Konzern Microsoft teilte mit, wegen unterbrochener Glasfaserleitungen im Roten Meer könnten sich die Datenübertragungszeiten verlängern. Internetverkehr, der nicht durch den Nahen Osten laufe, sei nicht beeinträchtigt. Saudi-Arabien bestätigte die Unterbrechung zunächst nicht. In den Vereinigten Arabischen Emiraten beklagten sich Internetnutzer in den staatlichen Netzen von Du und Etisalat über langsamere Internetgeschwindigkeiten. Die Regierung bestätigte die Störung nicht sofort. Der pakistanische Kommunikationsriese Pakistan Telecommunications meldete Einschränkungen.
Beobachter befürchteten, dass die vom Iran unterstützten jemenitischen Huthi-Rebellen die Kabel durchtrennt haben. Die Huthi wollen Israel nach eigenen Angaben zu einem Ende des Krieges gegen die militant-islamistische Hamas im Gazastreifen zwingen, indem sie Handelsschiffe im Roten Meer angreifen. Im vergangenen Jahr warf die international anerkannte jemenitische Exilregierung den Huthi vor, Unterseekabel im Roten Meer kappen zu wollen. Als es dann tatsächlich zu Unterbrechungen kam, bestritten die Rebellen, dafür verantwortlich zu sein und gaben den USA und Grossbritannien die Schuld. (dpa)
09:10 Uhr
Sonntag, 7. September
Erneut Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert
Fast zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Kriegs haben extremistische Palästinenser erneut Raketen aus dem umkämpften Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee teilte mit, zwei Geschosse seien vom zentralen Abschnitt des Küstenstreifens aus auf israelisches Gebiet geflogen. Eine Rakete sei von der Luftabwehr abgefangen worden, eine zweite in einem offenen Gebiet niedergegangen. Zuvor hatte es in israelischen Grenzorten sowie der Stadt Netivot Raketenalarm gegeben.
Es war zunächst unklar, welche der palästinensischen Terrororganisationen hinter dem Angriff stand. Seit Beginn des Gaza-Kriegs war Israel mit tausenden von Raketen aus dem Gazastreifen attackiert worden. Diese Angriffe sind jedoch inzwischen deutlich seltener geworden. (dpa)
07:23 Uhr
Sonntag, 7. September
Grossdemonstration in Israel für Gaza-Abkommen
Bei einer Grossdemonstration in Jerusalem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu haben zigtausende Menschen ihrer Forderung nach einem Ende des Gaza-Krieges Nachdruck verliehen. Das Forum der Familien der weiter von der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln forderte Netanyahu auf, «unverzüglich eine Verhandlungsdelegation für Gespräche über die Beendigung des Krieges und die Rückkehr aller Geiseln zu entsenden». Die Hamas bekräftigte am Abend ihre Zustimmung zu einem Vorschlag internationaler Vermittler für eine Waffenruhe.
Drei Wochen seien vergangen, ohne dass Israel bisher auf die Antwort der Hamas an die Vermittler reagiert habe, hiess es in der Mitteilung des Forums der Geiselangehörigen. In einer weiteren Erklärung der Hamas vom Samstagabend hiess es, man sei offen «gegenüber jeglichen Ideen und Vorschlägen», die zu einem dauerhaften Waffenstillstand, einem vollständigen Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, der Einfuhr von Hilfsgütern und einem Austausch der Geiseln gegen palästinensische Häftlinge «durch ernsthafte Verhandlungen» über die internationalen Vermittler führten.
Netanyahu beharrt auf einem umfassenden Deal, bei dem alle Geiseln auf einen Schlag freigelassen werden. Von den 48 Geiseln, die sich noch in Gaza befinden, sind nach israelischen Informationen 20 am Leben. Zudem pocht Netanyahu auf eine Kapitulation und Entwaffnung der Hamas und will, dass Israel die Sicherheitskontrolle über den Gazastreifen behält. Kritiker werfen ihm vor, den Krieg unnötig in die Länge zu ziehen. Seine rechtsextremen Koalitionspartner, von denen sein politisches Überleben abhängt, sind gegen eine Waffenruhe. (dpa)
15:38 Uhr
Samstag, 6. September
Krankenhaus in Gaza meldet 15 Tote nach israelischen Angriffen
Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mehr als ein Dutzend Menschen getötet worden. In das Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza wurden nach Angaben von Mitarbeitern am Samstag 15 Tote gebracht. Darunter waren die Leichen einer fünfköpfigen Familie, deren Wohnung im Flüchtlingslager Schati am Rande der Stadt getroffen wurde. Andere seien durch israelische Schüsse getötet worden, als sie in der Nähe des Grenzübergangs Sikim Hilfe suchten, teilten Krankenhausvertreter mit.
Von den 50 Verschleppten, die sich noch im Gazastreifen befinden, sind nach israelischer Einschätzung noch etwa 20 am Leben. Familien der Geiseln werfen der Regierung vor, sie räume ihren Angehörigen keine Priorität ein. Am Samstag dankten sie US-Präsident Donald Trump und seinem Gesandten Steve Witkoff für ihre „unerschütterliche Entschlossenheit, ihren Mut und ihr Mitgefühl„ bei den Waffenruheverhandlungen.
