«Die USA haben sich verrannt»: Experte zur Seeblockade bei Hormus
Nachdem die von Pakistan vermittelten Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien Iran und USA ergebnislos verlaufen sind, hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, die Strasse von Hormus zu blockieren.
Ab Montag, 16 Uhr Schweizer Zeit, soll die US-Marine keine Schiffe mehr durch die Meerenge fahren lassen – egal, ob diese einen iranischen Hafen ansteuern oder verlassen wollen. Das teilte Trump über seinen eigenen Kurznachrichtendienst Truth Social mit.
Für den Moment ist es allerdings so, dass der Iran die für den Welthandel so wichtige Meerenge kontrolliert. Es droht also eine Doppelblockade.
Wie ist die aktuelle Lage bei der Strasse von Hormus?
«Die Strasse von Hormus ist zurzeit nur zu den Bedingungen des Irans passierbar», sagt Johannes Peters, der die Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel leitet, zu watson. Schiffe, die die Meerenge durchqueren wollen, müssten vorab Kontakt mit dem Iran aufnehmen, sich mit dessen Streitkräften koordinieren und eine Gebühr von zwei Millionen US-Dollar entrichten.
Dem Iran attestiert Peters ein cleveres Vorgehen. Er habe verdeutlicht, dass er Einfluss auf die Meerenge nehmen kann und dass er fähig und auch willens ist, Schiffe dort zu beschädigen. «Damit hat der Iran ein Klima geschaffen, in dem es kein Handelsschiff wagen würde, die Strasse zu durchqueren, ohne auf die Bedingungen des Iran einzugehen», sagt Peters.
Was bezweckt Trump mit der Blockade – und was sind mögliche Konsequenzen?
Peters sieht hinter Trumps Vorhaben, die blockierte Strasse von Hormus selbst zu blockieren, zwei Überlegungen am Werk. Erstens gehe es dem US-Präsidenten darum, dem Iran sein wichtigstes Druckmittel aus der Hand zu nehmen.
Und zweitens: «Die USA wollen dem Iran damit auch die Möglichkeit nehmen, eigenes Erdöl aus dem Iran in die Welt zu exportieren, um ihn so wirtschaftlich zu schwächen.»
Peters bezweifelt, dass eine solche Schwächung des Iran den USA entscheidend nützt: «Der Iran ist sich seit Jahrzehnten an eine Mangelwirtschaft gewöhnt. Wenn die Bevölkerung leidet, ist das dem Regime ziemlich egal, solange es selbst fest im Sattel sitzt.» Für Peters ist klar:
«Der Iran ist leidensfähiger als die Weltwirtschaft.»
Zudem berge die US-Strategie einer eigenen Blockade der Strasse von Hormus die Gefahr einer weiteren Eskalation. Denn: Die iranischen Öl-Exporte gehen in erster Linie nach Indien und China.
Wenn die USA diese Öllieferungen nun blockieren würden, riskierten sie einen offenen Konflikt vor allem mit China, sagt Peters: «Ob die USA wirklich willens sind, einen militärischen Zusammenstoss mit der chinesischen Marine im Indischen Ozean in Kauf zu nehmen, ist für mich fraglich.»
Wie würde eine Blockade konkret aussehen?
Selbst wenn die USA tatsächlich Ernst machen mit der Doppelblockade, stellen sich ganz praktische Fragen. Wie blockiert man eine ohnehin schon blockierte Meerpassage? Wo wird sich die US-Marine positionieren?
«Ich gehe nicht davon aus, dass die USA diese Blockade wirklich in unmittelbarer Nähe der Strasse von Hormus errichten werden», sagt Peters. Und weiter: «Auf jeden Fall werden sie ausserhalb der Reichweite iranischer Raketen und Drohnen operieren.»
Den USA komme dabei zugute, dass Handels- und Tankschiffe sehr langsam unterwegs und ihre Routen bekannt seien. «Es ist also gar nicht nötig, die Blockade unmittelbar vor der Strasse von Hormus zu errichten.»
Wie kann man ein Schiff an der Weiterfahrt hindern? «Ein Schiff blockiert man, indem man es über Funk anruft und von ihm verlangt, dass es stoppt», sagt Peters. Weigere sich die Besatzung des Schiffs, dieser Aufforderung nachzukommen, gebe es verschiedene Möglichkeiten.
«Die USA würden dann zunächst versuchen, die Schiffe mit speziell dafür ausgebildeten Einheiten zu boarden. Das geschieht entweder mithilfe von Helikoptern oder Schnellbooten.» Ähnlich seien die USA in der Vergangenheit schon mit russischen oder venezolanischen Schiffen verfahren. Peters hält fest: «Der Beschuss oder die Versenkung der Schiffe sind das allerletzte Mittel und wären erst nach einer Evakuierung der Besatzungen überhaupt vorstellbar.»
Ist Trumps Blockade-Ankündigung nur ein Bluff?
Der Iran hatte Trumps Ankündigung einer Seeblockade bei der Strasse von Hormus als «Bluff» bezeichnet. Peters sagt dazu: «Ob die Blockade-Androhung ein Bluff ist, ist schwierig einzuschätzen.» Die Blockade für Schiffe, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen, soll am Montag um 16 Uhr in Kraft treten. «Vielleicht verkündet Trump heute Nachmittag, der Iran habe nun doch Zugeständnisse gemacht, auf deren Basis man weiterverhandeln kann», mutmasst der Experte für maritime Sicherheit.
Peters’ Urteil ist klar: «Der Iran agiert in diesem Konflikt deutlich geschickter als die USA.» So habe die iranische Seite nach den gescheiterten Verhandlungen vom Wochenende betont, dass die Gesprächskanäle offen bleiben. «Das entspricht dem normalen Vorgehen und platziert den Ball im Feld der USA», sagt Peters.
Die USA hingegen stehe mit ihrer Strategie schlecht da: «Die Ankündigung der Seeblockade ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr sich die USA verrannt haben.» Die jüngsten Ankündigungen um die Strasse von Hormus stehen gemäss Peters exemplarisch für die Kriegsführung Trumps im Iran: «Den USA fehlt ein klares strategisches Ziel – wahrscheinlich hatten sie es schon von Anfang an nicht.»
Welche Konsequenzen hätte eine US-Blockade für die Weltwirtschaft?
Die Strasse von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Der Ölpreis stieg aufgrund der möglichen Doppelblockade auf über hundert Dollar pro Barrel. Auch wenn es politisch ein schwieriges Signal sei, sagt Peters:
«Die Welt kann wesentlich besser mit einem verlässlichen iranischen Regime über die Strasse von Hormus leben als mit einer dauerhaften Blockade der Energieexporte über die Strasse von Hormus.»
Die USA träfe die Blockade weniger hart als Europa, Asien oder Afrika, sagt Peters. «Sie sind weitgehend energieautark, mit ihrem fragwürdigen militärischen Vorgehen lassen sie aber die ganze Welt büssen.» Peters geht darum davon aus, dass damit auch der Druck von Trumps Verbündeten wachse.
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