«Studium wird anspruchsvoller»: Der Spagat der HSG zwischen Sparen und dem Streben nach Exzellenz
Die Universität St.Gallen (HSG) fährt seit einem Jahr eine neue Strategie. Die Hochschule will ihre Kernkompetenzen stärken und zur besten Wirtschaftsuniversität Kontinentaleuropas werden. Gleichzeitig muss der Kanton St.Gallen sparen. Die Hochschulen waren vom Entlastungspaket am stärksten betroffen. Über diesen Kontrast diskutierten HSG-Rektor Manuel Ammann und TVO-Moderator Marco Latzer am Mittwoch in der Sendung «Zur Sache».
Sparen und zugleich Exzellenz stärken, das klinge nach der Suche nach einer Eier legenden Wollmilchsau, fasste Latzer zugespitzt zusammen. Dass die HSG wegen des kantonalen Spardrucks auch an einigen Stellen schmerzhafte Entscheidungen treffen muss, bestätigte Manuel Ammann. Er sagte: «Es ist tatsächlich so, dass wir schauen müssen, wofür wir das Geld ausgeben.»
Universität brauche klaren Fokus
Die Universität ist stark gewachsen und verzeichnet fast 10'000 Studierende. Aufgrund des Entlastungspakets hat sie die Studierendenzahlen auf 9500 gedeckelt. Laut Ammann eine logische Konsequenz: «Wir können nicht gleichzeitig sparen, wachsen und Qualität sichern. Bei der Qualität wollen wir um keinen Preis Konzessionen machen». Deshalb brauche die Universität einen klaren Fokus. «Wenn wir alles machen wollen, machen wir alles halbpatzig.» Deshalb habe man sich auch gegen die Weiterführung des Medical Masters entschieden.
Nicht alle strategischen Entscheide kommen bei Mitarbeitenden und Studierenden gleich gut an. So wurden etwa drei BWL-Master spezialisiert und ein interdisziplinäres Masterprogramm gestrichen. Kürzlich berichtete diese Zeitung darüber, dass die HSG auch den Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur infrage stellt.
Damit konfrontiert, sagte Ammann, dies sei bei rund 200 Professuren ein natürlicher Prozess. «Wir überlegen uns immer, für welche Bereiche wir die Mittel brauchen.» Auf Nachfrage von Moderator Latzer bestätigte der Rektor, dass der Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur auf der Kippe steht.
HSG will Studierende auf Wandel vorbereiten
Auf die Studierendenzahl angesprochen, sagte Ammann, pro Studentin oder Student solle genügend Geld für eine qualitativ hochwertige Ausbildung zur Verfügung stehen. Sinken die Chancen für ein erfolgreiches Studium an der HSG deswegen? Ammann antwortete deutlich: «Das Studium an der HSG wird tatsächlich anspruchsvoller.»
Viel wichtiger als die Studierendenzahl sei aber die Veränderung der Arbeitsmärkte, etwa durch künstliche Intelligenz. Schon heute verschwänden gewisse Einstiegsjobs. Die HSG wolle ihre Studierenden für diese Entwicklung wappnen.
Dass Schweizer Studierende deshalb einen Nachteil gegenüber ausländischen Studierenden hätten, verneint Ammann dezidiert. Er sehe es genau umgekehrt. Ausländische Studierende müssten eine Aufnahmeprüfung ablegen, Schweizer Studierende nicht. Dafür müssten sie das Assessment bestehen. Latzer hakte nach und fragte, ob das Niveau durch die Spezialisierung der BWL-Master nicht angezogen werde. Amman stimmte zu. Ob die HSG noch mehr zur Eliteuni werden wolle? «Wir sehen uns nicht als Elite, aber bei uns zählt tatsächlich Leistung», so Ammann.
HSG prüft höhere Professorenlöhne
In den vergangenen Monaten war unter anderem auch die Erhöhung der Professorenlöhne Thema. «Mehr Lohn zahlen und sparen, das ist eine schwierige Aufgabe», so Latzer. Ammann erwiderte, die HSG befinde sich im Vergleich mit Spitzenunis aus Europa und der Schweiz im Mittelfeld, weshalb sie eine Anpassung prüfe. Die öffentlich zirkulierende Zahl von 300'000 Franken Lohn könne er nicht bestätigen.
Nach dem Stand der Umsetzung der Strategie gefragt, sagte Ammann, man sei «auf einem guten Weg». So kürte «Bloomberg» die Business School der HSG erst kürzlich mit dem vierten Rang in Kontinentaleuropa. Die Universität habe zudem den grössten Marktanteil im Top-Management von Schweizer Unternehmen. Auch die neuen CEOs von Hälg, Griesser, Stadler Rail seien allesamt HSGler, so der Rektor. Die Wirkung auf die Ostschweiz bleibe trotz neuer Strategie gross.
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