Die Hamas hat erklärt, sie werde die verbleibenden Geiseln nur im Gegenzug für palästinensische Gefangene freilassen. Ausserdem müsse Israel einem dauerhaften Waffenstillstand zustimmen und sich vollständig aus dem Gazastreifen zurückziehen. Israel will den Krieg dagegen so lange fortsetzen, bis alle Geiseln zurückgebracht sind und die Hamas entwaffnet ist. (dpa)
15:00 Uhr
Samstag, 6. September
Israel warnt vor Angriffen auf weitere Hochhäuser in Gaza
Das israelische Militär hat vor Angriffen auf zwei weitere Hochhäuser im Gazastreifen gewarnt. Die militant islamistische Hamas habe Infrastruktur in den Gebäuden in der Stadt Gaza oder in der Nähe, erklärte das Militär am Samstag. Es hatte erst am Freitag ein Hochhaus in Gaza angegriffen und erklärt, die Hamas nutze es zur Überwachung. Beweise legte das Militär nicht vor.
Israel hat angekündigt, Gaza und andere Hochburgen der Hamas militärisch zu erobern. Teile der Stadt hat die Armee bereits zu «roten Zonen» erklärt - dort sind Bewohnerinnen und Bewohner aufgefordert, sich vor zu erwartenden heftigen Kämpfen in Sicherheit zu bringen. Die Armee forderte die Menschen in der Stadt auf, sich in eine «humanitäre Zone» zu begeben. In Al-Muwasi im Süden gebe es ein Zeltlager, erklärte Armeesprecher Awichay Adraee im Kurznachrichtendienst X. Autos könnten eine bestimmte Strasse nutzen, ohne durchsucht zu werden.
Trotz der Warnungen Israels kündigten viele Palästinenser in Gaza an, in der Stadt zu bleiben. «Was sollen wir mit unseren Kindern machen? Diejenigen, die einen Kranken, einen älteren Menschen oder einen Verwundeten haben, wohin sollen wir sie bringen?», fragte eine Frau, die sich als Um Haitham vorstellte.
Hilfsorganisationen haben wiederholt davor gewarnt, dass eine grossangelegte Evakuierung der Stadt Gaza die katastrophale humanitäre Lage noch verschlimmern würde. Nach Angaben der weltweit führenden Autorität zu Lebensmittelkrisen, IPC, herrscht in der Stadt eine Hungersnot. Die israelischen Streitkräfte haben während des gesamten Krieges humanitären Gebiete angegriffen, darunter auch Al-Muwasi, das sie nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums von Gaza zuvor zu einer sicheren Zone erklärt hatten. (dpa)
12:23 Uhr
Samstag, 6. September
Israels Armee weist Gebiet in Gaza als «humanitäre Zone» aus
Vor einer erwarteten Grossoffensive in der Stadt Gaza hat die israelische Armee ein Küstengebiet im südlichen Gazastreifen als sogenannte humanitäre Zone ausgewiesen. Das Areal von Al-Mawasi nahe Chan Junis verfüge über wesentliche humanitäre Infrastruktur wie Feldkrankenhäuser, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher auf X mit. Auch humanitäre Hilfe werde dorthin geliefert.
Der Sprecher forderte die Bewohner der Stadt Gaza im nördlichen Gazastreifen dazu auf, sich möglichst bald in das Areal von Al-Mawasi zu begeben. Die israelische Armee hatte das kleine Gebiet an der Mittelmeerküste bereits im Dezember 2023 zur «humanitären Zone» erklärt. Damals war sie gegen die islamistische Hamas im nördlichen und mittleren Gazastreifen vorgegangen und hatte die dortige Zivilbevölkerung aufgefordert, sich nach Al-Mawasi zu begeben.
Die Zone gilt schon jetzt als hoffnungslos überfüllt. Nach UN-Angaben hielten sich dort im Juni dieses Jahres auf einer Fläche von rund neun Quadratkilometern 425.000 Menschen auf. Sie leben in riesigen Zeltlagern. UN-Organisationen beschreiben die Ausstattung mit Latrinen und Gemeinschaftstoiletten sowie die Müllentsorgung als nicht ausreichend. Auch die Kapazitäten der Feldkliniken seien angesichts der grossen Zahl an Menschen ungenügend.
Israels Regierung plant, im Krieg gegen die Hamas die Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten Küstengebiets militärisch einzunehmen. Die israelischen Streitkräfte bereiten derzeit eine entsprechende Offensive vor. In den vergangenen Tagen verstärkten sie die Luftangriffe. Nach Schätzungen sollen sich in der Stadt Gaza fast eine Million Menschen aufhalten. Weniger als 100.000 haben bislang die Stadt wegen der bevorstehenden Offensive verlassen. (dpa)
11:08 Uhr
Samstag, 6. September
Iran: Mann wegen Tötung eines lokalen Sicherheitschefs hingerichtet
Im Zentraliran ist ein Mann hingerichtet worden, der für den tödlichen Anschlag auf einen lokalen Sicherheitschef verantwortlich gemacht wurde. Wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, soll der Verurteilte im Dezember 2022 in der Provinzstadt Semirom das Fahrzeug von Sicherheitskräften angegriffen und deren Chef mit einem Kopfschuss getötet haben. Nach dem Gerichtsverfahren wurde die Todesstrafe verhängt, die nach Bestätigung durch den Obersten Gerichtshof vollzogen wurde. Zum Motiv für die Tat gibt es keine gesicherten Informationen.
Der Anschlag erfolgte kurz nach den Massenprotesten im Herbst 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Jina Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren. Sie war von der Sittenpolizei wegen angeblicher Verstösse gegen die islamischen Kleidungsregeln festgenommen worden. Im Zuge der Proteste wurden Hunderte Menschen bei Konflikten mit Polizei und Sicherheitsbeamten getötet.
