­
­
­
­

«Die Not ist gross»: Menschen aus der Region spenden 2,4 Millionen Franken an «Ostschweiz hilft Ostschweiz»

In der Weihnachtsspendenaktion 2025/2026 waren Ostschweizerinnen und Ostschweizer noch grosszügiger als im Jahr davor. OhO-Geschäftsführerin Astrid Bill freut sich über die Solidarität.
Geschäftsführerin Astrid Bill blickt auf die 20. Spendenaktion von Ostschweiz hilft Ostschweiz zurück. (Bild: Lorena La Spada)
Die Dankbarkeit ist gross bei den Begünstigten aus der Ostschweiz. (Bild: Lorena La Spada)

Habibi V. lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Rorschach. Die Familie kämpft sich durch eine Kette schwerer Schicksalsschläge: Herzinfarkte, Nierenprobleme und eine metastasierte Krebserkrankung. Nachdem er selbst wegen medizinischer Probleme ausgefallen war, rutschte die Familie in eine schwierige finanzielle Lage. Mit der Unterstützung von «Ostschweiz hilft Ostschweiz» konnte die Familie kurz durchatmen. Die Spende ermöglichte es, dass die Kinder Winterjacken und Schuhe aus dem Brockenhaus bekamen. Auch für einige neue Kleidungsstücke für die Eltern reichte das Geld.

Oft sind es kleine Beiträge, wie jener an die Familie von Habibi V., die Entlastung und Freude spenden. «Die Not ist nach wie vor gross,» sagt Astrid Bill, Geschäftsführerin von «Ostschweiz hilft Ostschweiz» mit Blick auf die diesjährige Spendenaktion. Im Jahr 2025 sind 3393 Gesuche bei OhO eingegangen. Das sind so viele wie noch nie in der 20-jährigen Geschichte von «Ostschweiz hilft Ostschweiz». Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gelangten 3275 Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller an die Weihnachtsspendenaktion.

Dass die Anzahl Gesuche steigt, ist für Astrid Bill auf eine wachsende Not in der Ostschweiz zurückzuführen. Höhere Krankenkassenprämien oder die steigenden Nebenkosten bringen gewisse Menschen in Bedrängnis. Bill erhält viele Anfragen von Hilfesuchenden, die wissen wollen, bei welchen weiteren Institutionen sie sonst noch anklopfen könnten. «Da frage ich mich schon, wohin das führt», sagt Bill.

Ihr falle vermehrt auf, dass gesundheitliche Beschwerden oder eine Krankheit auch psychische Probleme mit sich bringen. Wenn Arbeiten dann nicht mehr oder nur begrenzt möglich ist, rutschen die Personen in die Armut. Dabei spielt die Lebenslage eine Rolle: Die Gesuchstellenden geben Invalidität (21 Prozent) und medizinische Gründe (19 Prozent) am häufigsten als Ursache für den Unterstützungsbedarf an.

Auch Working Poor zählen auf die Unterstützung von OhO. Zu dieser Gruppe gehören rund 16 Prozent der Gesuchstellenden. «In dieser Lebenssituation wünschen sich die Menschen oft Winterkleider», sagt Astrid Bill.

Mehr Spendengelder als im Vorjahr

Im Spendenjahr 2025/2026 sammelte «Ostschweiz hilft Ostschweiz» mehr Geld als im Jahr zuvor: 2'410'263.36 Franken waren es in der aktuellen Spendenaktion. Im Vorjahr erreichten OhO 2,1 Millionen Franken Spendengelder. Der bisher höchste Betrag kam mit 2,8 Millionen Franken im Spendenjahr 2023/2024 zustande.

Dabei seien auch kleine Spenden wertvoll. Arboner Schülerinnen und Schüler sammelten während einer Adventsspendenaktion an der Oberstufe für «Ostschweiz hilft Ostschweiz». Viele Privatpersonen und Unternehmen haben auch ganz unerwartet hohe Beträge gespendet.

Ein wichtiges Argument für Spenderinnen und Spender ist laut Astrid Bill die Regionalität. «Dass das Geld hier bleibt und zu den richtigen Menschen kommt, ist wichtig», sagt Bill. Dass es «Ostschweiz hilft Ostschweiz» nun schon seit 20 Jahren gibt, zeugt von Konstanz. «Wir arbeiten professionell und transparent, das wird geschätzt», sagt sie.

Zahlreiche handgeschriebene Dankesbriefe

Die Dankbarkeit ist gross bei den Begünstigten aus der Ostschweiz. (Bild: Lorena La Spada)

Zu wissen, dass sie anderen helfen kann, ist für Astrid Bill das Schönste. «Natürlich machen die Schicksale nachdenklich und traurig. Aber auch dankbar», sagt sie. Besonders berührend sind die vielen Dankeskarten und Zuschriften von Begünstigten, die OhO erreicht haben. Dort bedankt sich eine Frau und schreibt: «Ich habe einen Einkauf genossen, ohne fortwährend den Betrag zusammenzuzählen, wie viel es kostet.»

Aufwendig gebastelte Kärtli und schön gestaltete Sujets, aber auch zahlreiche dankende Worte per E-Mail erreichen das OhO-Team. Eine Jugendliche, die in einem Wohnheim lebt, freut sich über Winterkleider: «Dank euch ist mir jetzt warm um Füsse und Herz.» Oder: «Herzlichen Dank für die Brille, nun habe ich wieder den richtigen Durchblick.» Die Wertschätzung sei riesig. «Diese Menschen freuen sich sehr über die Unterstützung und nehmen sich bewusst die Zeit, um ein Kärtli zu schreiben», sagt Astrid Bill.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, «Ostschweiz hilft Ostschweiz» zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Thema: Gendermedizin

Die Labormaus ist meistens männlich

Der Zyklus einer Frau nimmt Einfluss auf Testergebnisse, weshalb medizinische Studien eher beim männlichen Geschlecht durchgeführt werden – auch bei Tierversuchen. Das führt zu Forschungslücken.
14.09.2025

Fabian Ryffel wird neuer Spitaldirektor im Spital Grabs/Altstätten

Per 1. Januar 2026 gibt es im Spital Grabs/Altstätten einen Wechsel an der Spitze: Fabian Ryffel wird neuer Spitaldirektor. In dieser Funktion wird er zugleich beisitzendes Mitglied der Geschäftsleitung von Health Ostschweiz (HOCH).
18.12.2025
AboWelches Bäumchen darf es sein?

Die Nordmann-Tanne ist die beliebteste

Nordmann-Tannen, Plastiktannen, Tannen im Topf – die Auswahl an Christbäumen ist gross. Regional, nachhaltig und gerade soll die Tanne sein.
12.12.2025

Wettbewerb

1x 2 Tickets für die «Ukulele Orchestra of Great ...
Ukulele Orchestra of Great Britain

Umfrage der Woche

Hat das Unglück in Crans-Montana Ihr Sicherheitsgefühl beim Ausgehen beeinflusst?
­
­