­
­
­
­

Sommer, Sonne, Schnappschuss: So steht es ums Fotografieren in Ostschweizer Badis

Ein Foto von der Familie oder von badenden Personen am Seeufer: Handyaufnahmen bewegen sich schnell in einem Graubereich. Ostschweizer Freibäder setzen auf Hausregeln – und auf das Gespür des Badepersonals.
An heissen Tagen lockt es viele in die Badis. Doch den Moment mit der Kamera einzufangen, ist nicht immer eine gute Idee. (Bild: Florentin Naef)
Solche Aufnahmen im Familienbad Dreilinden sind nur mit einer Bewilligung der Stadt erlaubt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)
Beat Hefti ist Bademeister des Herisauer Freibads Sonnenberg. (Bild: zvg)

Die Sonne scheint, das blaue (Chlor-)Wasser schimmert und der grüne Rasen leuchtet – ein Nachmittag im Freibad ist bei diesen Temperaturen beliebt. Da kommt schnell die Idee auf, den Moment mit der Kamera einfangen zu wollen. Doch was ist angemessen oder gar erlaubt? Was passiert, wenn nicht nur die schöne Szenerie, sondern auch andere Badegäste fotografiert werden?

Unlängst kam es zu einem Fall auf der Zürcher Werdinsel. Wie 20 Minuten berichtete, filmte ein Mann badende und oberkörperfreie Frauen. Als die Frauen ihn darauf ansprachen, weigerte er sich, die Bilder und Videos von seinem Handy zu löschen.

Ein Dunkelfeld an Vorfällen

Eine Umfrage beim St.Galler Familienbad Dreilinden, dem Gossauer Freibad Buechenwald, dem Freibad Sonnenberg in Herisau und dem Schwimmbad Arbon hat ergeben: Diese Freibäder der Region waren noch mit keinen solchen Fällen konfrontiert. Auch Simon Anderhalden, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt, dass in den letzten Jahren ganz vereinzelt solche Anzeigen eingegangen seien. Eine detaillierte Klassifizierung solcher Fälle oder eine Statistik dazu gebe es aber nicht. Anderhalden weist zudem darauf hin, dass es ein Dunkelfeld solcher Fälle geben dürfte. Fälle, die der Polizei gar nie gemeldet wurden.

Sowohl in der Arboner als auch der Gossauer Badi gilt ein Fotografie- und Filmverbot. Ein kleines, aber feines Detail: In Arbon ist das Filmen und Fotografieren «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes grundsätzlich verboten». In Gossau ist es «von Personen ohne deren Zustimmung» verboten.

Für die Durchsetzung der Verbote ist das Badepersonal zuständig. «Die Bademeisterinnen und Bademeister tragen die Verantwortung, solche Situationen zu erkennen, die betroffenen Personen direkt anzusprechen und bei Bedarf weitere Schritte einzuleiten», schreibt die Stadt Arbon auf Anfrage. Weitere Schritte können je nach Situation eine Meldung an die Betriebsleitung oder die Polizei sein. Auch in Gossau kann das Badepersonal Personen, die gegen die Regeln verstossen, aus der Anlage verweisen. Zudem könne die Stadt den weiteren Zutritt zu den Bädern verbieten, wie es auf Anfrage heisst.

Nur mit der nötigen Bewilligung

Solche Aufnahmen im Familienbad Dreilinden sind nur mit einer Bewilligung der Stadt erlaubt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Im Familienbad Dreilinden ist das Fotografieren und Filmen nur mit Bewilligung der Dienststelle Infrastruktur, Bildung und Freizeit gestattet. Es seien vereinzelt Fälle bekannt, bei denen Gäste ohne erforderliche Bewilligung Foto- oder Filmaufnahmen gemacht hätten, teilt die Stadt auf Anfrage mit. In diesen Fällen spreche das Badepersonal die Personen direkt an und fordere sie auf, die Aufnahmen umgehend zu löschen.

Anders ist die Situation im Herisauer Schwimmbad. Dort gibt es kein Verbot. «Dann müssten wir Handys verbieten und das ist schwierig umzusetzen», sagt Bademeister Beat Hefti. Dafür wäre ein Entscheid auf nationaler, kantonaler oder Gemeindeebene nötig. Zudem würde ein Verbot wieder andere Probleme mit sich bringen. Es gebe Leute, die sich durch eine solche Einschränkung gestört fühlen würden. Zu entsprechenden Vorfällen sei es noch nicht gekommen. «Zum Glück hatten wir bis jetzt noch nie Schwierigkeiten damit.»

Beat Hefti ist Bademeister des Herisauer Freibads Sonnenberg. (Bild: zvg)

Jeder darf selbst entscheiden

Wenn Personen ungefragt gefilmt oder fotografiert werden, kommt das Recht am eigenen Bild zum Tragen. Dieses Persönlichkeitsrecht besagt, dass jeder und jede selbst darüber entscheiden kann, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm oder ihr verwendet werden. Darüber gibt eine aktuelle Broschüre der Schweizerischen Kriminalprävention SKP Auskunft. Wie die meisten Gesetze ist auch das Recht am eigenen Bild nicht absolut. Ob ein Sachverhalt strafrechtlich oder nur zivilrechtlich relevant ist, hängt von den konkreten Umständen ab.

So ist es von Situation zu Situation unterschiedlich, welche Konsequenzen drohen. Möglich seien eine Wegweisung aus der Anlage, ein Hausverbot und, je nach Sachlage, eine Anzeige, sagt Polizeisprecher Simon Anderhalden. «Bei Aufnahmen von Kindern oder in einem klar sexualisierten Kontext kann die Situation besonders gravierend sein und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.» Zudem können heimliche Aufnahmen aus dem geschützten Privatbereich strafbar sein.

Hausregeln können der Polizei helfen

Ein Fotografie- und Filmverbot der Freibäder ist laut Anderhalden in erster Linie eine Regel der Betreibenden. Ein Verstoss sei nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Straftat. Doch: «Das Hausrecht kann der Polizei in der Praxis aber helfen, rasch einzuschreiten und die Situation zu beruhigen.»

Wer also im Freibad die Badestimmung mit der Kamera einfangen möchte, muss vorsichtig sein. Oder vielleicht ganz darauf verzichten und den Moment geniessen.

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

AboPersonal zeitweise aufgestockt

Frühsommerliche Hitze sorgt für Ansturm im Freibad Vaduz

Bereits im Mai kletterten die Temperaturen auf rund 30 Grad. Davon profitierte auch das Freibad, das einen gelungenen Saisonstart verzeichnete.
03.06.2026
AboWeniger Parkplätze als in den Vorjahren

Parkplatzsituation beim Freibad sorgt für Diskussionen

Das Pfingstwochenende lockte Viele ins Schwimmbad Mühleholz – und offenbarte die angespannte Parkplatzsituation rund ums Freibad.
28.05.2026
Abo

Vater in Reute rastet erneut aus: Gemeindepräsidentin bemüht sich um Deeskalation

Am Dienstag ist der Vater eines Schulkinds aus Reute im Bus handgreiflich gegen einen Schüler geworden. Es ist schon der zweite Vorfall, in den der Mann dieses Jahr verwickelt ist. Die Polizei und die Gemeindepräsidentin ordnen die Situation ein.
11.06.2026

Wettbewerb

Vaduz Classic 2026 - 3x2 Tickets für das ...
Vaduz Classic Abschlusskonzert

Umfrage der Woche

Neue Sicherheitsstrategie für Liechtenstein. Wie steht es um Ihre persönliche Notfallvorsorge?
­
­