Älplerchilbi bringt gelebte Tradition auf die Sellamatt
Noch eine Stunde vor dem offiziellen Beginn des Alpgottesdienstes am vergangenen Sonntag war alles offen: Verschiedene Wetter-Apps lieferten widersprüchliche Prognosen, mal war Regen angesagt, mal sollte es trocken bleiben. Bei der Lukas-Kapelle auf der Sellamatt verharrten die Gastgeberfamilien Lötscher-Schmucki und Niederberger im Ungewissen.
Also verliess man sich auf das, was in den Bergen oft am meisten zählt: den Blick zum Himmel und die eigene Erfahrung. Gemeinsam mit den Familienmitgliedern und ermutigt durch göttlichen Rat von Pfarrer Tobias Claudy fiel schliesslich der Entscheid, den Gottesdienst unter freiem Himmel durchzuführen. Innert kürzester Zeit standen Altar und Sitzbänke auf der Wiese vor der Lukas-Kapelle bereit.
Gottesdienst vor den Churfirsten
Wenn Ende Juli Besucherinnen und Besucher aus nah und fern zur Älplerchilbi auf die Sellamatt kommen, gehört der Alpgottesdienst zu den Höhepunkten des Festes. Seit mehreren Jahren wird er von Pfarrer Tobias Claudy, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wildhaus–Alt St. Johann, geleitet. Für ihn war am Sonntag klar: Der Gottesdienst gehört nach draussen. «Die Stimmung mit den Wolken, die um die Berggipfel ziehen, ist einmalig und stimmig», sagte er.

Vor der eindrücklichen Kulisse der Churfirsten verbindet der Gottesdienst gelebte kirchliche Tradition mit der Älplerkultur. Seit Jahren umrahmt der Jodelclub Säntisgruess die Feier mit Jodelliedern und Naturjodel. Viele der Jodler sind Landwirte, sie bewirtschaften im Sommer die umliegenden Alpen und schätzen die Älplerchilbi als willkommene Abwechslung zum Alpalltag. Ebenfalls seit vielen Jahren mit dabei sind das Alphorntrio Mühlrüti und der Fahnenschwinger Hanspeter Schmid.
Querverweis auf König Fussball
In seiner Predigt sprach Tobias Claudy über Barmherzigkeit und Nachsicht im Umgang mit den Mitmenschen. Den Bezug zur Aktualität stellte er mit den Fussball-Weltmeisterschaften her, die am Sonntag mit dem Final zu Ende gingen. Mit einem Augenzwinkern erklärte er, seine Predigt könne mit wenigen Anpassungen auch als Leitfaden für das WM-Finale dienen – für den Umgang innerhalb der Teams ebenso wie für das Verhalten der Fans. Seine Botschaft reichte jedoch weit über den Fussball hinaus: Im täglichen Miteinander wäre die Welt ein besserer Ort, wenn Barmherzigkeit und Nachsicht stärker gelebt würden. Es gelte, Böses nicht mit Bösem zu vergelten.

Am Nachmittag stand die Älplerchilbi ganz im Zeichen von «höckle, gnüsse und lose». Beim Berghotel Sellamatt sorgten das Ländlertrio Hemberggruess, Uelis Wiiberchörli und der einheimische Kinderchor Kling-Klang für Unterhaltung. Dazu begeisterten – wie bereits am Vormittag während des Gottesdienstes – der Jodelclub Säntisgruess, das Alphorntrio Mühlrüti und Fahnenschwinger Hanspeter Schmid das Publikum.
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