Kriminelle unter Druck: Fedpol verhängt mehr Verbote und registriert mehr Verdachtsmeldungen
Mitte November 2025 klickten in Casablanca die Handschellen: Die königliche Gendarmerie Marokkos verhaftete den international gesuchten mutmasslichen Mafia-Boss Patrizio Forniti und seine Braut Monica M. Seit Juli 2024 waren sie zur Fahndung ausgeschrieben. Forniti stand auf der Liste der gefährlichsten Flüchtigen Italiens. Unterwegs war das Duo mit gefälschten Schweizer Pässen.
Die Verhaftung ist eines der Themen im soeben publizierten Jahresbericht 2025 von Fedpol. Dessen Spezialisten stellten im Fall Casablanca fest: Bei den Pässen handelte es sich offenbar um Totalfälschungen. Sie weisen die gleichen Merkmale auf wie eine Reihe anderer Fälschungen und stammen damit wohl aus derselben Fälscherwerkstatt.
Der Jahresbericht der Bundespolizei zeigt zudem, dass die «Geschäftszahlen» des Fedpol in fast allen Bereichen weiter steigen.
Viel mehr Einreiseverbote verhängt
So wurden mit 512 Einreiseverboten wegen Terrorismus fast viermal so viele verhängt wie im Vorjahr (126). Auch die Einreiseverbote wegen verbotenem Nachrichtendienst nahmen zu, von 34 auf 52. Erstmals wurde zudem ein Verbot wegen Proliferation, also Weitergabe von Massenvernichtungswaffen, ausgesprochen.
Weiter angestiegen ist die Zahl der Verdachtsmeldungen im Kampf gegen Pädokriminalität. Allein das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) in den USA übermittelte 16’750 Meldungen. Seit 2021 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt und steigt weiter.
Auch die Verdachtsmeldungen wegen Geldwäscherei und Terrorfinanzierung nahmen zu: Sie stiegen um 39 Prozent auf gut 21’000. Zugenommen hat zudem die Zahl gewalttätiger Personen an Sportveranstaltungen. 2025 waren gegen 488 Personen Massnahmen aktiv, im Vorjahr waren es noch 357. Die Zahl der in der Hooligan-Datenbank HOOGAN registrierten Personen stieg um zehn Prozent auf 1012.
Fedpol beschäftigte 2025 insgesamt 1095 Mitarbeitende, davon 35 Prozent Frauen. Im Vorjahr waren es 1073.
Fedpol-Chefin: «Auf dem richtigen Weg»
Fedpol-Chefin Eva Wildi-Cortes vergleicht die organisierte Kriminalität im Editorial mit einem Eisberg: Ein Teil werde bei einzelnen Delikten, Festnahmen oder Beschlagnahmungen sichtbar. «Der grösste Teil bleibt jedoch unter der Oberfläche: Netzwerke, Geldflüsse und Strukturen, die sich dem unmittelbaren Blick und der öffentlichen Wahrnehmung entziehen.»
Wildis Ziel ist ehrgeizig: den Eisberg trockenlegen, und «nicht nur an der Spitze pickeln». Ziel sei, das Wasser um den Eisberg herum so zu erhitzen, dass er wegschmelze, schreibt sie. Ein Mittel dazu ist die 2025 von Bund und Kantonen verabschiedete nationale Strategie zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Derzeit wird ein entsprechender nationaler Aktionsplan (NAP) erarbeitet. «Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind», so die Fedpol-Chefin.
Kommt die Schweiz im Kampf gegen internationale Kriminalität allmählich in die Gänge? Die steigende Zahl von Massnahmen und Meldungen könnte ein Hinweis in dieser Richtung sein.
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