Menschenrechtler kritisieren seit Jahren die rigorose Anwendung der Todesstrafe im autoritär regierten Iran. Der Justiz werfen sie vor, Hinrichtungen auch zur Einschüchterung kritischer Stimmen zu nutzen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr fast 1'000 und dieses Jahr bereits mehr als 840 Menschen hingerichtet. (dpa)
19:45 Uhr
Freitag, 5. September
Entwaffnung im Libanon: Regierung begrüsst Plan der Armee
Die libanesische Regierung hat auf einen von der Armee erstellten Plan zur vollständigen staatlichen Kontrolle über alle Waffen im Land positiv reagiert. Das Kabinett habe «die Präsentation des Armeechefs über den Plan zur Kenntnis genommen und begrüsst», sagte Informationsminister Paul Morcos nach der Sitzung in der Hauptstadt Beirut. Mehrere der Hisbollah-Miliz nahestehende Minister hatten davor die Sitzung aus Protest verlassen.
Armeechef Rodolph Haikal habe die Details des Plans umfassend erläutert, sagte Morcos weiter. Der Inhalt sowie die Beratungen dazu würden zunächst vertraulich behandelt, hiess es. Die Armeeführung werde der Regierung monatlich über die Umsetzung des Plans Bericht erstatten. Die libanesische Armee werde diesen «entsprechend den verfügbaren Kapazitäten» umsetzen. Wann mit der Umsetzung begonnen werden soll, dazu gab es keine Angaben.
Das Kabinett von Ministerpräsident Nauaf Salam hatte Anfang August einen Plan der USA angenommen, der eine vollständige Entwaffnung aller Milizen im Land bis Jahresende vorsieht. Die Armee hat dazu einen entsprechenden Plan ausgearbeitet, der nun im Kabinett besprochen wurde. Die Hisbollah ist die einzige Miliz im Libanon, die nach dem libanesischen Bürgerkrieg mit Hilfe des Irans ihre Waffen behalten hat. (dpa)
06:06 Uhr
Freitag, 5. September
Israels Militärsprecher: Kontrollieren 40 Prozent der Stadt Gaza
Das israelische Militär hat nach Angaben von Armeesprecher Effie Defrin derzeit etwa 40 Prozent des Gebiets der Stadt Gaza unter Kontrolle. Der Einsatz werde in den kommenden Tagen ausgeweitet und intensiviert, sagte er. «Wir werden den Druck auf die Hamas erhöhen, bis sie endgültig besiegt ist.» Die Mobilisierung von Reservisten werde weitergehen.
Das israelische Sicherheitskabinett hatte im August die Einnahme der Stadt Gaza beschlossen und angekündigt, dazu 60.000 Reservisten zu mobilisieren. Die Einberufung begann am Dienstag, nachdem das israelische Militär bereits Einsätze in Vororten von Gaza hatte. Begründet wurden die Pläne mit dem Ziel der Zerschlagung der Hamas und der Eroberung ihrer letzten Hochburgen in Gaza.
Kritik an den Plänen gab es international vor allem wegen der erneuten humanitären Not, wenn die Einwohner Gazas in andere Teile des zerstörten Küstenstreifens fliehen müssen. Angehörige der von der Hamas festgehaltenen Geiseln fürchten zudem, dass der Militäreinsatz deren Überlebenschancen stark gefährdet. Sie drängen stattdessen auf ein Ende des Krieges und ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben. (dpa)
18:52 Uhr
Donnerstag, 4. September
Macron vorerst unerwünscht in Israel

Israels Aussenminister Gideon Sa’ar hat Emmanuel Macron zur unerwünschten Person erklärt. Wie mehrere Medien berichten, seien die anti-israelischen Aktionen des französischen Präsidenten Grund für diesen Entscheid.
Auslöser ist Macrons Ankündigung, dass Frankreich während der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung Ende September einen Palästinenserstaat offiziell anerkennen wollw. Erst wenn Frankreich von diesem Schritt Abstand nehme, könne Macron wieder nach Israel kommen, erklärte das Aussenministerium in Jerusalem. (zen)
11:40
Donnerstag, 4. September
Israel: Geisel-Angehörige fordern Waffenruhe-Verhandlungen
Nach der Zustimmung der islamistischen Hamas zu einem umfassenden Waffenruhe-Abkommen haben Angehörige der israelischen Geiseln eine sofortige Rückkehr zu Verhandlungen gefordert. «Wir rufen Regierungschef (Benjamin) Netanjahu, die US-Regierung und die Vermittler dazu auf, die Verhandlungsteams sofort einzuberufen und sie so lange am Verhandlungstisch sitzen zu lassen, bis ein Abkommen erzielt ist», hiess es in einer Mitteilung des Forums der Angehörigen. «Ganz Israel sehnt sich nach einer Sache: der Umsetzung des Witkoff-Vorschlags im Rahmen einer umfassenden Vereinbarung, die alle 48 Geiseln nach Hause bringt und diesen Krieg beendet», lautete die Mitteilung weiter. (dpa)
6:27
Donnerstag, 4. September
Hamas zeigt sich zu Abkommen bereit - Israel: «Leere Worte»
Israel fordert die islamistische Terrororganisation Hamas zur Kapitulation auf – andernfalls werde die Stadt Gaza zerstört. Eine Mitteilung der Hamas, in der sie sich nun zu einem «umfassenden Abkommen» bereiterklärt, tat Israels Verteidigungsministerium als «leere Worte» ab. Entweder akzeptiere die Hamas Israels Bedingungen für ein Ende des Krieges - wozu die Freilassung aller Geiseln sowie die Entwaffnung der Islamisten gehört - oder die Stadt Gaza werde wie Rafah und Beit Hanun enden. Beide Städte in dem abgeriegelten Gazastreifen waren von Israels Armee zerstört worden.
