­
­
­
­

Internationale Rechtsaussen-Prominenz macht Wahlwerbung für Orbán – mit einer prominenten Ausnahme

Die vereinigte Rechte leistet dem Regierungschef Beistand vor der Ungarn-Wahl am 12. April. Diesen hat Viktor Orbán im Wahlkampf auch dringend nötig.
Mit Liebesgrüssen aus Paris: Marine Le Pen wirft sich für Viktor Orbán im Wahlkampfvideo in Pose. (Bild: Robert Hegedus/EPA)
Enge Beziehungen: AfD-Co-Chefin Alice Weidel und Viktor Orbán an einem Treffen im Frühjahr 2025 in Budapest. (Bild: Szilard Koszticsak/AP)
Oppositionsführer Péter Magyar hat sich im Wahlkampf zum ernsthaften Rivalen gemausert. (Bild: Noemi Bruzak/EPA)

Kurz vor den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April erhält Ministerpräsident Viktor Orbán demonstrative Unterstützung von rechtsnationalen und rechtspopulistischen Politikerinnen und Politikern aus ganz Europa – und darüber hinaus. In einem Wahlkampfvideo, das diese Woche veröffentlicht wurde, sprechen unter anderem AfD-Co-Chefin Alice Weidel, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, Frankreichs Rechtsextremistin Marine Le Pen, FPÖ-Chef Herbert Kickl und Italiens Vizepremier Matteo Salvini ihren Support aus.

Der Auftritt der internationalen Verbündeten unterstreicht die symbolische Bedeutung der ungarischen Wahlen für die globale Rechtsaussen-Bewegung – gerade zu einem Zeitpunkt, in dem Orbán innenpolitisch unter Druck steht. Umfragen zufolge liegt seine Fidesz-Partei erstmals hinter der oppositionellen Tisza-Partei von Péter Magyar, einem ehemaligen Fidesz-Insider. Viele Wählerinnen und Wähler sorgen sich über wirtschaftliche Stagnation, steigende Lebenshaltungskosten und den Zustand der öffentlichen Dienste.

Im Video sagt AfD-Co-Chefin Alice Weidel: «Europa braucht Viktor Orbán.» Marine Le Pen erklärt, «dank Führern wie Viktor Orbán» verzeichne das Lager der «Patrioten und Verteidiger der Nationen und souveränen Völker» in Europa immer grössere Erfolge. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni betont Gemeinsamkeiten mit Orbán und wirbt für «ein Europa, das die nationale Souveränität respektiert und stolz auf seine kulturellen und religiösen Wurzeln ist».

Enge Beziehungen: AfD-Co-Chefin Alice Weidel und Viktor Orbán an einem Treffen im Frühjahr 2025 in Budapest. (Bild: Szilard Koszticsak/AP)

Während Magyars Kampagne stark auf innenpolitische Themen setzt, versucht Orbán, seine internationalen Kontakte als Stärke zu präsentieren. Politikwissenschaftler Márton Bene vom TK-Institut für politische Wissenschaften in Budapest sagt zum britischen «Guardian», dies sei ein klarer Vorteil seinem Herausforderer gegenüber: etwas, «das sein Gegner als politischer Neuling schlicht nicht hat».

Netanjahus Auftritt sorgt in Israel für Ärger

Das Video greift auch Orbáns umstrittene Haltung zum Ukrainekrieg auf. Weidel lobt ihn dafür, dass er «für Frieden in der Ukraine kämpft», während Salvini erklärt: «Wenn du Frieden willst, wähle Fidesz.» Kritiker werfen Orbán seit Langem vor, als EU-Regierungschef dem Kreml besonders nahezustehen und eine geschlossene europäische Unterstützung für die Ukraine zu blockieren.

Neben Rechtsaussen-Politikern aus der EU treten auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, Argentiniens Präsident Javier Milei und Israels Premier Benjamin Netanjahu auf. Vucic ist dabei der Einzige, der statt in seiner Landessprache auf Englisch redet. Netanjahu sagt im Video, «Sicherheit kann nicht als selbstverständlich betrachtet werden, sie muss erkämpft werden». Der Israeli beschreibt Orbán als Politiker mit den nötigen Qualitäten, sein Land zu schützen. Netanjahus Auftritt erfolgt trotz des offiziellen israelischen Boykotts von Parteien wie AfD und FPÖ, die in Israel unter Antisemitismus-Verdacht stehen. Dies stösst unter anderem der Netanjahu-kritischen Tageszeitung «Haaretz» sauer auf.

Andererseits fällt ein prominenter Abwesender im Video auf: Aus den USA fehlt ein offizieller Auftritt. Allerdings sandte Donald Trump Orbán bereits im Dezember einen Brief mit guten Wünschen für den Wahlkampf. Darin lobte der US-Präsident dessen Einsatz für «Glauben, Familie und Souveränität».

Beobachter sehen in der Wahl vom 12. April eine Weichenstellung über Ungarn hinaus. Orbáns Abwahl würde für die internationale Rechte den Verlust einer Vorreiterfigur bedeuten. Das linksliberale Europa und insbesondere Ukraine-Unterstützer erhoffen sich dagegen von einem Sieg Magyars mehr Geschlossenheit innerhalb der EU.

Oppositionsführer Péter Magyar hat sich im Wahlkampf zum ernsthaften Rivalen gemausert. (Bild: Noemi Bruzak/EPA)

Wie berechtigt solche Hoffnungen sind, ist eine ganz andere Frage. Im Wahlkampf gibt sich der 44-jährige Anwalt und Ex-Diplomat trotz Fidesz-Vergangenheit als Zentrist, mit starker Ausrichtung auf innenpolitische Themen wie Korruptionsbekämpfung, Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Reform des Erziehungssystems. In aktuellen Wahlumfragen führt seine oppositionelle Tisza-Partei mit 45,2 Prozentpunkten vor Orbáns Fidesz mit 42,0 Prozent.

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Abo

«Wenn wir das nicht machen, stehen wir auf der Speisekarte»: Sicherheitsexperte Peter Neumann über Trumps gefährliches Spiel

Die Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro markiert den Bruch mit der alten, regelbasierten Ordnung, sagt der Politologe. Er erklärt, welches Land als Nächstes ins Visier geraten könnte und was Europa und die Schweiz jetzt tun sollten.
10.01.2026
Abo

Marine Le Pen erneut vor Gericht – mit Schützenhilfe aus Washington

In Paris beginnt der Berufungsprozess der Präsidentschaftskandidatin und Parteigründerin. Donald Trump hilft aus – oder schadet er ihr mehr, als er ihr nützt?
12.01.2026
Abo

US-Festspiele in den Schweizer Alpen: Diese Prominenten kommen ans WEF der Rekorde

Donald Trump mit Entourage, dazu der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski und 64 Staatschefs aus aller Welt: Jetzt ist offiziell bekannt, wer nächste Woche in Davos besuchen wird.
13.01.2026

Wettbewerb

1x 2 Tickets für die «Ukulele Orchestra of Great ...
Ukulele Orchestra of Great Britain

Umfrage der Woche

Hat das Unglück in Crans-Montana Ihr Sicherheitsgefühl beim Ausgehen beeinflusst?
­
­