Terrorgefahr oder politischer Winkelzug? USA ziehen schwere Bomber aus England ab
Zwölf schwere B-1-Bomber sind binnen weniger Stunden zurück in die USA geflogen: Dieser überraschende Abzug der amerikanischen Luftwaffe vom britischen Stützpunkt RAF Fairford sorgt für Spekulationen. US-Medien führen ihn auf eine akute Terrorgefahr zurück und berufen sich auf Quellen aus Pentagon-Kreisen.
Doch nicht alle Beobachter teilen diese Interpretation. Einige halten es für möglich, dass eine ohnehin geplante Rotation nun als überstürzter Rückzug vor einer iranischen Bedrohung dargestellt wird: möglicherweise auch, um die britische Regierung von Labour-Premier Andy Burnham schlecht aussehen zu lassen.
Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump die Freilassung von fünf Terrorverdächtigen kritisiert, die in der Nähe von Fairford festgenommen worden waren. Er sei «überrascht» über die Entscheidung der britischen Behörden, sagte Trump: «Ich hätte das nicht getan. Wie kann man Terroristen auf Kaution freilassen?»
Nach Informationen der «New York Times» reagierte das Pentagon auf neue Erkenntnisse über einen möglicherweise vom Iran unterstützten Anschlag. Die Lage sei derart dringlich gewesen, dass einzelne Bomber bereits starteten, während die für den Atlantikflug benötigten Tankflugzeuge noch vorbereitet wurden.
Die Warnungen seien zwar seit rund drei Wochen bekannt gewesen, hätten sich aber innerhalb von 24 Stunden konkretisiert.
Ende September waren fünf Männer nahe Fairford nordwestlich von London festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, einen Terroranschlag vorbereitet zu haben. Später wurde ein sechster Mann mit britisch-iranischer Doppelbürgerschaft festgenommen. Alle sechs kamen unter Auflagen wieder frei.
Die britische Regierung bestätigte Hinweise auf eine mögliche Verbindung zum Iran, Teheran weist eine Beteiligung zurück.
Von Flucht vor Terror bis zu Erschöpfungspause
Doch die Erklärung mit der akuten Terrorgefahr ist nicht unumstritten. Shashank Joshi, Verteidigungsexperte des britischen «Economist», verweist auf zwei konkurrierende Deutungen: Die eine sei der von der «New York Times» vermittelte Eindruck eines überstürzten Rückzugs.
Nach der anderen handle es sich zumindest teilweise um eine reguläre Bomberrotation, die nun entsprechend dargestellt werde. Dafür könnte sprechen, dass der Betrieb der US-Luftwaffe auf anderen britischen Basen offenbar nicht beeinträchtigt ist.
US-Aussenminister Marco Rubio bestätigte am Montag gegenüber Journalisten die Terrorwarnung, sprach aber auch von einem «nicht unbedingt direkt daran geknüpften» Rotationsplan.
Die US-Air-Force-Veteranin, Oberstleutnant und Sicherheitsexpertin Karen Kwiatkowski hat für den Abzug eine noch einfachere Erklärung: Dem US-Militär sei vom Iran «schwer zugesetzt worden». Die Rückverlegung der schweren Bomber in ihre Heimatbasen bedeute die «Akzeptanz der Realität» durch die Trump-Regierung.
Die Dimension des Einsatzes war jedenfalls beträchtlich. Nach Angaben des auf Militärflugbewegungen spezialisierten Accounts «DefenceGeek» wurden seit März insgesamt 29 B-1- und B-52-Bomber nach Fairford verlegt. Beobachter registrierten 64 Kampfeinsätze und mehr als 190 Trainingsflüge. Die englische Basis spielte damit eine wichtige Rolle für die amerikanischen Operationen im Iran-Krieg.
Eine Folge hat das abrupte Ende bereits: Im Land des Verbündeten fragt man sich, wie sicher die britischen Bomberbasen noch sind. Rechtspolitiker Henry Bolton spricht von einem «Weckruf zum richtigen Moment». Es müsse jetzt dringend mehr in den Schutz der Stützpunkte investiert werden. Der frühere britische Nationale Sicherheitsberater Peter Ricketts entgegnet im BBC-Interview, dass eine umfassende Überwachung «enorm teuer und nicht kurzfristig umzusetzen» sei.
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