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Zug, Zürich und die Milliarden – die beiden Kantone verbindet eine innige Hassliebe

Der Wegzug der Bank Vontobel ist die jüngste Episode in einem Nachbarschaftsstreit, bei dem es um mehr als Steuereinnahmen geht.
Friede, Freude, Sechseläuten: Heinz Tännler (l.) und Ernst Stocker, die Finanzdirektoren der Kantone Zug und Zürich, strahlen um die Wette. (Bild: Alexandra Wey)

«In love with Zug»: Unter diesem selbstbewussten Motto hat sich der Kanton Zug vergangenes Jahr beim grossen Nachbarn Zürich präsentiert, als Gastkanton am Sechseläuten. Ausgerechnet die Zuger erwarten Liebe, wenn sie in Zürich zu Besuch sind: Darauf muss man zuerst einmal kommen.

Die beiden ungleichen Kantone sind in tiefer und wechselvoller Hassliebe verbunden. Dieser Tage ist sie neu aufgelebt, als die Zürcher Bank Vontobel bekanntgab, dass sie ihren Hauptsitz nach Baar im Kanton Zug verlegen wird. Vordergründig dreht sich alles um das Geld: um Wirtschaft, Steuern, Arbeitsplätze. Dahinter aber stehen grössere Fragen zur Debatte, mitunter das Zürcher Selbstverständnis als Wirtschaftslokomotive und Finanzzentrale der Schweiz, aber auch Sinn und Unsinn des Steuerwettbewerbs.

Mehr als doppelt so hohe Einkommen wie im Jura

Auch wenn der Umzug der Bank nicht nur mit den Steuern zu tun haben mag, so bestärkt er doch die alten Vorurteile. Der ehemals mittellose Kanton Zug ist mit einer ebenso offensiven wie erfolgreichen Steuerpolitik, die in der Innerschweiz viele Nachahmer gefunden hat, zu grösstem Reichtum gekommen. Nur an wenigen Orten der Welt ballt sich auf so kleinem Raum so viel Kapital wie hier.

Dazu tragen neben den Konzernzentralen in Baar, Cham und Zug auch die Privathaushalte in den Seegemeinden bei. Die jüngsten Statistiken zu den durchschnittlichen steuerbaren Einkommen offenbaren für die Schweiz ein jähes Gefälle: Es reicht von 145'000 Franken im Kanton Zug bis zu 63'000 Franken im Jura oder im Wallis. In Zürich sind es 94'000 Franken. Damit liegen die Zürcher heute hinter den Schwyzern, Nidwaldnern und Genfern, vor allem aber musste sich die Wirtschaftsmetropole vom ehemaligen Armenhaus Zug abhängen lassen.

Der steile Aufstieg des Kantons Zug hat den nationalen Finanzausgleich (NFA) nicht gerade auf den Kopf gestellt, aber kaum ein Experte hätte für möglich gehalten, was mittlerweile Tatsache ist: Zug muss in absoluten Zahlen mehr Geld in den NFA einzahlen als Zürich. Obwohl Zürich zwölfmal so viele Einwohner zählt, muss Zug netto 530 Millionen Franken einzahlen, Zürich hingegen «nur» 370 Millionen.

Die freundeidgenössische Umverteilung basiert auf den steuerbaren Einkommen, Firmengewinnen und Vermögen in den Kantonen. Wer vergleichsweise viel hat, muss auch viel abgeben. Zürich hat vergleichsweise nicht mehr so viel. Dass das auch mit dem Nachbarkanton im Süden zu tun hat, der mit einem milden Steuerklima lockt, liegt auf der Hand. Die Bank Vontobel ist nicht der erste gute Steuerzahler, der von Zürich nach Zug zügelt.

Steuerstreit um einen Millionär

Wenige Wochen, bevor die Zuger am Sechseläuten 2025 auftraten, sorgte ein bilateraler Steuerstreit für Schlagzeilen: Die beiden Kantone kämpften darum, wer einen vermögenden Unternehmer besteuern darf, der seine Schriften von Zürich nach Zug verlegen wollte. Sie trugen den Zwist mit grosser Akribie aus. Vor Gericht wurden etwa der Wasserverbrauch, die Einkäufe und Telefonate des Unternehmers analysiert, um herauszufinden, wo sein wahrer Lebensmittelpunkt liegt. Der Einzelfall zeigt: Es geht um viel.

Die Zuger machen keine Anstalten, ihren Erfolg nobel zu verschweigen. Im Gegenteil, ihr Finanzdirektor Heinz Tännler lässt kaum eine Gelegenheit aus, um die Zürcher als mutlos zu kritisieren. Zusammen mit seinem Gegenüber, dem Zürcher Kassenwart Ernst Stocker, gibt er der spannungsreichen Nachbarschaft ein Gesicht. Dass beide Finanzdirektoren der SVP angehören, verleiht dem Disput zusätzliche Brisanz.

Giftpfeile gegen Zürich

Einen der giftigsten Pfeile hat Tännler ausgerechnet via die NZZ abgeschossen: Tännler mokierte sich darüber, dass sich viele Steuerzahler, die nach Zug kämen, über die schleppende Bearbeitung ihrer Dossiers in Zürich beklagten. Zudem werde Zürich «von links regierten Städten dominiert, die Leistungsträger eher vergraulen als anziehen». Sie seien damit «nicht unwesentliche Standortförderer von Zug».

Die Zürcher sehen es andersrum: Zug profitiere als Trittbrettfahrer von Zürichs Infrastruktur. Letztlich geht es dabei um die Grenzen des Steuerwettbewerbs. Schon mehr als einmal hat Ernst Stocker seinen Kollegen Tännler gewarnt, es nicht zu übertreiben. Sonst werde die Akzeptanz des heutigen Systems gefährdet. Die nächste grosse Diskussion über den Steuerwettbewerb ist 2027 zu erwarten, wenn Bundesrat und Parlament über die Eckwerte des NFA für die kommenden Jahre verhandeln.

 
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