Bazenheider Firma Raschle AG empört mit fremdenfeindlichem Spruch
Lastwagen mit sonderbaren oder teils grenzwertig unflätigen Sprüchen sind keine Seltenheit. Ein Leserreporter des Onlineportals «20 Minuten» entdeckte kürzlich aber eine Aufschrift auf einem Transportfahrzeug des Bazenheider Familienunternehmens Raschle AG, das ihn schockierte. «Dear Migrant, No Schweiz, Go Russia, Vladivosztok -40°C», so die Botschaft, die auf einem Lastwagen der Firma, die Einstreuhandel betreibt und Tiere transportiert. Nun steht das Unternehmen in der Kritik.
Der St.Galler Leserreporter zeigt sich gegenüber «20 Minuten» fassungslos. Er sagt: «Hier wird im öffentlichen Raum und auf einem offiziellen Firmenfahrzeug ganz offenkundig Stimmung gegen Migranten gemacht, indem man sie in einer herabsetzenden Art und Weise auffordert, die Schweiz zu verlassen beziehungsweise gar nicht erst herzukommen, und stattdessen ins eisige Sibirien zu gehen.» Im Jahr 2026 sollte für einen solch offenen Fremdenhass kein Platz auf den Schweizer Strassen sein.
Der Geschäftsführer des Unternehmens, der auch für die Aufschrift verantwortlich ist, sagt auf Anfrage, dass er sich nicht dazu äussern will. Gegenüber «20 Minuten» hatte sich lediglich sein Vater geäussert: Er habe seinen Sohn schon einmal mit der Aufschrift konfrontiert.
Politik schaltet sich ein
Der «20 Minuten»-Leserreporter erhält Unterstützung von der SP Toggenburg. Die Aufschrift auf den Lastwagen der Raschle AG sei «ein Angriff auf die demokratischen Grundwerte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Demokratie lebe davon, dass alle Menschen, die in einem Land lebten, als gleichwertige Teile der Gesellschaft anerkannt würden, unabhängig von ihrer Herkunft.
«Wer im öffentlichen Raum eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal ausgrenzt und ihr das Existenzrecht in der Schweiz abspricht, untergräbt das Prinzip der Gleichwertigkeit», heisst es weiter. Die Raschle AG mache Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten, indem man diese herabwürdigend auffordere, das Land zu verlassen.
Im Beitrag von «20 Minuten» äusserte sich auch der Geschäftsleiter der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, die den Spruch als fremdenfeindlich einstuft. Strafbar sei er jedoch nicht, weil der Begriff «Migrant» kein geschütztes Merkmal sei. Gemäss der SP Toggenburg zeigt das eine Lücke im Diskriminierungsschutz – «und nicht die Harmlosigkeit der Botschaft». Diese Lücke mache solche Aktionen gefährlich, schreibt die SP: «Sie normalisieren Ausgrenzung, ohne dass rechtliche Konsequenzen drohen, und verschieben damit schleichend, was im öffentlichen Diskurs als akzeptabel gilt.»
Die Firmenflotte werde von der Raschle AG genutzt, um politische Stimmung zu machen, ohne dass Betroffene eine gleichwertige Stimme im selben Raum erhalten. «Eine funktionierende Demokratie braucht einen offenen, fairen Diskurs, in dem alle Perspektiven Platz haben, und nicht Lastwagen, die eine Bevölkerungsgruppe symbolisch aus der Gesellschaft ausschliessen», schreibt die SP Toggenburg. Wer sich für eine solidarische und weltoffene Schweiz einsetze, müsse solchen Vorfällen entschieden entgegentreten, auch wenn sie juristisch straflos bleiben. (ddm)
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