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Erste Blockchain-Abstimmung in der Schweiz

Mit der eigenen digitalen ID auf dem Handy an einer Abstimmung teilnehmen: In der Stadt Zug ist dies seit Montag eine Woche lang möglich. Die Stadt testet die erste blockchain-basierte Abstimmung in der Schweiz - und hofft, dabei eine Vorreiterrolle zu spielen.
Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) registriert sich auf der App, um mit seinem Handy an der ersten blockchain-basierten Abstimmung teilnehmen zu können. Die Stadt Zug will mit diesem E-Voting-System eine Vorreiterrolle in der Schweiz übernehmen.
Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) registriert sich auf der App, um mit seinem Handy an der ersten blockchain-basierten Abstimmung teilnehmen zu können. Die Stadt Zug will mit diesem E-Voting-System eine Vorreiterrolle in der Schweiz übernehmen. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Zugerinnen und Zuger, die eine digitale ID haben, können bis am 1. Juli an der Konsultativabstimmung teilnehmen. Im Gegensatz zu anderen E-Voting-Systemen erfolgt der Prozess der Abstimmung in der Stadt Zug nicht über einen einzigen zentralen Server, sondern verteilt über eine Blockchain auf vielen Computern.

"Vielleicht ist ja die Zuger Lösung das Ei des Kolumbus", sagte der Zuger Stadtpräsident, Dolfi Müller (SP), am Montag vor den Medien und verwies auf die Kritiker, welche die elektronische Stimmabgabe auf den Plan gerufen hat. Diese befürchten, dass E-Voting-Systeme Ziele von Hackerangriffen und ein grosses Sicherheitsrisiko seien.

Die Blockchain-Abstimmung sei vielleicht "das Beste, was es im Bereich E-Voting derzeit gibt", sagte Müller. Sie bringe das höchste Mass an Sicherheit und Transparenz. Durch die dezentrale Datenbank seien Missbrauch und Hacking viel schwieriger und die Daten würden bestmöglich verschlüsselt und gespeichert.

Daten werden geografisch verteilt

Das Zuger E-Voting-System wurde vom in Zug ansässigen IT-Unternehmen Luxoft in Zusammenarbeit mit der Stadt Zug und dem Team des Departements Informatik der Hochschule Luzern entwickelt. Die Lösung nutzt eine Verschlüsselungstechnologie, die einerseits die abgegebenen Stimmen anonymisiert und andererseits eine sichere Prüfung ermöglicht.

Die Plattform wird auf drei verschiedene Rechenzentren eingesetzt, zwei in der Schweiz und eines in Irland. Durch die Verteilung der Daten würden die Sicherheits- und Datenverlustrisiken geografisch verteilt, was das System noch robuster mache, erklärte Alexander Denzler, Dozent für Blockchain und Big Data an der Hochschule Luzern.

Mit der Zuger Abstimmung könne getestet werden, was im Bereich E-Voting und Blockchain bereits funktioniere und wo noch geschraubt werden müsse. "Bislang gibt es nämlich kaum blockchain-basierte E-Voting-Projekte, an denen sich die Hochschule orientieren kann."

Auf der Einwohnerkontrolle können alle Zuger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger kostenlos ihre digitale ID abholen. Bisher haben dies 240 Einwohner getan, wie es vor den Medien hiess. Über eine App können sie sich damit einloggen und an der Abstimmung teilnehmen. Dolfi Müller gab am Montag mit seiner Stimme den Startschuss dazu.

Feuerwerk: Ja oder Nein

Die Stadt Zug will mit der Testabstimmung verschiedene sicherheitsrelevante Aspekte überprüfen. Dabei geht es vor allem um den Persönlichkeitsschutz, das Abstimmungsgeheimnis, die Unveränderbarkeit der Abstimmung und die Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse.

Müller hofft, dass möglichst viele Einwohner noch eine digitalen ID abholen und bis am 1. Juli um 23.59 Uhr an der Konsultativabstimmung teilnehmen. Diese ist denn auch nicht rechtlich bindend. Die Fragen, die den Teilnehmenden gestellt werden, wurden von der Stadt erfunden und können mit Ja oder Nein beantwortet werden.

So kann das digitale Stimmvolk etwa entscheiden, ob es das Feuerwerk beim Zuger Seefest gut findet oder nicht. Gefragt wird unter anderem aber auch, ob die digitale Abstimmung als einfach empfunden wird. In den darauffolgenden zwei Monaten werden die Erkenntnisse ausgewertet und nach den Sommerferien die Resultate veröffentlicht.

Die digitale ID der Stadt Zug wurde im vergangenen November eingeführt und befindet sich ebenfalls noch in der Pilotphase. Neben der E-Voting-Möglichkeit werden auch andere Möglichkeiten getestet wie etwa das Ausliehen von Stadtvelos an verschiedenen Orten oder von Büchern in der Bibliothek. (sda)

 
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