Ein Pfarrer für kleine und grosse Fragen
«Sie, Herr Pfarrer, was machst du?» Über diesen Satz muss Adriano Burali heute noch schmunzeln. Das Kind hatte einen speziellen Vorschlag: Im Religionsunterricht wollte es ihn siezen, ausserhalb der Schule, etwa beim Ministrieren, sollten die beiden aber Freunde sein – und dann sei das Du angebracht. Solche Begegnungen machen seine Arbeit besonders. Seit 1992 begleitet er Kinder und Jugendliche – zuerst während seines Theologiestudiums in Luzern, später in Graubünden, Zürich und schliesslich in Liechtenstein. Heute unterrichtet er von der ersten Primarschulklasse bis zur Firmung.
Lieder, Lachen und ein offenes Ohr
Besonders gerne ist Pfarrer Burali in der Primarschule Gamprin, wo der Religionsunterricht ein eigenes Zimmer hat. Mucksmäuschenstill ist es dort jedoch selten. So wurde einmal bei einer Schulinspektion bemängelt, in seinen Stunden werde zu viel gelacht. Darüber muss er immer noch schmunzeln. Auch Musik gehört zu seinem Unterricht. «Sing os met» lautet das Motto. Am schönsten ist es für ihn, wenn die Kinder ein gelerntes Lied noch beim Hinausgehen summen.
Doch es geht auch um die grossen Fragen des Lebens: Was passiert nach dem Tod? Wo ist die Seele? Oder um persönliche Sorgen – etwa wenn es zu Hause Streit gibt, sich die Eltern trennen oder ein geliebter Mensch stirbt. Dann ist dem Pfarrer vor allem eines wichtig: Zuhören.
Damit die Kinder wissen, dass sie nicht allein sind.
Dass seine Stunden Spuren hinterlassen, merkt er nicht immer sofort. Ein stilles Kind, das meist ganz hinten sass, schrieb ihm einmal einen Brief. Darin bedankte es sich für das Gelernte, die schöne Erstkommunion und dafür, nun das Vaterunser auswendig zu können. Andere Kinder überraschen ihn mit ganz anderen Fragen: Ob er im grossen Pfarrhaus in Bendern einen Swimmingpool habe, wollte eines wissen. Hat er nicht. Die Vorstellung brachte ihn aber zum Lachen.
Von Freundschaft, Mut und dem eigenen Weg
Am Schuljahresende dürfen die Kinder dem Pfarrer selbst ein kleines «Zeugnis» ausstellen: Anonym schreiben sie auf, was ihnen gefallen hat und was er besser machen könnte. Ein Kritikpunkt ist bekannt: seine Schrift. Denn er schreibt mit Kreide an die Wandtafel und das nicht besonders schön.
Von Kindern könne man ohnehin viel lernen, sagt er. Zum Beispiel, wie wichtig echte Freundschaft ist. Nachdenklich machte ihn die Geschichte eines Kindes, das die ganze Klasse zur Geburtstagsparty eingeladen hatte. Niemand kam. Für Pfarrer Burali zeigt das, wie wertvoll echte Freunde sind – und damit meint er keine «Likes».
Den Erstklässlern wünscht er Mut, Freude und den Glauben als Begleiter auf ihrem neuen Weg. Und wer am ersten Tag Bauchkribbeln hat, ist damit nicht allein: An seinen ersten Schultag erinnert sich der Pfarrer nicht mehr, an seinen ersten Kindergartentag dafür umso besser. «Da habe ich geweint.»
Seine Alltagshelden tragen keinen Umhang. Für ihn sind es Mütter und Väter, die ihre Kinder durchs Leben begleiten. «Sie helfen ihnen, ihren eigenen Weg zu finden und nicht jeden Trend mitzumachen.»
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