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«Wie eine offene Wunde»: Schweizerin beschuldigt Trump der «brutalen» Vergewaltigung

Die US-Demokraten greifen kurz vor den Kongresswahlen die Anschuldigungen einer ehemaligen Miss-Schweiz-Teilnehmerin auf. Ein mächtiger Abgeordneter fordert strafrechtliche Ermittlungen.
Donald Trump und Jeffrey Epstein waren jahrelang eng befreundet. Hier feiern sie zusammen im Jahr 1992 in Trumps Anwesen Mar-a-Lago. (Bild: Screenshot: NBC)

Er ist seit sieben Jahren tot. Jeffrey Epstein spielt im amerikanischen Wahlkampf aber immer noch eine wichtige Rolle. Die Demokraten nutzen die frühere Freundschaft zwischen dem 2019 verstorbenen Sexualstraftäter und dem heutigen Präsidenten, um die republikanischen Verbündeten von Donald Trump zu attackieren.

Nun werden in einem neuen Untersuchungsbericht, der am Montag vom demokratischen Abgeordneten Jamie Raskin veröffentlicht wurde, schwere Vorwürfe gegen Trump erhoben. Und im Zentrum dieser Anschuldigungen steht eine Schweizerin.

«Ich bin Jeffrey, Dons bester Freund»

Béatrice Keul reiste im November 1993 an die amerikanische Ostküste, wo sie am «Donald J. Trump American Dream Pageant» teilnahm, einem Anlass für Mannequins. Die Vize-Miss-Schweiz des Jahres 1992 war damals 24 Jahre alt. Während einer Presseveranstaltung im Plaza-Hotel in New York traf die Bankangestellte auch den selbst ernannten Immobilienkönig – der gute Kontakte in die damals populäre Modelszene besass. Auch Epstein, damals noch nicht vorbestraft, war im «Plaza». Er soll sich Keul mit den Worten «Ich bin Jeffrey, Dons bester Freund» vorgestellt haben.

Sowohl Trump als auch Epstein hätten ihr versprochen, dass sie in den USA Karriere machen könne. Zudem stellte der 47-jährige Trump der Schweizerin in Aussicht, einen Studienplatz an der New York University zu arrangieren. Deshalb entschied die Bielerin sich, gleichentags der Aufforderung eines Trump-Vertrauten zu folgen und den Baulöwen in einer «Plaza»-Suite persönlich zu treffen.

Kaum aber habe sie das Hotelzimmer betreten, sei sie von Trump von hinten gepackt und vergewaltigt worden, sagt die Schweizerin. Dabei habe er ihr Kleid zerrissen und sie an mehreren Stellen verletzt. «Keul beschrieb ihre Vergewaltigung als ‹brutal›», ist im Bericht der Demokraten nachzulesen.

Trump habe ihr nach dem Übergriff erneut versprochen, sich um sie zu kümmern. «The show must go on», habe er ihr in der Hotelsuite gesagt, erinnert sich Keul. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz sei sie dann auch tatsächlich von ihm telefonisch kontaktiert worden. Sie habe aber seine Angebote abgelehnt.

Kreul trat kürzlich in einem SRF-Podcast auf

Keul hatte im Herbst 2024, in der Schlussphase des Rennens um das Weisse Haus, erstmals öffentlich über ihr Zusammentreffen mit Trump gesprochen. Nach der Publikation eines Artikels in einer britischen Boulevardzeitung sprach sie auch mit dem «Blick» und Lokalmedien in Biel.

Vor zwei Jahren allerdings beschrieb sie den Vorfall mit Trump in der «Plaza»-Suite anders. Sie meinte, dass ihre Körpergrösse – Keul ist 1,85 Meter gross – sie wohl gerettet habe. Trump habe sie geküsst und begrapscht und versucht, ihr Kleid hochzuziehen, sagte sie. Sie sei ruhig geblieben und habe ihn dazu gebracht, sich ebenfalls zu beruhigen. «So hat er wohl gemerkt, dass ich wirklich nicht wollte.»

2025 sagte Keul der «New York Times»: Sie halte einige Einzelheiten zu Geschehnissen zurück, da sie anonymen Drohungen ausgesetzt gewesen sei.

In einer Podcast-Serie von SRF, die kürzlich unter dem Titel «Epsteins Netz – bis in die Schweiz» veröffentlicht wurde, äusserte sich die Mittfünfzigerin ebenfalls ausführlich über den Vorfall im November 1993. SRF schrieb in diesem Zusammenhang von einem brutalen sexuellen Übergriff. Der Begriff Vergewaltigung fiel aber nicht. Keul erzählte der Moderatorin Vanessa Ledergerber, dass sie sich lautstark gegen Trump gewehrt habe. Dann brach sie im SRF-Podcast in Tränen aus und sagte: «Es ist wie eine offene Wunde.»

Im nun veröffentlichten Bericht des Abgeordneten Jamie Raskin gehen seine Mitarbeiter auf frühere Aussagen der Schweizerin ein. In einer Fussnote heisst es: «Keul hat sich öffentlich zu diesem Vorfall geäussert, bislang jedoch keine weiteren Einzelheiten zu dem gegen sie verübten Übergriff preisgegeben, die in diesem Bericht enthalten sind. Stattdessen hatte sie zuvor erklärt, sie habe Trump ‹zur Vernunft› gebracht, als er versuchte, sie zu vergewaltigen. Dieser Abschnitt stützt sich ausschliesslich auf ausführliche Gespräche, die Mitarbeiter des Ausschusses über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit Keul geführt haben.»

Demokraten wollen einen Sonderermittler

Der Abgeordnete Raskin, der im kommenden Jahr nach einem Wahlsieg seiner Partei den Vorsitz des Justizausschusses übernehmen könnte, listet in dem Bericht die Vorwürfe von insgesamt elf Frauen gegen Trump und teils auch Epstein auf. Zwei dieser mutmasslichen Opfer waren zum Zeitpunkt der Übergriffe minderjährig.

Weil die Bundespolizei FBI und das Justizministerium befangen seien, fordert er die Berufung eines Sonderermittlers. Diese politisch unabhängige Person solle nicht nur die Vorwürfe gegen Trump untersuchen, sondern auch jene gegen sämtliche Personen in Epsteins Umfeld.

Das Weisse Haus reagierte scharf auf die neuen Anschuldigungen gegen den Präsidenten. In einer Stellungnahme sagte eine Sprecherin Trumps: «Dieser ‹Bericht› ist nichts weiter als ein verzweifelter Versuch durchgedrehter Demokraten, die Amerikaner von der wachsenden Dynamik der Republikaner abzulenken, die durch die historischen Errungenschaften von Präsident Trump angetrieben wird.»

 
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