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Kritik am überalterten Kirchenrat: Während der Wahl kam es fast zum Eklat

Am Montag hat die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons  St.Gallen den Kirchenrat neu gewählt. Dabei hagelte es Kritik an der Amtsführung des Gremiums.
Neu in den Kirchenrat gewählt: Christina Hegelbach (links) gibt den Eid auf ihr neues Amt ab. (Bild: Andreas Ackermann)

Obwohl es in der Nacht auf Montag in der Ostschweiz kühler wurde, lag die Hitze noch schwer im Saal des Kantonsrates. Anscheinend so sehr, dass die elektronische Abstimmungsanlage gleich zu Beginn der Sitzung der Synode, dem Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, ihren Geist aufgab.

Kirchenratspräsident Martin Schmidt orientierte über den Stand der Verfassungsreform. Er musste mitteilen, dass der Projektkoordinator Roland Plattner seine Aufgabe als Motor der Verfassung nach einem Jahr abgebe. Für Plattner sei es schwierig, von Basel aus das Projekt zu koordinieren, sagte Schmidt. Nun sei der Kirchenrat daran, die Projektleitung neu aufzustellen.

«Ich erlebe den Kirchenrat momentan nicht als Team», sagte Käthi Witschi, Synodale aus Diepoldsau, «insbesondere bei der Verfassungsreform». Zudem halte sie es für wenig sinnvoll, wenn Kirchenräte, die bald zurücktreten würden, den einzelnen Projektgruppen zur Verfassungsreform vorstünden. Schmidt betonte, dass es wichtig sei, dass man miteinander am gleichen Strick ziehe, ganz gleich wie lange einzelne Räte noch im Amt seien.

Damit war die Diskussion bei der Wahl des Kirchenrates angelangt. «Ist der Kirchenrat noch richtig zusammengesetzt?» fragte Trix Gretler, Synodale der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg. Sorge bereiteten ihr die langen Amtsdauern der Mehrheit der Mitglieder des Kirchenrates. Diese betragen mit Ausnahme von Sven Hoppisch mindestens drei Amtszeiten, also zwölf Jahre.

Es kommt zur geheimen Beratung

Gretler fragte nach, ob die amtierenden Kirchenräte bereit wären, zu kommunizieren, wie lange sie noch ihr Amt ausführen wollten. Dies taten sie denn auch. So haben Urs Noser und Annina Policante vor, in einem Jahr zurückzutreten, Heinz Fäh möchte ein Jahr später folgen und Heiner Graf und Kirchenratspräsident Martin Schmidt noch die ganze Amtsdauer erfüllen.

Dank dieser Informationen könne man nun nach vorne schauen und die Wahlen in einem und in zwei Jahren gut vorbereiten, sagte Markus Unholz, Synodaler der Gemeinde St.Gallen Centrum. Doch die Diskussion dauerte an und schliesslich beantragte Rita Dätwyler, St.Gallen Straubenzell, dass der Austauch zur Wahl des Kirchenrates ohne Öffentlichkeit stattfinden solle. Dem folgte das Parlament knapp.

Toggenburger greift kurzfristig einen Sitz an

Nach der  Wiederaufnahme des Wahlgeschäftes teilte Fabian Kuhn, Pfarrer und Synodaler der Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, mit, sich für eine Kandidatur für den Rat zur Verfügung zu stellen. Schon früher habe er sich überlegt, zu kandidieren. Damals habe er sich entschieden, dass es aus familiären und beruflichen Gründen noch zu früh wäre. Doch in Anbetracht der laufenden Diskussion habe er sich nun kurzfristig zu einer Kandidatur entschieden. So stellten sich sieben Personen für die sechs Sitze zur Wahl: Die bisherigen Kirchenräte Urs Noser, Heinz Fäh, Annina Policante, Sven Hopisch und Heiner Graf sowie neu Christina Hegelbach und Fabian Kuhn.

Schliesslich entschied bereits der erste Wahlgang: Fabian Kuhn verfehlte mit 77 Stimmen das absolute Mehr lediglich um eine Stimme. Die weiteren Kandidierenden kletterten mehr oder weniger deutlich über das erforderliche Mehr und waren somit gewählt. Julia Roelli, Präsidentin der Synode, konnte Christina Hegelbach zur Neuwahl in den Kirchenrat gratulieren. Martin Schmidt wurde in einem separaten Wahlgang im Präsidium bestätigt. (kid/ack/red)

 
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