ST.GALLEN: Schummelvorwürfe an die Organisatoren
St.GALLEN. Niemand stehe hin, niemand getraue sich zu reden – damit soll jetzt Schluss sein: Die 19jährige Anina Nägeli ist richtig erzürnt, als sie am Telefon über die Miss-Ostschweiz-Wahl vom Samstag spricht. An der Organisation lässt sie kein gutes Haar. "Alles war bereits vorab geplant", behauptet die Andwilerin, "die Gewinnerin, die Zweitplazierte, die Drittplazierte, Miss Body."
Nur eben Miss Friendship nicht. Diese nämlich wird in der Finalnacht von den Kandidatinnen erkoren. Genau wegen dieses Titels habe sich jemand aus dem Organisationsteam bei den Kandidatinnen Anina Nägeli und Jessica Cavelti drei Wochen vor der Finalnacht verplappert. "Er verriet uns die Reihenfolge der Finalistinnen. Und sagte, dass er gespannt sei, wer Miss Friendship wird."
Models bevorzugt
Nicht nur die Gewissheit, dass die Gewinnerinnen im Vorfeld feststanden, stösst der Kandidatin sauer auf, sondern auch der Name der Siegerin. "Lara Storchenegger wurde von der St.Galler Look Model Agency angemeldet. Von derselben Agentur also, die die Wahl organisiert. Das ist doch kein Zufall", stellt Anina Nägeli fest. Diese Kritik betreffe auf keinen Fall ihre Mitstreiterin, betont sie. Denn trotz allem gönne sie ihr den Sieg.
Von der Look Model Agency, die Marcel Weingartner führt, fühle sie sich aber hintergangen. Ende vergangenes Jahr übernahm Weingartner die Organisation der Miss-Ostschweiz-Wahl wieder vollständig. Zuvor war nicht klar, ob und in welcher Form die Wahl weitergeführt werden konnte. Für eine Stellungnahme war Weingartner gestern nicht erreichbar. Die frischgekürte Miss Ostschweiz, Lara Storchenegger, bestätigt, dass sie im Frühling 2015 zu Weingartners Agentur stiess. Dieser habe sie damals anfragt, ob er sie zur Wahl anmelden dürfe. "Ich dachte: Ja, wieso nicht? Einen Versuch ist es wert."
Vorwürfe nicht angehört
Nachdem sich die Prophezeiung in der Wahlnacht vom vergangenen Samstag bewahrheitet hatte, verschaffte Anina Nägeli ihrem Unmut Luft und konfrontierte Weingartner mit ihren Vorwürfen. "Er ging aber gar nicht darauf ein, sondern sagte nur, dass ich eine schlechte Verliererin sei", sagt sie. Anina Nägeli war nicht unter den Top drei. Das sei aber kein Problem für sie. "Ich kann sehr wohl mit Niederlagen umgehen. Beim Judo und Kickboxen habe ich gelernt, dass auch Verlieren dazugehört."
Lügen und Ungereimtheiten
Die Andwilerin holt zu einem weiteren Schlag aus: "Uns wurde versprochen, dass wir alle Kleider, die wir an der Finalnacht anhatten, behalten dürfen. Auch im Publikum wurde damit geworben. Mitgegeben haben sie uns aber nur wenige Stücke."
Unfair findet sie den Wahlzirkus auch gegenüber allen, die seit Monaten mitgefiebert, beim SMS-Voting ihre Stimme abgegeben und an der Wahlnacht teilgenommen haben. Zudem hätten längst nicht alle für die Show bezahlt. "Schon komisch, dass 300 Leute im Publikum sassen, davon aber nur 97 Eintritt bezahlen mussten", regt sie sich auf. Nicht ein einziges Ticket hätten die Kandidatinnen für Familienmitglieder oder Freunde geschenkt bekommen. "Wir wurden alle über den Tisch gezogen." Sie fasst zusammen: "Angehörige, die gekommen waren, um mich zu unterstützen, haben also 45 Franken liegen lassen – für eine Show, die aus lauter Lügen besteht."
Auch die frischgebackene Miss Lara Storchenegger hat die Ungereimtheiten mitbekommen. Sie möchte sich nicht gross dazu äussern. Den Verdacht, dass die Wahl manipuliert wurde, teilt sie nicht. Es sei Zufall, dass sie als Model von Weingartners Agentur gewonnen habe.
"Keine Chance auf Sieg gehabt"
Die selben Vorwürfe wie Anina Nägeli erhebt Jessica Cavelti aus Herisau, die ebenfalls bei der Miss-Ostschweiz-Wahl mitgemacht hat. Es sei zwar eine coole Show gewesen, sagte sie in einem Interview mit der Appenzeller Zeitung. Leider sei die Spannung bei ihr aber nicht gross gewesen. "Dank interner Leute erfuhr ich schon von vornherein, wer gewinnen wird. So wusste ich schon zu Beginn, dass ich keine Chance auf den Sieg habe", so Cavelti.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben


Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.