Gewalt und Drogenkonsum bei den Jugendlichen: Kinder Dörfli Lütisburg ändert seine Strategie
Am Freitagabend fand die Mitgliederversammlung des Vereins Kinderdörfli St.Iddaheim statt. Vereinspräsident Glenn Aggeler betonte dabei, dass das Kinder Dörfli das Kompetenzzentrum für Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen bleiben wolle, und zwar im Bereich Schule und Wohnen.
Viele Jugendliche seien gut unterwegs, aber es gebe etwa 15 Prozent «Systemsprenger», sagte Aggeler. Das Kinder Dörfli Lütisburg sei teilweise mit anspruchsvolleren und zunehmend gewalttätigen Jugendlichen konfrontiert, wobei solche Jugendlichen auch mit den Fäusten zuschlügen. Es seien Massnahmen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nötig.
Bei den Sonderschulen sei die Inklusion gescheitert, sagte Glenn Aggeler. Zum Problem der Gewalt komme jenes der harten Drogen hinzu. Teilweise könnten auch die Platzierung und die Schulpflicht nicht durchgesetzt werden. Schliesslich würden vermehrt Kinder über Wochen krankgeschrieben, sagte Aggeler. Als sehr positiv für das Kinder Dörfli beurteilte er den Wechsel an der Spitze des Bildungsdepartements.
Neuausrichtung des Kinderdörfli geplant

Im Moment arbeitet der Vorstand des Vereins an der Strategie bis 2035. Sie soll eine gezielte Neuausrichtung bringen. Das Kinder Dörfli Lütisburg soll zwar weder eine jugendpsychiatrische Klinik noch eine Institution des Jugendstrafrechts werden. Es will aber weiterhin Kinder aufnehmen, die in benachbarten Schulen untragbar sind.
Das Disziplinarwesen solle gestrafft werden, sagte Aggeler. Denkbar seien Abschirmzimmer, wie es sie schon im Sonnenhof und im Platanenhof gebe. Gegen den Schulabsentismus könnte eine geschlossene Abteilung helfen, ist er überzeugt. Die Rechtsgrundlagen seien im Kanton vorhanden.
Wenn das gewünscht werde, könnten auch der Schulbereich erweitert oder mehr Therapien angeboten werden. Im Kinder Dörfli könnte Platz für 20 bis 30 Plätze zusätzlich zu den bestehenden 55 bis 60 Plätzen geschaffen werden. Das hängt laut Aggeler aber davon ab, ob der Bedarf existiert und der Kanton, der den Grossteil der Kosten trägt, dem Kinder Dörfli den entsprechenden Leistungsauftrag erteilt. Heute gebe es zu wenig Plätze in den Sonderschulen, führte Aggeler aus. Der Kanton hat deshalb die Sonderschulen gefragt, wer zusätzliche Plätze anbieten könne.
Stelle des Gesamtleiters ausgeschrieben
Urs Gasser, Gesamtleiter des Kinder Dörfli Lütisburg, wird im Sommer 2027 in Pension gehen. Die Stelle wurde ausgeschrieben. Aggeler sagte, dass Personen, welche für diese Stelle in Frage kommen, oft sechs Monate Kündigungsfrist haben.
Gasser hat von 1993 bis 2001 im Kinder Dörfli gearbeitet und ist 2015 aus Zürich nach Lütisburg zurückgekommen, um die Gesamtleitung zu übernehmen.
Er habe es in seinem Bekanntenkreis mehrfach erlebt, dass Menschen kurz nach der Pensionierung gestorben seien, sagte Gasser. Nach der Frühpensionierung wolle er mehr Sport betreiben, das Hobby Modellflugzeugbau pflegen und mit seiner Frau auf Reisen gehen. Er habe einen Stapel an Büchern, die er lesen wolle, sagte Gasser und deutete eine Höhe von rund einem halben Meter an.
Drei Neue in den Vorstand gewählt

Alle wiederkandidierenden Vorstandsmitglieder wurden einstimmig bestätigt. Neu in den Vorstand kommen drei Personen: Rahel Lutz ist Spezialistin für Kinder- und Jugendeinrichtungen, Dominique Dupont ist Schulpräsidentin von Kirchberg, Katharina Ledergerber Künzli leitet die Niederlassung Wattwil der SGKB. Esther Burkhalter und Hanspeter Fust treten nach 16 respektive 37 Jahren aus dem Vorstand zurück.
Eine gute Nachricht hatte sich Vereinspräsident Glenn Aggeler für den Schluss aufgespart: Jemand hat dem Kinderdörfli eine halbe Million Franken vermacht. Wer es war, ist unbekannt. Das Geld fliesst in die Stiftung.
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