Die Hamas hatte zuvor in einer Mitteilung erklärt, sie warte weiterhin auf eine Antwort Israels auf den Vorschlag der internationalen Vermittler für eine Waffenruhe. Man sei bereit «zu einem umfassenden Abkommen, das die Freilassung aller vom Widerstand festgehaltenen feindlichen Gefangenen im Austausch gegen eine vereinbarte Anzahl palästinensischer Gefangener der Besatzung vorsieht». Man stimme zudem der Bildung einer «unabhängigen, technokratischen nationalen Verwaltung» für den Gazastreifen zu, hiess es.
Proteste vor Netanyahus Haus
In einer Stellungnahme des Büros des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu hiess es, bei der Mitteilung der Hamas handele es sich um nichts weiter als eine «weitere Manipulation» der Terrororganisation. Sie enthalte nichts Neues. Der Krieg könne unter den vom israelischen Kabinett beschlossenen Bedingungen sofort beendet werden. Dazu gehöre neben der Freilassung aller Geiseln und der Entwaffnung der Hamas auch die Entmilitarisierung des Gazastreifens, die israelische Sicherheitskontrolle über den Küstenstreifen und die Einrichtung einer alternativen Zivilverwaltung, die weder zur Gewalt erziehe, noch Terroristen entsende oder Israel bedrohe.
In Jerusalem kam es am Abend zu Protestkundgebungen, an denen örtlichen Medien zufolge Zehntausende Menschen teilnahmen. Angehörige der Geiseln forderten vor Netanyahus Wohnhaus ein Ende des Krieges und ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln. Der Regierungschef warf den Demonstranten vor, eine Linie überschritten zu haben, indem sie Strassen blockierten und ihn «täglich mit dem Tod bedrohten», wie er in einer Stellungnahme behauptete. «Ihr redet und handelt wie Faschisten.» Der Polizei warf er vor, nicht für Ordnung zu sorgen. Laut Medien setzte die Polizei teils Wasserwerfer ein.
Oppositionsführer fordert Gaza-Abkommen
Israels Oppositionsführer Jair Lapid drängte Netanjahus rechtsreligiöse Regierung dazu, ein Abkommen mit der Hamas über ein Ende des Krieges und die Freilassung der Geiseln abzuschliessen. «Die israelische Regierung ist nicht verpflichtet, die Bedingungen der Hamas zu akzeptieren; sie ist jedoch verpflichtet, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren und zu versuchen, ein Abkommen zu erreichen», schrieb Lapid auf der Plattform X. Es dürfe nicht sein, dass nicht einmal der Versuch unternommen werde, die Geiseln nach Hause zu bringen, fügte Lapid hinzu.
Kritiker werfen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu vor, den Krieg aus politischen Gründen in die Länge zu ziehen. Seine rechtsextremen Koalitionspartner, von denen sein politisches Überleben abhängt, sind gegen eine Waffenruhe. US-Präsident Donald Trump forderte die Hamas jetzt auf, unverzüglich alle lebenden Geiseln auf einmal freizulassen.
Trump drängt Hamas zur Freilassung der Geiseln
«Sagt Hamas, dass sie SOFORT alle 20 Geiseln freilassen soll (Nicht 2 oder 5 oder 7!), und die Situation wird sich schnell ändern. ES WIRD ENDEN!», schrieb der Republikaner auf der Online-Plattform Truth Social. Das Forum der Geisel-Angehörigen reagierte auf Trumps Äusserungen mit den Worten: «Wir möchten höflich klarstellen: Dieser Alptraum kann für unsere Nation nicht vorbei sein, bis ALLE 48 Geiseln gefunden sind - die, die überlebten, und die, die in diesen 700 Tagen in der Hölle brutal ermordet wurden.» Das Forum rief den US-Präsidenten auf, die Entführten freizubekommen und den Krieg zu beenden.
Unterdessen treibt die israelische Armee ihre Vorbereitungen für eine Einnahme der Stadt Gaza voran. In dem grössten Bevölkerungszentrum im Norden des abgeriegelten Gazastreifens halten sich Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen auf. Israels Militär ruft zur Evakuierung auf und will, dass sich die Zivilisten in den Süden begeben, wo Zeltlager für sie errichtet würden. Die «Jerusalem Post» zitierte unbestätigte Schätzungen, wonach bislang erst 60.000 bis 80.000 Bewohner die Stadt Richtung Süden verlassen haben sollen.
Bericht: Hamas will Zivilisten am Verlassen der Stadt hindern
Die Zeitung zitierte eine namentlich nicht genannte ranghohe Quelle in Verteidigungskreisen, wonach die Hamas angeblich versuche, durch Einschüchterung und Gewaltandrohung Zivilisten am Verlassen der Stadt zu hindern. Sie wolle sie als menschliche Schutzschilde nutzen. Zudem spekuliere die Hamas darauf, dass Israel unter zusätzlichen diplomatischen Druck gerät, den Krieg zu beenden, sollten Zivilisten ins Kreuzfeuer geraten, hiess es. «Wir werden bis zu ihrer Niederlage weiterhin gegen die wichtigsten Hochburgen der Hamas vorgehen; wir vermitteln ihnen das Gefühl, ständig und überall verfolgt zu werden», sagte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir. Der Krieg werde nicht eher enden, bevor die Mission erfüllt sei: die Rückkehr aller Geiseln und die Niederlage der Hamas, sagte Zamir laut Armeemitteilung. (dpa)
10:48 Uhr
Mittwoch, 3. September
Israel startet Satelliten zur Überwachung des Nahens Ostens
Israel hat einen neuen Spionagesatelliten gestartet. Die Sonde namens «Ofek 19» solle Israel helfen, eine ständige, gleichzeitige Überwachung jedes beliebigen Punktes im gesamten Nahen Osten zu gewährleisten, sagte Militärvertreter Amir Baram. Wo der Satellit am Dienstagabend gestartet wurde, sagte er nicht.
