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Toni Brunner: Der gerechte Staat

Tagblatt-Kolumnist Toni Brunner sinniert über jammernde Gutverdiener, rasende Velofahrer, Warmhöcker und Feierabendbier-Trinker – und er fragt sich, wo die Gerechtigkeit geblieben ist.
Tagblatt-Kolumnist Toni Brunner (Bild: Michel Canonica)

Der allgemeine Wehrdienst für junge Männer bleibt in der Schweiz bestehen. Junge WWF-Mitglieder können damit ihren herbeigesehnten zivilen Dienst an der Gesellschaft ans Bein streichen. Sie träumten von gut geheizten Büroräumen mit Panda-Bärli an der Wand und hätten hinter ihrem I-Phone den Dienst für die Versorgung der Schweizer Bevölkerung verbracht. Und auch die Erbschaftssteuer-Initiative der Jung-Sozialisten wurde gewaltig den Bach runter geschickt. Die Schweiz will keine Neid- und Missgunst-Gesellschaft, sondern schätzt jene, die ihre Steuern redlich zahlen. Die Bevölkerung hat für Verlässlichkeit und Rechtssicherheit gesprochen. Tut der Staat dies auch?

In der Stadt Bern wurden diesen Herbst diverse Immobilien von Linksextremen zusammengeschlagen, selbst Polizisten wurden zu Dutzenden verletzt und das alte gute Restaurant Della Casa in Brand gesetzt. Es wurden Tote in Kauf genommen. Der Aufschrei in der Schweiz war eindrücklich klein. Linksextreme sind offenbar vom Apparat geschützt. Von Verurteilungen ist mir nichts bekannt.

Mein Nachbar hat seinen Gartensitzplatz mit Blatten versetzt und einen Holzunterstand für seine energetisch empfohlene Heizungsform erstellt. Das Holz soll trocknen können. Unterdessen ist er am Boden zerstört. Er musste alles zurückbauen, der Kanton griff hart durch. Gestört hat es zwar keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, aber ein einfacher eifriger Steuerzahler wurde hart abgestraft.

In der Stadt Zürich gibt es illegal anwesende Menschen ohne Aufenthaltsrecht, geschweige denn ein Bleiberecht. Die links-grüne Stadt Zürich besorgt ihnen eine spezielle im Gesetz nichtexistierende Genehmigung mit Zugang zu allen Privilegien der bei uns rechtmässig Anwesenden. Sozusagen eine ID light – und niemand von den Betroffenen wird die Schweiz je wieder freiwillig verlassen.

Ein Bekannter von mir wurde nach seinem Feierabendbier mit zu viel Alkohol im Blut kontrolliert, er verlor sein Billett, dafür muss er regelmässig Haarproben abgeben und hat fast seinen Arbeitsplatz verloren Er trinkt nur noch Cola und seine Lebensfreude ist merklich gesunken. Er wurde hart abgestraft.

Du wohnst im Kanton Waadt, verdienst zwischen 8000 und 15'000 Franken und gehst auf die Strasse, weil dir Privilegien als Person im öffentlichen Dienst gestrichen werden. Du unterrichtest am Gymnasium und demonstrierst gegen den Staat, weil du dich ungerecht behandelt fühlst. Das ist genau mein Humor.

Ein Älpler schiesst einen Wolf, weil dieser mitten in der Nacht Tiere seiner Herde reisst. Er schiesst und wird am nächsten Tag von der Polizei gestellt. Er muss vor die Staatsanwaltschaft, vor den Richter und eine hohe Busse und Strafe in Kauf hinnehmen. Er hat nichts anderes gemacht als seine Grundexistenz geschützt.

Ein linker Vater fährt in einer grösseren Schweizer Stadt morgens mit dem Velo und mit Anhänger bei Rot in übersetzter Geschwindigkeit über den Pflasterstein. Ich erkenne nur den rauf- und niederspringenden kleinen linken Sohn. Er trägt auch einen Helm, aber mir ist klar, der wird einen Dachschaden haben, bevor er die Pubertät entdeckt. Er kann nichts dafür, erlebt jeden Morgen eine Folter-Fahrt, wird aber von seinem sozialen Umfeld so gewollt, später einmal links wählen.

Ich laufe vom Haus zum Stall. Erinnere mich an früher, als die Schweiz noch Schweiz war. Ich schaue in die Berge, die Aussicht vor meinem Haus ist grandios. Die Aussicht für die Schweiz sieht weniger rosig aus. Werden wir noch aufwachen, bevor es zu spät ist? Wird wieder mehr Gerechtigkeit geschaffen?

Toni Brunner, ehemaliger Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer und Jérôme Müggler sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.

 

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