Ein Schweizer Experte rät Fans von einer Reise in die USA ab – und bekommt Unterstützung von ungewöhnlicher Seite
Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter hat sich in die als Reaktion auf den Kurs der US-Regierung entbrannte Debatte um einen Fan-Boykott der Fussball-WM im Sommer eingemischt. Der 89-Jährige verbreitete auf dem Portal X ein Zitat des Strafrechtlers und ehemaligen Fifa-Kommissionspräsidenten Mark Pieth aus einem Interview des «Tagesanzeigers» und schrieb dazu: «Ich denke, Mark Pieth hat Recht damit, diese WM infrage zu stellen.»

Pieth hatte in dem vor wenigen Tagen erschienenen Interview gesagt: «Wenn wir jetzt alles zusammennehmen, worüber wir geredet haben, gibt es für die Fans nur einen Rat: Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser. Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.»
Blatter und Pieth zur gleichen Zeit bei der Fifa. Blatter war von 1998 bis 2015 Präsident der Fifa, der amtierende Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist sein Nachfolger. Blatter war im Zuge von Korruptionsermittlungen zurückgetreten. Pieth war von 2011 bis 2013 Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der Fifa und zuvor von 1989 bis 2013 Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
In Deutschland gab es zuletzt vereinzelt Forderungen, die WM in den USA, Mexiko und Kanada zu boykottieren. DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich brachte wegen des Kurses von Präsident Donald Trump eine Diskussion darüber ins Spiel. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält nichts von einem Boykott, andere Verantwortliche und auch Spieler aus der Bundesliga äusserten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.
US-Regierung in der Kritik
Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Trumps offensiv vertretenen Forderungen zur Annexion Grönlands durch die USA gab es auch aus der Politik Stimmen, dass man eine WM-Teilnahme überdenken sollte. Trumps radikale Abschiebe-Politik und die tödlichen Schüsse von Bundesbeamten auf protestierende US-Bürger in Minneapolis fachten die Kritik weiter an.
Fans der WM-Teilnehmer Iran und Haiti können wegen einer Einreisesperre der USA gegen ihre Heimatländer ohnehin nicht zu Spielen in den Vereinigten Staaten reisen. Auch für Anhänger der Elfenbeinküste und des Afrika-Meisters Senegal, die keine zweite Staatsbürgerschaft haben, würde sich eine Reise zur WM sehr schwierig gestalten. US-Präsident Trump hatte das mit «Defiziten bei Checks und Überprüfungen» begründet. (dpa)
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