Einer der heikelsten Punkte in Trumps Iran-Deal: Wie der Libanon-Krieg das Treffen auf dem Bürgenstock platzen liess
Am Freitagnachmittag sah es schliesslich doch noch nach einer Feuerpause im Libanon aus: Laut übereinstimmenden Medienberichten sollen die USA, Katar und der Iran eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah vermittelt haben. Zuvor wurde in dem Mittelmeerland noch heftig gekämpft: Am Morgen tötete die libanesische Hisbollah-Miliz vier israelische Soldaten, Israel antwortete darauf mit mehr als 80 Luftangriffen im Libanon.
Die Angriffe haben auch der Schweiz einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eigentlich sollten US-Vizepräsident JD Vance und Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf am Freitag auf dem Bürgenstock zusammenkommen und die 60-tägige Verhandlungsphase einläuten.
Doch Irans Unterhändler sagten die Gespräche im letzten Moment ab. Laut Berichten tolerierten sie die israelischen Angriffe auf die mit Teheran verbündete Hisbollah nicht. Denn eigentlich sollten laut der am Mittwoch in Kraft getretenen Rahmenvereinbarung zwischen Washington und Teheran nicht nur im Iran, sondern auch im Libanon die Waffen schweigen.

Trotzdem ist das kleine Mittelmeerland wieder einmal zum Schauplatz von heftigen Gefechten geworden. Die Kämpfe haben erneut Washingtons diplomatische Durchbrüche mit Teheran auf die Probe gestellt.
Am Libanon misst sich die Macht von Trump
Israel liess sich von dem Deal zwischen Washington und Teheran zunächst kaum beeindrucken. Die Regierung in Jerusalem machte schnell klar, dass sie die Hisbollah im Libanon weiterhin bekämpfen wolle. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, Teile des Südlibanons nach wie vor zu besetzen. Sein Polizeiminister Itamar Ben-Gvir ging sogar noch weiter: «Der ganze Libanon muss brennen!», forderte der rechtsradikale Politiker nach dem Tod der vier Soldaten durch Hisbollah-Beschuss.
Für das iranische Regime sei die Situation im Libanon ein Lackmustest, sagt der iranische Historiker Rouzbeh Parsi von der Universität Lund im Gespräch. Zum einen ist die Hisbollah ein wichtiger Verbündeter. Würde Teheran seine Alliierten im Libanon fallen lassen, würde dies fatale Signale an die restlichen Partner Teherans in der Region senden. Zum anderen erwartet der Iran, dass Trumps Versprechen auch von Israel gehalten werden.
Für Teheran ist der Waffenstillstand im Libanon gewissermassen eine Versicherung: Wenn die USA dort Israel nicht im Zaum halten können, dürften sie einen erneuten Angriff des jüdischen Staats auf Iran ebenfalls nicht verhindern.
Die USA sitzen am längeren Hebel
Wie es zu der mutmasslichen Waffenruhe im Libanon kam, ist zwar nicht im Detail bekannt. Völlig unklar ist auch, wie belastbar diese wirklich ist. Doch Washington dürfte massiven Druck auf Israel ausgeübt haben. Am Donnerstag hatte US-Vizepräsident JD Vance harsche Kritik am israelischen Vorgehen geübt. Die USA sei Israels einziger verbleibender Verbündeter. Zwischen den Zeilen schwang eine kaum versteckte Drohung mit: Falls die Regierung in Jerusalem nicht spurt, könnte Washington seine milliardenschwere Militärhilfe für Israel einstellen.
Das Abkommen mit dem Iran hat zu einer Entfremdung zwischen Trump und Teilen der israelischen Regierung geführt. Noch vor wenigen Wochen war der amerikanische Präsident einer der beliebtesten Politiker in Israel - schliesslich zog er an der Seite Israels in den Krieg gegen den Iran. Doch die Übereinkunft mit dem Regime in Teheran hat in Israel für erhebliche Kritik gesorgt.

Regierungsnahe Medien sowie einige Minister aus Netanyahus Kabinett griffen Trump persönlich an. Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage gaben 52 Prozent der Israeli an, dass mit der amerikanisch-iranischen Übereinkunft israelischen Interessen geschadet werde.
Doch das dürfte nichts daran ändern, dass Israel sich am Schluss den Wünschen Washingtons beugen muss. Iran-Experte Parsi ist sich sicher, dass die USA in der Lage sind, Israel zu stoppen. Der Grund sei offensichtlich, argumentiert er: «Die israelische Kriegsmaschinerie kann ohne die Vereinigten Staaten nicht funktionieren».
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