«Die Rhätische Bahn stösst 1.-Klasse-Kunden vor den Kopf»: Mann wirft der RhB Schikane vor
Matthias B. lebt im Kanton Zug und heisst eigentlich anders. Er fährt oft nach Davos oder Lenzerheide und liebt das Bündner Land. Meist parkiert er im Unterland und steigt in die Rhätische Bahn (RhB). So auch Ende 2025, als der Puck beim Spengler-Cup in Davos über das Eis flitzt.
Vor und nach dem Hexenkessel im Eisstadion sucht Matthias B. den Komfort der 1. Klasse und erwirbt dafür ein Upgrade, das ihn 80 Franken kostet. Es folgt jedoch Ungemach: Erst fühlt sich der Mann auf der Hinfahrt unfair behandelt, dann auf der Rückfahrt belästigt. In E-Mails an die RhB, die der Redaktion vorliegen, meldet er die Vorfälle. Die Reaktion der Bahn enttäuscht ihn.
«Ich wurde abgespeist und ihre Antworten waren teils gehässig», sagt B. gegenüber dieser Zeitung.
RhB kontrolliere mit zweierlei Mass, so die Kritik
Matthias B. schildert zwei Zugfahrten zum Vergessen. Auf dem Hinweg habe das Zugpersonal sein Billett kontrolliert und sich dann vier Mitreisenden in der 1. Klasse zugewandt. Die hätten sich bereits beim Einstieg darüber unterhalten, dass zwei von ihnen nur 2.-Klasse-Billette besitzen. Einer habe beruhigt: «Egal, ich kenne das Zugpersonal.»
Tatsächlich habe die RhB-Kontrolleurin mit den vier Reisenden geplaudert, die Billette aber nicht beäugt – im Gegensatz zu den Fahrscheinen von Matthias B. und seiner Begleitung.
Der Leiter des Zugpersonals schreibt in einer Stellungnahme an Matthias B. von zwei Personen, die den RhB-Mitarbeitenden bekannt waren «und seit vielen Jahren ein 1.-Klasse-Abo besitzen». In solchen Fällen sei es üblich, auf eine Kontrolle zu verzichten, «da dies als Pflege der Stammkundschaft zählt».
Im Gespräch kontert Matthias B.: «Nur weil man einmal das 1.-Klasse-Generalabonnement gelöst hat, darf man nicht automatisch lebenslang 1. Klasse fahren.» B. kennt die Regeln der Schweizer Bahnen: Er arbeitete zehn Jahre lang für die Schweizerische Bundesbahnen AG.
Die Rückfahrt mutiert zur Geduldsprobe
Für die Rückfahrt stieg Matthias B. mit Hunderten Eishockey-Begeisterten in einen Extrazug. Anfangs seien viele in den Vorräumen der 1. Klasse gestanden, bis sie die fehlenden Billettkontrollen bemerkten und sich auch in der 1. Klasse setzten.
«Das waren nicht die angenehmsten Personen», sagt Matthias B.: «Sie haben uns angequatscht, stanken nach Rauch und waren betrunken.» Später habe dieselbe Kontrolleurin wie bei der Hinfahrt Billette überprüft, verzichtete jedoch auf Massnahmen zur sogenannten «Klassendisziplin» und verwies keine Mitreisende in die 2. Klasse.

Die Rhätische Bahn begründet diese Passivität mit einer Störung, die Matthias B. bestätigen kann. Die RhB schreibt: «Auf der Rückfahrt war unser Personal mit einem Belästigungsfall beschäftigt, der auch externes Sicherheitspersonal benötigte. Dieser Fall war klar zu priorisieren.» Laut Matthias B. fanden dennoch Billettkontrollen statt.
Die E-Mails der RhB empfindet B. als haltlos: «Die RhB stösst mit solchen Vorfällen zahlende 1.-Klasse-Kunden vor den Kopf und rechtfertigt dies mit nicht nachvollziehbaren Argumenten.» Auf beiden Fahrten freuten sich die Reisenden laut B. darüber, keinen Klassenwechsel bezahlen zu müssen.
«Das ist nicht fair», konstatiert Matthias B.: «Ich habe 80 Franken Aufpreis gezahlt, während uns andere Fahrgäste belästigen und gratis mitreisen, das finde ich frech.» B. fordert «professionelle und seriöse Kontrollen» für alle Fahrgäste. Sarkastisch fügt er hinzu, der RhB solle künftig mit dem Spruch werben: «Bei uns fahren Sie erstklassig und zahlen stets den günstigeren Tarif!»
Die RhB weist die Vorwürfe in ihren Mails an B. zurück: «Ihre Behauptung, dass auf den Fahrten dutzende Reisende ohne gültige 1.-Klasse-Tickets unterwegs waren, können wir nicht nachvollziehen.» Auch in der 1. Klasse müsse er mit Alkoholkonsum rechnen - «und dass Mitreisende womöglich lästig sein können, vor allem bei Grossveranstaltungen.»
Der Kunde hofft vergeblich auf Kulanz
Mit seiner Reklamation habe B. Kulanz erwartet und versucht, ein Umdenken bei der RhB anzustossen. Er werde keine weiteren Mails schreiben, «dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.»
Die RhB schreibt Matthias B., sie erkenne «keinen plausiblen Grund für eine Rückerstattung». Das Zugpersonal habe die Kontrollen korrekt durchgeführt. Die Frist für eine Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung liess das Bahnunternehmen verstreichen.
Matthias B. werde trotz der Vorfälle weiterhin RhB fahren und schätze das Transportangebot der RhB rund um den Spengler-Cup.
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