Verteidigungsminister Israel Katz sagte, «Ofek 19» verbessere die Möglichkeit, Bilder wie jene 12’000 zu sammeln, die Israel während des zwölftägigen Krieges gegen den Iran im Juni aufgenommen habe. «Das ist auch eine Botschaft an alle unsere Feinde, wo immer sie auch sein mögen: Wir behalten euch zu jeder Zeit und in jeder Situation im Auge», erklärte Katz im Kurznachrichtendienst X.
Israel befindet sich nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einem Sieben-Fronten-Krieg und hat während seines fast 23 Monate dauernden Feldzuges im Gazastreifen auch Ziele im Libanon, in Syrien, im Jemen und im Irak angegriffen. Es ist eines der wenigen Länder weltweit, die über hochauflösende Fähigkeiten zur Überwachung und Aufklärung verfügen. (dpa)
10:10 Uhr
Mittwoch, 3. September
UN: Israel wirft Granaten nahe Blauhelmen im Libanon ab
Das israelische Militär hat nach UN-Angaben mehrere Granaten in unmittelbarer Nähe von Blauhelm-Soldaten im Südlibanon abgeworfen. Es handle sich um eine der schwersten Angriffe auf die Friedenstruppen und ihre Ausrüstung seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im vergangenen November, teilte Unifil am Morgen mit. Das israelische Militär teilte auf Nachfrage mit, die Angelegenheit zu prüfen.
Unfil-Soldaten seien zum Zeitpunkt der Attacke am Montagmorgen mit der Räumung von Strassensperren nahe der Blauen Linie – der Grenze zwischen Israel und dem Libanon - beschäftigt gewesen, hiess es von der UN-Mission. Das israelische Militär sei darüber vorher informiert worden.
Eine Granate sei nur rund 20 Meter vom UN-Personal und Fahrzeugen eingeschlagen. Drei weitere seien in einem Umkreis von etwa 100 Metern detoniert. Die Drohnen hätten sich anschliessend südlich der Grenze zurückgezogen.
Seit Ende November gilt zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe. Beide Seite werfen sich regelmässig Verstösse vor. Israel greift nahezu täglich weiter im Nachbarland an. Die Vereinbarung sieht auch vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurückzieht. Zur Aufgabe der Blauhelme gehört auch die Überwachung des Abzugs der mit Iran verbündeten Miliz. (dpa)
09:46 Uhr
Mittwoch, 3. September
Raketenalarm in Tel Aviv – Huthi-Geschoss von Abwehr abgefangen
Eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete hat in weiten Teilen Israels Alarm ausgelöst. In der Küstenmetropole Tel Aviv, in Jerusalem und weiteren Orten eilten Hunderttausende von Menschen in Schutzräume. Die Armee teilte anschliessend mit, ein Geschoss aus dem Jemen sei von der Raketenabwehr abgefangen worden.
Das israelische Nachrichtenportal «ynet» berichtete, während des Raketenalarms sei der Flugverkehr am internationalen Flughafen Tel Aviv in der Nähe von Tel Aviv gestoppt worden.
Ein Flugzeug der ungarischen Fluggesellschaft Wizz Air von Budapest nach Tel Aviv sei zeitweilig in der Luft aufgehalten worden. Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es habe bisher keine Berichte über Einschläge oder Verletzte gegeben. (dpa)
05:41 Uhr
Mittwoch, 3. September
Israels Armee erlebt vor Gaza-Offensive Mobilisierungskrise
Israels Armeechef hat mit Beginn der Mobilisierung Zehntausender Reservisten für die geplante Einnahme der Stadt Gaza angekündigt, die Kampfeinsätze auszuweiten. «Wir haben die Bodenoperation in Gaza bereits begonnen», sagte Generalstabschef Ejal Zamir vor einberufenen Reservisten. «Wir dringen bereits in Gebiete vor, die wir noch nie zuvor betreten haben.» Die Kommandeure haben jedoch Medienberichten zufolge Schwierigkeiten dabei, genügend meldewillige Reservisten zu finden.
Nach der Einberufung von 60'000 Reservisten für die geplante Offensive gegen die Stadt Gaza im Norden hat die israelische Armee jetzt mit der ersten Mobilisierungswelle begonnen. Inzwischen seien jedoch weniger Reservisten dazu geneigt, sich erneut zum Dienst zu melden, berichtete die «Times of Israel». Die Reservisten sollen in den kommenden Tagen ausgebildet und vorbereitet werden. Einige sollen im Westjordanland und im Norden reguläre Truppen ersetzen. Letztlich plane die Armee, vier Divisionen in die Stadt zu verlegen, berichtete die Zeitung weiter.
Nach fast zwei Jahren des Kampfes an mehreren Fronten sind viele Reservisten erschöpft und stellen Medienberichten zufolge den Sinn des Krieges infrage. (dpa)
21:59 Uhr
Dienstag, 2. September
Netanyahu in Botschaft an Soldaten: Stehen vor entscheidender Phase
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu hat in einer Videobotschaft an die Soldaten erklärt, das Land stehe vor der entscheidenden Phase des Gaza-Krieges. «Wir führen einen hartnäckigen und gerechten Krieg, der seinesgleichen sucht», sagte er. «Was in Gaza begann, muss in Gaza enden.»
