Traditionsfirma «Witzig The Office Company» in Frauenfeld ist zahlungsunfähig – 80 Mitarbeitende verloren vor Weihnachten ihre Jobs
1946 begann die Geschichte der «Witzig The Office Company» als Hermes-Vertretung an der Frauenfelder Rheinstrasse. Nun steht sie kurz vor der Konkurseröffnung. «Mit Bedauern und grösster Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass die Firma Witzig The Office Company AG nicht mehr zahlungsfähig ist», teilt das einstige Partnerunternehmen «Witzig Alteco» auf ihrer Website mit. Diese sei davon aber in keinster Weise betroffen: Die Alteco wurde 2018 von Witzig übernommen, bereits 2022 trennten sich die Wege der beiden Firmen wieder.
Seit 2019 in den roten Zahlen
Im letzten News-Eintrag auf der Website der «Witzig the Office Company» vom 18. Dezember 2025 steht dagegen nichts von der Insolvenz. Doch bereits am Tag darauf wurden die 80 Mitarbeitenden über die dramatische Lage informiert, wie «Frauenfeld Aktuell» berichtet. Die firmeneigenen Werkzeuge von Laptops bis Firmenautos hätten abgegeben werden müssen. Vom Dezember-Lohn wurde nur 50 Prozent ausbezahlt. Das Unternehmen habe bereits seit 2019 rote Zahlen geschrieben, sagt CEO und Verwaltungsratspräsident Kevin Willy gegenüber «Frauenfeld Aktuell». Diverse Umstrukturierungen hätten aber nicht den gewünschten Effekt gebracht. Deshalb habe er die Insolvenz beantragen müssen. Die Firma werde die Mitarbeitenden auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle unterstützen.
Kevin Willy war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Er ist laut Handelsregister seit 2023 beim Unternehmen. Damals wurde Witzig gemäss Firmengeschichte verkauft. Zuvor gehörte es noch der Familienstiftung und der Beteiligungsgesellschaft der Berner Pensionskasse Coopera. Im Zuge des Verkaufs schied mit Susanne Witzig auch das letzte Mitglied der Gründerfamilie aus dem Unternehmen aus.
Vom Hermes-Vertreter zum Berater für Arbeitswelten
Witzig hatte sich bis dahin zu einem der grössten Dienstleistungsanbieter der Bürobranche entwickelt. Statt Hermes-Schreibmaschinen verkaufte Witzig ganze Büroeinrichtungen und beriet seine Kunden bei der Gestaltung ihrer Bürowelten. Zu den Kunden gehörten namhafte Unternehmen ebenso wie Hochschulen oder die öffentliche Hand. 2018 beschäftigte Witzig 250 Mitarbeitende. In diesem Jahr stiess Witzig mit der Übernahme der Alteco Digital Services in die Informatik vor.
Mit Corona erlebte die Arbeit im Büro einen Wandel. Das beschäftigte auch den Büroeinrichter Witzig. 2020 verkaufte das Unternehmen dafür die beiden Papeterien in Frauenfeld und Arbon an die Gossauer Pius Schäfler. Bereits 2022 trennte sich Witzig auch bereits wieder von der Alteco. Der Schritt schaffe klare Strukturen und ermögliche Wachstum in beiden Bereichen, heisst es in der Firmengeschichte.

Zusammenarbeit trug keine Früchte
Erneutes Wachstum erhoffte sich Witzig auch von den neuen Investoren, die das Unternehmen 2023 übernahmen. Im selben Jahr wurde auch ein neuer Standort in Pratteln eröffnet. Nach dem Hauptsitz in Frauenfeld, dem Logistikzentrum in Effretikon und Präsenz im Aargau, in Bern, Luzern, Zürich und St.Gallen der achte Standort. 2025 hatte Witzig noch rund 80 Mitarbeitende. Neues Wachstum erhoffte man sich von einer Zusammenarbeit mit dem niederländischen Bürodienstleister Royal Ahrend.
«Dadurch eröffnen sich uns neue Möglichkeiten, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken», sagte CEO Willy – doch der Schritt kam wohl zu spät. Laut dem Thurgauer Konkursamt ist der Insolvenzantrag derzeit noch beim Bezirksgericht hängig. Die Konkurseröffnung dürfte in den nächsten ein bis zwei Wochen erfolgen.
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