Leonardo, 15 Jahre, Buchautor
BERNECK. Die Lehrerin gibt im Unterricht einen Aufsatz auf – und Schüler Leonardo kann nicht mehr aufhören zu schreiben. Das war der schriftstellerische Urknall im Leben des Oberstufenschülers. Damals war er vierzehn und hatte mit der Bücherwelt nicht viel am Hut. Weder las er speziell viel, noch schrieb er mit Vorliebe. Im Gegenteil. Schule und gewisse Lehrer waren vor seiner Marbacher Zeit nicht sein Ding. Kung Fu üben und Klavier spielen eher.
Die Mütze schief
Die Story sei ihm einfach zugefallen, später sei ihm aufgefallen, dass er Motive aus verschiedenen Märchen miteinander verflochten habe.
Etwas aus «Schneewittchen» sei genauso dabei wie aus «Harry Potter». Leonardo ist kein Redner, er spricht ruhig, wirkt zurückhaltend. Ein Teenager, der Wert darauf legt, dass seine Mütze schief genug auf dem Kopf sitzt, wie es die Mode heutzutage eben diktiert.
Als die Lehrerin realisiert habe, dass der Aufsatz wohl nicht in einem und auch nicht in zwei, drei oder vier Tagen erledigt sein würde, habe sie ihm das Buchprojekt vorgeschlagen.
«Jo, das chömmer», willigte Leonardo ein; die Idee spornte ihn an, obwohl er wusste, dass nun viel Arbeit auf ihn warten würde: zu Ende fabulieren, mit dem Computer schreiben, Text überarbeiten, Illustrationen machen, alles einscannen und ins grafische Programm einpassen, die Bilder mit Photoshop bearbeiten.
Die Lehrer hätten ihm geholfen, wo nötig. Den Bärenanteil habe er aber selbst erledigt. Ein halbes Jahr habe es gedauert. Über die aufgebrachte Kraft und Ausdauer sei er im Nachhinein selbst erstaunt. Eine neue Erfahrung für den Schüler im letzten Jahr, der eine Ausbildung im Bereich Service ins Auge fasst und zurzeit gerade schnuppert.
50 Exemplare verkauft
Eine spannende Geschichte schreiben mit Überraschungen und einem Happy End, das niemand erwarten würde, das habe ihm vorgeschwebt. Nie hätte er damals daran gedacht, dass er sein Buch einmal in einer Vorlesung den Eltern vorstellen und fünfzig Exemplare im ersten halben Jahr verkaufen würde. Ein Erfolg, der ihn an diesem Donnerstag im Musikzimmer des Heimes Tigelberg zum Strahlen bringt. Noch mehr Freude empfinde er, wenn er höre, dass seine Geschichte mit den vielen, lieblich gezeichneten Bildern Kindern vorgelesen werde. Seiner Lehrerin, die die Initialzündung für alles gegeben hatte, möchte er dafür ausdrücklich danken.
Der Inhalt von «Wenn Elfen helfen – zauberhafte Hilfe»: Der Königssohn Flim erfährt mit zwölf Jahren, dass er eine Mutter hat, über die nach seiner Geburt ein Fluch gesprochen wurde. Flim macht sich auf, seine Mutter zu suchen und sie zu erlösen. Eine Reise, die ihn in den verbotenen Wald mit dem Elfenberg und den hilfsbereiten Wesen führt.
Leonardo arbeitet bereits am zweiten Werk. Eine Sammlung mit vielen Geschichten soll es werden.
An Phantasie für viele weitere Bücher mangelt es ihm, dies das Fazit nach der Lektüre seines Erstlings, bestimmt nicht.
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