Zuvor hatte Generalstabschef Ejal Zamir bei einem Treffen mit Reservisten eine Verstärkung des israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen angekündigt. «Wir haben die Bodenoperation in Gaza bereits begonnen», sagte er. «Wir dringen bereits in Gebiete vor, die wir noch nie zuvor betreten haben.» Die Hamas werde sich nirgendwo verstecken können, sagte Zamir. «Wir werden den Krieg nicht beenden, bis wir diesen Feind besiegt haben.»
Das Militär hatte am Dienstag mit der Einberufung von zusätzlichen Reservisten begonnen. Zuvor war bereits die Einberufung von 60'000 Reservisten zur Einnahme der Stadt Gaza angekündigt worden.
Zahlreiche Angehörige der von der islamistischen Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln hatten die Pläne zu Besetzung der Stadt Gaza in den vergangenen Wochen wiederholt kritisiert, da sie um das Leben der Geiseln fürchten. Nach israelischen Angaben werden noch 50 Geiseln im Gazastreifen festgehalten – 20 von ihnen sollen noch am Leben sein. Andere Kritiker argumentieren, dass die Hamas nicht militärisch besiegt werden könne und schon jetzt keine Gefahr mehr für Israel darstelle.
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn mehr als 63'600 Palästinenser getötet. Die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Hilfsorganisationen berichten unter Verweis auf Satellitenaufnahmen, dass mehr als 70 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt sind. In einigen Gebieten des Gazastreifens sollen es bis zu 90 Prozent sein. (dpa)
11:35 Uhr
Dienstag, 2. September
Israel beginnt mit der Einberufung von Reservisten
Israel hat mit der Mobilisierung Zehntausender Reservisten begonnen. Die am Dienstag gestartete Einberufung soll laut Armee 60’000 Wehrpflichtige umfassen. Ausserdem wird der Dienst von weiteren 20’000 Soldatinnen und Soldaten verlängert, die bereits im aktiven Dienst sind. Die im August angekündigte Einberufung ist Teil eines Plans zur Einnahme der Stadt Gaza, die in Israel auf Widerstand stösst und im Ausland verurteilt wird.
Israelische Bodentruppen und Luftstreitkräfte griffen Ziele im nördlichen und zentralen Gazastreifen an. In Gaza selbst attackierten sie Teile der Stadtviertel Zeitun und Schidschaija. Zeitun war einst das grösste Stadtviertel von Gaza mit Märkten, Schulen und Kliniken. Das israelische Militär ist dort schon mehrfach eingedrungen und hat es vergangene Woche zur «gefährlichen Kampfzone» erklärt.
Die Stadt Gaza gilt als politische und militärische Hochburg der militant-islamistischen Hamas und beherbergt nach israelischen Angaben immer noch ein ausgedehntes Tunnelnetz. Zugleich ist sie eine der letzten Zufluchtsorte im nördlichen Gazastreifen, wo Hunderttausende Zivilisten Unterschlupf suchen, die von Kämpfen und Hungersnot bedroht sind.
Seit die IPC-Initiative, die weltweit führende Autorität für Ernährungskrisen, für die Stadt Gaza eine Hungersnot erklärt hat, ist die Zahl der Todesfälle aufgrund von Unterernährung gestiegen. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium des Gazastreifens erklärte am Dienstag, im August seien insgesamt 185 Menschen an Unterernährung gestorben – die höchste Zahl seit Monaten. (dpa)
09:48 Uhr
Dienstag, 2. September
Rekordzahl palästinensischer Häftlinge in Israel
Eine Rekordzahl von mehr als 11'000 palästinensischen Sicherheitshäftlingen sitzt nach Informationen einer israelischen Menschenrechtsorganisation in Israels Gefängnissen. Laut Angaben der Nichtregierungsorganisation Hamoked, die sich auf Informationen der israelischen Gefängnisbehörde stützt, ist dies die bisher höchste Zahl.
Mehr als die Hälfte dieser Häftlinge wird laut Hamoked ausserhalb der regulären Strafverfahren festgehalten - 3577 sogenannte Administrativhäftlinge und 2662 «rechtswidrige Kombattanten». Viele der Kombattanten wurden während des Gaza-Kriegs festgenommen, der vor fast zwei Jahren mit dem Terrorüberfall der islamistischen Hamas auf Israel begann.
Umstrittene Praxis schon seit Jahrzehnten
Im Rahmen der Administrativhaft werden Verdächtige aus Sicherheitsgründen für sechs Monate und länger ohne offizielle Anklage festgehalten. Das ist dann der Fall, wenn die Betroffenen etwa mit einer Straftat in Verbindung gebracht werden, es aber nicht genügend Beweise für eine Anklage gibt. Da die Massnahme meist auf Geheimdienstinformationen basiert, können die Gefangenen und ihre Anwälte die Beweise nicht einsehen und sich nicht wirksam verteidigen.
Menschenrechtsorganisationen fordern Israel schon seit Jahrzehnten dazu auf, diese Praxis zu beenden. Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet rechtfertigt diese Form der Haft jedoch als notwendiges Mittel im Kampf gegen Terror.
Nach Angaben der «Jerusalem Post» ist die Zahl der Administrativhäftlinge heute rund dreimal höher als zur Zeit des zweiten Palästinenseraufstands Intifada (2000 bis 2005), als es ständig zu palästinensischen Anschlägen kam. (dpa)
04:09 Uhr
Dienstag, 2. September
Trump: Israel büsst im Gaza-Krieg an Ansehen ein
Israel hat wegen des Gaza-Kriegs nach Ansicht von US-Präsident Trump in Teilen der US-Politik an Reputation eingebüsst – zugleich bekräftigt er seine Solidarität mit dem Land.
