Ihre Angehörigen waren im Bus: «Er hat die ganze Zeit nervös herumgeschaut»
Als das Feuer im Postauto in Kerzers ausbricht, bleibt kaum Zeit. Innert Sekunden füllt sich der Bus mit dichtem Rauch, Menschen schreien, versuchen hinauszukommen, stossen und klopfen gegen Türen und Fenster. Was sich genau abgespielt hat, ist Gegenstand laufender Ermittlungen.
watson hat mit zwei Personen gesprochen, die die dramatischen Szenen aus dem unmittelbaren Umfeld von Betroffenen schildern: Mit Arbi Berisha, dessen Cousin im Bus sass und verletzt wurde, und mit einer Frau, die anonym bleiben möchte und von einer Freundin berichtet, die ebenfalls im Postauto war.
«Er sass direkt hinter ihm»
Arbi Berisha erzählt, sein Cousin Faton habe am Dienstagabend im Bus gesessen, als sich wenige Plätze vor ihm ein Mann selbst angezündet habe. «Er sagte, der Bus brenne und ich solle schnell zu ihm zur Migros kommen», sagt Berisha über den Anruf, den er kurz nach dem Vorfall erhalten habe.
Laut Berisha sass sein Cousin etwa in der Mitte des Postautos – direkt hinter dem Mann, der später mutmasslich die Tat verübte. Kurz nach dem Abbiegen in die Murtenstrasse in Kerzers habe sein Cousin beobachtet, wie dieser Mann «ein Feuerzeug nahm, sich mit Benzin übergoss und es anzündete».

Alles sei dann sehr schnell gegangen, habe ihm sein Cousin erzählt. «Innerhalb von fünf oder sechs Sekunden habe man im Bus nichts mehr gesehen wegen des Rauchs», sagt Berisha. Sein Cousin habe versucht, durch die Mitteltür aus dem Bus zu fliehen, doch dabei habe er sich die Finger verbrannt. Danach habe er zunächst noch versucht, im hinteren Teil aus dem Bus zu kommen, doch dort sei keine Türe gewesen. «Dann ist er wieder zur Mitteltüre und dann irgendwie rückwärts aus dem Bus ausgestiegen», sagt Berisha. Ob ihm dabei jemand geholfen habe, wisse er nicht. Auf Videos ist zu sehen, wie sein Cousin vom Bus wegläuft und dabei im Gesicht schwarz ist.
Als Berisha seinen Cousin schliesslich in einem Restaurant nebenan antraf, habe dieser sich gerade die Hände unter kaltes Wasser gehalten. «An den Händen am meisten, Nase und Beine», sagt Berisha über die Verletzungen. Körperlich gehe es seinem Cousin den Umständen entsprechend. «Momentan ist er sehr traumatisiert.» Noch am selben Abend sei er ins Berner Inselspital gebracht worden, später wurde er laut Berisha nach Lausanne verlegt, wo Brandverletzungen spezialisiert behandelt werden.
«Er hat nervös herumgeschaut»
Auch eine Frau, die anonym bleiben möchte, schildert gegenüber watson, was ihr eine Bekannte erzählt habe, die ebenfalls im Postauto sass. Laut dieser Schilderung sei der mutmassliche Täter in Ried eingestiegen und habe sich in die Mitte des Busses gesetzt. Schon da habe die Frau ein ungutes Gefühl gehabt, weil er «die ganze Zeit nervös herumgeschaut» habe.

Beim Bahnübergang, als das Postauto in die Murtenstrasse eingebogen sei, sei der Mann dann aufgestanden, habe etwas Unverständliches gebrüllt und sich mit Benzin übergossen. Kurz darauf habe er sich angezündet, etwa in der Nähe des Fussgängerstreifens.
Die Schwester der Bekannten sei laut der Frau zunächst in einen kurzen Schock gefallen, wie sie ihr am Tag nach dem Unfall erzählte. Doch schnell habe sie realisiert, dass sie raus müsse. Und im Postauto sei Panik ausgebrochen. «Die Menschen haben zum Buschauffeur gerufen, er solle die Türe öffnen, er hat es probiert, aber es ging nicht», wiedergibt die Frau die Schilderungen ihrer Bekannten.
Diese habe daraufhin versucht, durch die mittlere Tür aus dem Bus zu kommen — zusammen mit einem anderen Passagier, den sie als den Cousin von Abi Berisha vermutet. «Die Türen sind nicht von allein aufgegangen, aber sie haben es zu zweit probiert, und irgendwie ist die Tür dann aufgegangen», gibt die Frau deren Schilderung wieder. So habe sie schliesslich aus dem Bus geschafft. Kaum draussen, habe es einen lauten Knall gegeben, danach seien alle Türen aufgegangen. In Sicherheit war sie da aber noch nicht.
«Ihre Jacke hat draussen aber noch gebrannt. Schliesslich kam ein Mann und half ihr, diese zu löschen», so die Frau über ihre betroffene Angehörige. Dieser gehe es momentan gesundheitlich gut, doch der Vorfall habe sie enorm mitgenommen.
Was im Detail wirklich passierte, ist derzeit noch unklar. Fest steht: Es blieben Sekunden, um irgendwie aus dem brennenden Postauto herauszukommen.
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