«Die Heidi kehrt heim»: Toggenburger Künstlerin zügelt ihr Atelier nach Bichwil
Eingerahmte Malereien, Tische mit Farbstiftboxen und Pinseln, sowie alte Holzschränke, gefüllt mit Geschirr, Büchern und Bastelmaterialien, stehen im Raum. Es ist das Atelier «Chrüsimüsi» der Künstlerin Marlene Stör in Oberhelfenschwil. Ein Bereich, der nicht nur Kreativstätte, sondern zugleich Brockenstube ist. Doch es herrscht Aufbruchstimmung, denn nun ist Schluss. Die ehemalige Dekorateurin verlässt nach nur einem Jahr Oberhelfenschwil. Der Ort hat sich als Wirkungsstätte für sie nicht bewährt.
Die 76-Jährige hat zwischen 2007 und 2011 die Geschichte von Heidi nach Johanna Spyri neu illustriert und geschrieben. Ganze 23'000 Bücher habe sie bereits verkauft. Doch hinter der Illustratorin stecken mehr als nur ihre Heidi Bücher. Als Spielgruppenleiterin mit über 30 Jahren Erfahrung wollte die gelernte Innendekorateurin mit dem «Wärch Atelier Chrüsimüsi» in Oberhelfenschwil ein Format für Kinder zum gemeinsamen Basteln und Werken anbieten. Ziel war es, die jüngere Generation dazu zu animieren, ganz ohne Vorlagen und nur mit Vorstellungskraft etwas zu erschaffen.
Schien sich die Idee anfangs noch zu bewähren, so sanken die Teilnehmerzahlen zunehmend. Zwar habe das Interesse durchaus bestanden, doch viele Familien können die Zeit dafür heute nicht mehr aufwenden, so Stör, die bereits vor über 20 Jahren eine «Wärch Spielgruppe» anbot. Da auch die Besucher ihrer «Kunstbrocki» ausblieben, traf die Künstlerin Ende Februar schliesslich den Entschluss, das Atelier «Chrüsimüsi» in Oberhelfenschwil aufzulösen. Zu gross waren die Kosten, zu gering der Ertrag.
Im Toggenburg zu Hause
Fiel ihr der Entscheid zuerst schwer, so blickt Stör nun zuversichtlich in die Zukunft. Denn trotz des gescheiterten Versuchs wird die Toggenburgerin ihre Leidenschaft für die Kunst nicht aufgeben. Bis Ende Juni muss das Atelier geräumt sein. Für danach hat die Künstlerin bereits neue Pläne. Sie besitzt zwar seit 15 Jahren oberhalb von Amden ein ehemaliges Bauernhaus, ihre sogenannte «Heidihausgalerie», das sie als Rückzugsort nutzt. Doch das Atelier von Oberhelfenschwil wird Stör in ihr Wohnhaus nach Bichwil (Gemeinde Oberuzwil) verlegen. Dies sei schon lange ihr Traum gewesen. Nach insgesamt 13 Umzügen ihres Ateliers sei die Zeit dafür gekommen. Lächelnd sagt sie: «Die Heidi kehrt heim.» Die Künstlerin freut sich besonders auf die Aussicht in den Garten und die Möglichkeit, auch draussen zu werkeln. Nur eines wird ihr fehlen: der Blick auf die Berge.

Stör ist in Ebnat-Kappel aufgewachsen und dem Toggenburg stets verbunden geblieben. Ihr Lieblingsmotiv – der Säntis mit den Churfirsten – verdeutlicht ihre Liebe zu den Bergen. Alpaufzüge oder Situationen aus dem Toggenburger Landleben hält die Künstlerin in unterschiedlichen Formaten fest. Die Malerei begleitete Stör von klein auf und führte sie durch schwierige Lebenssituationen: «Wenn ich im Leben nicht mehr weiterwusste, half mir immer die Kunst. Dann schaltete ich den Kopf ab und liess meine Hände arbeiten.» Die kreative Ader liege in der Familie. Sie habe den gleichen Ideenreichtum wie ihr Grossonkel Traugott Stauss, der Architekt und Designer war, so Stör.
An Ideen mangelt es nie
Tatsächlich bleiben der 76-Jährigen die Einfälle nie aus. Von der gewöhnlichen Leinwand bis hin zu Kleiderbügeln oder Holzbalken bemalt die Toggenburgerin alles. Ihr nächstes Projekt: zwei alte Holzschränke mit Senntumsmalereien zu verzieren. Eines der beiden Möbel soll das Toggenburg in allen vier Jahreszeiten zeigen, das andere die Silvesterchläuse aus dem Appenzell. Stör hat die Schränke in einer Brockenstube und auf einem Flohmarkt erworben. Dort will sie nun auch häufiger hin. Vor allem um Käufer für ihre Werke zu finden: «Ich muss auf die Leute zugehen, denn sie kommen nicht zu mir.»
Als gelernte Dekorateurin bastelt und werkelt Stör leidenschaftlich. Ihr Markenzeichen: die «Gwunderchästli»-Holzboxen, in denen sie mit verschiedensten Materialien wie Moos, Ästen oder Plastikdeckeln Momente festhält. Nicht nur die Städte Lichtensteig, Rapperswil und Wil hat die Künstlerin bereits dargestellt, sondern auch Situationen aus dem eigenen Leben. Als Nächstes plant sie, das Städtchen Werdenberg nachzubilden. Es fasziniert sie, herauszufinden, wie etwas dreidimensional präsentiert werden kann. Nur die Lichtensteiger Box sei ihr mit fast zwei Metern ein wenig zu gross geraten: «So einen Kasten macht man nur einmal. Kaum jemand hat Platz für etwas in dem Format.»

Die Malerei, das Gestalten und das Animieren von Kindern sind alles grosse Leidenschaften der 76-Jährigen. Obwohl sie auch letzteres zukünftig gerne anbieten würde, steht noch nichts fest. Die Idee einer Mini-Spielgruppe in Bichwil wäre aber da. «Viele sagen mir, ich solle einen Gang zurückschalten. Vielleicht ist jetzt der Moment dazu gekommen», so die 76-Jährige. Ob eine Spielgruppe tatsächlich zustande kommt, ist deshalb ungewiss. Feststeht, dass sich Stör vor allem intensiv ihrem Atelier widmen wird: «Ich mache das, was mir Freude macht, und das ist die Kunst.»
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