In einem Gespräch mit dem erzkonservativen Portal «Daily Caller», das sich als Sprachrohr der Trump-Wähler sieht, sagte der Republikaner bezogen auf die vergangenen 20 Jahre: «Israel hatte die stärkste Lobby im Kongress, stärker als alles andere, stärker als jedes Unternehmen, jede Organisation oder jeder Staat, den ich je gesehen habe. Israel war am stärksten. Heute hat es keine so starke Lobby mehr.» Das sei erstaunlich, sagte Trump. Das Gespräch mit dem Portal fand bereits am Freitag statt. Das Transkript wurde nun veröffentlicht.
Trump: Krieg schadet Israel
Israel sei grossartig, denn er habe gute Unterstützung von dem Land. Trump erinnerte zugleich an den 7. Oktober 2023 als schrecklichen Tag. Bei dem Terrorangriff im Süden Israels wurden etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Seither läuft der Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas. Trump sagte, der Krieg müsse enden. Die USA gelten als stärkster Verbündeter von Israel. Der US-Präsident sagte auch über Israel: «Sie mögen zwar den Krieg gewinnen.» Aber das Land gewinne nicht die Öffentlichkeit für sich. «Und das schadet ihnen.» (dpa)
17:51 Uhr
Montag, 1. September
Krankenhäuser: Mindestens 31 Tote bei israelischen Angriffen
Bei israelischen Angriffen sind im Gazastreifen nach Angaben örtlicher Krankenhäuser mindestens 31 Menschen getötet worden. Mehr als die Hälfte der Toten seien Frauen und Kinder, teilten Vertreter der Kliniken mit. Demnach kamen allein in der Stadt Gaza durch die Angriffe vom Montag mindestens 13 Menschen ums Leben. Dort hat Israels Militär seit dem Terrorüberfall der Hamas auf das Land am 7. Oktober 2023, der den Gaza-Krieg auslöste, mehrere umfangreiche Einsätze ausgeführt. Zuletzt haben die Streitkräfte eine Grossoffensive in der Stadt gestartet und diese zur Kampfzone erklärt.
Das israelische Militär macht die militant-islamistische Hamas für Todesfälle unter Zivilisten verantwortlich, weil sich ihre Mitglieder in dicht besiedelten Gebieten verschanzten. (dpa)
15:54
Montag, 1. September
250 Medien weltweit protestieren für Pressefreiheit im Gazastreifen
Mehr als 250 Medien aus über 70 Ländern haben sich nach Angaben von Reporter ohne Grenzen einer Protestaktion für eine unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen angeschlossen. Sie werfen Israels Armee auch Gewalt gegen Reporter vor. Die Medien, darunter aus Deutschland die Berliner «tageszeitung„ (taz) und die „Frankfurter Rundschau», brachten das Thema am Montag auf die Titelseite, schwärzten diese oder unterbrachen ihre Sendungen kurzzeitig.
Binnen knapp zwei Jahren seien im Gazastreifen nach Daten von Reporter ohne Grenzen 220 Journalisten von der israelischen Armee getötet worden, teilte die Organisation mit. «Bei der Geschwindigkeit, mit der Journalisten in Gaza von der israelischen Armee getötet werden, wird es bald niemanden mehr geben, der Sie auf dem Laufenden hält. Dies ist nicht nur ein Krieg gegen Gaza, sondern ein Krieg gegen den Journalismus», sagte der Direktor von Reporter ohne Grenzen, Thibaut Bruttin.
Israels Armee betont dagegen stets, sie gehe im Gaza-Krieg ausschliesslich gegen die islamistische Hamas und andere Terrororganisationen vor und versuche, Zivilisten dabei zu schonen. Das israelische Militär hat Journalisten im Gazastreifen auch mehrfach vorgeworfen, der Hamas anzugehören oder am Terrorangriff am 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen zu sein. Nach dem Tod von fünf Journalisten und weiterer Menschen bei einem Angriff vor einer Woche äusserte Generalstabschef Ejal Zamir Bedauern über zivile Opfer.
Reporter ohne Grenzen rügte dagegen, Journalisten würden gezielt angegriffen, getötet und diffamiert. «Wer wird uns ohne sie auf die Hungersnot aufmerksam machen? Wer wird Kriegsverbrechen aufdecken?», sagte Bruttin. Palästinensische Journalisten müssten geschützt und von anderen Ländern aufgenommen werden, wenn sie aus dem Gazastreifen evakuiert werden wollten. Ausserdem müsse ausländischen Medien ein unabhängiger Zugang zum Gazastreifen garantiert werden, forderte Reporter ohne Grenzen. Seit Beginn des Gaza-Kriegs konnten ausländische Journalisten nur «eingebettet» mit der israelischen Armee den Gazastreifen besuchen
Israels Aussenministerium kritisierte die Aktion. Sie zeige «die Voreingenommenheit gegenüber Israel in den globalen Medien», hiess es in einer Stellungnahme. «Die Berichte, die wir in den globalen Medien über Gaza sehen, erzählen nicht die wahre Geschichte. Sie erzählen die Lügenkampagne der Hamas.» (dpa)
15:01
Montag, 1. September
Genozidforscher werfen Israel Völkermord im Gazastreifen vor
Eine internationale Fachgesellschaft für Genozidforschung wirft Israel vor, im Gazastreifen einen Völkermord an den Palästinensern zu begehen. Die International Association of Genocide Scholars (IAGS) zählt weltweit etwa 500 Mitglieder, darunter eine Reihe von Holocaust-Experten. In einer internen Abstimmung votierten 86 Prozent der teilnehmenden Mitglieder für eine Resolution, die zu dem Schluss kommt, dass die israelische Gaza-Politik und das Vorgehen in dem Palästinensergebiet «die rechtliche Definition von Völkermord» erfülle. Details zur Abstimmung veröffentlichte die IAGS nicht.
