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Beizenfasnacht am Trauertag: Altstätter Gemeindepräsident weist Pietätskritik zurück

Während die Schweiz am vergangenen Freitag der Opfer des Unglücks von Crans-Montana gedachte, eröffnete in Altstätten die Beizenfasnacht – ein Entscheid, der Kritik auslöste.
Vor drei Jahren feiern die Altstätterinnen und Altstätter in der Bar Kreuz im Zuge der Beizenfasnacht. (Bild: Arthur Gamsa (2023))
Der Altstätter Gemeindepräsident Ruedi Mattle verweist auf rechtliche Lücken. (Bild: Hansueli Steiger)

Eduard Ith zeigt sich «schockiert». Der Fachhochschuljurist und regelmässige Kritiker der Altstätter Behörden spricht in einem Leserbrief von «primitiver» Pietätlosigkeit und fragt, wie «Klamauk» und nationales Gedenken am selben Tag Platz haben können.

Zur Beizenfasnacht dekorieren einzelne Bars und Beizen in Altstätten ihre Lokale. Gemeindepräsident Ruedi Mattle betont, dass es sich dabei nicht um einen offiziellen Anlass handle. Die Beizenfasnacht unterscheide sich deutlich von Fasnachtshöhepunkten wie dem Urknall oder dem Tschätteri-Umzug.

Der Altstätter Gemeindepräsident Ruedi Mattle verweist auf rechtliche Lücken. (Bild: Hansueli Steiger)

Offizielle Vorgaben fehlen, um Bars und Beizen zu schliessen

Gemeindepräsident Mattle sagt: «Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat uns sehr bewegt und erschüttert – gerade als Eltern. Aber auch als Behörde haben wir uns hinterfragt und überlegt, ob und wie wir das Risiko solcher Ereignisse reduzieren können.» Konkrete Massnahmen nennt er nicht.

Mattle gehe davon aus, dass Bars und Restaurants am nationalen Trauertag in Crans-Montana selbst zwar schlossen. Allerdings gebe es dafür im Wallis, in der Ostschweiz und auch sonst im Land keine rechtliche Grundlage: «Ich wüsste nicht, auf welcher Rechtsgrundlage wir dekorierten Bars das Öffnen untersagen könnten, während alle anderen Lokalitäten offen bleiben.» Dies wäre eine Massnahme, die wohl Schadensersatzansprüche nach sich ziehen würde, fürchtet Mattle.

Jede dekorierte Bar benötigt eine Bewilligung der Kanzlei und eines Feuerschutzexperten. Eine kurzfristige Schliessung hätte zur Folge, dass die Dekoration entfernt und die Lokale anschliessend erneut überprüft werden müssten.

Ith sieht Lücken im Gesetz und schwelende Gefahren

Im Gespräch mit dieser Zeitung wundert sich Eduard Ith, warum nationale Trauertage seit dem Swissair-Absturz bei Halifax 1998 kein Thema im Bundesrat sind: «Die fehlende Rechtsgrundlage kann ich nicht nachvollziehen. Wenn wir schon auf Halbmast gehen, dann muss man auch wie am Karfreitag Tanzen und Disco verbieten können», sagt er. Fasnacht stehe im «totalen Gegensatz zu Einkehr und Trauer».

Ith kennt den Vorbehalt, dass die rechtliche Grundlage für geschlossene Bars und Beizen fehlt. Dennoch kritisiert er die Altstätter Gemeindepolitik. Der Stadtrat hätte eine Weisung geben können, die Beizenfasnacht auf den Samstag zu legen.

Aus seiner Sicht – Ith war selbst fünf Jahre bei der Feuerwehr aktiv – gebe es zudem Parallelen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana. Dort und in der Altstadt Altstättens kamen und kommen Feiernde in Innenräumen zusammen, zu denen enge, «nicht-massive» Treppen führten: «In Altstätten kommen die Leute mutmasslich auch nicht rechtzeitig raus, denn die Treppen und Ausgänge sind zu schmal.»

 
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