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Holz, Licht und neue Lernformen: So sieht die neue Kantonsschule Wattwil aus

Viel Holz, viel Licht und ein pädagogisches Konzept, das über das klassische Schulzimmer hinausdenkt: Die neue Kantonsschule Wattwil öffnet im August ihre Türen. Der Neubau verbindet nachhaltige Architektur mit einem Campusgedanken, der Lernen, Arbeiten und Begegnung zusammenführt.
Architekt Michael Künzle im ersten Geschoss der Kantonsschule Wattwil. Über ihm die Installation  «Die Spur des Drachens» des Künstlerduos Lutz & Guggisberg. (Bild: Andrea Häusler)
Blick in die Mensa, in der sich der Nachhaltigkeitsgedanke in den Stühlen und Tischen spiegelt. (Bild: Andrea Häusler)
Den 140 Lehrpersonen steht, nebst diversen Vorbereitungs- und Sitzungzimmern, auch ein stilvoller Aufenthaltsraum zur Verfügung. (Bild: Andrea Häuslr)
Rektor Martin Gauer und Pro-Rektor Emil Müller im Arena-Raum, der für kooperative und soziale Lernformen konzipiert wurde. (Bild: Andrea Häusler)

Alles ist hell, modern, aber keineswegs nüchtern. Unbehandeltes Holz - 3000 Kubikmeter davon aus dem Toggenburg - schafft eine behagliche Atmosphäre, Beton setzt dezente Kontraste. «Das Holz wird nachdunkeln», sagt Architekt Michael Künzle auf dem Rundgang vor der Eröffnung der neuen Kantonsschule Wattwil im August. Die Veränderung ist gewollt, weil sie die Natürlichkeit des Materials sichtbar macht und die Nachhaltigkeit des Baus unterstreicht.

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist allgegenwärtig – selbst dort, wo in der Pause der Kaffee geholt wird. In der Mensa haben Stühle und Tischfüsse ihr erstes Leben bereits hinter sich. Und die Tischplatten sind aus Altholz gefertigt.

Blick in die Mensa, in der sich der Nachhaltigkeitsgedanke in den Stühlen und Tischen spiegelt. (Bild: Andrea Häusler)

Die Küche ist auf 250 bis 300 Mahlzeiten pro Tag ausgelegt – für die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule ebenso wie für die rund 300 Lernenden des nahen Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg (BWZT). Hochwertige Kaffeemaschinen, Mikrowellen für mitgebrachte Mahlzeiten und Self-Checkout-Kassen stehen für einen modernen  Mensabetrieb. «Wir betreiben die Gastronomie selbst», sagt Rektor Martin Gauer. Dafür stünden 460 Stellenprozente zur Verfügung.

Begegnung als pädagogisches Konzept

Die Mensa ist mehr als ein Verpflegungsort. Sie bildet ein soziales Zentrum des Campus. Generell sind hier Begegnung und Austausch kein Nebengedanke. Sie gehören zum pädagogischen Konzept, das Gauer als beispielhaft bezeichnet.

Diesen Gedanken übersetzt der Neubau in Raum: Mit möblierten Fluren  und dem sogenannten Arena-Raum, der für kooperative und soziale Lernformen konzipiert ist. Platz für Bewährtes bleibt dennoch: Schulzimmer für den Frontalunterricht und der Klassenverband bilden weiterhin wichtige Bezugspunkte im Schulalltag.

Bewusst festgehalten hat die Schule an ihrer Bibliothek. In Zeiten von Tablets, Lernplattformen und künstlicher Intelligenz ist das keine Selbstverständlichkeit. Gauer sagt: «Sie soll den Zugang zu Büchern und zum vertieften Lesen ermöglichen. Wenn die Schule diese Aufgabe nicht mehr übernimmt, wer dann?»

Vom Musikzimmer bis zum Biotop

Maximale Flexibilität bietet die Aula mit den beiden Bühnen. Sie ist vom Foyer mit seinen markanten Oberlichtern und den geschwungenen Treppen aus zugänglich und lässt sich dank einer mobilen Trennwand sowohl für grosse Veranstaltungen als auch für kleinere Events nutzen. Kulturelle Anlässe, die möglicherweise im obersten Geschoss vorbereitet werden. Dort sind die Musikzimmer untergebracht. Michael Künzle spricht von einem «Haus im Haus», das dank spezieller Isolation verhindere, dass Klang und Schwingungen die unteren Geschosse erreichen.

Gleichzeitig markiert die oberste Etage die bauliche Grenze des Neubaus. Eine Aufstockung sei nicht möglich, sagt er. Sollte der Platzbedarf steigen, müssten Synergien mit dem BWZT gesucht oder Erweiterungen auf den umliegenden Freiflächen geprüft werden.

Den 140 Lehrpersonen steht, nebst diversen Vorbereitungs- und Sitzungzimmern, auch ein stilvoller Aufenthaltsraum zur Verfügung. (Bild: Andrea Häuslr)

An Platz mangelt es dort nicht. Die Aussenanlagen sind grosszügig und teilweise aufwendig gestaltet – mit einem Pavillon, Sitzgelegenheiten und einem Biotop, das öffentlich zugänglich ist.

Wachstum als Herausforderung

Nur: Der Neubau stösst bereits jetzt an seine Kapazitätsgrenzen. Ausgelegt ist er auf 720 Lernende. Im nächsten Schuljahr werden jedoch 880 Schülerinnen und Schüler in 44 Klassen die Kantonsschule besuchen. 25 Prozent stammen aus dem Toggenburg, der Rest von «ennet» dem Ricken.

Rektor Martin Gauer und Pro-Rektor Emil Müller im Arena-Raum, der für kooperative und soziale Lernformen konzipiert wurde. (Bild: Andrea Häusler)

«Wir haben im alten Kanti-Gebäude drei bis vier Schulzimmer reserviert, um Spitzenzeiten abzufedern», sagt Martin Gauer. Auch die bisherige Turnhalle werde weiterhin genutzt. Das funktioniere selbst dann, wenn das BWZT während seiner Sanierung dort Räume belege.

Von einem dauerhaften Platzproblem gehen die Verantwortlichen vorderhand nicht aus. «Bis eine zusätzliche Klasse nötig wird, braucht es viel», sagt Prorektor Emil Müller.

Der Bau steht, die Schlussabrechnung nicht

108 Millionen Franken haben die St.Galler Stimmberechtigten im November 2019 für den Campus Wattwil bewilligt: 73,5 Millionen für den Kanti-Neubau, den Rest für die Erneuerung des BWZT.

Noch liegt keine Schlussabrechnung vor. Urs Giezendanner, Projektleiter beim kantonalen Hochbauamt, weiss aber: «Wir sind im Budget.» Wobei die Bauteuerung durchaus noch ins Gewicht falle. Auf eine Zahl mag er sich nicht festlegen, sagt lediglich: «Wir hoffen, dass der Endbetrag näher bei 70 als bei 80 Millionen Franken liegt.»

 
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