«Experten in der Völkermordforschung können diese Situation als das sehen, was sie ist», sagte IAGS-Präsidentin Melanie O’Brien, Professorin für Völkerrecht an der University of Western Australia, der Nachrichtenagentur AP. Das israelische Aussenministerium reagierte nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme. Israel hat den auch von anderen Organisationen erhobenen Vorwurf des Völkermords wiederholt zurückgewiesen.
Die sogenannte Völkermordkonvention der Vereinten Nationen von 1948 wurde unter dem Eindruck des Holocaust an den Juden ins Leben gerufen. Sie definiert Völkermord als Handlungen, die in der Absicht begangen werden, «eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören». Die UN und verschiedene westliche Länder vertreten den Standpunkt, dass ein Verstoss gegen die Konvention nur von einem Gericht festgestellt werden kann. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) läuft in dem Zusammenhang ein Verfahren gegen Israel.
Rund sechs Millionen Juden wurden im Zuge des Holocaust von den Nazis systematisch ermordet. Mit der Staatsgründung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Israel auch zu einem Zufluchtsort für Überlebende dieses industriellen Massenmords. Die israelische Regierung hat im Zusammenhang mit dem Völkermordvorwurf gegen das Land von einer antisemitischen «Ritualmordlegende» gesprochen und darauf verwiesen, dass der von der Hamas angeführte Terrorangriff auf Israel, der am 7. Oktober 2023 den Gaza-Krieg auslöste, ein genozidaler Akt gewesen sei. Die IAGS-Resolution beginnt mit der Feststellung, dass die Attacke «internationale Verbrechen» darstelle. (dpa)
09:19 Uhr
Montag, 1. September
Huthi reklamieren Angriff im Roten Meer für sich
Die Huthi im Jemen haben erneut einen Angriff auf ein Schiff im Roten Meer für sich reklamiert. Die «Scarlet Ray» sei im nördlichen Roten Meer mit einer ballistischen Rakete angegriffen worden, erklärte die Miliz auf ihrem Telegramkanal. Die Huthi bezeichneten das Schiff als «israelischen Öltanker». Laut Online-Plattform Vesselfinder, die Echtzeitdaten zur Verfolgung von Schiffen weltweit nutzt, fährt die «Scarlet Ray» unter der Flagge Liberias.
Die Sicherheit der Handelsschifffahrt zuständigen britische Behörde UKMTO hatte am Sonntag gemeldet, dass ein Schiff im nördlichen Roten Meer, vor der Küste vom saudi-arabischen Janbu, Wasserspritzer durch ein unbekanntes Projektil beobachtet hätte. Es sei ein lauter Knall zu hören gewesen. Das Schiff habe seine Fahrt fortsetzen können. Es habe keine Verletzten gegeben. (dpa)
15:32 Uhr
Sonntag, 31. August
Israels Verteidigungsminister: Hamas-Sprecher ist «ausgeschaltet»
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat den langjährigen Sprecher des militärischen Arms der Hamas, Abu Obeida, für tot erklärt. Israel habe ihn in Gaza «ausgeschaltet», schrieb Katz auf der Plattform X über einem Bild des Sprechers, das mit einem roten Kreuz überzeichnet war. Man habe ihn «zu einem Treffen mit allen eliminierten Akteuren der Achse des Bösen aus dem Iran, Gaza, dem Libanon und Jemen in die Tiefen der Hölle geschickt».
Er gratuliere der Armee und dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet für «die perfekte Ausführung», schrieb Katz weiter. «Bald, mit der Intensivierung des Feldzuges gegen Gaza, werden dort noch viele seiner Mittäter – die Mörder und Vergewaltiger der Hamas – zu ihm stossen.» (dpa)
13:05 Uhr
Sonntag, 31. August
Israel greift Hisbollah-Ziele im Süden des Libanons an
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben militärische Infrastruktur der Hisbollah-Miliz im Süden Libanons angegriffen. Ziel waren demnach auch unterirdische Stellungen der Hisbollah im Bereich der strategisch gelegenen Kreuzritterfestung Beaufort. Man habe dort «militärische Aktivitäten» festgestellt, hiess es in einer Mitteilung der Armee.
Anwohner berichten von massiven Explosionen
Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von zwei Luftangriffen nahe der Stadt Nabatije. Es gab zunächst keine Berichte zu Opfern. Anwohner berichteten allerdings von massiven Explosionen während der Angriffe.
«Die Existenz der Anlage und die dortigen Aktivitäten stellten einen Verstoss gegen die Verständigungen zwischen Israel und Libanon dar», hiess es in der Mitteilung der israelischen Armee.
Trotz Waffenruhe immer wieder Angriffe
Israel und die Hisbollah hatten sich Ende November nach mehr als einjährigem gegenseitigen Beschuss auf eine Waffenruhe geeinigt. Beide Seiten werfen sich Verstösse vor. Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurückzieht. Die Kreuzritterfestung Beaufort liegt knapp nördlich des Flusses, aber dennoch nahe einem nordöstlichen Ausläufer der israelischen Grenze. (dpa)
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