Erschreckend: Noch nie wurden in der Schweiz so viele Kinder wegen Misshandlungen ins Spital gebracht
Knapp 2400 Kinder und Jugendliche sind im vergangenen Jahr wegen Misshandlung oder Verdachts darauf in einem Kinderspital behandelt worden. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr – ein Höchstwert seit Beginn der Datenerhebung 2009. Dies geht aus der am Montag veröffentlichten Nationalen Kinderschutzstatistik hervor.
Ein Kind ist gar an den Folgen einer Misshandlung gestorben. Es war jünger als ein Jahr alt.
Schlagen, Fusstritte, Würgen oder andere Formen körperlicher Misshandlung blieben auch im vergangenen Jahr mit gut 750 Fällen die häufigste Form von Kindesmissbrauch. Es folgt die Vernachlässigung, am dritthäufigsten ist psychische Misshandlung. Darunter fallen beispielsweise verbale Angriffe, das Abwerten eines Kindes oder auch - am häufigsten -, wenn Kinder häusliche Gewalt miterleben.
Nicht immer lässt sich die Misshandlung eindeutig feststellen. Laut der Statistik galt die Diagnose aber in über der Hälfte der Fälle als sicher. Besonders bei sexuellem Missbrauch aber sei eine Beurteilung anspruchsvoll, schreibt die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizer Kinderkliniken in einer Mitteilung. Hier wurden ein Drittel der Diagnosen als «unklar» bewertet.
Täter meist aus Familie oder Bekanntenkreis
Wie schon in den Vorjahren stammte auch 2025 die grosse Mehrheit der mutmasslichen Täterschaft aus dem unmittelbaren Umfeld der betroffenen Kinder. In knapp 70 Prozent der Fälle waren es Familienangehörige, weniger häufig Personen aus dem Bekanntenkreis des Kindes. Besonders bei Vernachlässigung und psychischer Misshandlung kommt der Täter oder die Täterin meist aus der Familie.
Meist sind die Täter männlich (36 Prozent). Sie sind für eine grosse Mehrheit der Fälle von sexuellem Übergriff verantwortlich, zudem geht auch körperliche Misshandlung meist von Männern aus. In 26 Prozent der Fälle ist die Täterin eine Frau – und ebenso hoch der Anteil an Missbrauchsfällen, bei denen Personen beider Geschlechter beteiligt sind.
Die Statistik erfasst auch Fälle des sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms. Dabei täuschen Bezugspersonen eines Kindes, häufig die Mutter, vor, dass das Kind krank ist – oder sie führen dies absichtlich herbei. Dies zu erkennen, ist äusserst schwierig. Im vergangenen Jahr registrierten die Kinderspitäler 18 solche Fälle, vier mehr als im Vorjahr.
Opfer sind meist noch sehr jung
Unter den Opfern befanden sich im vergangenen Jahr etwas mehr Mädchen als Buben. Während Jungen häufiger von körperlicher Misshandlung betroffen waren (60 Prozent), sind Mädchen häufiger Opfer von psychischer Misshandlung (54 Prozent) und insbesondere sexuellem Missbrauch (80 Prozent). Sie sind häufig noch sehr klein, wenn es zum Übergriff kommt: Vier von zehn Kindern waren bei der Tat jünger als sechs, nahezu jedes fünfte Opfer hat noch nicht einmal den ersten Geburtstag hinter sich.
Für die Fachgruppe Kinderschutz unterstreichen die erneut angestiegenen Fallzahlen die anhaltende Bedeutung eines wirksamen Kinderschutzes. Prävention sei wichtig, ebenso wie die Unterstützung von Familien. Zudem brauche es eine gute Zusammenarbeit der Fachstellen.
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