Teure Wohnungen, knapper Wohnraum: Das macht den Mietern Bauchweh
Der «Miet-Barometer» misst die Befindlichkeit beim Mieter-Volk Schweiz. Über 34'000 Haushalte haben auf Einladung des Mieterinnen- und Mieterverbandes an der Umfrage mitgemacht.
Was sind die Haupterkenntnisse?
Die steigenden Mietpreise sind seit Jahren eine der Hauptsorgen der Schweizerinnen und Schweizer. Wie dramatisch das ist, zeigt sich in den Zahlen. Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete zu verwenden. Beinahe jeder Zwanzigste gab an, dass die Mietkosten mehr als die Hälfte des Einkommens wegfressen. Die Budgetberatungsstellen empfehlen, dass der Anteil nicht über 25 Prozent liegen sollte.
Dazu kommt die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt: Rund zwei Drittel gaben an, dass sie die Suche nach einer neuen Wohnungssituation als «eher» oder «sehr schwierig» empfinden. Dabei gibt es zwar kantonale Unterschiede, die Lage wird aber auch in ländlichen Kantonen als Problem wahrgenommen.
Warum ist das so?
Für den Mieterverband ist klar: Das Problem liegt bei der Immobilienlobby, die mit zu hohen Renditen für «eine massive Umverteilung von den Miethaushalten zu den Vermietern» sorge. Faktoren wie der Referenzzins oder die Angebots-Situation wiesen nur einen kleinen Einfluss auf. «Die Mieten sinken nicht, wenn mehr gebaut wird», sagte Verbandspräsident Carlo Sommaruga. Dabei würden die Vermieter auch von tiefen Hypozinsen profitieren. Vor einigen Jahren waren diese Kapitalkosten noch deutlich höher. «Allerdings sind die Kostensenkungen nie bei den Mietenden angekommen», beklagte Vizepräsident Michael Töngi.
Häufig könnten die Mieter doch Senkungen einfordern?
Das ist korrekt. Etwa, wenn der Referenzzinssatz sinkt und der Wert unter demjenigen zu liegen kommt, der im Vertrag festgelegt ist. Auch die Anfangsmiete kann oft angefochten werden. Unter anderem dann, wenn der Mietzins im Vergleich zur Vormieterschaft ohne Renovation übermässig erhöht wird. In vielen Kantonen muss mittlerweile die vorherige Miete auf einem Formular ausgewiesen werden.
Und trotzdem machen das nur wenige. Warum?
Auch hier hat der Mieterinnen- und Mieterverband einen klaren Verdacht: aus Angst. Die Befragten nannten «Bedenken, dass sich das Verhältnis zur Vermieterschaft verschlechtert» und «ein Konflikt mit meiner Vermieterschaft wäre programmiert» als Hauptgründe dafür, weshalb sie trotz Referenzzinssenkung keine Mietreduktion einfordern. «Selbst berechtigte Forderungen versetzen die Mieterinnen und Mieter in Angst», sagte Larissa Steiner vom Mieterverband.
Ist diese Angst berechtigt?
Hier fällt die Antwort differenzierter aus. Steiner: «In vielen Fällen gilt für die Mieterinnen und Mieter nach einem Schlichtungsverfahren ein dreijähriger Kündigungsschutz.» Gerade, wenn Mieter und Vermieter unter demselben Dach wohnen, könne es aber durchaus atmosphärische Störungen geben und Probleme entstehen. Gerade bei grossen Verwaltungen seien solche Beschwerden aber Routine und würden auch entsprechend abgehandelt.
Sind die Beschwerden dann auch erfolgreich?
Beim Anfangsmietzins liefert der Verband eindrückliche Zahlen: Nur gerade 5 Prozent aller Befragten haben diesen je angefochten. Dabei waren die Beschwerden in 75 Prozent aller erfolgten Fälle ganz oder teilweise erfolgreich. Eine ähnliche Erfolgsquote gibt es auch bei Senkungen wegen des Referenzzinssatzes: Hier bekam die grosse Mehrheit, die eine Mietzinssenkung gefordert hat, auch tatsächlich eine Mietzinssenkung. Einige sogar automatisch – ganz ohne Nachfrage.
Was sind die Lösungsansätze?
Bald reicht der Mieterverband seine Mietpreis-Initiative ein. Und naturgemäss wurde diese als bestmögliche Lösung angepriesen. Die Vorlage will unter anderem das Prinzip der Kostenmiete in der Verfassung verankern. Damit sollen die Renditen für die Vermieter kleiner werden. Ebenfalls sollen die Mieten regelmässig automatisch überprüft – und angepasst – werden. So müssten Senkungen nicht mühsam eingefordert werden, sondern würden direkt gewährt. Das sei nötig, so der Mieterverband. Im Parlament habe die Immobilien-Lobby viel Einfluss und der Bundesrat mache ebenfalls nichts, klagten die obersten Mieter.
Und was ist mit der Zuwanderung und dem knappen Bauland?
Das war beides kein Thema an der Medienkonferenz. Sowieso: Gesteigerte Bautätigkeiten sei nicht per se die Lösung. «Wenn an einer Stelle 80 preisgünstige Wohnungen durch 140 Wohnungen im obersten Preissegment ersetzt werden, löst das die Probleme nicht», sagte Larissa Steiner.
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