Kirchberg für vorbildliche Erneuerung des Ortskerns ausgezeichnet
Ähnlich wie der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ist der «Goldene Schemel» das Aushängeschild des Heimatschutzes St.Gallen/Appenzell Innerrhoden. Mit dem seit 2017 jährlich verliehenen Preis zeichnet der regionale Verband hervorragende architektonische Leistungen aus und sensibilisiert die Öffentlichkeit für eine gute Planung und Baukultur.
Nachdem der «Goldene Schemel» fürs Jahr 2024 der Renovation des St.Galler Theaters zukam, für den «präzisen und sorgfältigen Umgang» mit Claude Paillards Brutalismus-Ikone, geht der zehnte Preis nun ins Toggenburg: Als vorbildliche Planung und Gestaltung gewürdigt wird die Erneuerung des Dorfkerns von Kirchberg.
Sechs gut integrierte Bank- und Wohnungsbauten
Preisträger sind die Gemeinde und die Clientis Bank Toggenburg. Sie machten sich nach dem Auszug der Landi gemeinsam an eine neue Gestaltung des Ortszentrums. Für das Areal des Landi-Gebäudes, einer leer stehenden Möbelfabrik und baufälliger Nachbargebäude lancierten sie 2015 eine Testplanung mit drei eingeladenen Architekturbüros. Die Jury entschied sich für den Vorschlag des Architekturbüros Thomas Schregenberger und des Landschafts- und Städtebauers Lorenz Eugster, beide in Zürich. In der Folge wurden ein Masterplan und Sondernutzungspläne für zwei Teilgebiete entwickelt, mit dem Ziel, das Dorfbild zu stärken und die Neubauten in die bestehende Struktur zu integrieren.
Die sechs Neubauten fügen sich mit klar ablesbaren Sockel- und Obergeschossen bestens in das geschützte Ortsbild ein, das von klassizistischen Biedermeier-Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert mit Walmdächern und Kreuzgiebeln geprägt ist. Vor dem von der Strasse zurückversetzten, fünfgeschossigen Neubau der Bank entstand ein Dorfplatz mit einer neuen Bushaltestelle. Statt wie früher 7 gibt es im Zentrum nun 43 Wohnungen, je zur Hälfte Miet- und Eigentumswohnungen; dazu eine Tiefgarage mit 74 Plätzen. Zwischen den Neubauten liegen Gassen und Freiräume, und ein Dorfladen (Volg) belebt das neue Dorfzentrum.
Dank der vorbildlich koordinierten Planung konnte in Kirchberg eine beliebige Assemblage von Neubauten, aber auch eine monotone Überbauung vermieden werden, wie der Heimatschutz zur Preisvergabe schreibt. Das Ortszentrum-Süd von Kirchberg präsentiere sich jetzt in einer zeitgenössischen Architektur, die gewachsene Strukturen aufnehme und das Gesamtinteresse der Gemeinde berücksichtige.
Ortsbildschutz politisch umstritten
Der Preis für die Kirchberger Ortskerngestaltung passt zum Thema, das den Heimatschutz 2025 umtrieb. So sorgte die Motion des St.Galler Ständerats Benedikt Würth «für einigen Wirbel», wie Vereinspräsidentin Jakob Ruckstuhl im Jahresbericht des Heimatschutzes SG/AI schreibt. Der Vorstoss wollte dem Bund Befugnisse in Sachen Ortsbildschutz im «Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz nationaler Bedeutung» (ISOS) zugunsten der Kantone und Gemeinden entziehen. Es entbehre nicht einer gewissen Ironie, so Ruckstuhl, dass die Forderung nach Stärkung der Gemeindeautonomie in Sachen Denkmal- und Ortsbildschutz von einem ehemaligen Stadtpräsidenten aus dem boomenden Rapperswil-Jona stamme. «Im Hintergrund dürften negative Erfahrungen mit kantonalen Amtsstellen und Einsprechenden eine Rolle gespielt haben.»
Weil die Gemeindeautonomie im Kanton St.Gallen «seit jeher eine heilige Kuh» sei, habe der Kantonsrat das Einspracherecht der Umweltorganisationen beschnitten und die Mitsprache der kantonalen Amtsstellen geschwächt, stellt Ruckstuhl fest. Folglich sei der Heimatschutz nur noch bei Bauvorhaben ausserhalb Bauzonen einspracheberechtigt und könne sich die kantonale Denkmalpflege bei nationalen und kantonalen Schutzobjekten nur noch mit Stellungnahmen statt mit rechtlich verbindlichen Verfügungen einbringen. Dass das Bundesgericht eine Beschwerde gegen die beschnittene Kompetenz der kantonalen Fachleute «mit formalistischer Argumentation» ablehnte, hinterlässt für den Heimatschutz-Präsidenten einen «schalen Nachgeschmack». «Und es bleibt die Erkenntnis, dass die gesetzgebenden Behörden bei unbequemen Fragen der Baukultur nicht selten mit dem Zweihänder einschreiten.»
Der Nationalrat hat die Motion Würth abgelehnt; er will die ISOS-Führungsrolle weiterhin beim Bund belassen. Für die Umweltorganisationen wie den Heimatschutz bedeute dies «eine gewisse Genugtuung im Streit um deren Legitimation zur Einreichung von Rechtsmitteln», meint Ruckstuhl. Denn allzu oft würden die rechtmässig agierenden Verbände als «Bauverhinderer» dargestellt. Dabei machten sie von ihrem Einspracherecht nur zurückhaltend Gebrauch – dies, um bessere Lösungen zu finden oder gegebenenfalls rechtlich unhaltbare Projekte zu verhindern. Erfreulicherweise seien im Sektionsgebiet aktuell weder Rekurse noch Beschwerden hängig, schreibt Ruckstuhl und betont die in der Regel geschätzte Arbeit der Bauberater seitens Heimatschutz.
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