Nach über 20 Jahren Leerstand – neues Leben für die ehemalige Raststätte Walensee?
Kaum ein anderer Lost Place in der Schweiz ist so wenig versteckt, wie die seit über 20 Jahren verfallende ehemalige Raststätte am Walensee. Direkt am Seeufer gelegen fahren täglich Tausende Automobilistinnen und Automobilisten am brutalistisch anmutenden Betonklotz vorbei und fragen sich: Was ist eigentlich mit dieser Raststätte los?
Das Gebäude wurde 2003, nach rund 35 Jahren gastronomischem Betrieb aufgegeben. Der kritische Wendepunkt für die einst beliebte Raststätte lag jedoch damals bereits 17 Jahre zurück. Während die Raststätte bei ihrer Eröffnung von beiden Seiten, also von Zürich her wie auch aus Sargans, erreicht werden konnte, führte die Eröffnung des neuen Kerenzerberg-Tunnels dazu, dass weniger Reisende die Raststätte ansteuern konnten.
Raststätte seit 2017 nicht mehr mit dem Auto erreichbar
Durch die neue Verkehrsführung konnte die Raststätte ab 1986 von Zürich her kommend nicht mehr angefahren werden, was zur Folge hatte, dass diese einen grossen Teil ihrer potenziellen Kundschaft einbüste. Auf die Schliessung folgte der Verkauf der Immobilie 2005 für 540'000 Franken an eine Privatperson aus Uznach und schliesslich, 2013, für 795'000 Franken an den heutigen Eigentümer Heinz Peter Moravcik.
Dieser wollte die Raststätte in einem ersten Schritt zu einem Wohn- und Gewerbehaus umbauen und aufstocken, die Gemeinde verweigerte ihm jedoch die Baugenehmigung. Auch die Bestrebung des Eigentümers, nach einem Umbau selbst in die Immobilie einzuziehen, stiess bei der Gemeinde nicht auf offene Ohren.
Während der alte Parkplatz der Raststätte noch lange direkt von der A3 aus angefahren werden konnte, schloss das Bundesamt für Strassen (ASTRA) die Aufahrt im Jahr 2017. Begründet wurde der Schritt mit Sicherheitsbedenken, da die Auffahrt zu kurz war, sowie mit der Begründung, dass private Liegenschaften nicht von einer Nationalstrasse aus erschlossen werden dürfen.
Dass die Immobilie fortan nur noch per Fuss oder mit dem Fahrrad erreicht werden konnte, half kaum bei der Suche nach einer neuen Nutzung für den mittlerweile seit 14 Jahren leerstehenden Bau. Der Besitzer verlangte vom Bund, die Immobilie zurückzukaufen und forderte erst 1,5 Millionen, später reduzierte er seine Forderungen auf 1,3 Millionen Franken.
Verhandlungen scheitern – Interesse an Projekten bleibt bestehen
Der Bund, der durchaus Interesse an der ehemaligen Raststätte bekundete, lehnte das Angebot ab. Dieses sei überteuert, schliesslich hätte man die Pflicht, mit den anvertrauten Steuergeldern haushälterisch umzugehen, wie ein Sprecher des ASTRA gegenüber dem Blick verlauten liess.
So blieb die Raststätte im Besitz des Österreichers Heinz Peter Moravcik und die Spekulationen über neue Projekte im leerstehenden Sichtbetonbau gingen weiter. Im vergangenen Juni berichtete der Blick, dass Tesla-Fans auf Elon Musks Plattform X fordern, die ehemalige Raststätte zu einer grossen Tesla-Ladestation samt amerikanischem Autobahn-Diner umzubauen. Nur einen Monat später tauchten Visualisierungen des Zürcher Edel-Kebap-Unternehmens Ayverdi auf – sie zeigten nicht nur ein Restaurant am Walensee, sondern gleich auch ein Hotel mit Infinity-Pool.
Wirklich ernst zu nehmen war jedoch keines der Projekte, blieb das Problem mit dem fehlenden Anschluss an die Autobahn doch bestehen. Nun könnte zum ersten Mal jedoch eine konkrete Lösung für die Frage, was mit der zerfallenden Raststätte geschehen soll, im Raum stehen.

Neuer Kultur- und Begegnungsort geplant
Wie das Schweizer Fernsehen berichtet, plant der Liechtensteiner Unternehmer Rudolf Hilti, einen Ort für «Begegnungen, Ausstellungen, Kultur und neue Ideen» zu schaffen. Gemäss SRF habe Hilti mit dem aktuellen Eigentümer der Immobilie bereits eine Vereinbarung zur Übernahme getroffen. Ziel sei es, die ehemalige Raststätte nach der Übernahme in eine Stiftung zu überführen.
Erste Sanierungs- und Aufräumarbeiten haben bereits begonnen. Dabei will Hilti mit dem Projekt Innovation, Wissenschaft, Unternehmertum und Kultur zusammenbringen, den geplanten Begegnungsort nennt er «ein Museum für die Zukunft.» Konkrete Pläne wie auch eine Baubewilligung liegen aktuell jedoch noch nicht vor.

Derweil zeigt sich der Schifffahrtsbetrieb der Walensee AG offen für die Idee, sollte ein solcher neuer Begegnungsort tatsächlich entstehen, diesen mit einer neuen Kursschiff-Haltestelle zu erschliessen. Gegenüber dem SRF sagt Daniel Grünenfelder, Geschäftsführer der Walensee AG: «Der Spot hier wäre perfekt». (jul/watson)
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben







Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.