Die Feige hat Saison: Sie schmeckt salzig, im Salat und süss
Der Feigenbaum wird immer beliebter. Nicht in Israel, in der Türkei oder in Griechenland, wo er herkommt. Auch hier, in Ostschweizer Gärten und auf St.Galler Terrassen.
Adam und Eva haben sich mit Feigenblättern bedeckt. Buddhas Erleuchtung soll vor über 2500 Jahren unter einem Feigenbaum stattgefunden haben. Die Feige ist eine der ältesten kultivierten Pflanzen, vielerorts gilt sie als heilig. Sie steht für Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit, für Harmonie und Ausdauer, für Glück und Lebenskraft, auf der anderen Seite für die Scham.
Welche Bedeutung auch immer der Baum für einen selbst hat: Seine Früchte schmecken lecker. Sie noch sonnenwarm zu pflücken und direkt in den Mund zu schieben, ist einer der Gründe, dem Spätsommer entgegenzufiebern. Ihre Form scheint perfekt. Keine Kugel, kein Oval, etwas dazwischen, fast tropfenförmig. Und diese Farbe. Oben oft noch grün, unten kräftig violett, als sei das Farbinstitut Pantone am Werk gewesen.
Noch lange könnte man die Frucht anschauen und an den Blättern ihres Baumes riechen. Süsslich, nussig oder schon eine Spur von Kokosnuss? Doch eben, sie ist zu lecker, um sie nicht zu essen.
Je dünner die Haut, desto süsser
Nicht nur frisch vom Baum, auch in der Küche macht sie etwas her. Die Feige passt zu Süssem, natürlich. Ebenso gut harmoniert sie mit Salzigem. Und wer kaum Zeit hat, zaubert aus ihr einfach einen reichhaltigen Salat.
Im besten Fall ist ihr Fleisch weich, schon im Laden. Per Drucktest lässt sich das einfach herausfinden. Zuhause reift sie kaum nach. Beim Transport vorsichtig sein: Manchmal ist sie ganz schön dünnhäutig. Bei Menschen ein Nachteil, bei der Feige ein Riesenvorteil. Je dünner die Schale, desto süsser der Geschmack, sind Viele überzeugt.
Nur beim Schneiden ist die dünne Schale etwas unbequem. Dann zerfällt die Frucht eher, als adrett geviertelt dazuliegen. Nicht so schlimm, wenn sie mit Ziegenfrischkäse auf eine Tarte kommt. Der Jufkateig ragt über den Rand der Pfanne, muss ohnehin eingeschlagen werden und verdeckt einen Grossteil des Inhalts.
Zutaten: 40 g Butter, 1 Packung Yufkateig, 2 EL Feigensenf, 150 g Crème fraîche, 5 Feigen, 125 Ziegenfrischkäse, 2 Stängel Rosmarin, etwas Honig, Salz und schwarzer Pfeffer
Zubereitung: Die Butter wärmen, bis sie flüssig ist. Die Backform und auch den Rand damit ausstreichen. Sechs bis sieben Teigblätter mit Butter bestreichen und versetzt in die Form legen. Crème fraîche und Feigensenf vermischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Mischung auf dem Teigboden verteilen. Feigen und Frischkäse in Stücke schneiden und auf die Tarte geben. Rosmarinnadeln waschen, hacken und ebenfalls auf die Tarte geben. Überstehenden Teig in die Mitte falten und mit Butter bestreichen. Etwas Honig drübergeben. Etwa 20 Minuten im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen backen (oder je nach Anleitung auf der Teigverpackung).


Bei der Salatvariante umschifft man die Schwierigkeit elegant. Die Feige wird nur eingeritzt und mit Mozzarella und Prosciutto gefüllt.
Zutaten: 60 g Rucola, 4 reife Feigen, 1 Kugel Mozzarella, 4 bis 6 Scheiben Prosciutto, 3 EL Olivenöl, 1 EL Acetato Balsamico, Salz, Pfeffer
Zubereitung: Salat und Feigen waschen und trocknen. Stiel der Feigen abschneiden und die Früchte kreuzweise einschneiden. Mozzarella und Schinken in Stücke reissen. Öl und Balsamico vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Feigen abwechslungsweise mit Mozzarella- und Schinkenstückchen füllen. Rucola auf einen Servierteller geben und die Feigen darauf verteilen. Mit dem Dressing beträufeln.

Wer sich die Feige nicht salzig vorstellen kann, den macht der Feigenkuchen mit Mandeln und Joghurt ziemlich sicher glücklich.

Zutaten: 200 g Butter, 200 g feiner Zucker, 3 grosse Eier, 180 g gemahlene Mandeln, 100 g Weissmehl, ein halber TL Salz, ein halber TL Vanilleextrakt, 100 g griechischer Joghurt, 12 Feigen
Zubereitung: Die Backform mit Backpapier auslegen. Butter und Zucker in eine Schüssel geben und mit dem Mixer vermengen, bis die Mischung heller wird. Ein Ei nach dem anderen beigeben und jedes Mal gut mixen. Dann Mandeln, Mehl, Salz und Vanille mischen, in die Schüssel geben und mixen. Am Schluss das Joghurt einarbeiten. Den Teig in die vorbereitete Form füllen und gleichmässig flachstreichen. Feigen waschen, trocknen und in Schnitze schneiden. Kreisförmig auf dem Teig anordnen. 15 Minuten im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen backen, dann auf 170 Grad reduzieren. Weitere 40 bis 45 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, auskühlen lassen und mit etwas griechischem Joghurt als Beilage servieren.
Der israelische Starkoch Yotam Ottolenghi verwendet die Frucht oft. Ihm nachzueifern, ergibt in diesem Fall noch mehr Sinn als sonst. Schliesslich wachsen die Feigenbäume in seinem Land natürlich und gefühlt seit ewig. Nicht so wie auf Ostschweizer Terrassen, wo sie erst gerade beginnen, sich daheim zu fühlen. Jedenfalls in diesem heissen Sommer.

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